Eiche in Schlimpfhof, Register-Nr.: 1438

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Rainer Lippert
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Eiche in Schlimpfhof, Register-Nr.: 1438

Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo,

die Eiche in Schlimpfhof ist in der Literatur unbekannt. Auch ist sie nicht als Naturdenkmal erfasst. Dennoch kann sie mit einem gewaltigen Stamm aufwarten. Im April 2014 hat der BHU 7,47 m und die Höhe 14 m betragen. Vor vielen Jahren soll beim Bau des Feuerwehrhauses, welches direkt daneben steht, Beschädigungen im Wurzelbereich stattgefunden haben. Die Eiche hat nur noch einen Hauptast.

Wie alt mag wohl diese Eiche sein? Die Umfangsmessungen gestalten sich wegen dem Efeu recht schwierig. Dennoch hat sie in den letzten 12 Jahren nur zögerlich von 7,17 m auf 7,28 m in der Taille zugenommen. Weniger als 1 cm pro Jahr also.

Viele Grüße,

Rainer
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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

unter 400 Jahre, schätzt Baumlaeufer.
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TomE
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Beitrag von TomE »

Hallo Rainer,
ist dir bekannt wie lange sie schon diese stark reduzierte Krone hat? Davor ist sie sicher deutlich schneller gewachsen, daher wird sie wohl wirklich nicht sooo alt sein. Schließe mich einfach mal den <400Jahre an. 8)

Gruß
Tom

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Warum schätzt Ihr die Alter eigentlich immer so gering wie irgendwie möglich?

Klaro finde ich es auch peinlich, dass jede dritte dicke Eiche Deutschlands "1000jährige Eiche von Blahüblaha" genannt wird, weil ca. 99 % definitiv nicht mal an der 600 kratzen, aber gibt es Euch irgendwas, das Alter so gering wie möglich anzusetzen, wenn es doch eh immer nur ungefähre Angaben sind?

Leute, hiebreife Forsteichen mit 160- 170 Jahren haben ca. 70 cm BHD bzw. 219 cm BHU, auch der Mitchell- Faktor bestätigt das (genaues Ergebnis 175.2 Jahre, welches auch die Umfang x 0,8- Methode ergibt).

Die gleich durchmessende Eiche im Freistand wäre durch 2,5 geteilt erst 87(,6) Jahre alt. Mit 0,8 multipliziert wäre sie immer noch 175 Jahre alt- eine Diskrepanz von fast 88 Jahren...
Der Mitchell- Faktor "windet sich damit heraus", dass da gigantische plusminus- Angaben von 70 oder mehr Jahren statuiert werden- so passt es, wie man 's auch dreht und wendet, immer... Natürlich auch eine Methode, es sich zurecht zu fantasieren :?...

Auch wenn es (meine Begriffsstutzigkeit) sicher langsam nervt: Gibt es da nicht einen vermaledeiten einheitlichen Messungs- und Berechnungscode, auf den man sich in drei Luzifers Namen mal einigen kann?
Ich finde es sooo störend, dass der eine so rechnet, der andere so, ganz überzeugt von seiner jeweiligen Methode, um am Ende liegen doch beide daneben.

Ich meine, weitestgehende Korrektheit in allen Ehren, aber folgendes möchte ich dabei auch zu bedenken geben:
Wenn man diverse Bäume teils mal eben nur halb so alt rechnet, wie sie mit anderen Methoden sein könnten (bloßes Pi mal Daumen- Raten ausgenommen): Habt Ihr da nicht so ein bisschen Angst, dass so mancher mythische alte Baum kräftig entzaubert wird und irgendwelche zuständigen Leute sich denken könnten "Ach, na wenn der eh' nur halb so alt ist wie gedacht, dann kann er ja auch weg und doch der geplante Parkplatz/ noch 100 m² Feld oder Wiese mehr/ whatever dahin"?

Tun da im Zweifelsfalle 150- 200 Jahre mehr so weh, als das man uuuunbedingt auf seinen bspw. 400 Jahren bestehen müsste?

Fragt sich nachdenklich,
Andreas
- der immerhin gelernt hat, dass die gängige Faktorenberechnung (x 0,6 usw.) zu pauschal gesehen ist und anscheinend nur für Bäume im Bestand zählt...

TomE
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Beitrag von TomE »

Hallo Andreas,
also mir gibt es nichts, aber in vielen Fällen sind die Bäume halt nicht so alt wie angegeben oder erzählt wird. Oft ist es nicht nachrprüfbar, manchmal ergeben sich Möglichkeiten. :)

Auch bei einem Baum der Platz in eurem Register hat, das wäre die Register-Nr. 1286, Eiche bei Zinneberg. Als Alter wird hier 500Jahre angegeben, leider ist der besagte Baum vor einigen Jahren in der Mitte auseinandergebrochen und zeigt jetzt seine Ringe. Mal ein paar Ringe rausgenommen und gezählt: 46 Ringe auf 28cm (beidseitig 56cm!) -> ~200Jahre? Klingt wahnsinn ich weiß, aber scheinbar können die guten Eichen auch ordendlich draufpacken, wenn es ihnen (zu?) gut geht.

Im Wald ist es auch so eine Sache, ich kenne hier Eschen die sollten rein nach den Maßen und durchschnittlichen Zuwächsen URALT sein, sind es sehr wahrscheinlich aber nicht. Auch eine Fichte, der ich vielleicht noch einen Thread gönne bezüglich des Alters und einer Schätzung, hat einen BHD von 1,21m bei vielleicht knapp über 100Jahren.

Garantiert sind manche Bäume annährend so alt wie angegeben, aber besonders unsere größten Bäume sind nicht zwingend die größten weil sie so alt sind, sondern weil sie einfach die wüchsigsten unter ihren Artgenossen sind. Oft sind sehr wahrscheinlich "kleine"/unscheinbare Exemplare einer Art älter als die größeren Kollegen.
Soll nicht auch General Sherman "nur" etwa 1500Jahre alt sein? Trotzdem der aktuell massereichste Baum seiner Gattung.

Baumalter nach Maß ist auf jeden Fall nicht möglich und nach Zuwachs auch nur bedingt, wenn man wenigstens Kenntnis über die Bedingungen und Zustände des Baumes hat.
Sie machen es einem schon nicht leicht unsere teils größen Freunde. :wink:

Gruß
Tom
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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

TomE, sind die Fotos von der Eiche 1286 ? dann verwende ich sie für den Eintrag, okay !
Baumlaeufer
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TomE
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Beitrag von TomE »

Hallo Baumläufer,
ich habe für diese Eiche(n) mal einen neuen Thread erstellt mit Bildern der verschiedenen Bäume dort. Vielleicht weißt du welche der zwei Eichen eigentlich gemeint war. :roll:

Gruß
Tom

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo Tom und Wolfgang,

dann sind wir uns ja einig. Ich gebe der Eiche auch keine 400 Jahre. Wäre sie aber in einem guten Zustand, würde ich einer Freistandeiche dieser Größe nur rund 300 Jahre geben. Etwas mehr wird diese schon haben, aber keine 400 Jahre. Nein Tom, wie lange die Krone schon so reduziert ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur das mit dem Bau des Feuerwehrhauses und der Beschädigungen im Wurzelbereich. Aber nichtmal, wann das war. Aber Beschädigungen im Wurzelbereich bedeuten ja auch immer Reduzierung der Krone.

Hallo Andreas,

und ich denke, du schätzt die Eichen immer etwas zu alt :wink: 95 Prozent aller Eichen in Deutschland mit mehr als 7 m BHU sind Freistandeichen. Und warum? Weil sie wohl einfach schneller wachsen als im Bestand. Hier hatten wir ja schonmal darüber geredet. Ich warte da noch immer auf deine Altersschätzungen :wink: Dort habe ich ja auch ein paar Bäume genannt, deren Alter nachgewiesen wurde. Und dabei wurde das enorm schnelle Wachstum nachgewiesen, nie das langsame Wachstum. Hier wäre auch noch eine Eiche mit knapp 8 m BHU und einem Vermuteten Pflanzjahr von 1648. Also auch keine 400 Jahre alt, obwohl diese schon recht stark vom Alter gezeichnet ist.

Meiner Meinung nach sind die Femeiche in Erle, die Ivenacker Eiche und die Grabeiche in Nöbdenitz die ältesten Eichen in Deutschland. Alle um 10 m BHU herum, oder darüber. Aber Älter wie 800 Jahre wird davon wohl auch keine sein. Alles über 500 Jahre wird schon zu den ältesten in Deutschland gehören. Und so richtige Rieseneichen gibt es in Deutschland nicht mehr. Die Dagobertseiche in Hessen war mit ihren knapp 15 m Umfang eine davon. Die hatte eventuell 1.000 Jahre auf dem Buckel. Bei Wikipedia habe ich mal einen Artikel über die Eiche geschrieben, siehe hier.

Viele Grüße,

Rainer

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Rainer, Du weisst, dass ich da garantiert keine passenden Alter dazu abliefern kann, diese Aufforderung ist witzlos...
Gebe mich damit auch geschlagen und resigniere vor mich hin...

Ganz ehrlich mal, welche Stadt schützt denn eine Eiche, wenn die nicht wie allgemein angenommen 700 Jahre, sondern nur 350 Jahre alt ist. Da denken die sich doch, solange das Holz noch gut ist, ab mit dem Schmarren, können 'se wenigstens noch verkaufen...

Aber ok, schließlich hat das Leben Zähne und beißt damit zu, wann immer es will...

Desillusioniert (das ist kein Spruch),
Andreas
- der sich fragt, wozu man den ganzen Zauber dann eigentlich veranstaltet, wenn die nur um weniges älter sind als hundsordinäre Forsteichen

PS: Ich schätze die durchaus nicht zu alt, sondern berechne sie mittels der Formeln, die honorige Persönlichkeiten extra für diese Zwecke ersonnen haben ;)...

TomE
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Beitrag von TomE »

Hallo Andreas,
ich hoffe du hast nicht recht mit deiner Annahme, dass nur wegen des Alters geschützt wird. Wobei ich der Meinung bin, dass auch 300-400Jahre verdammt alt sind, oder nicht? Viele Bäume erreichen nicht einmal dieses Alter, desshalb sind auch diese jungen Bäume mehr oder weniger selten und daher für mich auf jeden Fall schützenswert. Anders würde das für mich aussehen, wenn in jedem Hausgarten ein solcher Baum stehen würde. Bestes Beispiel für eine Abwertung durch pure Masse an Pflanzen sind für mich Bergmammutbäume. Man stelle sich nur mal vor, 50% aller in den letzten 30Jahren gepflanzter Bäume würden 150Jahre alt werden, jede kleine Ortschaft hat mindestens einen 35-40+m/5-9m Mammutbaum. Was ist so ein Baum noch Wert? Ist er etwas besonderes? Wohl eher nicht, aber von solch einem Szenario sind unsere doch recht alten einheimischen Baumpersönlichkeiten noch weit entfernt und ich schätze die aktuelle gesellschaftliche Situation nicht so ein, als würde sich das in Zukunft ändern.
Für mich sind durchaus auch etliche Forstpflanzen etwas besonders und ich würde es wirklich klasse finden, wenn man mehr Bäume alt werden liese... einfach nur ab und an den wirtschaftlichen Gedanken hinten anstellen. :roll:

Also zumindest ich würde diese Bäume schützen, einfach nur weil sie toll sind und nicht weil eine geschichtlich wichtige Persönlichkeit darunter geschlafen hat. :wink: Auch ob sie wegen ihres Alters oder Wachstums so toll sind spielt für mich keine besonders große Bedeutung. Das was sie geworden sind zählt.
Die Gründe warum manche Bäume zum ND werden und andere nicht... das ist wieder eine andere Geschichte.

Noch ein Beispielchen, würdest du eine Tanne schützen, weil sie 200Jahre im Unterstand geschlafen hat oder weil sie 50m hoch ist und über 5m Umfang hat? :wink:

Gruß
Tom

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo Andreas,

Tom hat eigentlich schon alles gesagt, was ich jetzt auch sagen wollte :wink:

Nur noch, du sagst, du rechnest mit einer Formel, die von Persönlichkeiten erstellt worden sind. Gut. Ich mache auch nichts anderes. Das Deutsche Baumarchiv befasst sich seit fast 30 Jahren mit diesem Thema, haben tausende Bäume in Deutschland gemessen und alle Historische Quellen darüber gesichtet. Und die haben für Eiche eine Formel erstellt. Nämlich, dass eine "normale" Eiche in den für uns relevanten Dickenbereich etwa 1,8 bis 2,0 cm im Jahr an Umfang zulegt. Und genau diesen Bereich kann ich Anhand meiner inzwischen auch schon über 25-jährigen Messtätigkeiten bestätigen. Also, du arbeitest mit einer Formel, von der du ausgehst, dass sie stimmt. Ich arbeite mit einer Formel, von der ich ausgehe, dass sie stimmt. Das ganze kann man ja ohnehin nur als Annäherungswert sehen, weil ja so viele Faktoren mit einfließen.

Viele Grüße,

Rainer

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy Tom!

Gut, das dortige Grünflächenamt ist ohnehin eine (Lach)nummer für sich, die schneiden auch gesunde Bäume krank, damit sie sie in absehbarer Zeit umlegen können, aber aus meiner Berliner Zeit (als Gärtner) kann ich nur sagen, dass das Alter oftmals der entscheidende Faktor ist.

Zwei Beispiele, beide am nördlichen Tegeler See in Berlin- Reinickendorf, OT Tegel, in dessen weiterem oder näheren Umkreis ich stets lebte:

Fall a, Stieleiche Dicke Marie (auch im Register)

Die wird als "Berlins ältester Baum" gehandelt, 900 Jahre soll sie alt sein, was schon mal jeglicher historischen Grundlage entbehrt. 665 cm Umfang hatte sie 2010, womit ich ihr etwa 530 Jahre gegeben hätte.
Nach Rainers Schätzungen wäre sie wohl nur um die 330 Jahre alt, und dann ist noch nicht mal sicher, wo sie den Umfang gemessen haben.

Namentlicher Baum hat nämlich fast stammumspannend auf etwa Brusthöhe (aus meiner Sicht, bin 168 cm hoch) eine Wucherung von Agrobacterium tumefaciens. Darüber und darunter hat sie mindestens 50 cm weniger Umfang, wäre also somit unter Umständen nur 250 Jahre alt...

Die ist als "Berlins ältester Baum" geschützt, wird zwar nicht besonders gepflegt oder so, aber ist der dendrologische Geheimtipp in Berlins Norden. Tegel ist fast undenkbar ohne die Dicke Marie, die ihren Namen von niemand geringerem als den Gebrüdern Humboldt- den späteren bedeutenden Forschungsreisenden- bekam, auch Theodor Fontane soll schon unter ihr geweilt haben.

Die wird ganz eindeutig darum geschützt und erhalten, weil sie als Berlins ältester Baum gilt...

Fall b, eine reinrassige, gigantische Schwarzpappel ungefähr einen Kilometer weiter südöstlich am Ende der Greenwichpromenade

Ich habe sie nie gemessen, aber an ihrer Taille hatte sie sicherlich ebenfalls 5 m Umfang und war, bevor das Grünflächenamt 2005 auf sie losging, kerngesund, vollholzig, sicher 30 m hoch und ein Riiiiiesenapparat.
Alt war diese Pappel nicht, da sie auf aufgeschütteten Trümmern des 2. Weltkrieges stand, wie der gesamte anschließende Borsigdamm und Großteile genannter Greenwichpromenade.
Die war 2010 also sicher nicht viel älter als 70 Jahre, aber wäre allein vom Äußeren, der Reinblütigkeit und Gesundheit ein absolut erstrangig schützenswerter Baum gewesen.

Und was geschah?
2005 im Winter rückte das Grünidiotenamt an und verpasste ihr 'nen kompletten Kronenrückschnitt. Es standen nur noch der Stamm und die beiden Leit- Stämmlinge, die da völlig kahl und astfrei fast 20 m in die Höhe ragten, mit Wundflächen von teils 60 cm Durchmesser, die eine Pappel natürlich nie im Leben verheilt kriegt, ohne vorher eine Fäulnis zu bekommen.
Die Pappel trieb in den Folgejahren wieder kräftig durch, natürlich weit unterhalb der Stämmlings- Enden, die demzufolge nicht den Hauch einer Chance hatten, doch verheilt zu werden, und da surfe ich letzten Sommer (2014) von Nostalgie erfasst mal wieder "zuhause" vorbei, und was sehe ich da...
Ein fast brandaktuelles Google Maps- Bild vom Sommer 2012. Drauf zu sehen, dass sie eben jene Pappel gefällt haben! Da waren sogar noch auf der Wiese die Sägespanstreifen zu sehen, wo sie den Stamm in Stücke zerlegt hatten!
Die Baumscheibe war, so gut wie man's bei Google Maps eben erkennen kann, noch immer komplett hell und somit intakt und massiv.
Da haben die meiner festen Überzeugung nach also den Baum erst vorsätzlich krank geschnitten, und dann ein paar Jahre später, als er ein Verkehrssicherheitsrisiko darstellte, weil er ja Faulstellen an den Stammenden hatte (oh Wunder!), umgelegt...

Wahrscheinlich einzig aus dem Grund, dass diese Idiotentruppe in ihren von den Sparmaßnahmen übrig gebliebenen kläglichen Resten noch den Hauch einer Existenzberechtigung rechtfertigen kann, sprich die wenigen übrigen Gelder der Stadt wenigstens noch im Fluss bleiben.

Der wirklich bereits über halbtote und im umgebenden Jungwuchs sowieso chancenlose Krüppel "Dicke Marie" wird aufgrund einer Massenfantasie über biblische Alter am Leben erhalten und ausgeschildert sowie in jeder Reinickendorf- Broschüre als DAS sehenswerte Muss dargestellt, aber eine wirklich lehrbuchtaugliche, kerngesunde Schwarzpappel in ihren besten Jahren wird vorsätzlich zum Pflegefall- und dann abgeschnitten...

Glaubt mir, ich jaule hier absolut nicht aus Spaß an der Freud' rum, ich weiß, dass man zuständigen Ämtern ALLES zutrauen darf, und dass das absolut nicht nur in Einzelfällen so ist!
Wie war das: NRW will jetzt ein Gesetz verabschieden, wo Objekte, die wirtschaftlichen Interessen im Wege stehen, viel leichter ent- schützt oder anderweitig leichter beseitigbar werden sollen?
Na dann, gute Nacht, alte Bäume, die irgendwo im Wege stehen- und umso gute nachter, wenn sich herumspricht, dass die eh nur halb so alt sind :(!

Die obigen Beispiele habe ich mir nicht aus den Fingern gesaugt, das sind Tatsachen.

Was die Tanne angeht: Beides.
Und die 200 Jahre im Stand By- Modus verharrende Tanne noch viel mehr schätzen als die frei empor geschossene. Genauso, wie Old Tjikko äußerlich absolut nicht viel her macht, das klapprige Gestänge da. Bei vielen würde das gerade für's nächste Lagerfeuer taugen. Bedenkt man aber, dass das so ziemlich der älteste klonale Baum der Welt ist, und wenn es "nur" eine Picea abies ist, die ihren Ursprung aber so ziemlich unmittelbar nach dem Verschwinden der letzten Eiszeit gehabt haben dürfte, hohoho, da würde ich dies Klappergestänge aber jeder 150 cm BHD- Fichte um Welten vorziehen :D!

Was mich aber nicht dran hindert, trotzdem etwas desillusioniert und verzweifelt zurück zu bleiben.
Wenn NRW mit der angesprochenen Initiative erfolgreich ist und das Schule macht, dann dürften die ganzen "1000jährigen Eichen" aber fallen wie die Fliegen.
Nicht zuletzt haben sie die große, alte und gesunde Eibe am Haupteingang des Kölner Zoos- ein ausgewiesenes Naturdenkmal!- auch abgefidelt, weil sie ausgerechnet da eine neue Zooschule hinstellen wollten...
Vielleicht war das ja nur ein bitterer Vorgeschmack...

TomE
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Beitrag von TomE »

Abend Andreas,
ich habe mir diese Dicke Marie jetzt mal angesehen, denn obwohl sie wohl der berühmteste Baum unserer Hauptstadt ist habe ich noch nie etwas von ihr gehört. Kulturelle Eingeschränktheit könnte man das nennen. :D
Je nach früherem Zustand und Baumbestand drumrum könnte diese Eiche durchaus älter als 250 Jahre sein. Das ist eben die Sache an den gemeinen Bäumen, es gibt keine Faustformel die das Alter auch nur einigermaßen sicher angibt. Eine Eiche kann in 200 Jahren zu einem 7m Baum werden oder auch 700 Jahre brauchen, sofern sie Glück mit Schäden hatte sehen beide im besten Falle vital aus.
Zumindest bei der guten alten Marie würde ich mir keine Schätzung erlauben, auch wenn es wohl eher keine 800 Jahre sind. :wink:
Was ich allerdings nicht weiß, vielleicht auch mangels Erfahrung in diesem Bereich, warum bist du dir so sicher, dass der Baum der Gesellschaft nichts Wert wäre, wenn er vielleicht nur (z.B.) 400 Jahre alt wäre? Man könnte natürlich nicht mit dem ältesten Baum der Stadt werben, aber ein charakterstarker alter Baum in schöner Lage wäre es trotzdem. Die Besucherzahlen würden sicher zurückgehen, keine Frage. Ob das aber schon für eine Verstümmelung oder Entfernung des Baumes reicht?

Das mit der Pappel ist hart, aber leider täglich Brot dank unseriöser "Baumpfleger". Einem ernsthaften Baumpfleger kommen bei solchen Aktionen wohl regelmässig die Tränen... unfassbar was an den armen Bäumen immer wieder verbrochen wird und private Baumbesitzer folgen diesem Beispiel und "pflegen" ihre Bäume in die sichere Verkehrsunfähigkeit.
Was man an der Stelle vielleicht noch anfügen sollte, es ist für einen Baum ungeheuer wichtig, dass er gut in der Gesellschaft verankert ist und sich jemand um den Baum sorgt bzw. er nicht nur da ist, sondern richtig wahrgenommen wird. Bei privaten Bäumen gibt es nichts wichtigeres als stolze Besitzer die keine Angst vor ihrem Baum haben. Das ist weit wichtiger als jeder Schutzstatus, denn wenn ein Besitzer mal Angst vor seinem Baum hat ist die Verstümmelung zum greifen nahe und dadurch auch der vorzeitige Zerfall - selbst wenn es sich um ein ND handelt setzt sich die Angst auf längere Zeit durch. "Baumangst" ist leider weit verbreitet und hat schon vielen Bäumen das Leben gekostet...
Das war bei dieser sicherlich tollen Pappel wohl leider nicht der Fall? :(

Eine wichtige Frage wäre, wie kann man einem besonderen Baum dazu verhelfen wahrgenommen zu werden?

Bei der 200 Jahre alten Standby-Tanne muss sich nur zuerst wer finden der sie "sieht". In gewissem Maße macht das Alter einen Baum natürlich auch schützenswert, da kann und will ich dir eigentlich gar nicht widersprechen. 8) Oft ist es für mich aber trotzdem nicht der Hauptgrund, denn was assoziiert der normale Mensch mit dem Begriff "1000jährige Eiche"? Einfach nur eine richtig große, knorrige vom Alter gezeichnete Eiche. Oder nicht? Würde man solch einem Besucher dann sagen, der Baum ist aber nur 400 Jahre alt, würde er dann enttäuscht wieder gehen oder trotzdem den tollen Baum bewundern?
Na hoffentlich kommt nich wirklich wer auf die Idee aus dem Fichtlein ein Lagerfeuer zu machen. :shock:

Hoffen wir mal, dass es nicht soweit kommt. Aber wie schon gesagt, kein Schutz hilft etwas, wenn ein Wille bezüglich der Zerstörung vorhanden ist. Denn, wer will findet Wege und sei es nicht vollkommen legal.

Gruß
Tom

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo Ihr beiden!

Über dieses Thema lässt sich sicherlich stundenlang diskutieren. Und jeder wird da irgendwie andere Ansichten haben. Ja, die Dicke Marie ist ja sehr bekannt, auch wenn es nicht die dickste Eiche in der Stadt ist. Aber es handelt sich ja um eine Eiche im Bestand. "Meine" Berechnungsformel trifft nur auf Bäumen im Freistand zu. Im Bestand sieht die Sache natürlich anders aus. Das Deutsche Baumarchiv nennt übrigens für die Dicke Marie in ihren Büchern ein Alter von 350 bis 400 Jahren. Und dem schließe ich micht jetzt mal an :wink: Ich denke, Älter als 400 Jahren ist die Eiche nicht. Harald Vieth gibt in Bemerkenswerte Bäume in Berlin und Potsdam ein Alter von 400 bis 500 Jahren für die Eiche an.

Viele Grüße,

Rainer[/i]

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Huhu!

Das Problem ist ja: Die Dicke Marie ist in ihrem Zustand und an ihrem Standort weder charakterstark noch in schöner Lage, zumindest seit mindestens den 80er Jahren nicht mehr.

Sie hat ihr Leben als Solitärbaum an einem kleinen Nebenarm der "Großen Malche" begonnen, einer Ausbuchtung des Tegeler Sees. Das lassen ihre geringe Höhe und ihre tief ansetzenden dicken Astreste erkennen. Auf dem anstehenden Auenboden hatte sie auch einen nahrhaften Standort mit optimaler Wasserversorgung, sie dürfte also von Anfang an gut gewachsen und wahrscheinlich wirklich nicht älter als 400 sein.
In den 1920er Jahren war die Ecke dort der Ausflugs- Geheimtipp, da stand sie sicher auch noch frei und an einem kleinen Wasser, und zu der Zeit war sie bestimmt noch charakterstark und schön.

Heutzutage aber steht sie quasi mitten im Bestand, verdeckt von seit dem 2. Weltkrieg aufgeschossenen Ahornen etc., die ihr das Licht abgraben, so dass sie nur wirkt, wenn man direkt neben dem Stamm steht, ansonsten kann man sie in dem engen "Lichthof" gar nicht richtig erfassen.
Optische Attraktion fällt bei ihr seit längerem vollkommen aus, es ist ganz sicher allein diese Einbildung der "900 Jahre, ältester Baum Berlins", die sie erhält. Und vllt. dass sie so gefahrlos abseits des Hauptweges steht...
Ich bin ganz sicher: So kaputt wie sie ist, wäre sie im sauberen Tegeler Forst schon lange weg, wäre es nicht die Dicke Marie, da sie in keiner besonderen Schutzzone steht, wo sie etwa als Käferfutter stehen bliebe.

Ich habe schon ganz andere Kaliber aus geringeren Beweggründen verschwinden sehen oder Kalauer miterlebt in meiner 29jährigen Berliner Historie, bin außerdem wie gesagt selber Gärtner und sehe allein durch mein tiefes privates Interesse weit mehr als der Normalbürger.

Das war bei der toll gewesenen Pappel nicht der Fall, richtig. Die stand da einfach nur und war ein Brummer, vor allem aber eine Pappel, und die zählen im neuen Berlin quasi nichts mehr. Lange Jahre DIE Bepflanzung für Nebenstraßen und Grünflächen, macht man denen seit Jahren den Garaus, wo immer es geht, genauso wie Robinien und anderen weniger heimischen oder besser gesagt autochthonen Gewächsen im öffentlichen Raum...
Das mit der "Baumangst" hast Du prima auf den Punkt gebracht, ich sehe das oft in meiner Praxis als Gartenpfleger...
Der Baum muss nicht mal riesig oder kaputt sein, es reicht, wenn er beschattet oder nur die Unverfrorenheit besitzt, Laub zu werfen, um die Verkrüppelungs- und Formschnittkommandos anrollen zu lassen.

Wie kann man so alten Bäumen helfen?
Nun ja, in meinem Falle versuche ich, so noch nicht erfolgt, zunächst mal zu erreichen, dass die Zuständigen drüber nachdenken, ob die sich als Naturdenkmal lohnen würden...
Konkret bin ich da gerade bei einem ca. 100jährigen Hasel dran, der drei Orte weiter steht und mit seinem Umfang eines Einzelstämmlings momentan der dickste in der Champion Tree- List der DDG ist (114 cm).

Ich weiß nun nicht, ob man von mir auf andere schließen kann... Ich jedenfalls finde eine große knorrige Eiche (etc.) in jedem Falle eindrucksvoll, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es schon recht enttäuschend finde, dass diese Unikate dann am Ende doch nicht soviel mitgemacht haben, wie man dachte.
Bewundernswert sind diese Veteranen immer noch, aber für mich ist ganz klar viel von dem Zauber des Baumes verloren gegangen, wenn er statt "errechneter" 600 Jahre dann nur 350 Jahre alt ist.
Das ist ein ganz fieser, gemeiner Schmerz, fast wie so ein unerwarteter Hieb mit dem Hammer auf den Daumen. Diese Eiche existierte dann eben nicht bereits, als Amerika noch lange nicht entdeckt war und es auch noch keinen Buchdruck gab, sie hat dann leider doch viele entscheidende Epochen der Menschheit NICHT mitgemacht, sondern hat nur erlebt, wie irgendwelche Schweden und Franzosen sich die Köppe weggeschossen haben... Klar, auch historische Markerpunkte, aber bei weitem nicht so bedeutend und ehrfurchtgebietend wie im anderen Fall...
Für mich ist da ganz klar sehr viel Zauber und Mythos weggefallen, und ich muss das echt erstmal verdauen und mir klar werden, ob das dann überhaupt noch seinen Zweck hat, wenn die nicht mal die Hälfte von dem miterlebt haben, was man bislang dachte :(.

Wenn ich vor der Feme- Eiche in Erle stehen würde, und da würde ein Cleverling, so recht er auch haben mag, mir erzählen, statt der angedachten 1100 Jahre wäre die nur 700 Jahre alt oder gar nur "lächerliche" 560 Jahre (nach Mitchell)- mein Gesicht würde sich in die Länge ziehen wie ein heißer Schmelzkäse, die Enttäuschung würde in mein Gehirn reinzoomen wie in diesen Effekten in Filmen, wenn dem Protagonisten etwas gewahr wird und ich würde mir wahrscheinlich noch einmal den Baum von oben bis unten ankucken und mich dann tief betroffen abwenden, gehen und hätte ein Stück meiner Seele verloren.
Mag sich dramatisch anhören, ist aber so.
Ich bin Zwilling und daher eigentlich ein Pragmatiker vor dem Herren, dass pointierte logische Denken liegt mir auch im Blute, aber wenn dann so etwas für mich derart Bedeutendes derart krass seine, ja, Magie verliert, dann ist das sicher in etwa so, als wenn ein Kind mit 8/ 9 Jahren merkt, dass seine Eltern es all die Jahre bewusst verkackeiert haben und es gar keinen Weihnachtsmann gibt.
Verstehst Du, was ich meine? Nichts ist schrecklicher als die nüchterne Wahrheit und der Verlust jedes Restchens Restmagie, die das Leben bisher so angenehm, interessant und lebenswert machte...

Ich habe seit meiner Kindheit schon eine Reihe solcher Illusionen verloren, und alle Erkenntnisse dieser Art waren niederschmetternd, und darum trifft mich das mit den alten Bäumen, die dann doch weit nicht so alt sind, wirklich extra hart, denn viele Illusionen habe ich wirklich nicht mehr übrig. Und nichts empfinde ich so abstoßend wie ein Leben in sachlicher Nüchternheit, wo man alles kategorisch in Schubladen sortieren kann :(. Wenn ich soweit bin, bin ich innerlich tot, und was hat der ganze Mummenschanz dann noch für einen Zweck (keine Sorge, keine Suizidgefahr, nur eine philosophische Betrachtung, wie sie meinem Inneren entspringt!)...

LG,
Andreas

PS: Ja, Rainer, dem schließe ich mich auch an. Habe, wie gesagt, kapituliert...

PPS: Mist, jetzt muss ich wieder Depri- Mucke alá Tote Hosen "Nur zu Besuch" hören...

Andreas
- für den die Welt nun auch weniger zu bieten hat

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