Zwergeichen? ---> Quercus turbinella

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch ausserhalb Europa, z.B. Afrika, Asien gesehen, und möchtet ihn bestimmen, dann könnt ihr hier fragen.

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Kiefernspezi
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Zwergeichen? ---> Quercus turbinella

Beitrag von Kiefernspezi » 03 Jan 2011, 08:57

Hallo, die Eiche kennt man ja als wüchsigen, mächtigen Baum. Dass es viele Arten gibt, ist mir auch nicht entgangen. Aber bislang kannte ich nur die großwüchsigen Varianten.
Nun bin ich auf eine Variante gestoßen, die gerade mal bis 5 Meter groß wird und dabei insbesondere an Extremstandorten einen schönen Habitus entwickeln kann.
Es handelt sich dabei um Quercus turbinella (shrub live oak).
Diese Art dürfte hier in Deutschland nicht winterhart sein.
Gibt es weitere so kleine Eichenarten, die man auch hier in Deutschland kultivieren kann?

Viele Grüße
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Zwergeiche als Naturbonsai
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Buck
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Beitrag von Buck » 03 Jan 2011, 10:11

Hallo Kiefernspezi,
ich bin mir zwar nicht sicher, ob auf deinem Bild wirklich Quercus turbinella abgebildet ist - die ist aber bei uns winterhart und wird in einigen wenigen europäischen Sammlungen (auch Deutschland und Luxemburg) seit Jahren kultiviert (wie auch die folgend aufgezählten Arten). Es gibt aus dem Südwesten USA einige andere sogenannter "scrub-oaks", die hier ebenfalls winterhart sind: aus Arizona/New Mexico/California Quercus grisea, Q. vaseyana, Q. x undulata (ein Hybridkomplex) sowie Q. durata, Q. vacciniifolia aus dem Yosemite Park, CA, Q. sadleriana aus Orgeon (eine Reliktart), und aus China z.B. Q. monimotricha. Alles Eichen, die bei uns nur 1-2 m Höhe erreichen, alle winterhart bei entspechendem Standort (vor allem: Schutz gegen Winternässe, denn an den jeweiligen Naturstandorten kann es leicht unter -20°C werden - nur ist es dort meist trocken, auch im Herbst, deswegen ist eine jeweils gute Abhärtung gewährleistet).

Q. turbinella gehört davon zu den härtesten, selbst nördlich von Chicago ist sie in Sammlungen präsent. Sie ist auch nicht gerade immer zwergig, denn sie kann durchaus in Ausnahmefällen bis 9 m Höhe erreichen; dies gilt auch für die anderen Eichen, die meist strauchig, aber unter Umständen auch baumartig wachsen können (bei uns wohl nicht, dazu sind die Standort-Bedingungen nicht optimal).

Schöne Grüsse,
Schöne Grüße,
Buck

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 03 Jan 2011, 10:27

Aha, mal wieder etwas neues gelernt. Gerade das sie so klein bleiben, finde ich sehr gut. In Sammlungen ist sie mir bisher nicht aufgefallen. Vielleicht deshalb, weil es sehr lange dauert, bis ein solcher Habitus entstehen kann und die Bäume nicht so alt waren? Vielleicht auch, weil die repräsentative Kulisse gefehlt hat?
Ich gehe davon aus, dass es genannte Eiche ist, denn ich habe mit Standortangabe einen dort heimischen Botaniker gefragt.
Beim nächsten Mal muss ich schauen, ob sich Eicheln finden lassen.
:P
Ist aber bestimmt schwierig? Fruchten diese Wüstenrandbewohner auch so regelmäßig wie unsere heimischen Arten?

Ps.: Ist dann auch Manzanita winterhart?

Viele Grüße

Buck
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Beitrag von Buck » 03 Jan 2011, 10:42

... ja, Eicheln werden wie bei uns regelmässig angesetzt - sie reifen aber in SW-USA je nach Standort häufig schon Ende August aus bzw fallen aus, deshalb früh sammeln! Q turbinella steht in Deutschland an, soweit mir bekannt, mindest fünf Standorten, darunter in Duisburg, was für dich am nahesten sein sollte.

Manzanita sind allgemein Arten von Arctostaphylos in den USA. darunter gibt es einige Arten, die bei uns wahrscheinlich nicht hart sind, aber zumindest mit Arctostaphylos columbiana kann man es versuchen, die wird viel gepflanzt bis hoch nach Vancouver (was aber nichts heissen will bezüglich der Winterhärte). Wichtig bei den Manzanitas ist: saurer Boden!
Schöne Grüße,
Buck

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Beitrag von Kiefernspezi » 03 Jan 2011, 10:55

Hallo, deshalb fahre ich nicht nach Duisburg, habe ja genug Zwergeichen in Natura gesehen.
Oftmals fallen einem auch erst Dinge auf, wenn man sie auf repräsentative Weise gesehen hat. Und aufmerksam darauf geworden staunt man anschließend nicht schlecht, wie oft diese Art vorkommt.
So habe ich in Nepal eine dort heimische Cotoneaster-Sorte auf 3.700m Höhe angetroffen. Die sah in der Umgebung sehr gut aus.
Dass direkt neben meiner Haustür ein Cotoneaster-Strauch anderer Art steht, habe ich erst nach dieser Reise zur Kenntnis genommen.

Manzanitas habe ich sicher mehrere Arten gesehen, aber nur zwei fotografiert, nämlich arctostaphylos pungens (pointleaf manzanita) und evtl. arctostaphylos glauca (big berry mamzanita).
Von letzterer habe ich ein paar Äpfelchen mitgenommen. Mal sehen, ob das was wird.

Viele Grüße
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point leaf manzanita
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big berry manzanita
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biloba
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Re: Zwergeichen?

Beitrag von biloba » 03 Jan 2011, 17:52

Kiefernspezi hat geschrieben:Gibt es weitere so kleine Eichenarten, die man auch hier in Deutschland kultivieren kann?
Ja, gibt es. Frag mal den Siggi, wie diese Quercus mit Vornamen heißen. Ich hab davon keinen Plan.

Ich erinnere mich an eine besonders kleinwüchsige Art, die ungefähr die Größe eines Heidelbeerstrauches erreicht. (Steht in der Nähe zum Eingang des Gewächshauses) Die soll in Lappland heimisch sein und kann dort wegen der üblichen Schneelast nicht größer werden. Nur im Herbst, wenn Eicheln dran wachsen, erkennt man überhaupt, dass es sich um eine Quercus-Art handelt. So beschrieb er das Gewächs bei einer Führung.

Aufgrund der Heimat dieser Art solltest du damit rechnen dürfen, dass sie bei uns absolut winterhart ist.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria » 03 Jan 2011, 19:33

Winterhart ja, das heißt noch nicht, dass die Pflanzen aus diesen Regionen gut bei uns gedeihen.
Man muss es probieren.
Ich habe das früher bei mir bei Abies sibirica festgestellt.
Die Pflanzen aus dem Norden haben eine sehr kurze Vegetationsperiode, d.h. wenn es dort im Mai/Juni Frühjahr wird, schießt alles und eilt sich, weil im Oktober längst wieder Schluss ist. Wenn es dort warm wird, gibt es keine Spätfröste wie bei uns.
Bei und hier ist es im Februar manchmal schon sehr warm, dann wirds wieder kalt, dasselbe im März, wiederum im April, im Mai gibts wieder Fröste und selbst Anfang Juni friert es speziell bei uns meist nochmal. Jedesmal frieren diese schnellen Austreiber dann wieder zurück und es dauert nicht lange und es ist vorbei.

Dies nur zur vermeintlichen Winterhärte, muss aber bei diesen Eichen nicht der Fall sein.
Das sollte nur ein allgemeiner Exkurs sein.

Viele Grüße

Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

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Beitrag von Kiefernspezi » 04 Jan 2011, 08:55

Hallo Wolfgang,

diese Problematik ist mir bekannt. Im Grund will ich ja auch keine Eiche auspflanzen, sondern mir gefällt dieses kleine, evtl. im Topf händelbare. Am liebsten hätte ich gerne eine Art Bonsai, der aber ohne das Drahten und Beschneiden auskommt, sondern der eben ein echter Bonsai ist. :P
Vorteil ist vor allem neben dem geringen Platzbedarf, dass er nicht so viel Laub abwirft wie die meisten Eichen. Als Kind hatte ich damit alle Hände voll zu tun und das war ok. Aber wenn es ohne Laubharken geht, ist das natürlich noch besser :wink:

Viele Grüße

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