Fichtensterben und Borkenkäfer
Moderatoren: LCV, stefan, tormi
Fichtensterben und Borkenkäfer
Kürzlich hat ein Forstexperte im Radio berichtet, dass die gestresste Fichte bestimmte Hormone ausschüttet auf die Borkenkäfer reagieren. Leider habe ich dazu nichts im Internet gefunden.
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Der erste Teil des Themas war hier:
viewtopic.php?f=19&t=22323
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Der erste Teil des Themas war hier:
viewtopic.php?f=19&t=22323
Re: Fichtensterben im NP Harz
Klimatisch gesehen war der Hochharz bis vor wenigen Jahren das nördlichste Hochgebirge Deutschlands. Dort ist seit hunderten von Jahren die Rotfichte in den Höhenlagen zwischen ca. 850 und 950m ü.NHN die natürliche, bestandsprägende bzw. allein vorkommende höherwachsende Baumart.
Etwas tiefer folgt dann die Rotbuche, die aber auch schon um das überleben kämpft.
Wenn sich das Klima weiter erwärmt wird die Eiche den jetzigen Standort der Rotbuche erobern und die Fichte auf dem Gipfel des Brockens wachsen.
Am Beispiel Harz funktioniert Monokultur + Borkenkäferkalamität eben nicht.
Gruß Yogi
Etwas tiefer folgt dann die Rotbuche, die aber auch schon um das überleben kämpft.
Wenn sich das Klima weiter erwärmt wird die Eiche den jetzigen Standort der Rotbuche erobern und die Fichte auf dem Gipfel des Brockens wachsen.
Am Beispiel Harz funktioniert Monokultur + Borkenkäferkalamität eben nicht.
Gruß Yogi
Re: Fichtensterben im NP Harz
Schwärmen die Borkenkäfer aus versuchen sie sich in andere Fichten einzubohren, wenn das gelingt geben sie artspezifische Pheromone mit den Bohrmehl ab, ist die Fichte noch vital genug wird der Käfer eingeharzt und kann demzufolge nicht mehr weiter bohren was dann natürlicherweise zum versiegen der Pheromonquelle führt. Bäume die unter Trockenstress oder andere Kranheiten leiden sind nicht in der Lage die Pionierkäfer abzutöten diese locken dann andere Käfer mit dem Duftstoff an. Sind eine gewisse Anzahl von Käfern in den Baum eingedrungen wird die chemische Zusammensetzung des Pheromons verändert und "sagt" anderen Käfern "hier ist besetzt, sucht euch gefälligst einen anderen Baum". So wird eine "Wohnraumüberbelegung" verhindert und es kommt es zu einer Kalamität wenn die klimatischen Faktoren passen.
Gruß Yogi
Gruß Yogi
Re: Fichtensterben im NP Harz
Ja, das stimmt erst mal, oberflächlich gesehen.Yogibaer hat geschrieben: ↑14 Aug 2020, 16:53Dort ist seit hunderten von Jahren die Rotfichte in den Höhenlagen zwischen ca. 850 und 950m ü.NHN die natürliche, bestandsprägende bzw. allein vorkommende höherwachsende Baumart.
...
Am Beispiel Harz funktioniert Monokultur + Borkenkäferkalamität eben nicht.
Doch lass doch bitte mal das Bild der Fichtenplantage, welches Palme in den Anfangspost eingefügt hat, eine Weile auf Dich wirken. Wir sehen hier ein Schlaraffenland für Borkenkäfer! Sah der Wald vor einigen hundert Jahren so aus?
Wenn ich mir dieses Bild ansehe, vermisse ich jegliche Naturverjüngung. Die gezeigten Bäume scheinen alle dasselbe Alter zu haben und waren anscheinend ohnehin dafür gedacht, irgendwann einmal alle gemeinsam gefällt zu werden. Offenbar hat der Borkenkäfer den Sägen die Arbeit abgenommen.
Nun, damals habe ich noch nicht gelebt. Aber ich spekuliere gerne mal. Der natürliche Fichtenbestand, den Du hier anführst, dürfte neben großen und mächtigen Bäumen auch zahlreiche Exemplare mittleren Alters enthalten haben. Am Boden vermute ich massenweise junge Fichten. Hin und wieder dürfte ein Baumriese umgefallen sein und es gelang Licht bis zum Boden. Natürlich ist das ein geeigneter Lebensraum für Brombeeren, Waldrebe, Holunder, Gräser und zahlreiche andere Pflanzen. Das war natürlich eine Heimat für zahlreiche Tiere, auch Insektenfresser.
Borkenkäfer dürften auch vorgekommen sein, doch ich bezweifle, dass sie damals so paradiesisch leben konnten.
Welche von den herbei spekulierten Biotopen kannst Du auf dem Foto von dieser Fichtenplantage erkennen? Und eben deshalb hält sich meine Trauer über die dort gefallenen Bäume in Grenzen.
Relaxte Grüße!
Re: Fichtensterben im NP Harz
Jetzt war ich im Solling (Weserbergland), dort sterben auch die Fichten.
Allerdings geht man da anscheinend einen anderen Weg.
Befallene Bäume werden überall vorzeitig gefällt und abtransportiert.
Das lichtet die Bestände enorm auf und der gesunde Rest hat mehr Chancen.
An den Waldwegen stapeln sich endlos viele, entrindete Stämme.
Was ich aber vermisse sind die Fallen, um die Restbestände zu schützen.
Wenn die alle 10-15m aufgestellt werden sollen, dann müsste man viele sehen.
https://www.waldwissen.net/waldwirtscha ... 20sinnvoll.
Allerdings geht man da anscheinend einen anderen Weg.
Befallene Bäume werden überall vorzeitig gefällt und abtransportiert.
Das lichtet die Bestände enorm auf und der gesunde Rest hat mehr Chancen.
An den Waldwegen stapeln sich endlos viele, entrindete Stämme.
Was ich aber vermisse sind die Fallen, um die Restbestände zu schützen.
Wenn die alle 10-15m aufgestellt werden sollen, dann müsste man viele sehen.
https://www.waldwissen.net/waldwirtscha ... 20sinnvoll.
Re: Fichtensterben im NP Harz
Lest euch das mal durch. Da findet man Antworten am Beispiel Niedersachsens warum sehr viele Waldabteilungen die gleiche Altersklasse haben.
Auf Den Beitrag von Palme werde ich später eingehen.
Gruß Yogi
Ps. Könnte man die letzen Beiträge nicht abtrennen und in eine andere Rubrik verschieben. Über das Thema Borkenkäfer könnte man nämlich mehrere Seiten diskutieren.
Auf Den Beitrag von Palme werde ich später eingehen.
Gruß Yogi
Ps. Könnte man die letzen Beiträge nicht abtrennen und in eine andere Rubrik verschieben. Über das Thema Borkenkäfer könnte man nämlich mehrere Seiten diskutieren.
Re: Fichtensterben im NP Harz
Danke für diesen informativen Link.
Auch wenn wir heute wissen, wie an vielen Stellen der Republik solche Bestände entstanden sind, wird ihre biologische Vielfalt nicht besser. Und was dort am Brocken in Form von Naturverjüngung, eventuell mit etwas Einsaat von anderen Baumarten, entstehen wird, das wird ganz sicher eine höhere Artenvielfalt und eine höhere Resistenz gegen Borkenkäfer haben. Da bin ich mir sicher.
Das Brockenmassiv, welches uns Palme abgelichtet hat, dürfte aber damals verschont geblieben sein. Solche Plantagen wurden nicht nur in der Nachkriegszeit angelegt. Es wurden auch weit nach dem Krieg noch Fichtenplantagen angepflanzt. Ich selbst habe mir als junger Mann damals ein paar Kröten mit dem Bäume pflanzen verdient.
Grüße vom Mittäter
Re: Fichtensterben und Borkenkäfer
Hallo,
ich sehe hier keinerlei Bilder (weder als Gast noch eingeloggt) - gibt es ein technisches Problem?
ich sehe hier keinerlei Bilder (weder als Gast noch eingeloggt) - gibt es ein technisches Problem?
Viele Grüße von bee
Re: Fichtensterben und Borkenkäfer
Das ist ein ausgelagerter Teil von viewtopic.php?f=19&t=22323
Dazu habe ich mir gerade ein interessantes Video angesehen.
https://youtu.be/kgZZaTbxRj0
Dazu habe ich mir gerade ein interessantes Video angesehen.
https://youtu.be/kgZZaTbxRj0
Re: Fichtensterben und Borkenkäfer
Ach so, dann wäre der Link aber besser im ersten Beitrag untergebracht, ansonsten ist das alles ein bisschen unverständlich (nicht alle lesen immer alle Beiträge zum Baumregister ...)
Warum ist der eine Beitrag denn überhaupt im Unterforum zum Baumregister und nicht unter "Sonstiges"?
Ich bitte um Verschiebung.
Warum ist der eine Beitrag denn überhaupt im Unterforum zum Baumregister und nicht unter "Sonstiges"?
Ich bitte um Verschiebung.
Viele Grüße von bee
Re: Fichtensterben und Borkenkäfer
Na ja,
es gab historische Zeiten in denen das heutige Areal der Bundesrepublik fast völlig bewaldet war. Die Rhön, das Land der freien Blicke in die Ferne, war völlig von Buchen bestanden und die Römer gaben unserem Mittelgebirge den Namen Buchonia.
Es gab dennoch Zeiten im Mittelalter, wo die Waldflächen der selben Areale fast völlig von jeglichem Baumbestand befreit waren.
Wenn man vor so einer Realität die Aufforstung mit Fichten-Monokulturen verteufelt, ist das etwas kurz gegriffen. Aber der denkende, lernfähige Mensch sollte auch erkennen, dass es eine Veränderung und eine Entwicklung hin zu den Gehölzen geben muss, die den jeweiligen sich ändernden Standortbedingungen am besten angepasst sind. Da findet die Natur bessere und schnellere Wege für eine Standort gerechte Walderneuerung als jeder Forstwirt, dessen Vorgaben ja die Schaffung von schnell nachwachsendem Bau- und Brennholz sind.
Das kranke Totholz aus dem Wald zu holen ist auch nicht zielführend. Am Beispiel des vielleicht einzigem echtem Nationalpark Deutschlands im bayerischen Wald kann man das gut nachvollziehen. Urwälder erhalten und gestalten sich selbst und gerade das verbliebene Totholz beschleunigt und begünstigt solche Erneuerungsprozesse ungemein.
LG Spinnich
es gab historische Zeiten in denen das heutige Areal der Bundesrepublik fast völlig bewaldet war. Die Rhön, das Land der freien Blicke in die Ferne, war völlig von Buchen bestanden und die Römer gaben unserem Mittelgebirge den Namen Buchonia.
Es gab dennoch Zeiten im Mittelalter, wo die Waldflächen der selben Areale fast völlig von jeglichem Baumbestand befreit waren.
Wenn man vor so einer Realität die Aufforstung mit Fichten-Monokulturen verteufelt, ist das etwas kurz gegriffen. Aber der denkende, lernfähige Mensch sollte auch erkennen, dass es eine Veränderung und eine Entwicklung hin zu den Gehölzen geben muss, die den jeweiligen sich ändernden Standortbedingungen am besten angepasst sind. Da findet die Natur bessere und schnellere Wege für eine Standort gerechte Walderneuerung als jeder Forstwirt, dessen Vorgaben ja die Schaffung von schnell nachwachsendem Bau- und Brennholz sind.
Das kranke Totholz aus dem Wald zu holen ist auch nicht zielführend. Am Beispiel des vielleicht einzigem echtem Nationalpark Deutschlands im bayerischen Wald kann man das gut nachvollziehen. Urwälder erhalten und gestalten sich selbst und gerade das verbliebene Totholz beschleunigt und begünstigt solche Erneuerungsprozesse ungemein.
LG Spinnich
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -
- Georg Christoph Lichtenberg -
Re: Fichtensterben im NP Harz
Das war keine gute Idee.
Durch die Aufspaltung verlieren meine Beiträge einen großen Teil ihrer Aussagekraft, in denen ich auf die oben gezeigten Bilder verweise.
(An einem Schreibtischcomputer mag es noch einigermaßen akzeptabel erscheinen, das Bild in einem anderen Tab anzusehen. Auf einem Schmiertelefon schlicht ein Unding!)
Nicht nötig.
Auf der abgebildeten Fläche wird der Borkenkäfer für die nächsten Jahrzehnte kein Thema mehr sein.
Resignierende Grüße!
Re: Fichtensterben und Borkenkäfer
Wer wissen will, wie es mit den Fichtenplantagen im Harz weiter geht, kann man in diesem Fernsehbeitrag sehen.
https://www.phoenix.de/sendungen/dokume ... 89809.html
Der Film lässt sich hier ansehen:
http://nrodl.zdf.de/dach/3sat/14/05/140 ... p35v11.mp4
Wer es eilig hat, spult zu Minute 7:45 vor.
Grüße voller Vorfreude!
https://www.phoenix.de/sendungen/dokume ... 89809.html
Der Film lässt sich hier ansehen:
http://nrodl.zdf.de/dach/3sat/14/05/140 ... p35v11.mp4
Wer es eilig hat, spult zu Minute 7:45 vor.
Grüße voller Vorfreude!
Re: Fichtensterben und Borkenkäfer
Vielen Dank für den sehr informativen Film, das schaue ich mir mal in natura an.biloba hat geschrieben: ↑18 Aug 2020, 12:19Der Film lässt sich hier ansehen:
http://nrodl.zdf.de/dach/3sat/14/05/140 ... p35v11.mp4
Wer es eilig hat, spult zu Minute 7:45 vor.