Chelterrar hat geschrieben: ↑29 Nov 2020, 20:54
Ja, aber warum? Wer sagt nicht, dass die Wiese, Verbuschung, was da halt ohne Menschen jetzt wäre, nicht artenreicher ist?
Hierzu gab es vor längerer Zeit eine interessante Dokumentation im TV.
Eine naturbelassene Wiese hat eine sehr große Artenvielfalt. Aber durch
zunehmende Verbuschung nimmt diese stark ab. Schuld ist der Kampf um
das Licht. Entsteht dann Wald, wird es noch schlimmer. Vom Waldrand bis
ins Innere nimmt die Artenvielfalt immer mehr ab. Als es noch große Flächen
ohne menschliche Besiedlung gab, hat das Wild die Verbuschung eingedämmt.
Durch Wölfe, Bären und andere Tiere stellte sich ein gewisses Gleichgewicht
ein. Weil der Mensch immer mehr Lebensräume der Tiere für sich beansprucht,
muss man jetzt die Wildwiesen in Bergregionen von Schaf- und vor allem
Ziegenherden abweiden lassen. Ziegen halten Sträucher niedrig, auch Dornen
machen ihnen nichts aus. Aber durch die massiven Eingriffe in die Natur, ziehen
sich viele Wildtiere immer mehr zurück, um schließlich ganz zu verschwinden.
Andere (sog. Kulturfolger) arrangieren sich mit den neuen Bedingungen und gehen
direkt in Städte (Füchse, Steinmarder, die eingeschleppten Waschbären oder
Wildschweine). Kritisch sind vor allem diverse Nager wie Mäuse und Ratten, da
zu den angerichteten Schäden auch noch die Übertragung von gefährlichen
Krankheiten kommt.
Die Entwicklung ist nicht umkehrbar. Wenn man es vorher gewusst hätte, könnte
man das sehr gut filmisch darstellen. Bin ich 1960 auf der B3 von Freiburg nach
Lörrach gefahren, kam alle 5 - 10 km Dörfer. Diese wurden durch Neubaugebiete
immer mehr vergrößert. Vor allem wegen der Gewerbesteuer wiesen viele Bürgermeister
Industriegebiete aus, wodurch inzwischen zahlreiche Dörfer schon fast zusammen
gewachsen sind. Das betrifft aber nicht nur den Streifen links und rechts der B3,
es gibt auch Ausdehnungen quer zum Straßenverlauf. Kein Wunder, dass viele
Tiere verschwinden und andere sich anpassen. Die Schäden durch Wildschweine
sind erheblich. Fressfeinde fehlen, denn vor Wölfen haben die Leute große Angst
und wehe, es wagt sich mal ein Bär in das Territorium. Dabei wäre bei dem
Futterangebot von Wolf und Bär absolut nichts zu befürchten.
Es spielt alles zusammen. Verschwinden Tiere, hat es Auswirkungen auf Pflanzen
und umgekehrt.
Den Wald in gemäßigten Zonen darf man aber nicht mit dem Regenwald am
Amazonas vergleichen. Der kann auf weitgehend unfruchtbaren Böden nur bestehen,
weil viele Tiere und Pflanzen sich gegenseitig helfen. Vernichtet man nur eine
Insektenart, kann man nicht abschätzen, welche anderen Tiere und Pflanzen dann
indirekt vernichtet würden. Weil der Boden unfruchtbar ist, wird brandgerodet.
Dadurch entsteht kurzfristig fruchtbarer Boden für die Ernte im Folgejahr. 1 Jahr
später nimmt es schon stark ab, im dritten Jahr lohnt es sich nicht mehr. Also brennt
man das nächste Stück nieder. Dieser Möchtegern-Trump in Brasilien sieht das alles
als interne Angelegenheit an. Aber das Klima wird weltweit beeinflusst. Gegen solche
Diktatoren würde nur ein totaler Wirtschaftsboykott helfen. Wenn die Probleme
immer größer werden, gibt es eine Revolution. Dann muss man hoffen, dass ein
anderer Präsident es besser macht.
Wir hatten gegen E10 eine Aufkleber-Aktion gestartet, weil das auch so eine
Augenwischerei war und zusätzlich Regenwald zerstört. Zum Glück hat sich E10
zum Flop entwickelt. Nur durch politischen Druck wird es noch angeboten. Aber
selbst 4 - 5 ct. billiger wollen es die meisten Leute nicht haben.