"Anderer" Crataegus
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"Anderer" Crataegus
Hallo Baumfreunde,
irgendwie reizen mich die Fundstücke aus dem Grenzacher Waldgebiet (es handelt sich nur um einen kleinen Teil des Waldes, der ansonsten bis auf den Buchs ziemlich "normal" ist) zu Fragen hier im Forum.
Bei diesem Weißdorn (ein Ast greif- und sichtbar - ob da woanders noch blühende Äste waren, weiß ich nicht) fielen mir als erstes diese riesigen, gezähnten Nebenblätter auf.
Das ganze Blatt war verhältnismäßig groß und durchgehend gesägt.
Also ist es wohl nicht C. monogyna oder laevigata.
Als dritte einheimische Art und mit diesen Kennzeichen wird der langgriffelige (edit: es muss langkelchiger W. heißen) Weißdorn Crataegus rhipidophylla genannt. (Abgesehen von den ganzen Hybrid-Sippen mit denen sich die Profi-Botaniker herumschlagen, so weit möchte ich hier nicht gehen...)
Kann ich diesen Weißdorn als Crataegus rhipidophylla (oder Hybrid mit dessen Beteiligung) einordnen?
irgendwie reizen mich die Fundstücke aus dem Grenzacher Waldgebiet (es handelt sich nur um einen kleinen Teil des Waldes, der ansonsten bis auf den Buchs ziemlich "normal" ist) zu Fragen hier im Forum.
Bei diesem Weißdorn (ein Ast greif- und sichtbar - ob da woanders noch blühende Äste waren, weiß ich nicht) fielen mir als erstes diese riesigen, gezähnten Nebenblätter auf.
Das ganze Blatt war verhältnismäßig groß und durchgehend gesägt.
Also ist es wohl nicht C. monogyna oder laevigata.
Als dritte einheimische Art und mit diesen Kennzeichen wird der langgriffelige (edit: es muss langkelchiger W. heißen) Weißdorn Crataegus rhipidophylla genannt. (Abgesehen von den ganzen Hybrid-Sippen mit denen sich die Profi-Botaniker herumschlagen, so weit möchte ich hier nicht gehen...)
Kann ich diesen Weißdorn als Crataegus rhipidophylla (oder Hybrid mit dessen Beteiligung) einordnen?
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- Crataegus.jpg (50.76 KiB) 6726 mal betrachtet
Zuletzt geändert von bee am 29 Apr 2011, 18:26, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße von bee
Ja, Früchte wären gut. Letztlich kann man die heimischen Crataegus und Hybriden einigermassen sicher nur anhand der Früchte besteimmen - vor allem dann an den Kelchblättern(-Resten) und den Kernen.
Vielleicht schafft Tom es, ein Foto der 'Auriculata' aus unserem Arboretum hier einzustellen, zum Vergleich.
Vielleicht schafft Tom es, ein Foto der 'Auriculata' aus unserem Arboretum hier einzustellen, zum Vergleich.
Schöne Grüße,
Buck
Buck
Die Crataegus rhipidophylla, die ich kenne, haben tiefer gelappte, schärfer und weiter bis zum Blattgrund gezähnte, große Blätter mit spitzlicheren und zahlreicheren Blattlappen. Außerdem sind die Zähnchen der Nebenblätter drüsig unterteilt.
Das fotografierte paßt wohl am ehesten ins Umfeld von C. laevigata.
Das fotografierte paßt wohl am ehesten ins Umfeld von C. laevigata.
Neuer "anderer" Crataegus
Hallo Baumfreunde,
ich möchte doch noch mal auf die einheimischen Crataegus-Arten zurückkommen.
Inzwischen habe ich mir noch mal den „Busch zum Blatt“ angeschaut.
Leider war dieses Blatt von einem nichtblühenden (Lang?-)trieb. Die blühenden (Kurz?-)triebe waren weiter oberhalb – unerreichbar.
Deshalb werde ich von diesem Busch (ohne spezielles Werkzeug wie lange Stangen mit Haken daran) später auch keine Früchte betrachten können.
Die typischen Blattmerkmale beziehen sich lt. Haeupler-Muer auf die Blätter von blühenden Kurztrieben (z.B. auch die Drüsigkeit der Nebenblätter bei C. rhipidophylla).
In diesem Wald (eher trocken) finde ich sehr viele Weißdorne mit ähnlichen Blättern, aber hauptsächlich nicht-blühende Jungpflanzen. Es ist also illusorisch, diese genau bestimmen zu wollen.
Aber:
in dem feuchten Bachtal habe ich eine Pflanze mit verblüffend ähnlichen Blättern gefunden (fast ringsherum gesägt, deutlich eingeschnitten, unterster Nerv leicht von Mittelader weggebogen, Blattgrund deutlich weniger keilförmig – eher gestutzt.
Leider waren die Nebenblätter eigentlich nur an nicht-blühenden Trieben ausgebildet, an Blütentrieben kaum.
Auffällig waren aber die im Vergleich zu C. monogyna und C. laevigata (da kenne ich nur einen einzigen!) deutlich (!) längeren Kelchblätter.
In dem untersuchten Blütenstand waren 5 Blüten geöffnet, alle eingriffelig – bis auf eine (!). Lt. Haeupler-Muer kann das so vorkommen (eingriffelige Blüten und zentrale Blüte, bzw. endständige Blüte manchmal zweigriffelig).
Zum Vergleich noch mal einen typischen C. monogyna (weit eingschnittene Blätter und glatte Schnitte, unterster Nebennerv von Mittelnerv weggebogen) und den einzigen C. laevigata (keine Blüte eingriffelig, fast alle zweigriffelig, im Blütenbild eine Blüte 3-griffelig (!), Blatt weniger eingeschnitten und deutlich rundlicher, unterster Blattnerv zur Mittelader hingebogen.
Ich bin jetzt mal so stur und lege diesen Crataegus unter C. rhipidophylla (eventuell Hybride C. monogyna mit C. rhypidophylla-Beteiligung) ab.
Oder spräche da was dagegen?
ich möchte doch noch mal auf die einheimischen Crataegus-Arten zurückkommen.
Inzwischen habe ich mir noch mal den „Busch zum Blatt“ angeschaut.
Leider war dieses Blatt von einem nichtblühenden (Lang?-)trieb. Die blühenden (Kurz?-)triebe waren weiter oberhalb – unerreichbar.
Deshalb werde ich von diesem Busch (ohne spezielles Werkzeug wie lange Stangen mit Haken daran) später auch keine Früchte betrachten können.
Die typischen Blattmerkmale beziehen sich lt. Haeupler-Muer auf die Blätter von blühenden Kurztrieben (z.B. auch die Drüsigkeit der Nebenblätter bei C. rhipidophylla).
In diesem Wald (eher trocken) finde ich sehr viele Weißdorne mit ähnlichen Blättern, aber hauptsächlich nicht-blühende Jungpflanzen. Es ist also illusorisch, diese genau bestimmen zu wollen.
Aber:
in dem feuchten Bachtal habe ich eine Pflanze mit verblüffend ähnlichen Blättern gefunden (fast ringsherum gesägt, deutlich eingeschnitten, unterster Nerv leicht von Mittelader weggebogen, Blattgrund deutlich weniger keilförmig – eher gestutzt.
Leider waren die Nebenblätter eigentlich nur an nicht-blühenden Trieben ausgebildet, an Blütentrieben kaum.
Auffällig waren aber die im Vergleich zu C. monogyna und C. laevigata (da kenne ich nur einen einzigen!) deutlich (!) längeren Kelchblätter.
In dem untersuchten Blütenstand waren 5 Blüten geöffnet, alle eingriffelig – bis auf eine (!). Lt. Haeupler-Muer kann das so vorkommen (eingriffelige Blüten und zentrale Blüte, bzw. endständige Blüte manchmal zweigriffelig).
Zum Vergleich noch mal einen typischen C. monogyna (weit eingschnittene Blätter und glatte Schnitte, unterster Nebennerv von Mittelnerv weggebogen) und den einzigen C. laevigata (keine Blüte eingriffelig, fast alle zweigriffelig, im Blütenbild eine Blüte 3-griffelig (!), Blatt weniger eingeschnitten und deutlich rundlicher, unterster Blattnerv zur Mittelader hingebogen.
Ich bin jetzt mal so stur und lege diesen Crataegus unter C. rhipidophylla (eventuell Hybride C. monogyna mit C. rhypidophylla-Beteiligung) ab.
Oder spräche da was dagegen?
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- Crataegus monogyna01b_04-2008_Auwald am Rhein.jpg (22.26 KiB) 6614 mal betrachtet
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- Crataegus monogyna01a_04-2008_Auwald am Rhein.jpg (44.87 KiB) 6614 mal betrachtet
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Viele Grüße von bee
Lieber/r Bee!
Den Weißdorn aus dem Laubwald im Bachtal würde ich für einen typischen C. macrocarpa (C. rhipidophylla/lindmanii x laevigata) halten. Dafür spricht m.E. die recht typische Blattform mit den nur etwa bis zu 2/3 eingeschnittenen Buchten, der nicht sehr nah bis an den Blattgrund gezähnelte untere Blattrand und auch die 2-griffelige Blüte (die bei C. rhipidophylla/lindmanii nur sehr selten auftreten dürfte).
Ich hänge ein paar Bilder an von Pflanzen, die ich für (sehr wahrscheinlich) C. lindmanii halte. Man sieht, daß die Buchten tiefer eingescnitten sind und die Blattzähnelung weiter bis zum Blattgrund reicht.
Gruß,
Wildrose
Den Weißdorn aus dem Laubwald im Bachtal würde ich für einen typischen C. macrocarpa (C. rhipidophylla/lindmanii x laevigata) halten. Dafür spricht m.E. die recht typische Blattform mit den nur etwa bis zu 2/3 eingeschnittenen Buchten, der nicht sehr nah bis an den Blattgrund gezähnelte untere Blattrand und auch die 2-griffelige Blüte (die bei C. rhipidophylla/lindmanii nur sehr selten auftreten dürfte).
Ich hänge ein paar Bilder an von Pflanzen, die ich für (sehr wahrscheinlich) C. lindmanii halte. Man sieht, daß die Buchten tiefer eingescnitten sind und die Blattzähnelung weiter bis zum Blattgrund reicht.
Gruß,
Wildrose
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- Crataegus cf. lindmanii
- 2010.10.18 Donnersberg 114 - Crataegus cf. lindmanii.JPG (63.73 KiB) 6596 mal betrachtet
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- Crataegus lindmanii
- 2010.10.08 Mainz-Lerchenberg 19 - Crataegus lindmanii.JPG (116 KiB) 6596 mal betrachtet
Hallo Wildrose,
danke für deine Einschätzung. "Deine" sehen wirklich ein bisschen anders aus.
Mir kam es bisher nur darauf an, festzustellen, dass zumindest C. r. beteiligt ist und kein reiner C. monogyna oder laevigata vorliegt.
Die C. laevigata-Beteiligung sehe ich immer noch als etwas unwahrscheinlich an, weil es in dem Gebiet kaum C. laevigata gibt. Ganz langweilige Angelegenheit normalerweise: ein Griffel, ein Griffel, ein Griffel ...
danke für deine Einschätzung. "Deine" sehen wirklich ein bisschen anders aus.
Mir kam es bisher nur darauf an, festzustellen, dass zumindest C. r. beteiligt ist und kein reiner C. monogyna oder laevigata vorliegt.
Die C. laevigata-Beteiligung sehe ich immer noch als etwas unwahrscheinlich an, weil es in dem Gebiet kaum C. laevigata gibt. Ganz langweilige Angelegenheit normalerweise: ein Griffel, ein Griffel, ein Griffel ...
Viele Grüße von bee
Liebe/r Bee,
die Kreuzungen von C. rhipidophylla/lindmanii mit monogyna sind doch wohl nicht so tief bis in die Buchten und zum Blattgrund hin gezähnt (wie auch das Bild bei Haeupler und Muer zeigt). Ich meine, daß kann man ausschließen.
C. macrocarpa verhält sich übrigens nach unserer Erfahrung bei Aussaat i.d.R. samenecht, d.h. wie eine Art, und kann demnach auch ohne die Eltern vorkommen (diesen Fall, daß die "Kreuzungen" ohne die Elternarten vorkommen, gibt es ja häufiger). Das erklärt auch, daß man die angebliche Kreuzung C. macrocarpa viel häufiger findet als die sehr seltenen C. rhipidophylla/lindmanii.
Die Weißdorne sind, wie viele andere Rosengewächse auch, ein spannendes Feld. In Lettland gab es einen Weißdornfachmann, der Dutzende von europäischen Weißdornarten beschrieben hat und durch Aussaat samenecht vermehrt hat, die die gängige Lehrmeinung alle als Untergeordnete Sippen und zufällige Kreuzungen in das Schema der 4 Arten (C. monogyna, laevigata, rhipidophylla und lindmanii) einordnen würde.
Gruß,
Wildrose
die Kreuzungen von C. rhipidophylla/lindmanii mit monogyna sind doch wohl nicht so tief bis in die Buchten und zum Blattgrund hin gezähnt (wie auch das Bild bei Haeupler und Muer zeigt). Ich meine, daß kann man ausschließen.
C. macrocarpa verhält sich übrigens nach unserer Erfahrung bei Aussaat i.d.R. samenecht, d.h. wie eine Art, und kann demnach auch ohne die Eltern vorkommen (diesen Fall, daß die "Kreuzungen" ohne die Elternarten vorkommen, gibt es ja häufiger). Das erklärt auch, daß man die angebliche Kreuzung C. macrocarpa viel häufiger findet als die sehr seltenen C. rhipidophylla/lindmanii.
Die Weißdorne sind, wie viele andere Rosengewächse auch, ein spannendes Feld. In Lettland gab es einen Weißdornfachmann, der Dutzende von europäischen Weißdornarten beschrieben hat und durch Aussaat samenecht vermehrt hat, die die gängige Lehrmeinung alle als Untergeordnete Sippen und zufällige Kreuzungen in das Schema der 4 Arten (C. monogyna, laevigata, rhipidophylla und lindmanii) einordnen würde.
Gruß,
Wildrose
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Cryptomeria
- Beiträge: 9538
- Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
- Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge
Hallo bee und Wildrose,
sicher habt ihr genug Literatur. Empfehlenswert ist hier auch - als Hinweis - das kleine Büchlein zum Mitnehmen : Wildrosen und Weißdorne Mitteleuropas aus dem Verlag des Schwäbischen Albvereins.
ISBN 3-920801-45-8
Viele Grüße
Wolfgang
sicher habt ihr genug Literatur. Empfehlenswert ist hier auch - als Hinweis - das kleine Büchlein zum Mitnehmen : Wildrosen und Weißdorne Mitteleuropas aus dem Verlag des Schwäbischen Albvereins.
ISBN 3-920801-45-8
Viele Grüße
Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.