Leichenlinde bei Dorfhaus, Oberfranken, Register-Nr.: 1744

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Klaus P. Weiss
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Leichenlinde bei Dorfhaus, Oberfranken, Register-Nr.: 1744

Beitrag von Klaus P. Weiss »

Südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern, etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach, steht die "Leichenlinde" (im Volksmund auch "Glaa Lindn" genannt; für Nichtfranken: "kleine Linde"), eine Sommer-Linde, Tilia platyphyllos SCOPOLI, 1772. Breite: 49.620954°, Länge: 11.276018°, Höhe: 508 m (Google Earth) = E11°16.561080', N49°37.257240' (Baumkunde-Format). Stammumfang: 5,34 m, zuletzt von mir gemessen in 1,30 m Höhe am 02.05.2020.

Die Linde war Treffpunkt und Rastplatz, wenn verstorbene evangelische Bürger von Weißenohe und Dorfhaus (in Weißenohe durften ja nur katholische Bürger beerdigt werden und Dorfhaus hatte ja keinen eigenen Friedhof) den steilen Berg hoch zum Friedhof in Kirchrüsselbach gebracht werden mussten - deshalb der Name "Leichenlinde".
Der Name hat übrigens, wie irrtümlich oft angegeben, nichts mit dem Flugzeugabsturz vor fast genau 60 Jahren, am Abend des 28. März 1961 auf einem Feld, ca. 500 südwestlich der Linde zu tun, wobei alle 52 Menschen, die sich in dem Flugzeug befanden, ums Leben kamen.

Die Linde ist Vital; eine Kennzeichnung als Naturdenkmal konnte ich keine finden, auch keinen Eintrag in der Denkmalliste. Etwas östlich der "Leichenlinde" soll eine weitere, noch mächtigere Linde gestanden haben, die "große Linde"; ich habe bis jetzt aber leider keinerlei Reste davon entdecken können.

Aktuell (Stand: 01.02.2021) steht vor der Linde eine Bank, ein Holz-Kruzifix, das bis 2019 am alten Brunnen in Weißenohe stand, und am Baum selbst sind 2 Infotafeln angebracht; um den Baum wurden Blumen angepflanzt und vom Künstler Rudolf G. Meier von der Malschule Rüsselbach 2008 mit einigen Schülern um den Baum aus Lesesteinen von den umliegenden Feldern, Lehm und anderen Materialien ein Kunstobjekt mit Mauern, Türmen und einem Torbogen (Land Art Projekt Leichenlinde) gestaltet, das sich über die Jahre immer wieder verändert hat und dies auch soll.

Viele Grüße,
Klaus


Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim, <br />Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südliche Richtung. <br />Foto vom 05.08.2020
Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim,
Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südliche Richtung.
Foto vom 05.08.2020
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Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, <br />Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. <br />Detail. Blick in südliche Richtung. Foto vom 02.05.2020
Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe,
Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach.
Detail. Blick in südliche Richtung. Foto vom 02.05.2020
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Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südwestliche Richtung. Foto vom 01.02.2021
Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südwestliche Richtung. Foto vom 01.02.2021
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Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südliche Richtung. Foto vom 01.02.2021
Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südliche Richtung. Foto vom 01.02.2021
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Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim, <br />Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südliche Richtung. <br />Foto vom 01.02.2021
Leichenlinde, eine Sommer-Linde südöstlich von Dorfhaus, Gemeinde Weißenohe, Lkrs. Forchheim,
Oberfranken, Bayern. Etwa auf halbem Weg nach Oberrüsselbach. Blick in südliche Richtung.
Foto vom 01.02.2021
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JoachimSt
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Re: Leichenlinde bei Dorfhaus, Oberfranken

Beitrag von JoachimSt »

Hallo Klaus,

die Geschichte lebt mit den Bäumen :D

Diese Linde ist noch ein Stück vom Registermaß 6m entfernt. Wie alt mag sie sein?

Im Kreis Oberfranken haben wir fünf Linden im Register. Eine, die Kreuzkapeller Linde bei Trieb aus Wege zu alten Bäumen, wurde noch nicht besucht und wartet auf eine Klärung. Kennst Du sie oder wäre das was für Dich?

Beim googeln fand ich die Arbeit Bemerkenswerte Linden im fränkischen Raum von Adreas Gomolka, habe aber nicht weiter reingelesen. Ist sie Dir bekannt?

Grüße, Jo
Ein Baum spiegelt das Sein. Er wandelt sich. Verändert stellt er sich selbst wieder her. Und bleibt immer der gleiche. (Indianische Weisheit)

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baumlaeufer
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Re: Leichenlinde bei Dorfhaus, Oberfranken

Beitrag von baumlaeufer »

Klaus P. Weiss hat geschrieben:
29 Mär 2021, 04:52
.....
Der Name hat übrigens, wie irrtümlich oft angegeben, nichts mit dem Flugzeugabsturz vor fast genau 60 Jahren, am Abend des 28. März 1961 auf einem Feld, ca. 500 südwestlich der Linde zu tun, wobei alle 52 Menschen, die sich in dem Flugzeug befanden, ums Leben kamen.

.....
Viele Grüße,
Klaus
Ich hatte heute zwischen den Behandlungsterminen mal ausreichend Zeit , mich mit den geschichtlichen Ereignissen um die " Leichenlinde "zu befassen. Klar, der Baum mit dem Absturz fast nichts zu tun. Fast genau vor 60 Jahren haben 52 Menschen bei einem Flugzeugabsturz dort ihr Leben verloren. Das war mitten im kalten Krieg, die Spekulationen um den Grund des Absturzes sind nie abgebrochen. Schon verrückt, was man sich damals gegenseitig vorgehalten hat, Ost - und Westblock .

Ich bin sofort für einen Eintrag, wenn ich allein bewerte, wie der Ort künstlerisch aufgewertet wird .
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

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Klaus P. Weiss
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Re: Leichenlinde bei Dorfhaus, Oberfranken

Beitrag von Klaus P. Weiss »

Hallo Jo,

danke! Über das Alter der Leichenlinde konnte ich bis jetzt leider nichts herausfinden; bin aber weiter am suchen, schon alleine deshalb, weil ich ja in der näheren Umgebung aufgewachsen bin.

Die von Fröhlich als "Kreuzkapeller Linde" beschriebene Linde steht links neben der Obersdorfer Straße kurz nach dem südöstlichen Ortsende von Trieb, Lkrs. Lichtenfels an einem Steinmarterl (davor auch noch eine Sitzbank und ein fest installierter Papierkorb aus Metall) und sieht recht gerupft aus - Sie wurde sehr stark "Zurechtgestutzt", wie leider auch einige andere in der Gegend, die man so "Kaputtgepflegt" hat. (Es steht eigentlich nur noch der untere Teil des Stammes mit einigen Austrieben).
Was Fröhlich mit "Kreuzkapeller" meinte? Vielleicht "Kreuzkapelle"? - keine Ahnung. Ich werde aber gerne mal einen Abstecher dorthin unternehmen und mir das ansehen (sobald dies die Corona-Pandemie wieder zulässt), bin ja öfter in der Gegend um Lichtenfels unterwegs.

Die Arbeit von Andreas Gomolka über "Bemerkenswerte Linden im fränkischen Raum" habe ich sowohl gedruckter Form als Buch (Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Nr. 99, 2014) und auch als Pdf-Dokument. Sehr schöne Arbeit über einige Linden im fränkischen Raum, erweitert auch auf das angrenzende Gebiet der Oberpfalz (2 Kapellenlinden bei Deinschwang)...

Viele Grüße,
Klaus
Zuletzt geändert von Klaus P. Weiss am 30 Mär 2021, 05:16, insgesamt 3-mal geändert.

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Klaus P. Weiss
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Re: Leichenlinde bei Dorfhaus, Oberfranken

Beitrag von Klaus P. Weiss »

Hallo Wolfgang,

ja, ich wäre auch dafür, sie wegen Deiner hier aufgeführten Bewertung ins Register zu übernehmen.

Zu dem Flugzeugabsturz - ich bin ja ganz in der Nähe geboren und aufgewachsen und kann mich noch sehr gut an das brennende Flugzeug erinnern, das mit lautem Gebrumme tief über unsere Köpfe flog (ich war damals 9½ Jahre alt). Kurz darauf gab es einen lauten Knall und einen Feuerblitz...Die Piloten wollten das Flugzeug wahrscheinlich auf dem Flugplatz Lillinghof notlanden, schafften es aber nicht mehr...
Ja, war wirklich alles ein wenig mysteriös damals, da gab es die wildesten Spekulationen in den Medien, wie ich die letzte Zeit während meiner Recherchen feststellen konnte (damals war ich noch zu Jung, und ein Fernsehgerät hatten wir zu der Zeit ja auch noch nicht)...

Rechts am "Bierweg", ca. 500 m südwestlich der Leichenlinde, ca. 1 km nordöstlich von Oberrüsselbach, Marktgemeinde Igensdorf, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern - Breite: 49.618130°, Länge: 11.181440°, Höhe: 507 m (Google Earth) - steht am Ende einer kleinen Baum-Heckenreihe ein Berg-Ahorn, Acer pseudoplatanus LINNAEUS, 1753 mit einem Stammumfang von 3,53 m, zuletzt von mir gemessen in 1,30 m Höhe am 02.05.2020.
An der Nordwestseite des Stammes wurde von Dipl.-Ing. (FH) Wilhelm Schäfer (01.05.1906 bis 27.08.1989) aus Oberrüsselbach eine in Eigeninitiative gefertigte, zum Gedenken an die 52, am Abend des 28. März 1961 bei einem Flugzeugabsturz auf ein Feld vor dem Baum ums Leben gekommenen Menschen angebracht. Ich hänge mal ein Foto mit an.

Viele Grüße,
Klaus


Berg-Ahorn mit am Stamm angebrachter Gedenktafel am &quot;Bierweg&quot;, ca. 500 m <br />südwestlich der Leichenlinde; ca. 1 km nordöstlich von Oberrüsselbach, Marktgemeinde <br />Igensdorf, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Foto vom 02.05.2020
Berg-Ahorn mit am Stamm angebrachter Gedenktafel am "Bierweg", ca. 500 m
südwestlich der Leichenlinde; ca. 1 km nordöstlich von Oberrüsselbach, Marktgemeinde
Igensdorf, Lkrs. Forchheim, Oberfranken, Bayern. Foto vom 02.05.2020
Oberrüsselbach-0001-02.05-2020-Web-900x600.jpg (282.94 KiB) 39 mal betrachtet

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