Im Wald von Grenzach-Wyhlen (Acer opalus, Buxus, Sorbus torm./aria u.a.)

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Im Wald von Grenzach-Wyhlen (Acer opalus, Buxus, Sorbus torm./aria u.a.)

Beitrag von bee » 22 Mär 2011, 19:18

Hallo Baumfreunde,

Edit Mai 2013:
zur besseren Übersichtlichkeit habe ich ein Inhaltsverzeichnis erstellt.

Inhaltsverzeichnis zum Wald in Grenzach-Wyhlen

dieser Thread bezieht sich auf folgende Beiträge:
viewtopic.php?t=8284&highlight=acer%20opalus
viewtopic.php?t=7489&highlight=grenzach

edit: auch an dieses Früchterätsel von Karola hatte ich einen Buxus-Bericht aus Grenzach-Wyhlen angehängt:
viewtopic.php?p=53206

Während meines Beitrags kommt es zu ein paar Fragen (keine Rätsel!) für Blattbestimmungsprofis und Schmetterlingskundige – bitte beachten!
Wegen der Übersichtlichkeit teile ich den Bericht in mehrere Beiträge auf.

Ich hatte noch mal ein Foto vom Acer opalus in Grenzach-Wyhlen gemacht (vom Parkplatz des Schulzentrums) (gw01).
Dabei ahnt man, dass es sich um mindestens 2 Bäume handelt, die sich direkt oberhalb von etwas „Nadelbaumigem“mit leicht rötlichem Stamm (das hat sich als Pinus sylvestris entpuppt) befinden.

Der Wald sieht zur Zeit noch recht übersichtlich aus, deshalb meinte ich, es könnte nicht so schwer sein, die Bäume (als einzige mit leicht grünlichem Schimmer) zu finden. Und tatsächlich gibt es mehr Wege dort, als ich in Erinnerung hatte, sie sind ausgeschildert – aber teilweise recht schmal – gut nur bei trockenem Wetter zu begehen - und man sollte einigermaßen trittsicher sein.

Wegbeschreibung
Von unten:
Ortsteil Wyhlen, Ecke Ziegelhofstr. Schneckenbergweg (Parkmöglichkeiten)
der Ausschilderung „Am Rötelstein“ folgen, bei einer Gabel sich rechts halten (Richtung „Schöne Aussicht“). Der Weg geht im Zick-Zack bergauf – alle Wege mit roter Raute. (gw02, gw03)
Man gelangt zu einer Lichtung: rechts sind Felsen zu sehen (Norden), links eine südliche Begrenzung des Platzes. Die Bäume befinden sich genau dahinter, leicht unterhalb.
(gw04-gw10). Wenn man sich außen rechts vorbei durch den kahlen Buchs kämpft, kommt man relativ nahe heran, aber eben nicht ganz. Deutlich erkennt man den Nadelbaum unterhalb.

Von oben:
Ortsteil Neufeld o.a. Wanderparkplatz, von da aus auf den „Altschöneaussichtweg“ (eine Art Waldautobahn, breit und geschottert). Dort wo dieser Weg ein gutes Stück parallel zum Abhang verläuft (das ist die Aussicht), biegt an einer Stelle ein kleiner Pfad steil nach unten ab (ebenfalls rote Raute). Dieser trifft etwas unterhalb auf einen parallel am Hang verlaufenden Pfad („schöne Aussicht“). Dort links halten und man kommt auch zu der Lichtung.
Dateianhänge
gw10_Acer opalus_oberhalb von Pinus sylvestris (Zoom).jpg
gw10_Acer opalus_oberhalb von Pinus sylvestris (Zoom).jpg (157.89 KiB) 14080 mal betrachtet
gw09_Acer opalus_Ausstrieb (Zoom).jpg
gw09_Acer opalus_Ausstrieb (Zoom).jpg (186.38 KiB) 14080 mal betrachtet
gw08_Acer opalus Austrieb.jpg
gw08_Acer opalus Austrieb.jpg (223.29 KiB) 14080 mal betrachtet
gw07_Acer opalus 2 Stämme_Unterhalb der südlichen Begrenzung des Platzes.jpg
gw07_Acer opalus 2 Stämme_Unterhalb der südlichen Begrenzung des Platzes.jpg (216.81 KiB) 14080 mal betrachtet
gw06_Waldplatz_Südliche Begrenzung.jpg
gw06_Waldplatz_Südliche Begrenzung.jpg (149.77 KiB) 14080 mal betrachtet
gw05_Waldplatz_Grillreste_kahler Buxus.jpg
gw05_Waldplatz_Grillreste_kahler Buxus.jpg (231.81 KiB) 14080 mal betrachtet
gw04_Waldplatz_Felsen Im Norden.jpg
gw04_Waldplatz_Felsen Im Norden.jpg (216.33 KiB) 14080 mal betrachtet
gw03_Wegweiser im Wald_Richtung Schöne Aussicht_rechts.jpg
gw03_Wegweiser im Wald_Richtung Schöne Aussicht_rechts.jpg (226.75 KiB) 14080 mal betrachtet
gw02_Wegweiser_Richtung Rötelstein.jpg
gw02_Wegweiser_Richtung Rötelstein.jpg (152.43 KiB) 14080 mal betrachtet
gw01_Acer opalus_oberhalb von Pinus sylvestris.jpg
gw01_Acer opalus_oberhalb von Pinus sylvestris.jpg (146.45 KiB) 14080 mal betrachtet
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Beitrag von bee » 22 Mär 2011, 19:19

Bestimmungsfrage:

Bei meiner Suche (erst war ich an den Bäumen vorbeigelaufen, weil ich sie weiter oberhalb vermutete) hatte ich schon ein paar „komische“ Ahornblätter gesehen (gw11).
Rechts ist wohl Acer campestre (im Wald??), das obere sieht so aus wie das von Jan (JDL) bei Henriettes Herbal, ein weiteres nicht fotografiertes eher so wie in den Baumlisten (war zerbröselt), aber was ist das linke Blatt??
Dateianhänge
gw11_Frage_Acer spec. (links)_Acer opalus (oben)_Acer campestre (rechts).jpg
gw11_Frage_Acer spec. (links)_Acer opalus (oben)_Acer campestre (rechts).jpg (100.95 KiB) 14079 mal betrachtet
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Beitrag von bee » 22 Mär 2011, 19:23

Noch ein paar Eindrücke aus dieser Waldregion, alles am Steilhang und recht sonnig und trocken.
Wilde Eiben gibt es da (gw12, gw13), es blühte Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis (gw14) , vereinzelt Veilchen (Viola spec.) (vermutlich Wald-Veilchen – immer fehlen mir ein paar Bestimmungsmerkmale) (gw15) und nur vereinzelt Buschwindröschen (Anemone nemorosa) (gw16).
Am Altschöneaussichtweg befanden sich sehr große Buchsbäume, teilweise nicht ganz so kahl, vereinzelt mir frischem Austrieb. (gw17)
Dateianhänge
gw17_Buxus sempervirens_Nicht ganz kahl (Am Altschöneaussichtweg).jpg
gw17_Buxus sempervirens_Nicht ganz kahl (Am Altschöneaussichtweg).jpg (250.86 KiB) 14078 mal betrachtet
gw16_Anemone nemorosa_Buschwindröschen.jpg
gw16_Anemone nemorosa_Buschwindröschen.jpg (191.36 KiB) 14078 mal betrachtet
gw15_Mercurialis perennis_Wald-Bingelkraut.jpg
gw15_Mercurialis perennis_Wald-Bingelkraut.jpg (180.41 KiB) 14078 mal betrachtet
gw14_Viola spec. (cf. reichenbachiana) Wald- oder Bastard-Waldveilchen.jpg
gw14_Viola spec. (cf. reichenbachiana) Wald- oder Bastard-Waldveilchen.jpg (60.43 KiB) 14078 mal betrachtet
gw13_Taxus baccata_Eibe.jpg
gw13_Taxus baccata_Eibe.jpg (144.75 KiB) 14078 mal betrachtet
gw12_Taxus baccata_Eibe (wild).jpg
gw12_Taxus baccata_Eibe (wild).jpg (229.13 KiB) 14078 mal betrachtet
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Beitrag von bee » 22 Mär 2011, 19:27

Bestimmungsfrage:
Doch was ist das? Feines Gespinst an/ in gerollten Blättern, da drin eine Miniraupe.
Sieht so aus wie die Raupe vom Buchsbaumzünsler – aber extrem klein. Hat sie nicht genug gefuttert? Und sehe ich das richtig, will sie sich schon verpuppen??
So früh im Jahr schon im „Vorpuppenstadium“? Oder kann ich das Tier verwechselt haben (Füße vorne welche, dann Lücke, dann hinten noch mehr Füße) (gw18-gw20)

Zum ersten Mal habe ich dort auch Blätter der Elsbeere (Sorbus torminalis) wild entdeckt (gw21).
Es muss einige Bäume geben – nur einen habe ich gesehen mit Knospen wie gw22.

Es sollen auch Flaumeichen (Quercus pubescens) vorhanden sein. Bisher habe ich keine gesehen (am Waldrand und nahe der „Waldautobahn“), dort überwiegend Quercus robur, ganz vereinzelt Quercus petraea und auch von einem Pflanzversuch her findet man auch Quercus rubra.

Bestimmungsfrage:
Kann jemand auf den Bildern gw 23-24 Quercus pubescens entdecken?
Behaarung war natürlich nicht mehr erkennbar. gw23 linkes Blatt ca. 14 cm. rechtes Blatt ca. 10 cm lang.
Dateianhänge
gw24_Frage_Quercus robur_Quercus petraea.jpg
gw24_Frage_Quercus robur_Quercus petraea.jpg (87.53 KiB) 14076 mal betrachtet
gw23_Frage_Quercus robur_Quercus pubescens.jpg
gw23_Frage_Quercus robur_Quercus pubescens.jpg (87.72 KiB) 14076 mal betrachtet
gw22_Sorbus torminalis (angepflanzte Elsbeere)_Knospen.jpg
gw22_Sorbus torminalis (angepflanzte Elsbeere)_Knospen.jpg (84.69 KiB) 14076 mal betrachtet
gw21_Sorbus torminalis_Elsbeere_Alte Blätter.jpg
gw21_Sorbus torminalis_Elsbeere_Alte Blätter.jpg (97.35 KiB) 14076 mal betrachtet
gw20_Cydalima perspectalis_Raupe_Aus Gespinst geholt.jpg
gw20_Cydalima perspectalis_Raupe_Aus Gespinst geholt.jpg (73.92 KiB) 14076 mal betrachtet
gw19_Cydalima perspectalis_Raupe_Aus Gespinst geholt.jpg
gw19_Cydalima perspectalis_Raupe_Aus Gespinst geholt.jpg (57.67 KiB) 14076 mal betrachtet
gw18_Cydalima perspectalis_Buchsbaumzünsler Vorpuppe.jpg
edit: also keine Vorpuppe, sondern eine junge Raupe, die sich typischerweise in Gespinst und Blätter einrollt.
gw18_Cydalima perspectalis_Buchsbaumzünsler Vorpuppe.jpg (96.08 KiB) 14076 mal betrachtet
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Beitrag von bee » 22 Mär 2011, 19:32

Da sich am Steilhang die Natur noch so wenig grün zeigte, habe ich noch ein feuchtes Bachtal besucht (Ruschbachtal).

Der Weg ist bei Nässe nicht begehbar (Warnschild!) In der letzten Zeit sind dort viele Stege gebaut worden, die die Sicherheit erhöhen, trotzdem gibt es noch Wegstrecken mit seitlicher Neigung in Richtung Bach. Nach 20 Minuten habe ich auch vor einem schlammigen Stück Weg kapituliert.

Trotzdem ein paar frühlingshafte Eindrücke – von „Nicht-Bäumen“:
viel Aronstab (Arum maculatum) gw 25 und Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium) gw26, auch der wintergrüne gelappte Schildfarn (Polystichum aculeatum) gw27 ist zu finden, viele Waldprimeln (Primula elatior) gw28, das allererste Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) gw29 und dunkles Lungenkraut (Pulmonaria obscura) gw30 und hier gab es massenhaft Buschwindröschen.

Diese Felder von unverzweigtem wintergrünen Schachtelhalm (gw31) waren mir neu. Wahrscheinlich handelt es sich um Equisetum hymenale, Winterschachtelhalm. Es soll aber auch Bastarde mit ähnlichen Arten geben. Typisch für die Gegend ist auch der Riesenschachtelhalm Equisetum telmateja, der treibt aber erst ca. Mitte April neu aus.
Und so sieht der Weg mit den neuen Stegen manchmal aus (gw32).
Dateianhänge
gw32_Ruschbachtal_Weganlage (Teilstrecke).jpg
gw32_Ruschbachtal_Weganlage (Teilstrecke).jpg (186.65 KiB) 14075 mal betrachtet
gw31_Equisetum cf. hyemale_Winterschachtelhalm (wintergrün) oder Bastard.jpg
gw31_Equisetum cf. hyemale_Winterschachtelhalm (wintergrün) oder Bastard.jpg (232.7 KiB) 14075 mal betrachtet
gw30_Pulmonaria obscura (off. subspec. obscura)_Dunkles Lungenkraut.jpg
gw30_Pulmonaria obscura (off. subspec. obscura)_Dunkles Lungenkraut.jpg (108.85 KiB) 14075 mal betrachtet
gw29_Ranunculus ficaria_Scharbockskraut.jpg
gw29_Ranunculus ficaria_Scharbockskraut.jpg (105.3 KiB) 14075 mal betrachtet
gw28_Primula elatior_Wald-Schlüsselblume.jpg
gw28_Primula elatior_Wald-Schlüsselblume.jpg (179.75 KiB) 14075 mal betrachtet
gw27_Polystichum aculeatum_Gelappter Schildfarn (wintergrün).jpg
gw27_Polystichum aculeatum_Gelappter Schildfarn (wintergrün).jpg (198.12 KiB) 14075 mal betrachtet
gw26_Asplenium scolopendrium_Hirschzungenfarn (wintergrün).jpg
gw26_Asplenium scolopendrium_Hirschzungenfarn (wintergrün).jpg (187.84 KiB) 14075 mal betrachtet
gw25_Arum maculatum_Gefleckter Aronstab.jpg
gw25_Arum maculatum_Gefleckter Aronstab.jpg (136.38 KiB) 14075 mal betrachtet
Viele Grüße von bee

wolfachim_roland
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Beitrag von wolfachim_roland » 22 Mär 2011, 20:06

Hallo bee:

Fragen zu Schmetterlingen oder Raupen kann man schnell im Lepiforum klären.
Da gibt es auch jede Menge Bilder zu Deiner - noch jungen - Buchsbaumraupe:
http://www.lepiforum.de/cgi-bin/lepiwik ... rspectalis

Vielen Dank für den hervorragenden Bericht.

Gruss, Wolf
Wolf Roland

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Beitrag von bee » 23 Mär 2011, 17:52

Hallo Wolf,
danke für den Hinweis auf das Lepiforum, da hatte ich schon selbst geschaut.
Ich bin auch ziemlich sicher, dass es sich um eine junge Raupe des Buchsbaumzünsler handelt (auch diese weißliche Kopfmarkierung ist vorhanden.)

Ich hatte mich nur gewundert, dass eine so kleine Raupe sich schon verpuppen will.

Kann noch jemand etwas zu den Ahornblättern und Eichenblättern sagen?
Ich weiß, das ist Uraltlaub. Vielleicht finde ich dieses Jahr im Herbst bessere Blätter.
Viele Grüße von bee

Binsk
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Beitrag von Binsk » 23 Mär 2011, 22:45

Das Rauptier verpuppt sich noch nicht. Wenn sie noch klein sind, sitzen sie oft in solchen Gespinsten.

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Beitrag von bee » 24 Mär 2011, 18:15

Hallo Binsk,
danke für die Info, das war mir noch nicht bekannt. Rauptier - schöne Wortschöpfung!
Viele Grüße von bee

campoverde
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Beitrag von campoverde » 31 Mär 2011, 22:38

bee hat geschrieben:
Rechts ist wohl Acer campestre (im Wald...aber was ist das linke Blatt??


Hallo,
sehr schöner Bericht!

Feld-Ahorn kenn ich häufig aus dem Wald, gerade an so trockeneren Standorten, aus meiner Sicht ein normaler Begleiter der Elsbeere.

Links: würde ich auch Feld-Ahorn nennen, nicht sauber bestimmt, aber plausible Annahme.

"Rauptier" finde ich auch gut, zumal für einen Vegetarier. Oder ist das evt Schweizerisch?

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Beitrag von bee » 10 Apr 2011, 14:42

Inhaltsverzeichnis zum Wald in Grenzach-Wyhlen


Hallo,
inzwischen habe ich mir den Ahorn nochmal angeschaut und auch noch einige Infos im Netz gefunden.

Der Acer opalus dort ist 1934 zum ersten Mal beschrieben worden.
http://bibdigital.rjb.csic.es/ing/Carga ... 67_158.pdf

"Lauterborn, R., Acer Opalus Miller, ein für Deutschland neuer wilder Wald­
baum. Allg. Forst- u. Jagd-Ztg. 1934. H. 8, 2 S.; 1 Abb.
Einen neuen Fundort dieser südlichen Ahornart stellte Verf. auf rechts­
rheinischem Gebiet auf Muschelkalk bei Grenzach (Baden) fest, 8—10 km
von dem bisher nördlichsten Fundort des Basler Jura entfernt. Bartsch (Düren)."

Man ging wohl von einem einzelnen Baum aus.

1984/ 1985 hat ein Herr Vogt aus Grenzach-Wyhlen 4 neue Standorte gefunden. Diese Mitteilung fand Eingang in diverse Fachzeitschriften.

Vogt, B. 1984: Acer opalus Miller: Vier bisher unerkannte Fundorte in Grenzach-Wyhlen. 8 (1), 41-47 in Bauhinia , Zeitschrift der Basler Botanischen Gesellschaft

aus: www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttembe ... _59-60.pdf
"Gefährdete Pflanzen und Tiere in Baden-Württemberg
BERNHARD VOGT
Zur Verbreitung des Frühlingsahorns in der Regio Basiliensis. 4 neue Standorte von Acer opalus bei Wyhlen
Außerhalb des 93 ha umfassenden Naturschutzgebietes Buchswald in den Gewannen Unterberg und Oberberg der ehemaligen Gemeinde Grenzach und Ziegelhof sowie Tannenboden der ehemaligen Gemeinde Wyhlen besitzt die heutige Doppelgemeinde Grenzach-Wyhlen im Gewann Klosterhau eine weitere botanische Rarität. Der im zeitigen Frühjahr blühende und dann von weitem sichtbare Frühlingsahorn unterhalb des Rötelsteinfelsens zwischen Grenzach und Wyhlen, vor genau 50 Jahren, also 1934 entdeckt, ist nicht mehr der einzige wild wachsende Baum einer Art in Deutschland. In Wyhlen stehen im Gemeindewald, Distrikt VI, Klosterhau, im unteren Teil des zum Rührberg führenden Keusbodengrabens, vier weitere Frühlingsahorne. Die ersten beiden
wurden im Frühjahr 1982, der dritte im Herbst 1982 und der vierte im Frühjahr 1983 entdeckt (VOGT 1983a, b). Ob weitere Bäume vorhanden sind, muss offen bleiben. "


Im Juli 2005 hat die Uni Köln eine Exkursion u.a. in das ursprünglich bekannte Gebiet (am Rötelstein) gemacht (mit Artenliste, Quercus pubescens, den ich noch suche, haben die auch nicht verzeichnet.)

Sie sprechen von dem mir bekannten Fundort und haben eine Baumgruppe gefunden, die ausschließlich aus männlichen Ahornen besteht!! Also keine Fortpflanzung dort!
Meine Frage, wie haben die das erkannt - abgeseilt? oder mit Fernglas keine Früchte entdeckt (wahrscheinlicher?).
Wie kommen auf engstem Raum ausschließlich männliche Ahornbäume unterschiedlicher Größe (unterschiedlichen Alters?) vor - vermehren die sich auch durch Wurzelsprosse/ Ausläufer?

http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/bo ... othe-3.htm

"30.07.05 Naturschutzgebiet Buchswald bei Grenzach-Wyhlen

Im Landkreis Lörrach zwischen Grenzach und Wyhlen liegt das aus vier Teilgebieten bestehende, ca. 94 ha umfassende Naturschutzgebiet „Buchswald bei Grenzach“. Den geologischen Untergrund der überwiegend bewaldeten Hänge bilden hauptsächlich Schichten des Oberen Muschelkalks des Dinkelbergmassivs. Vereinzelt ragen Kalkfelsen aus den Südhängen, unter ihnen ist der Rötelstein (auch Rödelstein) der Größte und Bekannteste. In den bewaldeten Bereichen findet man unter dem lockeren Schirm von meist niedrigen Eichen, Buchen und Kiefern eine üppige Strauchschicht, die der immergrüne Buchs (Buxus sempervirens) auf großen Flächen fast allein aufbaut. Ihm verdankt das Schutzgebiet seinen Namen. Der Buchs zählt durch sein flächenhaftes Auftreten zu den floristischen Besonderheiten Süddeutschlands. Er soll hier an der nördlichen und östlichen Grenze seiner natürlichen Verbreitung vorkommen, sofern nicht die Vorkommen an der Mosel oder gar in Südengland (South Downs) natürlich und damit nördlicher sind. Der Hochwald auf den Kuppen und steilen Berghängen hatte tags zuvor jedoch durch einen extrem starken Sturm sehr gelitten. Zahlreiche Baumriesen waren umgerissen (Buchen, Eichen, Kiefern) und manche Wege waren undurchdringlich versperrt.

Acer campestre, Feld-Ahorn

Acer opalus, Italienischer Ahorn, Frühlings-Ahorn (einzige Baumgruppe dieser Art in Deutschland), am Rondel (Feuerstelle) beim Abstieg vom Rötelstein, von dort ca. 10 m rechtsseitig, unterhalb am Abhang. Die Baumgruppe besteht nur aus männlichen Trieben. Der Ahorn kommt in der benachbarten Schweiz (Jura) häufiger vor.

Acer platanoides, Spitzahorn

Acer pseudoplatanus, Bergahorn etc. etc."

Und in einem Pflanzenforum hat der Baum schon mal als Weihnachtsrätsel hergehalten, darin auch neue Informationen:

http://forum.planten.de/index.php/topic,20483.15.html
R 374 - Ende der Einsamkeit

"Bei der gesuchten Pflanze handelte es sich um Acer opalus, den Frühlingsahorn oder auch Schneeballblättrigen Ahorn.
Der rund 22 m hohe Baum am Rötelsteinfelsen bei Grenzach im äußersten Südwesten von Baden-Württemberg galt lange Zeit als das einzige Exemplar dieser Art in Deutschland. Dummerweise war es männlich, darum waren von dieser Pflanze keine Samen zu erwarten (unabhängig von allen Bienen-Aktivitäten).
Erst 1982/83 wurden in der Nähe, bei Wyhlen, 4 weitere Exemplare entdeckt, darunter ein weibliches, von dem aber, wohl wegen Wildverbiss und Beschattung, bis dahin kein Nachwuchs durchgekommen war. 1990 wurden, nachdem entsprechende Schutzmaßnahmen durchgeführt worden waren, 13 Jungpflanzen gefunden.
Die "Einsamkeit" des Baums ist allerdings nur relativ (ich habe ja auch geschrieben "in gewisser Weise" ...). Weiter südlich in einigen Kilometern Entfernung gibt es etliche weitere Pflanzen, die stehen allerdings auf Schweizer Boden.
Das alles habe ich aus der Flora von Baden-Württemberg (Bd. 4, Sebald, Seybold, Philippi, 1992). ... "
Zuletzt geändert von bee am 07 Apr 2019, 19:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von bee » 10 Apr 2011, 14:47

Hier noch ein paar aktuelle - schlechte - Fotos, denn dafür reicht meine Kamera nicht aus, windig war es auch noch.

Ich meine doch leicht zugespitze Blätter zu erkennen und hängende (Rest-)blütenstände (männliche, vermute ich mal).

Das spräche dann für Acer opalus s. str. (und nicht Acer opalus otusatum)?

edit: ich habe 2 schlechte Bilder gelöscht, denn es gibt ein etwas besseres Bild
Dateianhänge
Acer opalus_Blätter_1.jpg
Acer opalus_Blätter_1.jpg (31.01 KiB) 13957 mal betrachtet
Zuletzt geändert von bee am 03 Mai 2011, 19:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von bee » 10 Apr 2011, 14:54

Ansonsten wird es natürlich gerade "heftig grün" dort, nur die Eichen hinken hinterher.
Ahorne unterschiedlicher Art, Linde, Buche etc. - das was man erwartet - aber überraschend viel Sorbus torminalis ("viel" steht auch im Exkursionsbericht der Uni Köln, die fanden auch "mächtige Exemplare" von Eiben), weniger Sorbus aria und Sorbus aucuparia - und auf den Höhen im Waldbestand sehr sehr hohe (geschätzte 20 m und mehr) Prunus avium.

Und die Buchsbaumzünsler-Rauptiere sind auch gewachsen!
Dateianhänge
Prunus avium_hohe Waldbäume.jpg
Prunus avium_hohe Waldbäume.jpg (52.15 KiB) 13955 mal betrachtet
Sorbus aria_Austrieb.jpg
Sorbus aria_Austrieb.jpg (65.89 KiB) 13955 mal betrachtet
Sorbus torminalis_Austrieb_2.jpg
Sorbus torminalis_Austrieb_2.jpg (29.37 KiB) 13955 mal betrachtet
Sorbus torminalis_Austrieb_1.jpg
Sorbus torminalis_Austrieb_1.jpg (65.11 KiB) 13955 mal betrachtet
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Beitrag von bee » 03 Mai 2011, 19:49

Hier noch ein besseres Bild mit größeren Blättern von Acer opalus.
Dateianhänge
Acer opalus_Ende April.jpg
Acer opalus_Ende April.jpg (8.97 KiB) 13873 mal betrachtet
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Beitrag von bee » 03 Mai 2011, 19:57

Hier noch mal ein kleiner Überblick der Gegend.
Bilder von dem "Knüppelwald" mit den nicht ganz echten Flaumeichen (Flaumeichenhybriden).
viewtopic.php?t=8546

Sorbus torminalis hat in der Zwischenzeit auch geblüht.

Zum ersten Mal habe ich das Immenblatt entdeckt (Melittis melissophyllum).

Und auf dem einheimischen Cotoneaster
viewtopic.php?t=8561
sitzen jetzt doch schon die Vorpuppen (edit: es sind schon Puppen) vom Buchsbaumzünsler.

Der Buchsbaum selbst sieht an manchen Stellen nur oberflächlich betrachtet tot aus, besonders "große" Buchsbäume (mit relativ dickem Stamm) treiben auch ganz unten am Stamm aus.
Dateianhänge
Buxus sempervirens_Blattaustrieb am Hauptstamm.jpg
Buxus sempervirens_Blattaustrieb am Hauptstamm.jpg (52.12 KiB) 13869 mal betrachtet
Buchsbaumzünsler_Vorpuppe_Auf Cotoneaster integerrimus.jpg
edit: das ist keine Vorpuppe, sondern schon die Puppe
Buchsbaumzünsler_Vorpuppe_Auf Cotoneaster integerrimus.jpg (29.72 KiB) 13869 mal betrachtet
Melittis melissophyllum_Immenblatt01b.jpg
Melittis melissophyllum_Immenblatt01b.jpg (17.11 KiB) 13869 mal betrachtet
Melittis melissophyllum_Immenblatt01a.jpg
Melittis melissophyllum_Immenblatt01a.jpg (51.13 KiB) 13869 mal betrachtet
Sorbus torminalis_Blüte.jpg
Sorbus torminalis_Blüte.jpg (59.62 KiB) 13869 mal betrachtet
Weg mit Aussicht.jpg
Weg mit Aussicht.jpg (72.67 KiB) 13869 mal betrachtet
Blick nach oben_Flaumeichenhybriden und Sorbus aria (links).jpg
Blick nach oben_Flaumeichenhybriden und Sorbus aria (links).jpg (72.69 KiB) 13869 mal betrachtet
Niedriger Wald mit Flaumeichen-Hybriden01.jpg
Niedriger Wald mit Flaumeichen-Hybriden01.jpg (76.01 KiB) 13869 mal betrachtet
Zuletzt geändert von bee am 06 Mai 2011, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.
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