Ailanthus- ein "schlimmer" Neophyt

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Myricaria
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Ailanthus- ein "schlimmer" Neophyt

Beitrag von Myricaria »

Der Götterbaum ist meiner Meinung nach eines der sinnlosesten Gehölze, die bei uns gepflanzt werden, überhaupt. Er ist als Solitär ein schöner Baum, aber mit sinnlos meine ich: 1. Extrem vermehrungsfreudig. Mit dieser Selbstaussaatsrate können keine anderen fremdländischen Gehölze mithalten.
2. Er lebt meist nur ca. 40-50 Jahre und fault oft schon davor.

Also wieso wird ein Baum, der auf Mittelmeerinseln wie Elba die Macchie bald völlig verdrängt hat, und auch bei uns durchsetzungskräftig ist, überhaupt verkauft?

Ich verstehe es nur nicht, wieso manche wunderschöne heimische Gehölze vernachlässigt werden, und stattdessen die Verbreitung von solchen invasiven Neophyten sogar noch gefördert wird.
Beispiel Australien: Die Bemühungen mancher, die ein Verkaufsverbot von Efeu und anderen in Australien problematischen Pflanzen zum Ziel haben, scheitern an den Bürgern, die nicht auf diese Pflanzen verzichten wollen, und natürlich an den Baumschulen, die keinen Umsatz einbüßen wollen.

Bitte berichtigt mich, falls ich hier Falsches geschrieben habe, aber ich kenne aus eigenen Beobachtungen die ständig wachsenden Götterbaumvorkommen bei Linz, auf einem sonnigen Felshang.
Mitten in der Stadt sind Bäume wie dieser sicher kein ernsthaftes Problem, aber man darf diese Gehölze nicht in die Natur entkommen lassen.
MvG,
Johannes

Kadl
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Beitrag von Kadl »

Ich bin da genau Deiner Meinung. Bei fremdländische Arten, die drohen heimische Arten zu verdrängen sollte man darauf achten, dass sie nicht wie Du so schön sagst "in die Natur entkommen".

Ob es dafür unbedingt ein Verbot braucht weiß ich allerdings nicht. Bei extrem problematischen Arten sollte man aber vielleicht darüber nachdenken. Das gerade die Autralier so schwer damit zurechtkommen wundert da allerdings schon ein wenig. Ihre Fauna wurde ja durch eingeführte Arten schon nachhaltig gestört und dort ist man auch nicht so zimperlich bei der Bekämpfung.

mfg

kadl
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." (Albert Einstein)

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

ob wohl die Baumschulen den Kunden auch sagen, dass die Blüten des Baumes widerlich stinken? Ich glaube aber kaum, dass es für die Baumschulen wesentlich ist, ob sie diesen oder irgendeinen anderen Baum verkaufen. Wenn jemand schuld hat, egal ob in diesem oder in anderen Zusammenhängen, ist es fast immer der Kunde selbst, der etwas unbedingt haben will. Würde keiner diese Pflanze verlangen, würden die Baumschulen auch keine anbieten. Man kann da nur etwas gegensteuern, indem man immer wieder die negativen Aspekte betont. Dann wird es sich mancher überlegen, ob er gerade solche Bäume pflanzen muss.

Viele Grüße
Frank

wolfram
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Beitrag von wolfram »

Hallo,

ich kann mich noch entsinnen, daß der Götterbaum auch Gutes getan hat. Er hat in den ersten Nachkriegsjahren die Trümmer in den Städten besiedelt und diese traurigen Anblicke aufgepeppt. So habe ich es in Leipzig gesehen. Wo er herkam weiß ich nicht, nur daß er plötzlich da war.


VG Wolfram

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

das Gleiche war es auch mit der Robinie: Die Bestände rund um Berlin z.B. entstanden kurz nach dem Krieg.
großer Unterschied: Die Robinie hat ein sehr wertvolles Holz, ist eine gute Bienenweide und ist im Vergleich zum Götterbaum viel weniger invasiv.
Sie kann sich neue Gebiete praktisch nur mit der Hilfe des Menschen erobern, ihre Samenreichweite liegt nur ca. bei 100 m.
Ailanthus dagegen beherrscht sowohl die vegetative als auch die generative Vermehrung sehr gut.

Ich finde nicht, dass die Hauptschuld nur beim Kunden liegt. Wenn jemand, der mit Pflanzen an und für sich gar nichts am Hut hat, einen schönen Baum für seinen Garten haben möchte, wird er wohl eher nicht den Aspekt des Neophyten bedenken, zumal einem Großteil der botanischen Laien dieses Problem gar nicht bekannt ist.
MvG,
Johannes

oswaldkalb
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Ailanthus in der Heilkunde

Beitrag von oswaldkalb »

Der Götterbaum (Ailanthus altissima) wird in der TCM schon lange als Heilpflanze eingesetzt. Neue Forschungen bestätigen seine breite und starke Wirkung auch bei heftigen Erkrankungen, zb AIDS, Krebs.



Mehr Infos zb unter:
http://sebastianvigl.de/heilpflanzen-be ... ailanthus/

JohnDoe
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Beitrag von JohnDoe »

Die erste Verwendung in Europa war als Wirtspflanze für die Seidenraupenzucht. Als diverse Handelsembargos mit China aufgehoben wurden und vor allem die Dampfschiffahrt mit China aufgenommen wurden, blieb der Götterbaum "übrig".

Ein Götterbaum verströmt südliches Flair. Leider ist das aber auch seine ganze "Nützlichkeit".

Johann

AndreasG.
Beiträge: 2946
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Beitrag von AndreasG. »

Ich finde, dass der Eschenahorn viel invasiver ist. Was natürlich nicht heißt, dass der Götterbaum deswegen harmlos wäre.

Andreas75
Beiträge: 4051
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Der Eschenahorn ist aber um einiges konkurrenzschwächer, bildet keine Wurzelbrut, die aus allen Ecken und Winkeln wächst, und bei ihm hat man es leicht, ihn einzudämmen, indem man die weiblichen Bäume rausfällt...
Zudem ist die invasive Zeit des Eschenahorns doch schon vorbei.
Mit dem Häufigerwerden der Niederschläge sind doch in Berlin jetzt vor allem Spitzahorn, Ulmen, Pappeln und Weiden als invasiv anzusehen, da ist es doch nun egal, ob heimisch oder nicht...

Eremit
Beiträge: 64
Registriert: 14 Apr 2010, 20:47

Beitrag von Eremit »

Soweit ich weiß beschränkt sich der Begriff invasiv rein auf nicht heimische Arten, so genannte Neobiota.

Lg, Georg

Gata
Beiträge: 1282
Registriert: 06 Jul 2009, 10:37
Wohnort: Spanien

Beitrag von Gata »

Das Bundesamt für Naturschutz klassifiziert die Pflanzen so:

"Flora = alle Pflanzenarten; die in einem bestimmten Gebiet (z.B. Deutschland) vorkommen

einheimisch/indigen = Pflanzenarten, die von Natur aus in Deutschland vorkommen bzw. seit der letzten Eiszeit ohne Mitwirkung des Menschen eingewandert sind

gebietsfremd/nichteinheimisch = Pflanzenarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern durch den Einfluss des Menschen (beabsichtigt oder unbeabsichtigt) eingebracht wurden

Archäophyten = gebietsfremde Pflanzenarten, die vor 1492 (z.B. im Zuge des Ackerbaus) eingebracht wurden

Neophyten = gebietsfremde Pflanzenarten, die mit dem verstärkten Güteraustausch seit der Entdeckung Amerikas seit 1492 eingebracht wurden

unbeständige Neophyten = Neophytenarten, die gelegentlich zerstreut auftreten, aber nicht etabliert sind (s.u.)

etablierte/eingebürgerte Neophyten = Neophytenarten, die über mehrere Generationen und mindestens 25 Jahre in Deutschland wachsen und sich ohne Zutun des Menschen vermehren

Agriophyten = gebietsfremde Arten, die in naturnaher Vegetation etabliert sind

Invasive Arten = Neophytenarten, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben und auch oft ökonomische Probleme verursachen

Neobiota = Überbegriff für die nichteinheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten "
Zitatende

Andreas75
Beiträge: 4051
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Ich weiß wohl, dass der Begriff "invasiv" eigentlich für eingeführte Pflanzen gilt.
Allerdings ist das in meinen Augen irgendwie mit einem Negativurteil behaftet alá Neophyt gleich übelster Mist.
In der gärtnerischen Praxis macht es indes für mich keinen Unterschied, ob ich da nun zig Dutzend Eschenahornsämlinge roden muss, oder Ulmen- oder Spitzahornsämlinge.
Da ist in meinen Augen die Unterscheidung in heimisch und nicht heimisch eine ziemliche Spitzfindigkeit ;).

Grüße, Andreas

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