Essbares in Plastiktöpfen?

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Chelterrar
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Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Chelterrar » 26 Jun 2019, 23:57

Moin liebe Baumfreunde,

Neben Ton- und Metalltöpfen sind vorallem Plastiktöpfe vielfach anzutreffen, denn sie sind führend auf dem Markt und haben viele Vorteile wie ein geringes Gewicht, Garantie einer guten Durchwurzelung und natürlich, sie sind sehr preiswert. Doch in Zeiten, in denen Kinderspielzeug aufgrund von Weichmachern beschlagnahmt wird und überall vor Mikroplastik gewarnt wird, fragt man sich, ob der Verzehr des innerhalb dieser Kübel gereiften Gemüses tatsächlich noch gesund ist, oder ob der Kübel insgesamt giftig ist und seine Giftstoffe an die Pflanzen weitergibt. Und reagiert der Inhalt vielleicht sogar mit anderen Verbindungen wie im Dünger sie vorkommen können?

Was ich weiß ist, dass die meisten Plastikkübel aus Polypropylen oder Polyethylen bestehen, welche für sich genommen sehr harmlos sind. Jedoch sind gerade größere Kübel anfangs ziemlich stinkend, was wohl an dem Ruß liegen soll, der während der Herstellung entsteht. Doch die potenzielle Gefahr durch Weichmacher oder andere schlimme Substanzen bleibt im Kopfe bis heute bestehen, von daher interessiert mich eure Meinung.

Was haltet ihr von Plastikkübeln und glaubt ihr, dass diese ungefährlich sind oder dass der Verzehr von darin angebautem Obst, Gemüse usw. stark gesundheitsschädlich ist?

LG Chelterrar

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von LCV » 27 Jun 2019, 08:11

Ohne wissenschaftliche Untersuchung ist das wohl Spekulation.
Man könnte sich an einen TV-Sender wenden, der schon Beiträge
in dieser Richtung gebracht hat. Dort hat man Möglichkeiten und
Geld, das seriös zu erforschen.

Die größte Belastung kommt aber von den Äckern. Da die Asche
aus den Müllverbrennungsanlagen als Dünger verwendet wird,
hat man inzwischen eine Belastung der Böden mit Mikroplastik
gemessen, die ein Vielfaches der im Meer sein soll.

Ich hätte jetzt weniger Bedenken wegen des Kunststoffkübels
als wegen der verwendeten Erde. Man weiß nicht genau, was in der
gekauften Pflanzenerde alles drin ist. Deshalb kaufe ich die Erde
auf unserer Biodeponie, wo Grünschnitt usw. abgegeben wird und
kompostiert wird. Nach einer gewissen Zeit gewinnt man sehr gute
Erde, die zudem nur einen Bruchteil der überall angebotenen
Plastiksäcke kostet.

AndreasG.
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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von AndreasG. » 27 Jun 2019, 08:57

Dem würde ich mich anschließen. Weichmacher o.ä. muss man nachweisen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das nicht bereits irgendwo untersucht wurde.

Allerdings wäre ich etwas vorsichtiger, was Erde von der örtlichen Kompostierungsanlage betrifft. Wenn ich mir so anschaue, wieviele Plastiktüten mitsamt Inhalt im Biomüll landen, dann glaube ich irgendwie nicht, dass das alles aussortiert wird. Leider sind die Leute zu faul, richtig zu trennen.

Ich ziehe mir vor allem einige Kräuter in Blumenkästen. Das klappt ganz gut.

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von LCV » 27 Jun 2019, 09:05

Das hängt wohl von der Biodeponie ab. Hier kommt nicht etwa
das undefinierbare Zeug aus der Biotonne hin, sondern man kann
Grünschnitt vom Heckenschneiden dort abgeben. Das geschieht
auch im Beisein der Mitarbeiter. Ansonsten wird dort Holz von
gefällten Bäumen für eine Fernheizanlage geschnitzelt.

Außerhalb der Öffnungszeiten ist das umzäunte Gelände abgeschlossen.

Abgesehen davon habe ich auch Küchenkräuter in einem größeren
Blumenkasten aus Ton auf dem Küchenfensterbrett. Das allein schon
wegen des viel höheren Gewichts, damit nicht bei Sturm mal alles
im Hof landet. Mein Rosmarin hat inzwischen 8 Stämmchen mit
Durchmesser 1 - 1,5 cm. Gefällt ihm gut auf der Nordseite und über
das ganze Jahr, sogar mitten im Winter, kommen auch Blüten.

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Gata » 27 Jun 2019, 09:27

Chelterrar hat geschrieben:
26 Jun 2019, 23:57
Moin liebe Baumfreunde,

Neben Ton- und Metalltöpfen sind vorallem Plastiktöpfe vielfach anzutreffen, denn sie sind führend auf dem Markt und haben viele Vorteile wie ein geringes Gewicht, Garantie einer guten Durchwurzelung und natürlich, sie sind sehr preiswert.

Was haltet ihr von Plastikkübeln und glaubt ihr, dass diese ungefährlich sind oder dass der Verzehr von darin angebautem Obst, Gemüse usw. stark gesundheitsschädlich ist?

LG Chelterrar
Hola,
für mich sind die angeführten Vorteile für Plastiktöpfe wenig überzeugend. Gerade weil sie so billig sind, werden sie null wertgeschätzt und fliegen bedenkenlos schnell wieder in den Müll. Jeden Tontopf würde man besser behandeln.
Gerade heutzutage, wo Plastik als Problemstoff benannt wird, sollte man Alternativen nutzen und Tontöpfe vorziehen.
Dass der Kunststoff gesundheitsschädlich ist, glaube ich zwar auch nicht, dass er aber über Umwege wieder als Mikroplastik in unserer Nahrungskette landet, ist leider realistisch.

LG

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von AndreasG. » 27 Jun 2019, 10:00

Tontöpfe sind halt deutlich teurer und die meisten Pflanzen wachsen besser in Plastikpötten, weil beim Ton zu viel Wasser durch die Poren verdunstet. Außerdem sind Tontöpfe recht schwer, was sich bei großen Gefäßen deutlich bemerkbar macht. Deshalb ziehe ich alle meine Pflanzen in Plastiktöpfen. Weichmachen kann man übrigens riechen. Ich hatte mal vor vielen Jahren eine Sprühflasche gekauft (für Wasser), die ziemlich stark stank. Das hat mindestens ein Jahr gedauert, bis der Geruch verschwunden war. Hat auch nicht besonders gut gehalten. Das gleiche Modell etliche Jahre später ohne stinkende Weichmacher versieht nun schon um die zehn Jahre seinen Dienst.
Ich denke, man kann Plastik heute sehr vielfältig herstellen.

Schlecht produzierte Töpfe werden nach ein paar Jahren spröde und brechen. Ich habe aber z.T. etwas teurere Töpfe für Kakteen, die ich nun schon über zehn Jahre besitze.

Spinnich
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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Spinnich » 27 Jun 2019, 16:37

Hallo,
zur Verwendung von Ton oder Plastik kann man Vor und nachteile finden.
Zu nächst mal verwende ich im Zimmerbereich fast nur Übertöpfe aus Keramik, darin dann in der Regel (Raumgewinn) einen gut passenden Plastiktopf.
Zugegeben muss ich manchmal auch ein paar der Plastiktöpfe entsorgen, aber die meisten werden solange möglich immer wieder verwendet, ggf. entsprechend gereinigt.

Im Freien kommen gelegentlich auch noch Tontöpfe und große schwere Keramiktöpfe zum Einsatz (mit Untersetzer) teils auch größere Plastiktöpfe (ebenfalls mit Auslauf und Untersetzer). Bei den ganz großen Kübelpflanzen (z. B. Olivenbaum, Judasbaum etc.) tut man sich mit dem Transport der Keramikgefäße schon arg schwer. Geht gerade noch so, wenn die Pflanzen zum Überwintern nur in Stall oder Garage müssen. Ansonsten habe ich für große Pflanzgefäße weitgehend auf leichtere Kunststoffbehälter umgestellt (Die sind mit Erde gefüllt schwer genug, wenn die auf den Dachboden müssen).
Wegen der Inhaltsstoffe, die von den Pflanzen eventuell aufgenommen werden (Erde oder Weichmacher aus Kunststoff) mache ich mir ernsthaft keinen Kopf. Erstens ernte ich nur wenige Topfkräuter in kleinen Mengen (Schnittlauch, Parakresse, Majoran, Lorbeer, Rosmarin) mit etwas Glück noch ein paar Feigen.
Im Sommer kommt dagegen so gut wie alles aus dem eigenen Garten. Natürlich auch die Haupternte an Rosmarin und Schnittlauch, Petersilie, Salbei, Bohnenkraut, Dill, Bärlauch, Knoblauch, Zwiebeln, Lauchzwiebeln, Porree, Salat, Wintersalate, Blattgemüse, Kohlarten, Kartoffeln und Wurzelgemüse, Tomaten, Paprika, Pepperoni, Zucchini, Gurken, Hokkaido usw., sowie Obst. Alle Putzabfälle, Eierschalen, Tee- u. Kaffeefilter, Papiertaschentücher (teils), alte Blumenstauden (meist gehäckselt), Wiesenschnitt, teils die Pellets-Holzasche und feiner Heckenschnitt (Häcksler) geht dann auf den eigenen Kompost.
Wie es aber mit den Inhaltsstoffen von gekauften Lebensmitteln aussieht, da steckt man kaum drinnen, aber sicher nicht alles unbedenklich.
Denkt nur mal an die teilweise hohen Arsengehalte im Reis (nicht nur aus Asien, auch bei italienischem Reis).
Den Hinweis auf die Biodeponie-Erde finde ich schon sinnvoll, aber bei uns a) teuer und b) belastetes Material von Straßenböschungen, dazu fehlen solchem (Rinden-)Humus Düngezusätze für die stark zehrenden Pflanzen.

LG Spinnich :roll:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Chelterrar
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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Chelterrar » 30 Jun 2019, 22:59

Moin und Danke für die Antworten,

Gut, dann habe ich das Problem wohl ein bisschen überschätzt. Ich dachte, dass dort so viele Weichmacher gelöst werden und über die Pflanzen aufgenommen werden, dass man dadurch krank werden kann. Als Substrat verwende ich in der Regel einen Mix aus Kompost und Erde, weshalb ich mir dort weniger Gedanken mache.
Erschreckend musste ich letztens lesen, dass es auch Blumentöpfe gibt, die aus Polyvinylchlorid hergestellt worden sein sollen, welches ja als gesundheitlich sehr schädlich eingestuft wird.

Andererseits bestehen ja auch viele Plastikflaschen aus Polyethylenterephthalat, welches eine hormonaktive Eigenschaft haben soll, was das Gewissen zwar kurzzeitig beruhigt, die potenzielle Mehrbelastung durch Töpfe aus Plastik jedoch nicht verschwinden lässt.

LG Chelterrar

Spinnich
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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Spinnich » 30 Jun 2019, 23:52

Bei den Plastikflaschen sollen ja die wider verwertbaren weniger Stoffe an den Inhalt abgeben. Für manche Produkte lassen sich Plastikgefäße ja nicht immer umgehen, aber im allgemeinen benutze ich trotz des höheren Gewichts für Wasser, Wein, Säfte, Bier und auch für Salat- und Bratöle nur Glasflaschen, Nur mal Mehrwegflaschen, selbst frisch umgefüllt, bei einem Ausflug, wenn ich das Gewicht wirklich mal reduzieren muss und die Verweildauer in der Flasche auch nur kurzzeitig währt.

Generell, wenn ich schon mal Plastik verwenden muss, versuche ich das möglichst mehrfach zu nutzen. Selbst dünne Aldi-Tüten kann man je nach Inhalt oft 10x beim Einkaufen widerverwenden.

LG Spinnich :|
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biloba
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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von biloba » 02 Jul 2019, 12:40

Hallo Chelterrar,
Chelterrar hat geschrieben:
26 Jun 2019, 23:57
Jedoch sind gerade größere Kübel anfangs ziemlich stinkend, was wohl an dem Ruß liegen soll, der während der Herstellung entsteht. Doch die potenzielle Gefahr durch Weichmacher oder andere schlimme Substanzen bleibt im Kopfe bis heute bestehen, von daher interessiert mich eure Meinung.
Ruß ist eigentlich geruchlos. Aber die Ursache für den Geruch hatte ich schon einmal im Forum gepostet.
viewtopic.php?p=42006#p42006
Es versteht sich von selbst, dass keiner von uns sagen kann, ob diese Stoffe den Weg in die Pflanzen finden. Ob diese Aussagen nur für Maurerkübel oder auch für Kübel gelten, die als Blumenkübel deklariert sind, glaube ich nicht, weiß es aber auch nicht sicher.

LCV hat geschrieben:
27 Jun 2019, 08:11
Da die Asche
aus den Müllverbrennungsanlagen als Dünger verwendet wird,
hat man inzwischen eine Belastung der Böden mit Mikroplastik
gemessen, die ein Vielfaches der im Meer sein soll.
Diese Aussagen passen nicht so richtig zusammen. Wenn irgendwelche Stoffe durch die Müllverbrennung gegangen sind, dann waren sie zuvor so hohen Temperaturen ausgesetzt, dass keine Plastikanteile mehr darin vorkommen können. Auch kein Mikroplastik!

Weiterhin eignet sich der Rückstand kaum als Dünger. Diese Schlacken enthalten viel zu viel Metall - Rückstände von Schrott im Müll. Das Zeug geht nur noch auf die Deponie.
(Hier bei uns soll sich eine Firma noch das Recht erkauft haben, die Schlacke vor der endgültigen Deponie noch einmal durcharbeiten zu dürfen, um diverse Metalle zurück zu gewinnen. Kein Problem. Woanders dürfen wir davon ausgehen, dass unsere Nachfahren unsere Deponien mit künftigen Technologien noch einmal aufarbeiten werden, um die dort sehr hoch konzentrierten Wertstoffe zu gewinnen.)

Weiterhin fällt in diesen Verbrennungsanlagen noch Filterstaub aus den Abgasen an. Dieser wandert als giftiger Sondermüll irgendwo in Bergwerke als Versatzstoff. Der ist zwar problematischer, als Atommüll, doch es regt sich eigenartigerweise niemand drüber auf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass damit jemand düngen will.


Ja und zum "Problem" Mikroplastik dürfen wir davon ausgehen, dass es weder für den Gärtner, noch für den Konsumenten der Pflanzen irgendein Problem darstellt. Der Boden ist für dieses Mikroplastik quasi ein Endlager. Und immer dann, wenn irgendwelche Mikroben im Boden oder im Darm eines Lebewesens die anaerobe Denitrifikation durchführen, können sie als Kohlenstoffquelle dienen. Auf Grund der mikroskopischen Partikelgröße hat dieses Mikroplastik eine riesige Oberfläche je Kilogramm, so dass dessen Abbau nicht so lange dauert.
Ich sehe kein Szenario, auf welchem Wege Mikroplastik durch die Epidermis der Wurzeln in das Gemüse gelangen könnte. Ebenso wenig Chancen hat Mikroplastik im Boden, irgendwie ins Meer zu gelangen.
Also liebe Gärtner, Ihr dürft weiterhin bedenkenlos Eure Gartengeräte wie Schaufeln oder Harken verwenden! Der mikroskopische Plastikabrieb dieser Geräte ist wie auch Mikroplastik aus anderen Quellen völlig unbedenklich für den Gärtner!


Gata hat geschrieben:
27 Jun 2019, 09:27
Gerade heutzutage, wo Plastik als Problemstoff benannt wird, ...
Warum denn?
Bis Anfang 2018 war Plastik ein ganz normaler Werkstoff, der in Deutschland völlig unproblematisch nutzbar war. Ein Problem stellte und stellt es nur in Entwicklungsländern dar, in denen Plastik über die Flüsse ins Meer eingetragen wird und sich dort massenweise sammelt. Wir erinnern uns mit Grausen an die Bilder von den Olympischen Spielen in Rio!
Nein, liebe Gata, wenn Du einen gebrauchten Plastiktopf innerhalb der EU einer offiziellen Müllabfuhr anvertraust, so wird dieser Blumentopf keinerlei Chance haben, irgendwie ins Meer zu gelangen. Aus diesem Grunde ist hier kein schlechtes Gewissen angebracht.

Wer hat noch in Erinnerung, weshalb seit Mitte 2018 so gegen Plastikwerkstoffe gemobbt wird? Der eigentliche Anlass ist in unseren Lückenmedien kaum noch präsent. Aus diesem Grunde mal ein Link darauf, was Anfang 2018 passiert ist. Und genau deshalb wird seit Mitte 2018 medial aus allen Rohren gegen Plastik geschossen.

Inzwischen hat sich ein reger Aktionismus zur Vermeidung von Plastik etabliert. Kann man machen, muss man aber nicht. Denn die Plastiktüte, in der ich mein Obst kaufe, hat keinerlei Chance, ins Meer zu gelangen. Vielmehr landet sie in der gelben Tonne. Deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen, diese Tüten zu verwenden.
Ja und dann gibt es noch Medien, die über solchen Aktionismus zur Vermeidung von Plastiktüten in Deutschland berichten. Wenn dann noch in derselben Nachrichtensequenz Bilder von irgendwelchen maritimen Plastikmüllteppichen gezeigt werden, so darf man sie ruhigen Gewissens als Lügenmedien bezeichnen, denn sie suggerieren einen Zusammenhang, der einfach nicht realistisch ist.

Gata hat geschrieben:
27 Jun 2019, 09:27
sollte man Alternativen nutzen und Tontöpfe vorziehen.
Wenn Du auf deren Wasserspeichervermögen Wert legst, gibt es in der Tat einen Grund.

Gata hat geschrieben:
27 Jun 2019, 09:27
Dass der Kunststoff gesundheitsschädlich ist, glaube ich zwar auch nicht, dass er aber über Umwege wieder als Mikroplastik in unserer Nahrungskette landet, ist leider realistisch.
Na und? Ist das ein Problem?
Stell Dir einfach mal vor, Du verzehrst ein Schnitzel und verwendest dazu ein Plastikbesteck. Wenn Du das Schnitzel mit dem Plastikmesser schneidest, entsteht ein Abrieb, typisches Mikroplastik. Was geschieht damit? Es klebt am Schnitzel und Du verzehrst dieses Mikroplastik. Na und? Hat das jemals irgendjemandem geschadet? Das Mikroplastik ist nicht wasserlöslich, unverdaulich und wird üblicherweise hinten wieder ausgeschieden, ohne dass jemand etwas davon bemerken wird.

Ja ich habe schon mehrfach Berichte gelesen, dass Wissenschaftler Meeresorganismen untersucht haben und Mikroplastik fanden. Wenn wieder einmal so etwas zu lesen ist, dann möchte ich Eure hochgeschätzte Aufmerksamkeit auf ein winziges Detail richten: Wo genau innerhalb des Tieres wurde dieses Mikroplastik gefunden. In den allermeisten Fällen wurde Plastik im Darminhalt nachgewiesen. Was wäre mit den Plastikpartikeln passiert, wenn das Tier nicht im Labor aufgeschnitten worden wäre? Es wäre ausgesch.... worden.
Krill und andere Krebstiere haben Mikroplastik ausgefiltert, gefressen und das Zeug wurde im Darm gefunden. Selbstverständlich gelangt dieses Mikroplastik in unsere Speisefische, wenn diese die Krebstiere fressen. Davor, dass Mikroplastik in die Fische gelangt, wird auch in diesen Berichten gewarnt. Aber wir denken noch einmal nach, in welchem Organ des Speisefisches das Mikroplastik landet... Jeder, der die Fische nicht im Ganzen verzehrt, sondern vor der Zubereitung ausnimmt und den Verdauungskanal des Fisches entsorgt, wird kaum Mikroplastik in seiner Nahrung vorfinden. Und wenn doch - kein Problem - siehe Gedankenexperiment mit unserem Essbesteck. Und wovor hast Du Angst, außer vor der gerade laufenden Medienkampagne?

Achtung: Diese Entwarnung gilt nicht für Medikamentenrückstände wie zum Beispiel Antibiotika, Hormone und andere Schadstoffe, die die Darmwand der Tiere passieren können und sich in den Tieren am oberen Ende der Nahrungskette akkumulieren.

Chelterrar hat geschrieben:
30 Jun 2019, 22:59
Erschreckend musste ich letztens lesen, dass es auch Blumentöpfe gibt, die aus Polyvinylchlorid hergestellt worden sein sollen, welches ja als gesundheitlich sehr schädlich eingestuft wird.
Was hast Du denn mit Deinen Blumentöpfen vor?
Korrekt ist, dass PVC zum Beispiel nicht für Kinderspielzeug verwendet werden darf. Hier besteht die Gefahr, dass die darin enthaltenen Weichmacher ausgelutscht werden. Auch die Blumentöpfe enthalten solche Weichmacher. Hier macht die Dosis das Gift. Es gibt zwar eine Chance, dass sie vom Gießwasser gelöst und von den Pflanzen aufgenommen werden. Ob man vor den hier in Rede stehenden Mengen Respekt oder Angst haben muss, sei jedem selber überlassen. In jedem Falle warne ich Dich jetzt schon einmal davor, Deine Blumentöpfe zu küssen oder daran zu lecken!!!


Angstfreie Grüße!

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von LCV » 02 Jul 2019, 14:00

> Kann man machen, muss man aber nicht. Denn die Plastiktüte, in der ich mein Obst kaufe, hat keinerlei Chance, ins Meer zu gelangen.

Das kann ich so nicht stehen lassen. Ich entsorge die Plastiktüte über den Gelben Sack/Gelbe Tonne.
So sollte man annehmen, dass diese NICHT ins Meer gelangt.

Aber, zum einen wird bei der Müllabfuhr und den angeschlossenen Betrieben nicht immer korrekt gearbeitet
und zweitens gibt es ja den sehr lukrativen Müllexport. In Italien hatte man irgendwann festgestellt, dass
die mit der Entsorgung befassten Firmen ALLES einfach heimlich im Meer verklappt haben.
Riesige Müllberge werden auch nach Afrika und Asien exportiert. Theoretisch dürften Kunststoffverpackungen
aus Deutschland niemals auf Deponien in Nigeria oder Indien oder Madagaskar auftauchen. Tun sie aber,
obwohl die darin ehemals verpackten Waren in diesen Ländern weder verkauft werden noch würde sich dort
kaum jemand diese leisten können, also markttechnisch gesehen totes Gebiet. Was unterwegs schon über
Bord geht, kann man schwer kontrollieren. Und eines ist auch klar: Eine Deponie in Europa unterliegt ganz
anderen Auflagen zum Schutz des Grundwassers als irgendwo in Afrika, wo das keinen interessiert.

Ich habe gelesen, dass Müll nicht mehr erfasst wird, sobald er die Grenze überschritten hat, also mit
recyceltem quasi gleichgestellt ist.

Es gibt aber noch einen ganz anderen Aspekt: Man benötigt für die Kunststoffherstellung immer noch
Erdöl, das ja auch für Energie oder Medikamente usw. gebraucht wird, aber nicht unendlich verfügbar ist.
Insofern ist es sehr zu begrüßen, wenn man neue Kunststoffe aus Naturmaterialen, also nachwachsbaren
Quellen, erfindet. Vor Jahren, als Brasilien mal unter schlechtem Kaffeeabsatz litt, hatte man dort
auch experimentiert, um Kunststoffe aus Kaffee herzustellen.

Die erwähnten Plastikbeutel im Biomüll sind einerseits natürlich ein Problem. Aber es gibt auch ganz
spezielle Tüten, die voll kompostierbar sind. Die Müllabfuhr müsste eben eine Zeitlang die Tonnen
anschauen und alles stehenlassen, was nicht der Vorschrift entspricht.
Beim Gelben Sack wird es ja auch gemacht. Da gibt es immer noch solche Ignoranten, die zu blöd sind
oder denen eh alles egal ist. Die kippen sogar ihren Aschenbecher in den Gelben Sack aus.

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Gata » 02 Jul 2019, 17:53

biloba hat geschrieben:
02 Jul 2019, 12:40


Gata hat geschrieben:
27 Jun 2019, 09:27
Gerade heutzutage, wo Plastik als Problemstoff benannt wird, ...
Warum denn?
Bis Anfang 2018 war Plastik ein ganz normaler Werkstoff, der in Deutschland völlig unproblematisch nutzbar war. Ein Problem stellte und stellt es nur in Entwicklungsländern dar, in denen Plastik über die Flüsse ins Meer eingetragen wird und sich dort massenweise sammelt. Wir erinnern uns mit Grausen an die Bilder von den Olympischen Spielen in Rio!
Nein, liebe Gata, wenn Du einen gebrauchten Plastiktopf innerhalb der EU einer offiziellen Müllabfuhr anvertraust, so wird dieser Blumentopf keinerlei Chance haben, irgendwie ins Meer zu gelangen. Aus diesem Grunde ist hier kein schlechtes Gewissen angebracht.


Angstfreie Grüße!
Du machst es dir zu einfach. Auch deine Joghurtbecher schwimmen im Indischen Ozean, nicht weil du sie dort hast fallen lassen, sondern die angrenzenden Länder mit ihren technischen Möglichkeiten völlig überfordert sind, unseren Wohlstandsmüll ordnungsgemäss zu receyceln.
Liest du nie berichte wie:" Deutscher Müll überflutet Asien" o.ä.?
Receyceln ist aufwendig und teuer und nie die beste Lösung.
Die beste ist; diesen Müll vermeiden, möglichst so konsequent, dass endlich weniger davon hergestellt wird.

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Babs » 02 Jul 2019, 21:34

Ihr könnt jetzt sagen ich spinne,
aber ich versuche schon seit einigen Jahre möglichste plastikfrei einzukaufen - das ist nicht einfach!
Ich gehe in "unverpackt" Läden, habe immer meine (Baumwoll)beutel dabei, Dosen, Gläser usw. und es gibt normale Seife statt Plastikflaschen und möglichst mikroplastikfreie Shampoos und Kosmetik (ich habe Töchter), der NABU hat eine positivliste rausgebracht.

Zum Einkaufen brauche ich dadurch mehr Zeit, aber zu Hause bin ich dafür schnell. Kühlschranktür auf, reingestellt und fertig. Und ich habe in der Woche deutlich weniger Müll.
Hier in Basel geht alles über Müllsäcke (Müllverbrennung) oder (freiwillig zu kaufende! und selbst zu entstorgende) gelbe Säcke (nur für Plastik) - das merke ich spürbar (großer Haushalt).
Wasser wird in der Glasflasche gesprudelt, das macht auch weniger Müll und Schlepperei.
Manche Läden geben inzwischen Rabatt, wenn man seine Beutel fürs Gemüse mitbringt - kann doch ein Anreiz sein.

Müll sollte vermieden werden, wo es geht. Ganz egal ob Plastik für uns schädlich ist oder nicht.
Es ist unnötige Verschwendung und Verschmutzung.
LG Babs

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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von biloba » 04 Jul 2019, 00:22

Gata hat geschrieben:
02 Jul 2019, 17:53
Liest du nie berichte wie:" Deutscher Müll überflutet Asien" o.ä.?
Doch doch! Einen davon hatte ich doch verlinkt.

Ich erwähnte ja schon mehrfach, dass es bei diesem Aktionismus nicht um Umweltschutz geht, sondern um Profitmaximierung. In der Tat wäre ein Exportverbot das Sinnvollste. Bei Atommüll gibt es das ja auch, sogar innerhalb der EU! Dann müsste das ganze Zeug in die Müllverbrennungsanlagen und das Problem wäre (hier) im Griff.
Kleinvieh mach auch Mist! Jetzt wird die Plastiktüte, deren Herstellung nicht teurer geworden ist, im Supermarkt für 25 Cent verkauft. In wessen Taschen landet die ganze Kohle?

Ein Exportverbot macht die EU aber nicht, denn das wäre für das DSD teuer, nicht so profitabel wie der jetzige Aktionismus.

Also haben die Asiaten, also die Chinesen, jetzt selbst gehandelt und den Import verboten.



@Babs
Ja, das machst Du richtig! Ich praktiziere es auch gerne so, solange der zeitliche und finanzielle Aufwand angemessen ist. Aber uns beiden ist klar, wie minimal der Effekt davon ist.


Nachhaltige Grüße!

Babs
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Re: Essbares in Plastiktöpfen?

Beitrag von Babs » 04 Jul 2019, 10:56

biloba hat geschrieben:
04 Jul 2019, 00:22

@Babs
Ja, das machst Du richtig! Ich praktiziere es auch gerne so, solange der zeitliche und finanzielle Aufwand angemessen ist. Aber uns beiden ist klar, wie minimal der Effekt davon ist.

Nachhaltige Grüße!
Jep, aber Kleinvieh macht auch Mist! :mrgreen:
LG Babs

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