Alter Schlehe?

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haselmaus
Beiträge: 5
Registriert: 20 Feb 2016, 18:42

Alter Schlehe?

Beitrag von haselmaus »

Guten Tag, liebe Baumfreunde und -kenner,

wer kann mir sagen, wie alt eine wilde Schlehe (Schwarzdorn) werden kann?
Sie steht bei uns im Garten, geschützt, bekommt Wasser und ist ein wunderschöner Baum, der ggf. einer Garage weichen muss. Geschätztes derzeitiges Alter ca. 20 Jahre. Die mögliche Restlebensdauer spielt bei der Entscheidung, ihn zu opfern, eine Rolle.

In der Literatur liest man immer weider von 40 Jahren, aber die Textpassagen scheinen alle aus derselben Quelle zu stammen. Irgendwo habe ich etwas von 60 Jahren gelesen. Ein Gärtner sagte mir, er hätte auch schon ältere Exemplare gesehen. Übrigens: Standort Südwestdeutschland in ca. 450m Höhe, Ostrand des Schwarzwaldes.

Über Antworten würde ich mich sehr freuen!

Haselmaus

quellfelder
Beiträge: 4432
Registriert: 29 Dez 2010, 16:46
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

der kann gut und gern noch einmal so alt werden. Im besten Fall auch über 80 Jahre. Und wenn alles passt und Du auf ihn acht gibst, dann werden es auch gut 100 Jahre. Vielleicht ist es Dir ja auch möglich, ein paar Bilder einzustellen; da weiß man dann, 1.wovon man spricht und 2.viele Baumkundler können sich erfreuen.

Viele Grüße

quellfelder

AndreasG.
Beiträge: 2760
Registriert: 10 Jun 2007, 14:08
Wohnort: Vogtland

Beitrag von AndreasG. »

Schlehen sind normalerweise keine Bäume, sondern bis zu 5 m (oder etwas mehr) hohe äußerst sparrige Sträucher.
Deshalb einfach mal vergleichen, ob das wirklich eine Schlehe ist (Prunus spinosa) oder nicht viel eher eine Kirschpflaume (Prunus cerasifera).
Ein wichtiger Unterschied, Schlehen haben Dornen, Kirschpflaumen nicht oder nur wenige. Außerdem ist die Rinde bei der Schlehe sehr dunkel, mehr oder weniger schwarz, bei P. cerasifera hell- bis normalbraun.
Die Früchte von P. cerasifera sehen aus wie Mirabellen und sie sind essbar, wenn auch ein wenig fade. Schlehen kann man erst essen, wenn ein starker Frost drüber gegangen ist. Vorher sind sie äußerst astringierend.
Die echte Schlehe wächst eher in die Breite und bedeckt, wenn man sie lässt, große Flächen. Ich kenne Sträucher aus meiner Kindheit, die sich seit dem kaum verändert haben, aber überall hin ihre Ausläufer schicken.
Wenn man diese vielen Ausläufer berücksichtigt, wird so eine Schlehe schon sehr alt, weil sie in jede Richtung vordringt, wenn man ihr keine Grenzen setzt.

Prunus cerasifera hingegen ist ein großer Strauch oder kleiner Baum, der sich nur sehr geringfügig durch Ausläufer vermehrt. Er ist eher schnellebig (für einen Baum) und älter als 100 dürfte er kaum werden, meistens deutlich weniger. Hängt natürlich von den Umweltbedingungen ab.

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Egal ob Schlehe oder Kirschpflaume, ihr solltet folgendes tun:

a) Entweder überlegen, ob die Garage nicht woanders hin kann,

und wenn nicht, dann

b) in ca. 10- 15 m Umkreis alles Erdreich komplett und ca. 50 cm tief mit entfernen, denn

c) Kirschpflaume wie Schlehe (Schlehe schon zu Lebzeiten und bei unverletztem Wurzelwerk) treiben uuuuungeheure Mengen Ausläufer bzw. richtiger gesagt Wurzelbrut, wenn die Wurzeln nur verletzt oder gar die Pflanze gerodet wird.

Eine weise Entscheidung ist hier also angeraten, es sei denn, Ihr habt die Geduld, die aus den Wurzeln sprießende Pracht in jahrelanger Arbeit mit Mäher und Gartenschere niederzukämpfen :).

haselmaus
Beiträge: 5
Registriert: 20 Feb 2016, 18:42

Beitrag von haselmaus »

Wow, ich bin ja geplättet über so viele Antworten innerhalb weniger Stunden!

Also: es ist wirklich eine Schlehe. Da ich noch nicht so recht weiß, wie man hier Fotos einstellt, versprech ich es lieber mal nicht. Sonst könnte ich schon mal ein paar nette Fotos von dem hübschen Bäumchen im Frühjahr liefern.

Das Wuchern ist kein Problem - derzeit hat sie ja auch alle Freiheiten und nutzt sie nicht schamlos aus.

Eure Antworten macht die Entscheidung nicht leichter, denn der Carport kann leider nicht woanders hin, sonst hätte ich die Frage nicht gestellt. Es ist digital: Carprt oder Schlehe. Am Südrand des Grundstücks wuchert noch eine Schlehenhecke, die sich heimlich immer mehr ausdehnt. Aber nichts gegen diesen schönen Baum, der uns übrigens nach dem Frost schon tolle Schlehenliköre etc. beschert hat....

Danke für Eure Antworten!

(und was mach ich nu?)

haselmaus

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

Zitat: Das Wuchern ist kein Problem - derzeit hat sie ja auch alle Freiheiten und nutzt sie nicht schamlos aus.

Das hast Du nicht ganz richtig verstanden. Solange der Baum ungestört wachsen darf, passiert nicht viel. Aber wenn man ihn abschneidet, provoziert das eine Gegenreaktion. Da das Wurzelwerk ziemlich ausgedehnt ist, kommen im Umkreis von mehreren Metern lauter kleine Bäumchen aus dem Boden. Sozusagen der Überlebenskampf. Dieses Phänomen kennt man von einigen Prunus-Arten, aber auch vom Essigbaum (Rhus typhina) oder Aralia spinosa.

Ich konnte das vor einigen Jahren hier beobachten. Mitten auf einem Rasenstück in einer Wohnanlage stand ein Pflaumenbaum, vermutlich eine Zierform. Ich kam gerade vorbei, als man ihn umsäbelte. Ich fragte, was das soll. Die Verwaltung sei der Ansicht, dass die Kosten für das Rasenmähen durch solche Bäume erhöht werden. Ich habe mich darüber amüsiert und denen prophezeiht, dass die Kosten wohl erst mal steigen werden. Im Umkreis von 6 - 7 m kamen viele kleine Bäumchen heraus. Damit der Rasenmäher die schafft, musste öfter gemäht werden als vorher, was aber für den Rasen auch nicht ideal war. Es vergingen nach dem Mähen nur ein paar Tage und die nächsten kamen heraus. Inzwischen lässt es nach, aber etwa 3 Jahre lang war ständiges Mähen und Abschneiden gefragt. Dass Deine Schlehe sich jetzt (noch) friedlich verhält, ist normal. Es gibt keinen Grund für Reaktionen.

Die Hecke dagegen wird wohl ab und zu geschnitten? Das würde das Wuchern erklären. Man müsste den Baum komplett ausgraben und alle Wurzeln entfernen. Danach sieht es schlimm aus. Der reinste Sturzacker. Dort wo der Carport geplant ist, sollte man dafür sorgen, dass die Wurzeln nichts mehr anrichten können.

Gruß Frank

Spinnich
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Schlehbusch, Schlehbaum ???

Beitrag von Spinnich »

Hallo

Die Angaben zu Schlehenbaum (nicht Busch) sollte man nicht abtun.
Zum einen gibt es ja Unterarten der Schlehe, eventuell auch Hybriden, die eher baumförmig wachsen, größere weniger adstringierende Früchte und weniger Dornen tragen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlehdorn
Aber auch die normalen Schlehbüsche können in fruchtbarem Gartenboden durch frühzeitigen Erziehungsschnitt mitunder zu baumförmigem Wuchs erzogen werden.
...kann aber im Garten auch sehr gut als Baum erzogen werden
Weiterhin gibt es auch Schlehenbäumchen die auf Unterlage veredelt sind:
...Auf Pflaume veredelt. Wächst nicht strauchartig, sondern zu einem kleinen, etwa 3 m hohen und breiten Baum heran.
Auf dem Gehöft meines Urgroßonkels wuchs auch eine Schlehe als Baum, reichtragend und sehr große Früchte, allerdings durchaus recht dornig.
Ein Sämling aus einer dieser Früchte, also keine Veredelung auf Unterlage war bei uns im Garten (der Eltern) auch sehr rasch- und hoch- wüchsig und sehr fruchtbar, zugleich recht dornig. Aus Platzgründen wurde das Stämchen immer wieder stark beschniten, sonst wäre der "Strauch"ganz sicher innerhalb weniger Jahre zu einem ordentlichen Bäumchen herangewachsen.

Gruß Spinnich :roll:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

haselmaus
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Beitrag von haselmaus »

Hallo liebe Schlehenfreunde,

nun versuche ich mal, 2 Fotos des Schlehenbäumchens einzufügen.

Um hoffentlich noch etwas Klarheit zu diese Schlehe reinzubringen: es handelt sich um eine wild gewachsene, also nicht gekauft und auch nicht eingepflanzt, irgendwann war sie einfach da.

Und die wuchernde Hecke wurde auch nie beschnitten sondern "wurschtelt" einfach so vor sich hin, jahrelang unentdeckt, bis sie uns vor wenigen Jahren mit einer herrlichen Blütenpracht beglückte und wir seit dem wissen, dass wir da noch weitere Schlehen haben, die sich auch ausbreiten dürfen.

VG
haselmaus

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

klappt wohl nicht mit den Fotos?

Hier ist eine Anleitung:

viewtopic.php?t=14610


Gruß Frank

Ogrodnik
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Beitrag von Ogrodnik »

Eine Schlehe kann unter günstigen Bedingungen mehrere Hundert Jahre alt werden - aber nicht die Einzelstämmchen, sondern die Pflanze als Individuum - da sich die Schlehe klonal ausbreitet. Man kann dies schön zur Blüte der Schlehe beobachten: einzelne Individuen blühen zu unterschiedlichen Zeiten (und mit unterschiedlichen Weiß-Tönen), gut sichtbar in ausgedehnten Schlehenbeständen. Ein Individuum kann eine Fläche von 100 m2 und mehr einnehmen.
Es gibt auch auf Pflaumenunterlagen veredelte Schlehen, die einstämmig wachsend 60-80 Jahre alt werden können, aber solche Selektionen großfrüchtiger Schlehen sieht man sehr selten.

Bei dem hier angefragten Beispiel handelt es sich wohl aber nicht um eine Schlehe, wie schon vermutet wurde.

LG,
Ogrodnik

Saruman
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Registriert: 13 Dez 2016, 17:42
Wohnort: Mittelerde

Beitrag von Saruman »

Was heißt sich klonal ausbilden? Wenn man Stecklinge schneidet?

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