Blutpflaume mit Pilzen

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stefan
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Blutpflaume mit Pilzen

Beitrag von stefan »

Hallo Baumfreunde,

eine rund 50 Jahre alte Blutpflaume im Vorgarten, direkt am Bürgersteig haben wir heute fällen lassen. Sie hatte schon seit Jahren immer schwächer geblüht, das ganze Jahr über ständig Blätter verloren, die Zahl der kahlen Zweige nahm zu und es brachen immer wieder kleinere oder größere Äste raus.
Ein paar Bilder zeigen den Status im Frühjahr .
scheinbar intakter Stamm
scheinbar intakter Stamm
20200313_080157.jpg (141.41 KiB) 417 mal betrachtet
andere Seite des Stammes
andere Seite des Stammes
20200313_080236.jpg (121.12 KiB) 417 mal betrachtet
typische Äste
typische Äste
20200313_080247.jpg (177.38 KiB) 417 mal betrachtet
typische Äste
typische Äste
20200313_080219.jpg (136.74 KiB) 417 mal betrachtet
Es scheint ein holzzersetzender Pilz zu ein, der durchaus typisch an Blutpflaumen wächst.
Zumindest die Wasser- und Nährstoffversorgung wird vermutlich stark beeinträchtigt, was zum schlechten Wachstum und den Blattverlusten bis hin zum Absterben führt.
Um so stärker treiben aus der Basis des Stammes Jungtriebe, die weiß blühen - also die Veredelungsunterlage.
Beim Absägen zeigten sich in praktisch allen Ästen und Teilstämmen im Kern Verfärbungen, die auf den Pilz zurückgehen; im Kern ist das Holz bleich und mürbe; das ist wohl eine Weißfäule.
Ast im Querschnitt
Ast im Querschnitt
20201205_101054.jpg (130.93 KiB) 417 mal betrachtet
dünner Teilstamm im Querschnitt
dünner Teilstamm im Querschnitt
20201205_101102.jpg (110.53 KiB) 417 mal betrachtet
dicker Teilstamm im Querschnitt, rechts großer Weißfäulebereich
dicker Teilstamm im Querschnitt, rechts großer Weißfäulebereich
20201205_125110.jpg (162.86 KiB) 417 mal betrachtet
Stammfuß im Querschnitt
Stammfuß im Querschnitt
20201205_125042.jpg (229.9 KiB) 417 mal betrachtet
Stammfuß im Querschnitt, Detail
Stammfuß im Querschnitt, Detail
20201205_125047.jpg (189.2 KiB) 417 mal betrachtet
Mich würde jetzt vor allem interessieren: die dunklen Partien im Stammfuß - ist das dunkleres Kernholz? Oder ist auch das Verfärbung als Folge des Pilzbefalls? Der sehr unregelmäßige Rand, auch deutlich dunkler, spricht für mich eher für den Pilz und den Abschottungsversuch des Baumes.
Kernholz kenne ich sonst eigentlich nur mit Grenzen, die den Jahresringen folgen.

Wie seht Ihr das?

Gruß
Stefan
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bee
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Re: Blutpflaume mit Pilzen

Beitrag von bee »

Hallo Stefan,
der Pilz ist ein Feuerschwamm, sehr wahrscheinlich der Pflaumen-Feuerschwamm, Phellinus pomaceus.
(Theoretisch wäre auch P. alni möglich, der aber m.M. nach etwas anders aussieht).

Dieser Pilz erzeugt, wie du auch gesehen hast, Weißfäule.
Die dunklen Flächen halte ich auch nicht für Kernholz sondern auch "irgendwie" vom Pilz erzeugt.
Man sieht ja um die Weißfäule-Flächen herum eine dunkle Linie, das setzt sich in der bzw. um die dunkle Fläche fort.

Trotzdem ist es schwierig, dazu ein Vergleichsbild oder Beschreibungen zu finden.

Zum Pflaumenfeuerschwamm:
https://www.arboristik.de/baumpflege_pf ... arten.html
https://www.arbofux.de/pflaumen-feuerschwamm.html

Dunkle Linien im Totholz, das sind Grenzlinien von Mycelien
ein eigenes Bild,
https://forum.dgfm-ev.de/wcf/index.php? ... 20202-jpg/
bei waldwissen.net werden diese Linien auch gezeigt, als Grenzlinien vom Hallimasch
https://www.waldwissen.net/assets/_proc ... a9697.jpeg

Dann hier doch noch was zu Verfärbungen im Holz, durch Pilzbefall (und die gestalterische Nutzung des Holzes)
https://www.bm-online.de/wissen/technik ... er-intro-2
darin:
Pilzmodifizierte Hölzer werden heute im deutschsprachigen Raum meist als „Gestocktes Holz“ und im Englischen als „Spalted Wood“ bezeichnet. Darunter fallen jede Form von farblichen Veränderungen, Bleicheffekte und die markanten Grenzlinien, die alle durch Baumpilze hervorgerufen werden. Aufgrund der unterschiedlichen Art und Weise, in der die holzverfärbenden Pilze im Holzsubstrat zusammenwirken, kann man die Erscheinungsformen in drei Kategorien unterteilen: Weißfäule, Pilzgrenzlinien und Holzverfärbungen.
...
Dieser spezielle Pilzbefall beeinträchtigt im ersten Stadium nur unwesentlich die Festigkeit des Holzes und kann bei niedrigen Holzfeuchtewerten nicht mehr weiterwirken. Das Holz ist somit für eine Weiterverarbeitung geeignet.
...
Weißfäule: Zerstörtes Lignin
Weißfäule ist eine in Laubhölzern anzutreffende Farbveränderung mit den charakteristischen fleckigen Bleichzonen. Sie ist auf verschiedene Weißfäulepilze (z. B. Schmetterlingsporling, Zunderschwamm) zurückzuführen. Das Holz wird hierbei durch die Zerstörung des braunen Lignins zonenweise aufgehellt, es kann auch zu weißlichen, gesprenkelten Verfärbungen kommen. Die Holzsubstanz zeigt aber längere Zeit noch keine Veränderung des inneren Zusammenhangs und wird nur leichter, faseriger und stockig.
...
Pilzgrenzlinien: Lebendige Optik
Eingefasst werden die Bleichzonen der Weißfäule in der Regel von den sich herausbildenden braunen bis schwarzen Pilzgrenzlinien unterschiedlicher Breite, die durch Ablagerung pilzlicher Phenoloxidasen und Anhäufung von feststrukturiertem dunklem Pilzmyzel oder auch durch Oxidation von Nebenprodukten der abgebauten Zellwand entstehen. Die melaninhaltigen Linien mit ihren unterschiedlichen Farbausbildungen und ihrem unregelmäßigen, oft parallelen Verlauf verleihen dem Holz zusammen mit den hellen pilzbefallenen und dunklen nicht angegriffenen Partien ein geädertes und geflecktes Erscheinungsbild, das nach der Oberflächenbehandlung ein marmorartiges Aussehen erhält.
Viele Grüße von bee

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bee
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Re: Blutpflaume mit Pilzen

Beitrag von bee »

Hier ein alter Beitrag mit einem ähnlichen Stammquerschnitt einer Blutpflaume (nach Pilzbefall)
http://www.baumkunde.de/forum/viewtopic.php?t=7794

Oder hier, künstlerisch gestaltete Blutpflaume (ob da auch ein Pilz ....?)
https://www.skulpturensabineholler.com/ ... n/scheibe/
Viele Grüße von bee

Yogibaer
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Re: Blutpflaume mit Pilzen

Beitrag von Yogibaer »

Fragt mal Tante Google nach "Spritzkern".
Gruß Yogi

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bee
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Re: Blutpflaume mit Pilzen

Beitrag von bee »

Habe ich gerade gemacht ... die Fundstellen beziehen sich aber nur (?) auf Buche, es wird dann ein bisschen abgegrenzt zum Rotkern.
Deshalb weiß ich nicht, ob das hier so etwas ist oder nur ähnlich aussieht, meist hat das nicht so einen scharf abgesetzten dunklen Rand (hin und wieder aber schon).
Viele Grüße von bee

Yogibaer
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Re: Blutpflaume mit Pilzen

Beitrag von Yogibaer »

Von der Menge her ist die Rotbuche wohl die meist gehandelte Splintholzart in D. Daher ist sie auch in Bezug auf Holzfehler am meisten erforscht. Die Ursachen von Falschkernausbildungen lassen sich aber auch auf andere Baumarten übertragen.
Hier ein Zitat aus "Holzkunde" von Prof. Dr. Heinz Fromhold:
Der Spritzkern unterscheidet sich durch seine zackige sternförmige äußere Begrenzung auf dem Stammquerschnitt gegenüber der wolkenartigen Begrenzung bei Rotkern. Außerdem tritt beim Spritzkern eine Anhäufung von Kerninhaltsstoffen besonders im äußeren Randbereich des Kernes auf. Rot- und Spritzkern sind in erster Linie Farbveränderungen, welche die Festigkeitseigenschaften des Holzes nicht wesentlich verändern.
Die Anhäufung der Kerninhaltsstoffe im Randbereich verursacht die dunklere Verfärbung.
Gruß Yogi

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stefan
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Re: Blutpflaume mit Pilzen

Beitrag von stefan »

Yogibaer hat geschrieben:
07 Dez 2020, 10:23
Von der Menge her ist die Rotbuche wohl die meist gehandelte Splintholzart in D. Daher ist sie auch in Bezug auf Holzfehler am meisten erforscht. Die Ursachen von Falschkernausbildungen lassen sich aber auch auf andere Baumarten übertragen.
Hier ein Zitat aus "Holzkunde" von Prof. Dr. Heinz Fromhold:
Der Spritzkern unterscheidet sich durch seine zackige sternförmige äußere Begrenzung auf dem Stammquerschnitt gegenüber der wolkenartigen Begrenzung bei Rotkern. Außerdem tritt beim Spritzkern eine Anhäufung von Kerninhaltsstoffen besonders im äußeren Randbereich des Kernes auf. Rot- und Spritzkern sind in erster Linie Farbveränderungen, welche die Festigkeitseigenschaften des Holzes nicht wesentlich verändern.
Die Anhäufung der Kerninhaltsstoffe im Randbereich verursacht die dunklere Verfärbung.
Gruß Yogi
irgendwo habe ich jetzt in dem Zusammenhang gelesen, dass ein derartiger Spritzkern noch nicht die Standfestigkeit beeinträchtigt, aber wohl doch auf den - an dieser Stelle noch geringen - Einfluss von Schädigungen zurückgeht (Pilze, Lufteintritt).
Insofern ist er dann ein Anzeichen, dass der Baum - zumindest an anderer Stelle - schon geschädigt ist.
Das würde jedenfalls zu der Beobachtung an meiner Blutpflaume passen, dass weiter oberhalb der Pflaumen-Feuerschwamm sich schon stark ausgebreitet hat, bis hin zum Absterben einzelner Äste.

Gruß
Stefan
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