Lilienhähnchen?

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Chelterrar
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Lilienhähnchen?

Beitrag von Chelterrar »

Moin,

Gerade beim Bilder sortieren über eines mit einem roten Käfer gestolpert, welcher auf einer Lilie war.

Nach ein wenig Recherche bin ich auf das Lilienhähnchen ( lilioceris lilii) gestoßen, das große Ähnlichkeit mit dem Käfer des Fotos hat.

Stimmt das? Und hatte der Käfer ein wenig an den Blättern auf dem Bild genascht?

LG Chelterrar
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Spinnich
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Re: Lilienhähnchen?

Beitrag von Spinnich »

Hallo Chelterrar,

Die Gattung Lilioceris ist schon beim ersten Blick eindeutig.
Bei mir in Franken könnten wohl 3 Arten auftauchen, wovon eine L. schneideri erst spät als eigene von L. merdigera (kaum) zu untescheidende Art bestimmt wurde.
In Bayern ist alpin auch noch eine vierte Art Lilioceris tibialis zu finden, mit rotem Scheitel und roten Unterschenkeln (Lilienhähnchen, Lilioceris lilii hat schwarzen Kopf und dunkle Beine)

Lilioceris tibialis - Foto T. Haye auf 'koleopterologie.de'
Bild

Unterschiedliche Färbung von Kopf und Beinen (komplett roter Kopf) bei Lilioceris merdigera, Maiglöckchenhähnchen, aber sehr ähnlich ist auch noch Lilioceris tibialis, siehe oben

Lilioceris merdigera bei wikipedia, Foto Sputniktilt
Bild

somit ist es eindeutig die von Dir vorgeschlagene Art Lilienhähnchen (Lilioceris lilii).

Lilioceris lilii bei wikipedia, Felix Abraham
Bild

Wenn man die Käfer fängt und in der Hand eingeschlossen ans Ohr hält, kann man ihr lautes Zirpen (Unterfamilie: Zirpkäfer) vernehmen.
Die Fraß-Stellen sind wie angenommen von dem Käfer, aber erst wenn ein stärkerer Befall vorliegt gibt es stärkere Schäden.
Dann sollte man die Käfer besser absammeln.

LG Spinnich 8)
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Chelterrar
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Re: Lilienhähnchen?

Beitrag von Chelterrar »

Moin Spinnich,

Besten Dank für die Einschätzung und die ausführliche Dokumentation der anderen Arten.

Ich bin recht begeistert, was man alles entdecken kann, wenn ein gewisser Artenreichtum an Pflanzen vorherrscht. In diesem Jahr werde ich umso genauer mal hinschauen, was ich sonst noch so für Käfer finden werde. Es ist nur ein wenig schade, das die Insekten in unseren Breiten immer so klein sein müssen, aber dann muss man halt mehr suchen, also auch eine Herausforderung.

LG Chelterrar

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bee
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Re: Lilienhähnchen?

Beitrag von bee »

Hallo,
hier gab es mal ein Off-Topic-Rätsel, Lilienhähnchen inkl.
Ich könnte eigentlich irgendwann noch mal so ein Rätsel machen - hier war ein zweites Rätsel von 2018 - aber tatsächlich habe ich den Eindruck, die Insekten werden immer weniger. Ist schon länger her, dass ich da so Nahaufnahmen machen konnte.
Viele Grüße von bee

Spinnich
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Re: Lilienhähnchen?

Beitrag von Spinnich »

Hi,
Trotz dem alltäglichen Rückgang der Insekten, es gibt dafür auch neue Beobachtungen.
Wenn der Garten zur Trockensteppe wird kann man auch neue Bewohner entdecken, wie den Feld-Sandlaufkäfer oder bereits im Frühjahr bis in den Frühsommer diverse bodenbrütende Sand-/Wildbienen und Grabwespen. Hier hat sich die Artenvielfalt und die Individuenzahl bei mir eher erhöht.

LG Spinnich :wink:
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stefan
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Re: Lilienhähnchen?

Beitrag von stefan »

Spinnich hat geschrieben:
06 Jan 2021, 09:50
...
Die Fraß-Stellen sind wie angenommen von dem Käfer, aber erst wenn ein stärkerer Befall vorliegt gibt es stärkere Schäden.
Dann sollte man die Käfer besser absammeln.

...
die größeren Schäden machen allerdings die Larven.
Sie sehen aus wie kleine Nacktschnecken und sind meist bedeckt von ihrem Kot; da bleibt von den Blättern meiner Türkenbund-Lilien fast nicht übrig :-(
Typisches Bild hier: Bild
(Quelle https://www.insects.ch/php/mhsCms/index ... &NGR_ID=60)

Gruß
Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

Spinnich
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Re: Lilienhähnchen?

Beitrag von Spinnich »

Hallo Stefan,
Wenn es einen nicht stört, dass ein paar Fraßstellen an einzelnen Blättern durch wenige Käfer verursacht werden und solange der Befall nicht verhindert, dass die Pflanzen zum Blühen gelangen ist es ja noch kein Grund zur Panik.
Oft stellt sich auch durch Fressfeinde ein Gleichgewicht ein.

Bei einem recht frühzeitigen Befall noch junger Lilien im Austrieb kann es nötig sein rasch zu handeln, da gibt es aber auch etliche Möglichkeiten.
Mit Kaffeesatz unter den Pflanzen kann man mitunter schon vorbeugen, dass die Käfer sich gar nicht erst einfinden.
Larven lassen sich leicht mit einem Gartenschlauch abspritzen, die Käfer kann man bei kleineren Anpflanzungen absammeln, sonst mit diversen Hausmitteln auch gut bekämpfen bzw. vergrämen.

Bei mir im Garten hatte ich auch mal eine Plage, nämlich die Salomonssiegel-Blattwespe (Phymatocera aterrima) oder auch Maiglöckchen-Blattwespe, deren graue raupenartige Larven die Blätter von meinem üppigen Bestand an Salomonsiegel (3 Qm) jedes Jahr bis zum Skelett abgefressen haben, nachdem die sich erst mal etabliert hatten.

Zum Glück sind die Larven immer erst aktiv geworden, nachdem die Blüte bereits vorbei war. Ich habe daher auch gar nichts unternommen um die etwa zu dezimieren.

Das Problem hat sich dann auch nach 3 starken Befalls-Jahren von selbst erledigt. Innerhalb von 2 Jahren ist der Bestand zusammengebrochen und seitdem sind die Blattwespen völlig verschwunden.
Ob sich Vögel, Schlupfwespen oder Bakterien als Antagonisten der Tierchen angenommen haben, weiß ich nicht, ist aber auch egal.

Sollten mal wieder welche auftauchen, werde ich mich eben wieder in Geduld üben.

Eher wäre ich bereit mit biologischen Waffen zurück zu schlagen, wenn einem Schädlinge wie Werren die ganze Gemüsekultur zu vernichten drohen.
Da könnten geeignete Nematoden durchaus ein Mittel der Wahl sein.

LG Spinnich :)
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