Birnen-Gitterrost und Thuja?

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Reggi
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Birnen-Gitterrost und Thuja?

Beitrag von Reggi »

Hallo Experten,

heute hat mir ein Nachbar erzählt, dass seine Birnbäume unterschiedlichen Alters alle innerhalb von zwei Jahren eingegangen sind, nachdem er eine Thujahecke gepflanzt habe. (Ein befreundeter Gartenbau-Ingenieur habe ihn aber leider ausgelacht, als er behauptete, Thuja mache irgendwie Birnbäume kaputt.)

Nun habe ich im Internet nach Ursachen für den Birnen-Tod gesucht und bin dabei auf den Gitterrost gestoßen. Als Überwinterungswirt wurde immer wieder der Wacholder genannt; zu Thuja fand ich widersprüchliche Aussagen: auf einigen Seiten steht, Thuja wird nie vom Gitterrost befallen, auf anderen Seiten wird sie in einem Atemzug mit dem Wacholder genannt.

Was ist denn wohl richtig?
Oder: gibt es noch eine andere Möglichkeit, warum sich Thuja und Birne nicht vertragen?
Oder: ist es nur Zufall gewesen?

Ich bin auf eure Meinungen gespannt und würde mich über eine Antwort freuen.

Liebe Grüße,
Regine

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Regine,

ich habe schon oft auf Juniperus communis den Birnengitterrostbefall gesehen. Bei den vielen,vielen Thujas bzw. Thujahecken noch nie. Ich bin ziemlich sicher, dass der Birnengitterrost nur den Wacholder als Zwischenwirt nutzt und nicht Thuja, obwohl ich keine Literatur darüber habe.

Viele Grüße

Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

$crooge
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Beitrag von $crooge »

:oops: Also, ich will ja nicht, daß sich jetzt sämtliche Experten hier in den Schlaf weinen, aber mal ganz ehrlich: wir "Normalsterbliche" können viele Thuja- und Wacholderarten nicht auseinanderhalten - im vielzitierten "Volksmund" heißt das ohnehin alles Thuja.
Der bei wikipedia als Hauptwirt genannte Juniperus Sabina etwa, sieht für mich sehr nach etwas aus, was man ohne zu zögern in die Gruppe der 0-8-15-"Thujenhecken"-Gewächse einordnen würde.

Ich könnte mir vorstellen, daß der Nachbar den Begriff Thuja ähnlich dehnbar verwendet. Und bei der Art und Weise, wie viele Baumärkte und Gartencenter mit der Benennung ihre Pflanzen verfahren, würde ich mich auch nicht wundern, wenn an Wacholderpflanzen groß "Thuja" dranstehen würde..... :evil:

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Ein wahres Wort!

Es gibt aber auch für den Nicht- So- Kenner (Laie hört sich immer so komisch an ^^) ein gutes Merkmal, an dem er Thuja und Juniperus unterscheiden kann.
Neben den kugeligen Früchten (Thuja hat kleine, stehende Zapfen) hat Juniperus insbesondere an eher schattig gelegenen Trieben/ Zweigen oft die rund um den Zweig abstehende Benadelung der Jugendform, welche Thuja wirklich nur als kleiner Sämling zeigt. Auch hat Thuja meines Wissens noch keine solch ausgebreitet wachsenden Formen, wie sie viele Juniperus zeigen.
Einfach mal drauf achten =)!

Was die Thuja in Wechselwirkung mit anderen Gehölzen angeht, so weiß ich nur davon zu berichten, daß Thuja und Chamaecyparis gerne im Wirkungsbereich von Robinienwurzeln das Zeitliche segnen. Habe da mal eine neu gepflanzte Hecke beobachten können, von denen 4 Meter im Wurzelbereich einer jungen Wildwuchsrobinie verliefen. Exakt jene 4 Meter wurden alsbald braun und starben ab, der Rest gedeiht noch immer gut.

Von Birnengitterrost an Thuja habe ich indes auch noch nichts gehört, staune aber, daß die Birnen da gleich komplett eingehen. Unter Wacholdernähe leiden sie zwar teils heftig, aber eingegangen sah ich deswegen noch keinen Birnbaum.
Eventuell wirkt aber der in Thuja enthaltene Giftstoff Thujon über das Erdreich oder die Luft auf die Birnbäume so ein, daß sie kurz und bündig die Flagge streichen.
Luftübertragung von flüchtigen Stoffen kennt man ja auch von anderswo:
Packt man reife Äpfel mit grünen Bananen zusammen, sind die aufgrund des vom Apfel ausgegasten Ethylen (hoff. richtig geschrieben) alsbald gelb, ebenso verblühen Blumen viel schneller, sind auch reife Äpfel zugegen.

Meine Vermutung: Ähnlich verhält es sich womöglich mit Thuja und Birnbaum.
Die Thuja gast was aus, was die vielleicht ohnehin von Gitterrost geschwächte Birne vollends umhaut.

Grüße, Andreas

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo Andreas,

das mit den Äpfeln ist auch im Zusammenhang mit Kartoffeln bekannt. Man soll sie nie zusammen im Keller lagern.

Aber zu der Theorie, dass das Thujon evtl. über die Wurzeln vom Birnbaum aufgenommen werden könnte, habe ich eine Frage:
Falls der Birnbaum NICHT den Abgang macht und noch einen Fruchtertrag bringt, könnte es da nicht sein, dass die Birnen sogar leicht giftig werden?
Es wird ja auch bei Verwendung von Gift und Düngemitteln bei Obst und Gemüse ein Zeitrahmen vorgegeben und bestimmte Produkte dürfen überhaupt nicht für essbare Pflanzen verwendet werden. Da wäre es doch nicht auszuschließen, dass so unbemerkt ein Gift in die Früchte gelangt und der Doc im Falle von Beschwerden ziemlich im Dunkeln tappt.

Ich habe mich schon etwas mit dem Thema befasst, als es darum ging, welche Zimmerpflanzen für Haustiere giftig sind. Die bekannte Grünlilie ist grundsätzlich nicht giftig und wird auch gern mal als Katzengras missbraucht. Hat man die aber mit Chemie gedüngt, kann es durchaus zu Vergiftungen führen. Leber und Nieren der Katzen sind ja extrem empfindlich. Ähnliches, um auf Birnen zurückzukommen, würde ich bei Kleinkindern annehmen, denen man die "gesunde Birne" verabreicht. Es wäre vielleicht garnicht falsch, wenn dieser mögliche Zusammenhang erforscht würde. Dann könnte man vermeiden, dass eigentlich gesundes Obst und Gemüse zur Gefahr wird.

Vor ca. 30 Jahren waren einige Winzer auf die Idee gekommen, zwischen den Rebstöcken Löwenzahn (eigentlich mit der gesündeste Salat, aber in einigen Gegenden wird er für giftig gehalten) und sogar Erdbeeren zu kultivieren. Die Böden waren aber schon ziemlich verseucht durch übermäßige Düngung und Verwendung von Gift. Ich hätte größte Bedenken, diese Erdbeeren zu essen. Zum Glück wird heute ein strenger Zeitplan und ein genau bemessenes Kontingent an Gift und Dünger vorgegeben. Und die meisten Winzer sind ganz auf "Bio" umgestiegen.

Gruß Frank

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Hallo zusammen,

hat Ihr auch an ganz nahe liegende Gründe gedacht, die Ursache für das Birnensterben seien können?

Bei Heckenpflanzungen wird in der Praxis nicht selten zu nahe an alten, eingewachsenen Beständen gepflanzt. Nicht wenige vergessen einfach, dass sie dem Baum ans Überlebenswichtigste gehen, wenn nahe am Stamm gegraben wird.
Für mich sieht das geschilderte eher nach Wurzelverlusten und Überbelastung im Wurzelumfeld der Bäume beim Pflanzen der Hecke aus.
Daraus folgt:
War der Pflanzende auch gleichzeitig der Eigentümer oder hat dieser die Hecke über eine Firma gepflanzt?
Ist mit einem Bagger der Pflanzgraben angelegt worden, oder altes mit dem guten alten "Handbagger(Spaten und Schaufel)" erfolgt?


Gruß
Bernd

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Das Argument hat zwar was für sich, aber einen gut eingewurzelten, stabilen Birnbaum wird das nicht komplett umbringen, zumal Birnen ja eigentlich eher Pfahlwurzler sind, wenn ich mich recht entsinne.

Grüße, Andreas

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Kiefer hat geschrieben:Hallo!

Das Argument hat zwar was für sich, aber einen gut eingewurzelten, stabilen Birnbaum wird das nicht komplett umbringen, zumal Birnen ja eigentlich eher Pfahlwurzler sind, wenn ich mich recht entsinne.

Grüße, Andreas
Hallo Andreas,

obwohl Neu im Forum, habe ich schon etliche Jahre berufliche Erfahrung mit den verschiedensten Schadensursachen.
Es ist so wie geschrieben und bei vielen Fällen der Fall, dass der Wurzelverlust bei unmerklich geschwächten Bäumen mit den sich wandelnden klimatischen Gegebenheiten zu rascheren Ausfällen führen kann.
Der Birnengitterrost - wenn schon vorhanden - schwächt die Pflanzen über Jahre oder Jahrzehnte. Der Baum wird substanziell weniger, er lagert immer weniger Zuckerstoffe und deren Folgesynthetika im Wurzelbereich an, die er braucht um auszutreiben, die er aber auch für das Abschotten von Schadbereichen und die Neubildung von Wurzeln benötigt.
Zu deinem Hinweis der Pfahlwurzel.
Jeder Baum ist ein Oportunist, es wird da eingewurzelt wo der Baum bequem hingelangt. Gerade diese weitverbreitete Fehleinschätzung der tatsächlichen Wurzelverläufe der Bäume führt zu solchen Schäden. Denke einfach mal an die DIN 18920 und die RAS-LP als Fachnormen, diese sind seit langem von den starren Mustern abgerückt und versuchen mit praxisnahen Formeln den Baum zu schützen, die sich bewahrheiten (es waren ja auch Fachleute daran).
In der Regel sind bei der Mehrzahl an Fällen, zu denen mein Rat eingeholt wird, eindeutige Fehlleistungen der Tiefbauer, der Gärtner(oder jener die sich als solche ausgeben) oder der strikte Wunsch des Auftraggebers ursächlich für den Ausfall, welcher durch einen Rattenschwanz an Komplikationen und Sekundärerkrankungen eines Wurzelverlustest folgt. Wurzeln sind viel mehr als nur Verankerung, sie sind das "Bauchhirn" des Baumes. Wenn es da nicht mehr richtig läuft, erkrankt der Baum, stirbt ab oder er fällt um. :roll:


Viele Grüße,
Bernd

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Habe Dank für die ausführliche Erklärung =)!
Das die Wurzeln nicht nur bloße Verankerung sind, weiß ich ja ebenfalls, und das der Baum mit denen im wahrsten Sinne des Wortes steht und fällt.

Da hätte ich gleich mal ein OffTopic- Frage, wenn erlaubt =)!
Und zwar gab es ja im Sommer 2002 (glaube ich) einen ziemlich heftigen Sturm, der teils 170 km/h erreichte.
Eine im nahegelegenen kleinen Park stehende Roßkastanie hat es auch umgehauen, daß bemerkenswerte aber war, sie fiel um, ohne eine einzige Wurzel aus dem Erdreich zu heben. Sie lag da wie ein aus dem Boden gepflückter Pilz, komplett runder und wurzelloser Stammansatz, sogar die Wurzelanläufe blieben im Boden.
Wie kommt sowas zustande?
Kann es sein, daß da bei der Pflanzung (die ca. Ende der 50er- Mitte der 60er erfolgte) das Ballentuch nicht geöffnet wurde, und die Kastanie als Langwirkung dessen ohne jegliche Wurzel aus der Erde brach, will ich mal sagen?

Grüße, Andreas

PS: Die Kastanie an sich war äußerlich voll vital, als sie fiel.

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Hallo,
gibt es dazu auch ein Foto?

Die Beschreibung liest sich wie ein typischer Umsturz bei Erkrankung mit dem Brandkrustenpilz Kretzschmeria deusta.
Die Bäume sehen in vielen Fällen so aus, als hätte ein Riese den Baum wie einen Pilz aus dem Boden gedreht.

Wenn ich mich richtig erinnere :idea: , war das der Sturm, der ein paar Bäume im Baumscheibenblumentopf einfach austopfte und wieder ablegte.

Gruß,
Bernd

Reggi
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Beitrag von Reggi »

Hallo miteinander

und vielen Dank für eure Antworten. Da hat sich ja eine ausgiebige Diskussion entwickelt...

Was nun die "Thuja's" und die Birnen betrifft: ich glaube nicht, dass die Wurzeln der Birnbäume beim Bepflanzen der Grundstücksgrenze beschädigt wurden. Sie standen wohl weiter entfernt. Ich hatte heute Gelegenheit, die Nadler mal in Augenschein zu nehmen. Habe ein Zweiglein abgebrochen und mitgenommen, und dann zu Hause Bücher gewälzt. Evtl. könnte es sich um Scheinzypressen handeln...? (Bitte nicht schlagen, bin eine Niete, was Nadelbäume angeht :oops: ) Ich stell mal ein Foto dazu ein. Leider konnte ich den älteren Herrn heute nicht nochmal dazu befragen.

Danke für eure Meinungen,
LG Regine

PS offtopic: Von dem Herrn bzw. der dazugehörigen Großfamilie bekam ich heute ein Stückchen Grabeland zur Pacht zugesprochen. :D Da kann ich dann ein paar von meinen Pflanztöpfen hinstellen, mein Balkon ist einfach zu voll.
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tormi
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Beitrag von tormi »

Tja, diese Thuja beziehungsweise Juniperus ist eine Chamaecyparis lawsoniana 'Glauca'.
LG Nalis

Reggi
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Beitrag von Reggi »

Danke Nalis,

da hab ich ja richtig getippt... :D

tormi
Moderator
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Beitrag von tormi »

Thuja und Chamaecyparis sind sehr gut an den Früchten zu erkennen.
Hier einige Unterschiede:
Thuja:
Gipfeltrieb aufstrebend (bei geschnittener Hecke kaum zu erkennen)
Früchte länglich
es gibt keine blaue/graue Form

Chamaecyparis:
Gipfeltrieb überhängend
Früchte kugelig
es gibt einige blaue/graue Formen
LG Nalis

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Tja so spielt das ( Coniferen-) Leben. Auch Chamaecyparis hat nichts mit Birnengitterrost zu tun, um mal wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. :wink:

Viele Grüße

Wolfgang
P.S. Mit den Früchten ist die Unterscheidung wirklich einfach.
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

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