Pionierbirken

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kurt
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Pionierbirken

Beitrag von kurt »

Hallo zusammen

Birken sind ja bekanntlich Pionierpflanzen. In einer Waldgruppe beobachte ich seit einigen Jahren ein Birkensterben. Sie haben einen BHD von 15-20cm. Sie stehen zwischen kerngesunden Eichen (BHD 30-50cm). Es scheint mir so, als ob die Birken so langsam aber sicher ihr maximales Alter erreicht haben. Sie wären also um die 80 Jahre alt, die Eichen ein wenig jünger. Das könnte meiner Meinung nach mit den Stammdurchmessern übereinstimmen. Dass eine Birke bald fällt, erkenne ich fast immer an dem Auftreten der Birkenporlinge, auf Bild 0740 nur mit "Adleraugen" erkennbar. Auch die alten Schwarzerlen und Zitterpappeln zeigen ein ähnliches Absterben. Liege ich richtig?
Anschliessend einige Fotos

Gruss
Kurt

Raimond Mesenbrink
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Beitrag von Raimond Mesenbrink »

Hallo Kurt,

ich habe hier eine Birke vor dem Haus stehen, sie hat einen BHD von ca. 35 cm, bei einem Alter von ca. 65-70 Jahren.
Der BHD von 15-20 cm deiner Birken scheint mir für das Alter etwas wenig zu sein.
Vermehrt abgängige Birken sehe ich allerdings seit dem Sommer 2003, das vergangene trockene Frühjahr hat einigen wohl den Rest gegeben.
Des gleichen habe ich hier in der Region bei Ahorn festgestellt und wurde auch von Kollegen bestätigt die ca. 50 km weiter weg wohnen.
Ich weiß zwar nicht, wie der Sommer 2003 bei dir war, oder der vergangene Frühling, aber Trockenheit könnte bei den flachwurzelnden Birken durchaus eine Ursache für das Absterben sein.
Den Rest besorgt dann der Birkenporling, der vornehmlich geschwächte Bäume befällt. Er dringt über abgebrochene Äste oder sonstige Wunden ein. Die Lebenserwartung liegt bei Betula pendula bei 100-120 Jahren. Da hätten deine eigentlich noch ein paar Jährchen vor sich gehabt.

Viele Grüße

Raimond

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Raimond

Dass das Durchschnittsalter der Birken sinkt, schreibe ich eher der regionalen Erwärmung zu, bin mir aber absolut nicht sicher. In dem Waldstück, aus dem die Fotos stammen, sind alle Bäume ca. 20m hoch. Die Solitärbirken sind auch dicker und offensichtlich gesund. Hier haben die Birken auf Kosten des Dickenwachstums in das Längenwachstum investieren müssen, weil ihnen unten die Hainbuchen und oben die Eichen das Licht streitigt machten und noch machen. Unter Feuchtigkeitsmangel leiden sie hier im allgemeinen nicht, das zeigen die Solitäre. Morgen ein Foto eines Solitärs.

Gruss
Kurt

wolfram
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Re: Pionierbirken

Beitrag von wolfram »

kurt hat geschrieben:Birken sind ja bekanntlich Pionierpflanzen. In einer Waldgruppe beobachte ich seit einigen Jahren ein Birkensterben. Sie haben einen BHD von 15-20cm. Sie stehen zwischen kerngesunden Eichen (BHD 30-50cm).
Das ist das Los von Pionierpflanzen, sie haben dann ihre Pflicht und Schuldigkeit getan. Ihre Nachfolger, die Eichen sind gesund und munter.

Gruß
Wolfram

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Wolfram

Meine Frage zielte eigentlich in eine andere Richtung.
1. Lassen absterbende Birken auf das Alter von Eichen (und Buchen) schliessen?
2. Sterben im Waldverbund stehende Birken früher ab als Solitärbirken, weil sie mit dem Nachwachsen der Konkurrenzbäume weniger Sonnenlicht und nutzbaren Wurzelraum zur Verfügung haben?
3. Werden sie durch den Zwang zum übertriebenen Längenwachstum in ihrer Widerstandskraft so geschwächt, dass der Rindenporling leichtes Spiel hat?

Gruss
Kurt

wolfram
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Beitrag von wolfram »

Hallo Kurt,

als Nicht-Waldbesitzer beantworte ich Deine Fragen so:

zu 1) Ich würde da keinen direkten Zusammenhang sehen.

zu 2) Solitärbirken würde ich auf jeden Fall eine höhere Lebenserwartung geben, als solchen in einem dichten Bestand.

zu 3) Das könnte ich mir sehr gut vorstellen.

Gruß
Wolfram

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo Kurt!

Zu 1, Wenn der ganze Bestand an sich, oder aber der Nicht- Birkenbestand ungefähr gleichen Alters ist, dann ja.
Das zeigt, daß der Eichen- / Buchenbestand noch nicht derart alt ist, denn in fest etablierten Beständen dieser kommen eher nie Birken auf!

Zu 2, Stimmt, in reinen Birkenwäldern allerdings sind sie langlebiger und unterdrücken ihrerseits arteigenen Jungwuchs.

Zu 3, Nein, das denke ich nicht!
Die Birke wird durch die allgemeine Konkurrenzsituation so geschwächt, das durch die mangelnde Vitalität der Pilz leichtes Spiel hat!

Grüße, Andreas

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Andreas
Kannst du Punkt 3 nochmal spezifizieren? Zuerst sagst du "Nein", dann bejahst du meine Vermutung. Irgendwie haben wir uns missverstanden.

Gruss
Kurt

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo Kurt!

Du hattest vom Zwang zum übertriebenen Längenwachstum gesprochen, was ich so auslegte, da du meinst, die Birke spart sozusagen an allen Ecken und Enden, also an Wurzelwerk, Blattmasse etc., nur um erst mal Höhe zu erreichen, und sie dadurch anfällig wird.

Ich meinte aber halt mit allgemeiner Konkurrenzsituation den Lichtmangel im geschlossenen Bestand, den Wurzeldruck der anderen Gehölze, Wasserarmut, all sowas, daß die Birke also nicht durch das übertriebene Längenwachstum geschwächt wird, sondern durch viele Faktoren, die es dem Pilz letztendlich ermöglichen, sein Werk zu beginnen.

Sorry, wenn meine Antwort etwas hastig wirkte, aber ich versuche, meine Antworten stets wohl zu formulieren und überlegt darzubringen, aber wenn ich immer fürchten muß, daß doch wieder einer mit der Antwort schneller ist als ich, gerate ich da dann und wann etwas in Hektik, tut mir leid.

Grüße, Andreas

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Andreas

Es steht mir nicht zu, einem langjährigen und erfolgreichen Moderator Noten zu erteilen. Deshalb in aller Bescheidenheit meinerseits: Wieso setzt du dich bei deinem Wissen unter Stress? Ich wünschte, ich hätte dein Wissen, und ich glaube, viele wünschten sich das auch. Wir lesen nicht nur die Antworten der ersten halben Stunde, sondern alle, die Hand und Fuss haben, auch nach Tagen, zumindest ich.

Gruss
Kurt

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Ich mag ja Modi sein, Kurt, aber des ist bloß ein Posten, und bin doch auch nur ein Mensch wie jeder andere. So sage ich manchmal was zu dir, wenn ich was komisch finde, und das gleiche darfst du auch bei mir tun, gar keine Frage, nur so kann man "reifen" =)!

Ansonsten gibt es hier so einen Haufen kompetenter Leute, daß ich mir manchmal etwas im Zugzwang vorkomme. Habe manchmal das Gefühl, hm, nicht nötig zu sein, weil es hier so viele brillante Kenner gibt, und setze mich deshalb vielleicht etwas unter Druck, quasi um nicht unterzugehen ^^! Ich weiß, klingt kindisch, ist es sicher auch, aber ich bin ja erst 32. Die Reife der Jahre, darüber zu stehen, muß leider erst noch kommen ;)!

Lieben Gruß, Andreas

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo

Das Einstellen des in Aussicht gestellten Fotos meiner grössten Solitärbirke erspare ich mir mit Rücksicht auf die Uploadgrenze. Würde auch nichts Neues bringen. Wie bei Raimond: BHD 34cm, Höhe ca. 17m, gesundes Aussehen. Wie solche Birken aussehen, wisst ihr ja sowieso alle.
Warum ich auf solchen anscheinend banalen Themen herumreite, hat folgenden Grund. Durch einen Glücksfall bin ich zu einem Grundstück mit kleinem Wald, Lichtung und Wiesen gekommen. Dieses Land will ich möglichst natürlich erhalten oder sogar, falls nötig, ein bischen formen. Da die Natur in Zeiträumen von 100 Jahren oder mehr "denkt", darf ich keinen Fehler machen, weil ein solcher für lange Zeit nicht mehr korrigiert werden kann. Das nur zur Erklärung, warum ich so oft "Ich" schreibe oder "Mein Wald" etc. Es ist nicht als Angeberei gemeint, (hat mir auch niemand vorgeworfen).

Gruss
Kurt

Raimond Mesenbrink
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Beitrag von Raimond Mesenbrink »

kurt hat geschrieben:Hallo

Das nur zur Erklärung, warum ich so oft "Ich" schreibe oder "Mein Wald" etc. Es ist nicht als Angeberei gemeint, (hat mir auch niemand vorgeworfen).
:wink: Hallo 'Alter Aufschneider' :wink: ,

ich glaube, die wenigsten Baumkundler hier sind Besitzer eines Waldes.
Da du in dieser glücklichen Lage bist, finde ich es sehr interessant und lehrreich, was du an Beobachtungen einstellst. (da denke ich nicht an Angeberei und ich nehme an, die anderen sehen das genauso)
Man kann nur davon profitieren, wenn man auch über den Tellerrand hinausschaut. Ich freue mich immer über deine Beiträge!

Viele Grüße

Raimond

P.S. Ich hoffe, du nimmst mir die Ansprache nicht übel.

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Andreas

Du übst hier in Baumkunde 2 Funktionen aus.
1. Moderator: Ein Moderator muss im ursprünglichen Sinne des Wortes ausgleichen, steuern, besänftigen oder anregen, falls erforderlich. Er muss auch eingreifen wenn nötig.
2. Normales Forumsmitglied, das sein Fachwissen einbringt oder Auskünfte sucht. Näheres hierzu habe ich oben schon gesagt. Hier gibt es keine Punkte für Schnelligkeit, sogar Fehler sind erlaubt, dafür ist es ein Forum

Meine persönliche Meinung

Gruss
Kurt

PS: Jugend ist keine Schande, Alter kein Verdienst.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallö!

Ich habe heute zu den Birken auch eine schöne Beobachtung gemacht.
Wir haben gestern eine neue Gartenpflegestelle angefangen, und der Laubhaufen zum Abkippen von Falllaub/ Ästen grenzt unmittelbar an einen kleinen Auwald an (also so See, Röhricht, z. Zt. überfluteter Laubwald aus Erle, Ulme, Birke, Pappel, Ahorn)...

Der etwas über der Wasserlinie gelegene Wald ist von einer alten Flatterulme dominiert, drum herum stehen einige ältere Spitzahorne, Jungulmen, und zum Firmengelände hin ein Bestand aus jüngeren Spitzahornen, einer alten und einigen jüngeren Birken.
Während die alte Birke erkennbar durch ihre Stammdicke und ihre relativ ausladenden Äste älter ist als das ganze Jungholz, sind die jüngeren Birken nur um weniges älter als der Spitzahorn- Nachwuchs. Sie stehen mitten zwischen den Ahornen, die ihnen bereits sehr empfindlich zusetzen. Keine der jüngeren Birken im Bestand hat mehr ausladendere Äste, alle haben eine schüttere "Krone", just so wie in Kurts Bild, nur die Pilze fehlen noch, und die Birken am Rande des Bestandes sind alle tierisch phototrop gewachsen, sprich sind zumeist alle schrägwüchsig mit gutem Zweigbesatz nur auf der Lichtseite...

Die jungen Spitzahorne, die im Alter zwischen etwa 20 - 4 Jahren liegen, verdeutlichen, wie empfindlich und rasch Birken auf artfremde Konkurrenz reagieren.
Die alte Birke, mag sie etwa 60 Jahre alt sein, konnte recht ungestört aufwachsen, alle jüngeren hingegen, die mit dem begleitenden Gehölz aufwuchsen, sind bereits jetzt, vielleicht 30- 15jährig, dem Untergang geweiht.
Die Faktoren, warum die alte Birke mangels Konkurrenz durch Ahorn- und Ulmennachwuchs so gut aufwachsen konnte, weiß ich nicht, vermute aber, daß zu ihrer Jugendzeit der allgemeine Wasserstand noch höher war, durch anderen Gehölznachwuchs also keine Gefahr drohen konnte!

Grüße, Andreas

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