Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

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biloba
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Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

Beitrag von biloba »

Für einen Fichtenfort wäre es wahrscheinlich nicht praktikabel. Aber kann man eine solche Fichte nicht ausnahmsweise mit einem systemischen Insektizid vor den Käfern schützen?


Betrübte Grüße!

Hilmar
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Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

Beitrag von Hilmar »

Im Elbsandsteingebirge und der Oberlausitz steht die Forstwirtschaft aktuell vor viel gravierenden Problemen. Da wird für den Schutz eines einzelnen Baumes keine Zeit gewesen sein. Hier sterben ganze Wälder. Dort wo man die abgestorbenen Bäume schon entfernt hat, sieht es aus wie im brasilianischen Regenwald nach der Brandrodung. Ich sehe zukünftig gravierende Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Sauerstoffproduktion und Artenvielfalt. Völlig egal, wie man zu Fichtenmonokulturen steht.
Noch schlimmer, es existieren jede Mengen Unternehmen, welche die abgestorbene Bäume fällen und abtransportieren, aber wer pflanzt nach?
Und vor allem, was soll man nachpflanzen? Ohne nachzupflanzen, wachsen hektarweise nur Brombeere und Landreitgras. Da wächst kein Baum mehr von selbst nach. Und ohne Pflege wachsen die frisch gepflanzten Bäume auch nicht lange, wenn sie denn ohnehin die Frühjahrtrockenheit überleben.

Gruß Hilmar
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Restwald nach Fällung abgestorbener Bäume
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der Wald stirbt
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biloba
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Re: Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf, Register-Nr.: 2537

Beitrag von biloba »

Hallo Hilmar,
Hilmar hat geschrieben:
11 Dez 2020, 10:19
Im Elbsandsteingebirge und der Oberlausitz steht die Forstwirtschaft aktuell vor viel gravierenden Problemen. Da wird für den Schutz eines einzelnen Baumes keine Zeit gewesen sein.
für die Forstleute gewiss nicht. Aber für die Umweltbehörden? Dort hätte ich Potential gesehen.
Hilmar hat geschrieben:
11 Dez 2020, 10:19
Ich sehe zukünftig gravierende Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Sauerstoffproduktion und Artenvielfalt. Völlig egal, wie man zu Fichtenmonokulturen steht.
Wasser dürfte das größte Problem sein, wenn die Erosion zu stark wird.
Sauerstoffdefizite wirken sich ohnehin nicht lokal aus.
Für die Artenvielfalt dürfte es ein Segen werden.

Hilmar hat geschrieben:
11 Dez 2020, 10:19
Ohne nachzupflanzen, wachsen hektarweise nur Brombeere und Landreitgras. Da wächst kein Baum mehr von selbst nach.
Das erstaunt mich jetzt aber. Üblicherweise entstehen da Sukzessionsflächen, auf denen zuerst Birken, Pappeln usw. heimisch werden. Also im Bayerischen Wald und im Harz hat man da andere Erfahrungen gemacht.

Es mag aber sein, dass dies nicht den Vorstellungen der Waldbesitzern entspricht.


Grüße!

Baobab
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Re: Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf, Register-Nr.: 2537

Beitrag von Baobab »

Stimmt, das entspricht nicht den Vorstellungen der Forstleute. Aber es ist tatsächlich so, wie Biloba schreibt. Wenn man nichts tut, wird sich zuerst eine Krautschicht bilden, meist mit Brombeeren und sonstigen bodenbedeckenden Arten. Nach und nach werden sich Pioniergehölze wie Birken und Co. etablieren. Nach vielen Jahren wird die Krautschicht schütterer, da sie beschattet wird, nun hat es Platz für Bäume, die auch im Schatten aufwachsen können. Nach ca. 100 Jahren wird wieder ein Wald da stehen.

Die Natur hat Zeit, der Mensch nicht.

Hilmar
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Re: Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf, Register-Nr.: 2537

Beitrag von Hilmar »

Hallo Biloba,
hallo Baobab,

warum werden dann Projekte finanziert, welche fernab jeglicher Kontrolle Bäume im gerodeten Regelwald pflanzen sollen, wenn alles soooo easy ist?
Die Gefahr der Versteppung ehemaliger Waldgebiete in Deutschland bleibt völlig unberücksichtigt.

Der Bayrische Wald hatte Glück gehabt, dass er sich zu einer Zeit erneuert hat, als noch keine gravierenden Niederschlagsdefizite existierten.
Allein die geschichtliche Entwicklung des deutschen Waldes zeigt doch, dass ohne Pflanzungen kein brachbarer Wald mehr entsteht.
Brauchbarer Wald: Der Begriff beinhaltet auch eine Nutzung der Bäume zu Baumaterial, also Balken, Bretter, etc. Stellt Euch Eure Umgebung ohne Holz vor.

Derzeit soll der Holzeinschlag ohnehin nur 50% des Verbrauchs innerhalb Deutschlands decken (meine ich mal gelesen zu haben).
Die Diskussion lenkt jedoch zu sehr von dem hier vorgestellten Baum ab, dient aber für machen Denkanstoß.

Gruß Hilmar

Baobab
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Re: Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf, Register-Nr.: 2537

Beitrag von Baobab »

Die Projekte und die Baumanpflanzungen werden vorallem deshalb finanziert und gemacht, weil wir, die Menschen, nicht ganz so geduldig wie die Natur sind. Und wie du erwähnst, meist soll es ein Wald nach unseren Vorstellungen werden, also mit hochwertigen Bäumen, die wir für den Hausbau und anderes gebrauchen können.

Ein natürlich gewachsener Wald - besonders heute mit der zunehmenden Trockenheit - bildet selten vor dem 100. Jahr hochgewachsene Bäume mit schlanken Stämmen. Meist bilden sich Mischwälder mit Bäumen jeglicher Struktur. Da kann es mal sein, dass es ein ein, zwei hochgewachsene Bäume gibt, darum stehen niedrigere „wertlosere“ Hölzer. Es ist ähnlich wie bei einem Kornfeld. Einzelne Weizenhalme weit verstreut bringen nicht viel ausser viel Arbeit, ein ganzes Kornfeld aber vermag so manchen Mehlsack zu füllen. Ein gepflanzter Wald ist eigentlich nichts anderes als ein Acker mit einer Ertragszeit von ca. 50 - 100 Jahren.

Chelterrar
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Re: Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf, Register-Nr.: 2537

Beitrag von Chelterrar »

Hilmar hat geschrieben:
13 Dez 2020, 18:57
Hallo Biloba,
hallo Baobab,

warum werden dann Projekte finanziert, welche fernab jeglicher Kontrolle Bäume im gerodeten Regelwald pflanzen sollen, wenn alles soooo easy ist?
Die Gefahr der Versteppung ehemaliger Waldgebiete in Deutschland bleibt völlig unberücksichtigt.

Der Bayrische Wald hatte Glück gehabt, dass er sich zu einer Zeit erneuert hat, als noch keine gravierenden Niederschlagsdefizite existierten.
Allein die geschichtliche Entwicklung des deutschen Waldes zeigt doch, dass ohne Pflanzungen kein brachbarer Wald mehr entsteht.
Brauchbarer Wald: Der Begriff beinhaltet auch eine Nutzung der Bäume zu Baumaterial, also Balken, Bretter, etc. Stellt Euch Eure Umgebung ohne Holz vor.

Derzeit soll der Holzeinschlag ohnehin nur 50% des Verbrauchs innerhalb Deutschlands decken (meine ich mal gelesen zu haben).
Die Diskussion lenkt jedoch zu sehr von dem hier vorgestellten Baum ab, dient aber für machen Denkanstoß.

Gruß Hilmar
In Zeiten, in denen überlegt wird, ob das zu viele Holz aus den Fichtenwäldern nicht in extra umgerüsteten Kraftwerken verheizt werden soll, herrscht vieles, aber sicherlich kein weiterer Bedarf an Holz.
Die ausschließlich nach der Formel schnelles Wachstum+ gerade Stämme = sehr gutes Kapital angelegten wirtschaftlichen Monokulturen der Fichten waren ein forstlicher Griff ins Klo und hatten nicht berücksichtigt, dass eine subalpine Baumart in der kühlgemäßigten Zone, wenn es nicht immer nass sein wird, nicht überleben kann. Das Absterben der in Reih und Glied gepflanzten Fichtenmonokulturen ist nun das Ergebnis dieser Fehlplanung.
Für die Förster ist das ein riesiger wirtschaftlicher Verlust, denn niemand will ihre geraden Stämme haben, die Sägewerke sind ausgebucht und auch der Harvester kostet. Und der kostet viel, viel mehr als die potenziellen Käufer ob des Überangebots zu zahlen bereit sind.
So ist es fast wirtschaftlicher, die Stämme, also das brauchbare Holz, welches ja ach so gern überall verwendet wird, lieber im Wald von wenigen Pilzen zu zersetzen lassen, statt es mit Harvester zu entfernen und zu verkaufen.

Doch diese Holzschwemme durch das Massensterben der Fichtenforste wäre nicht das einzige Problem, wenn es nur in Deutschland wäre. Leider haben sowohl polen und Tschechien ein ähnliches Dürreereignis erlitten und da in den beiden Ländern alles nun einmal günstiger ist, als hierzulande, wird der deutsche Holzmarkt abermals mit den ausländischen Billighölzern überflutet.

Wenn ich mir meine Umgebung ohne Holz vorstelle, muss ich konstatieren, dass so ziemlich fast alles bei mir aus Kunststoff, Metall, Steinen usw. besteht. Nur die Möbel sind überwiegend holzlastig, aber die wechsle ich auch nicht jeden Tag. Das Problem dieser Zeit ist es, dass Dinge aus Lust und Laune und nicht nach Bedarf gekauft und weggeworfen werden. Würde nur das Holz geschlagen, was auch wirklich gebraucht wird, es bräuchte deutlich weniger unnatürliche Forste.

Und ein deutlich wertvollerer Wald wäre einer, der eine gewisse Artenvielfalt zulässt und qualitativ hochwertiges Holz liefert. Also ein Mischwald, statt einer Monokultur. Ein Wald, wo man auch einmal eine Eiche alt werden lässt, statt alles zu entnehmen. Das ist zwar dann noch kein Urwald, die sind in meinen Augen der wertvollste Wald, aber immerhin sind diese dann nicht gänzlich nutzlos für die Arten in Deutschland, von denen 1/3 vom Aussterben bedroht sind.
Und ja, eine Fichtenmonokultur ist nutzloser, als ein Bio Weizenfeld, hart aber wahr.

Demnach denke ich, dass die Anlegung einiger Mischwälder, die Abkehr von Monokulturen, die Erhöhung der Anzahl der Urwälder und eine ganz klare und striktere Holzpolitik und ein damit einhergehendes nachhaltigeres Ressourcenmanagment mit Komponenten wie Recycling, langlebigeren Holzartikeln und dem Fällen nach Bedarf mit geringer Verschwendung eine für den Förster, dem Klima und dem Erhalt der Arten empfehlenswerte Strategie wäre, die aktuelle Situation zu verbessern, statt wie gehabt weiter auf Monokulturen, suboptimalen Arten oder aktionistischer sofortiger Aufforstung zu beharren.

Aber das ist die Meinung eines Laien, die durchaus auch komplett falsch sein kann. Allein schon, weil neben dem Klimaschutz der Artenschutz den meisten Förstern und Waldbesitzern, ebenso wie Landwirten, völlig egal ist und es deshalb ja auch Gesetze bedarf, damit diese nicht durch ihr kapitalistisches Gewinnstreben alles vernichten und zerstören. Aber das ist auch mehr eine Kritik am System und es gibt auch Förster, die schon eine Transformation hinter sich haben und in einem Wald mehr sehen, als eine wachsende Geldquelle, wie z.B. der Peter Wohlleben, dessen Entwicklung ich sehr beeindruckend finde. Wer käme schon auf die Idee, Bäume wie wertige Lebewesen zu behandeln und ihnen Rechte einzugestehen? Aber wenn sowas mal politisch wird, dann wird die Angst der Waldleute ins Unermessliche steigen, demnach ist es gut, wenn noch genug Leute sowas als Spinnerei abtun.

LG Chelterrar

biloba
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Re: Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf, Register-Nr.: 2537

Beitrag von biloba »

Hilmar hat geschrieben:
13 Dez 2020, 18:57
warum werden dann Projekte finanziert, welche fernab jeglicher Kontrolle Bäume im gerodeten Regelwald pflanzen sollen, wenn alles soooo easy ist?
Das kann so mancher Umweltsau in den reicheren Ländern durch diesen Ablasshandel das Gewissen ein wenig beruhigen. Doch wenn sie Glück hat, kommt das Meiste von diesen Geldern tatsächlich an der richtigen Stelle an.
Viel sinnvoller und ehrlicher hielte ich es, wenn man selbst durch den eigenen Lebenswandel den eigenen ökologischen Fußabdruck so weit wie möglich verkleinern würde.

Hilmar hat geschrieben:
13 Dez 2020, 18:57
Die Gefahr der Versteppung ehemaliger Waldgebiete in Deutschland bleibt völlig unberücksichtigt.
In einem natürlich gewachsenen Wald kommt mir diese Angst zuletzt. Allenfalls eine Verschiebung des Artengleichgewichts kann ich mir vorstellen, wenn diverse trockenresistente Arten ihre Vorteile ausspielen können. Doch das passiert ebenso allmählich, wie der Klimawandel.
Stirbt eine Fichtenmonokulturplantage ab, entsteht in der Tat vorläufig eine hässliche Lücke. Gewiss nicht dauerhaft.

Hilmar hat geschrieben:
13 Dez 2020, 18:57
Der Bayrische Wald hatte Glück gehabt, dass er sich zu einer Zeit erneuert hat, als noch keine gravierenden Niederschlagsdefizite existierten.
Ich bin auch überzeugt, dass der Umbau auch im Harz erfolgreich verlaufen wird. In diesen trockenen Jahren.
Hilmar hat geschrieben:
13 Dez 2020, 18:57
Allein die geschichtliche Entwicklung des deutschen Waldes zeigt doch, dass ohne Pflanzungen kein brachbarer Wald mehr entsteht.
Brauchbarer Wald: Der Begriff beinhaltet auch eine Nutzung der Bäume zu Baumaterial, also Balken, Bretter, etc. Stellt Euch Eure Umgebung ohne Holz vor.
Also den ursprünglich einmal vorhandenen Wald fanden unsere Vorfahren auch ganz brauchbar. Eben deshalb wurde er abgeholzt und das Holz zu Tal geflößt.
Es bleibt abzuwarten, wie gut sich Pappeln und Birken verwerten lassen. Auch die Samen von Ahorn und Linde fliegen gut durch die Luft. Wenn es Buchen oder Eichen sein sollen, müsste der Forstmann ein wenig nachhelfen.
Aber bitte beachte meine Faustregel: Die Bäume wachsen auch nicht schneller, wenn Du zweimal täglich dran ziehst.

Auf den Konflikt mit den Waldeigentümern hatte ich bereits hingewiesen.

Hilmar hat geschrieben:
13 Dez 2020, 18:57
Die Diskussion lenkt jedoch zu sehr von dem hier vorgestellten Baum ab, dient aber für machen Denkanstoß.
Kein großes Problem. Ein Moderator könnte den Teil der Diskussion gerne abteilen und separaten Titel geben.

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baumlaeufer
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Re: Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf, Register-Nr.: 2537

Beitrag von baumlaeufer »

Hilmar hat geschrieben:
13 Dez 2020, 18:57
Hallo Biloba,
hallo Baobab,

.....
Die Diskussion lenkt jedoch zu sehr von dem hier vorgestellten Baum ab, dient aber für machen Denkanstoß.

Gruß Hilmar

Ich habe hier als Moderator hier im Baumregister kein Problem damit und verfolge mit Interesse die Diskussion . Sollte jemand der Mit- Moderatoren hier auf die Idee kommen, einige Beiträge wegen der Allgemeinbedeutung auch woanders hin zu kopieren, gerne. Deswegen schreibe ich Stefan mal an.....


Baumlaeufer

P.S Einzig bleibt das Problem, daß die informativen Beiträge irgendwann in der Masse der Forenbeiträge zu Registerbäumen verschwinden. Dann muß man sich an den Titel " Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf " erinnern.
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
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Spinnich
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Re: Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

Beitrag von Spinnich »

Die Ausführungen von Chelterrar decken sich weitgehend mit meinen Gedanken.
Nebenbei ist es ja so, dass Fichte ein einfach zu handhabendes Bauholz ist,
das bedeuted aber nicht, dass mit entsprechender Fachkenntnis und Verarbeitung andere Hölzer ungeeignet wären.
Selbst Tropenhölzer, die immer noch dem Raubbau unterliegen können z. B. durch Robinie (Unkraut!) ersetzt werden.

Dass nach einer Phase der extremen Abholzung in Mitteleuropa, vorwiegend durch Raubbau, Übernutzung, für Kriegszwecke (Flotten) usw. viele Länder nur noch reliktartig bewaldet waren, erklärt die Notwendigkeit der ersten Aufforstungsmaßnahmen.
Zunächst mit schnell wachsenden Bäumen und ohne die Kenntnisse, die uns heute zur Verfügung stehen.

Dass man es in den letzten 100 Jahren leider nicht geschafft hat, den Wald umzugestalten, will heißen die angepassten Arten, insbesondere Buchen, aber auch etliche weitere den regionalen Bedingungen entsprechende Nadel- und Laubbaumarten zu begünstigen und die Wälder in naturnahe Wälder zu überführen ist aber ein Desaster, dass uns jetzt eingeholt hat.

Ich glaube aber, dass es durchaus schon immer Förster und sogar einige Jäger gab und gibt, die auch den Artenschutz wichtig nehmen.
Wenn dann aber in Bayern eine sogenannte Forstreform dazu führt, dass man eine Vielzahl Förster im Staatsdienst aufs Abstellgleis abschiebt und Druck ausübt um möglichst schnell lukrativer zu werden, dann kann man die Versäumnisse nicht nur den Förstern ankreiden.
Der Schuss ist jedenfalls nach hinten losgegangen, vergleichbares kapitalistisch orientiertes Diktat kennt man aus vielen kommunalen genutzten Wäldern.

Ob man nun Aufforsten soll oder nicht ist für mich aber auch von Faktoren abhängig die der Wald als Dienstleister für uns erfüllen kann und soll:
Lebensraum, Nahrungsquelle für viele Tierarten und Erholungsgebiet für Menschen.
Sauerstoffquelle, Entgiftung, Temperaturmodellierung, Errosionsschutz und ganz wichtig Wasserspeicher.

Gerade bei steigenden Jahrestemperaturen und rückläufiger Regenbilanz ist die Fähigkeit des Waldes Wasser zu speichern, Wolken und Abkühlung zu generieren ungemein wichtig. Die immensen Kahlschläge durch Windwurf, Borkenkäfer, Dürre und Waldbrände erfordern dann wohl doch ein Eingreifen um den Schaden nicht noch zu verschlimmern und eine Regeneration zu forcieren. Dabei schadet es nicht, das nicht verwertbare Holz als Nahrung für den Jungwald an Ort und Stelle zu belassen.

Ich würde daher durchaus Aufforstungsmaßnahmen begrüßen, wobei es nicht um die Wiederherstellung von Holzplantagen gehen darf,
natürlicher Aufwuchs und eine Mischung von Pioniergehölzen, auch kurzlebigen, daneben auch zukunftsfähige langlebige Gehölze.
Wo immer möglich sind Entwässerungsmaßnahmen zurück zu bauen und ehemals feuchte Areale wieder zu vernässen.
Nebenbei ist die CO2 Bilanz von Mooren sogar noch um ein Vielfaches wirksamer als das für Wälder gilt.

LG Spinnich :|
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

biloba
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Re: Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

Beitrag von biloba »

Hallo Spinnich,

das kann ich so unterschreiben.


Zustimmende Grüße!

Totto
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Re: Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

Beitrag von Totto »

Es gibt ganze Abschnitte von Adlerfarn wo ohne den Eingriff des Menschen kein natürlicher Aufwuchs entsteht.
Bei mir, bzw bei meinem Schwiegervater (jetzt verstorben) im Gelande hat Kyril und Frederieke einiges platt gemacht. Jetzt überlegt mal wann Kyril war (2007). Ja vor 14 Jahren.
Der Adlerfarn wird ca. 2 m hoch. Da ist nicht eine Birke drin hoch gekommen in der Zeit. Ich gehe davon aus das meine Nachbarflächen in den nächsten 20 Jahren auch immer noch nur aus Adlerfarn bestehen. Ich bin so blöd und stecke immer mal wieder einige Bäume in Wuchshüllen in die Fläche um Mähe mehrfach im Jahr die Wuchshüllen frei. Meine ersten 3-4 Maronen sind jetzt 3 m hoch und aus dem gröbsten raus. Alles andere muss weiter frei gemäht werden.
Wertholz wird zur Zeit fast nicht mehr aus dem Wald geholt sondern zugekauft aus dem Ausland. Unsere Waldarbeiter sind mit dem Fichtensterben schwer beschäftigt.

Auf Käferflächen, die jetzt gefällt wurden, habe ich schnellstmöglich irgend was gepflanzt. In der Hoffnung das die Bäumchen schneller sind als das Adlerfarn. Zumeist irgend was tiefwurzelndes
Gruß
Totto
Im Mittel haben Pendler 17km Arbeitsweg. Wenn 10 % aller Pendler auf Motorräder umsteigen würde sich 40% der Staus verringern. Da hat es sich dann mit dem Feinstaub. Bei 25 Prozent gäbe es gar keine Staus mehr.

Spinnich
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Re: Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

Beitrag von Spinnich »

Hallo Totto,

gebietsweise sehe ich da auch ein Problem, aber eher nicht in meiner Region wo Kalkgestein vorherrscht.

Adlerfarn wächst gerne in lichten Wäldern, an Waldrändern und von solchen Waldrändern unterirdisch in Wiesen und Weiden hinaus hohe und dichte, den Graswuchs verdrängende Bestände bildend oder in Gebüschen auf bodensaurem Untergrund.
Auf nährstoffärmeren Böden kann er nach Kahlschlägen oder Waldbränden Massenbestände bilden.
Auch in lichten Kiefern-Wäldern breitet er sich häufig dominierend in der Krautschicht aus.

Da ist eine Bekämpfung ohne Chemie extrem schwierig, wohl nur regelmäßige Maht und gechützte Baumpflanzungen können da helfen, da gebe ich Dir schon recht.

LG Spinnich :roll:
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- Georg Christoph Lichtenberg -

Totto
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Re: Aufforstung (bisher : Höchste Fichte der Sächsischen Schweiz bei Hinterhermsdorf )

Beitrag von Totto »

Eine Kleinfläche habe ich jetztes Jahr mal gekalkt...im Wald. So als Versuch.
Eben um den Untergrund etwas Kalk zu zu führen.
Hoffe das es was bringt.

Da ist aber auch noch nicht merklich weniger Farn....mal abwarten.
Wenn das klappt, werde ich wohl versuchen rund im alle Bäumchen im Farn zu kalken.

Sonst wird weiter mit der Sense gearbeitet bis die Bäume mit Ihrem Schatten den Farn etwas verdrängen.
Gruß
Totto
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