Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

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Student695
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Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Student695 » 13 Jul 2019, 13:14

Moin!

Ich packe das mal in die Rubrik "Sonstige", da kann ich freier schreiben. :-)

Gestern schaute ich ins Regal der Neuanschaffungen meiner Bibliothek und entdeckte dort zufälligerweise das Buch "Bäume" von Andreas Hase. Genau das, wonach ich gesucht hatte! Denn als Baum-Schul-Novize nützt mir all das Fachwissen erst einmal wenig und mich interessiert viel mehr, was den Baum als "eigene Individualität" ausmacht. Genau das wird in dem Buch geschrieben. Huch, ich schreibe ja schon wie ein Werbender, aber mich hat das Buch wirklich begeistert und kann es weiterempfehlen. (Ich empfehle das Ausleihen, also nicht dass der Eindruck aufkommt, ich mache hier versteckte Werbung.)

Nun habe ich ein paar kleine Fragen, die sich mir gestern auf den ersten 80 Seiten (weiter bin ich noch nicht) stellten:

1. Habt Ihr schon einmal vor einem Holzapfel gestanden? Der Holzapfel ist ja einer der seltensten Sorten in Deutschland. Sein Bestand wird auf ca. 5000 geschätzt. Allerdings handelt es sich wohl nicht um den "Urapfel", den es vermutlich nicht mehr gibt. (Man berichtige mich bitte, falls ich hier etwas falsch verstanden habe.) Ich stelle es mir ein sehr erhebendes Gefühl vor, als Baumfreund zufällig auf einen Holzapfel zu stoßen…

2. Gibt es Bilder zu dem "Goldstaub" auf Buchsbäumen? Dieser soll nur wenige Stunden zu sehen sein. Die Beschreibung fand ich an dieser Stelle im Buch echt nicht gut. Sehr gequetscht: Mit Goldstaub sind die Pollenkörner auf dem Blattwerk neben den Staubblättern auf Blütenstängeln um die weiblichen Griffel herum, diese um drei blanke Fruchtknoten herum, welche wiederum in der Mitte von Blütenknäueln an Blattachseln stehen, gemeint. ????? :?: :shock: :? Alles klar?

3. Spannend fand ich auch, dass die Buchsbäume, die sonst ja eher ein unmerkliches Leben führen, teils als Hecke heruntergestutzt (wie findet Ihr Baumfreunde eigentlich das Herunterstutzen von Bäumen auf Hecken?), die äußerst seltene Gelegenheit zur Myrmekochorie bieten, d.h. Ameisen transportieren ihre Samen (!). Irgendwie stand dann noch, dass die Buchsbäume es dadurch manchmal schaffen, sozusagen aus ihrem Heckendasein – wenn ich es grad richtig erinnere – zu fliehen, und irgendwo als Pflanze am Wegesrand z.B. (oder eben als monopodischer* Baum) wiederzufinden ist. Stimmt das? Also ein Baum als Pflanze am Wegesrand? Wächst der dann nicht größer und bleibt als kleine Pflanze oder wie ist das zu verstehen?

4. Dann stand da noch etwas von 30m Umfang der Stämme des Buchsbaumes, was ich nicht verstand… Ich kann die Textstelle nochmal raussuchen bei Bedarf…

5. Die Birke wird ja häufig befallen vom Pilz Taphrina betulina. Dadurch entstehen dann diese interessanten "Hexenbesen". Früher sprach man der Birke zu, dass sie Hexen abwehren würden, weil sich diese nach dem Ritt auf den Blocksberg in ihren Kronen mit ihren Hexenbesen verfangen würden. Kommt die Vorstellung, dass Besen auf Hexen fliegen, von der Birke oder ist es einfach der Name "Hexenbesen" für den Pilz, der von dieser Mythologie her? Vermutlich letzteres, aber wollte nochmal nachfragen, da das nirgends explizit gesagt wurde…

Über Antworten würde ich mich sehr freuen!

Viele Grüße,
Studentischer Baumfreund

______________________
* Dazu gab es ein Fachwort, was wohl so viel bedeutet wie: Dieser Baum steht ganz alleine. Bitte berichtigt oder ergänzt mich hier. Evtl. korrigiere ich mich selbst heute Abend nochmal, wenn ich wieder aus der Bibliothek zurück bin und das da nochmal nachlese…

AndreasG.
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von AndreasG. » 13 Jul 2019, 13:40

Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
Moin!
Dito
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
1. Habt Ihr schon einmal vor einem Holzapfel gestanden?
Nein, ist, wie erwähnt, recht selten. Sämlinge kann man aber im Internet erwerben. Obwohl.... ich glaube im BoGa Berlin steht einer. Sieht aber eher unauffällig aus, eigentlich wie ein einfacher Apfelbaum.
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
Der Holzapfel ist ja einer der seltensten Sorten in Deutschland. Sein Bestand wird auf ca. 5000 geschätzt.
Art, nicht Sorte. Eine Sorte ist korrekterweise eine Züchtung, bestenfalls eine Unterart, während der Wildapfel Malus sylvestris eine eigenständige Art ist.
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
Allerdings handelt es sich wohl nicht um den "Urapfel", den es vermutlich nicht mehr gibt. (Man berichtige mich bitte, falls ich hier etwas falsch verstanden habe.)
Gerne doch. Der Urahn unserer Kulturäpfel stammt aus dem heutigen Kasachstan. Der wissenschaftliche Name ist Malus sieversii.
Genutzt und gezüchtet seit Jahrtausenden wurde er zum Malus domestica. In Kasachstan gibt es ganze Wälder dieses Apfels, die allerdings akut vom Abholzen bedroht sind.
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
Ich stelle es mir ein sehr erhebendes Gefühl vor, als Baumfreund zufällig auf einen Holzapfel zu stoßen…
Naja, meistens ist das eher ein Strauch, Großstrauch oder kleinerer Baum, den man gerne mal übersieht, wenn man nicht genau weiß, um was es sich handelt. Eine Wildbirne ist eindrucksvoller. (Auch Wildbirnen sind relativ selten)
Zuletzt geändert von AndreasG. am 13 Jul 2019, 14:07, insgesamt 1-mal geändert.

AndreasG.
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von AndreasG. » 13 Jul 2019, 13:53

Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14



3. Irgendwie stand dann noch, dass die Buchsbäume es dadurch manchmal schaffen, sozusagen aus ihrem Heckendasein – wenn ich es grad richtig erinnere – zu fliehen, und irgendwo als Pflanze am Wegesrand z.B. (oder eben als monopodischer* Baum) wiederzufinden ist. Stimmt das? Also ein Baum als Pflanze am Wegesrand? Wächst der dann nicht größer und bleibt als kleine Pflanze oder wie ist das zu verstehen?
Ganz einfach, Buchsbäume sind sehr schnittverträglich, wie etliche andere Baumarten auch. Deshalb werden sie als Hecken verwendet. Lässt man einen Buchs einfach wachsen, wird er irgendwann ein mittelgroßer Baum. Einfach nicht schneiden, dann geht das von selbst, falls er vorher nicht vom Buchsbaumzünsler dahingerafft wird.
Ob man Bäume zu Hecken stutzen darf.... Warum nicht? War früher allgemein üblich zur Begrenzung von Weiden, Feldern ect.

Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
5. Kommt die Vorstellung, dass Besen auf Hexen fliegen, von der Birke oder ist es einfach der Name "Hexenbesen"
:mrgreen:
Die Vorstellung, dass Hexen fliegen können, stammt von diesen selbst. Aus den überlieferten Tinkturen weiß man, dass die Salben, die von vermeintlichen Hexen verwendet wurden, Flughalluzinationen hervorrufen können. Das wurde von der entsprechenden, neuzeitlichen Klientel bereits ausprobiert. Genauere Rezepturen gibt es vermutlich auf einschlägigen Internetseiten, vor einer Nachahmung sei dringend gewarnt.
Darüber hinaus gibt es rund um das Thema "Hexen" derartig viele Vermutungen, Theorien ect., dass man damit vermutlich ein eigenes Forum betreiben könnte.
Ein bisschen was ohne esoterischen Schnick Scnack findest du hier. https://www.geschichtsforum.de/

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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Babs » 13 Jul 2019, 14:54

Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
1. Habt Ihr schon einmal vor einem Holzapfel gestanden? Der Holzapfel ist ja einer der seltensten Sorten in Deutschland. Sein Bestand wird auf ca. 5000 geschätzt. Allerdings handelt es sich wohl nicht um den "Urapfel", den es vermutlich nicht mehr gibt. (Man berichtige mich bitte, falls ich hier etwas falsch verstanden habe.) Ich stelle es mir ein sehr erhebendes Gefühl vor, als Baumfreund zufällig auf einen Holzapfel zu stoßen…
Ja, im Hardwald in Basel gab es einen, sogar beschildert. Leider ist er nicht mehr. Er war nicht sehr spektakulär, eher unauffällig.
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
Dazu gab es ein Fachwort, was wohl so viel bedeutet wie: Dieser Baum steht ganz alleine. Bitte berichtigt oder ergänzt mich hier. Evtl. korrigiere ich mich selbst heute Abend nochmal, wenn ich wieder aus der Bibliothek zurück bin und das da nochmal nachlese…
Ich denke Solitärbaum.
LG Babs

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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von bee » 14 Jul 2019, 16:57

Hallo,
bei mir "um die Ecke" ist/war viel wilder Buchsbaum, darunter auch mehrere Meter hohe Bäume.
(Zur Zeit ist alles vom Buchsbaumzünsler zum wiederholten Male stark geschädigt bis mausetot.)
In meinem Endlosthread: Im Wald von Grenzach-Wyhlen, Inhaltsverzeichnis

Seltsamerweise habe ich nur einmal, an einen anderen Beitrag angehängt, auch blühenden Buchs gezeigt. Von März 2017 habe ich noch Blütenstaub-Bilder von hohem Buchs , diese Pflanzen sind inzwischen auch kahl.
Goldstaub klingt sehr malerisch ... das genannte Buch scheint ein wirklich schönes poetisches Lesebuch zu sein.


Blühender Buchsbaum_03-2017.jpg
Blühender Buchsbaum_03-2017.jpg (128.54 KiB) 284 mal betrachtet
Buxus mit Blütenstaub_03-2017.jpg
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Viele Grüße von bee

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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Spinnich » 14 Jul 2019, 23:09

Hallo bee,
was mach ich falsch, meine Buchsbaumhecke wächst und wuchert und hat heuer einen brutalen Rückschnitt auch bei extremer Hitze und Trockenheit schon wieder gut weg gesteckt.
Diese Buchshecke nutze ich ganz gerne als Ablageboard für Wekzeuge oder gerodete Stauden etc.!
Auch in einer Ecke hinterm Haus auf meiner Wiese hatte ich mal einen kleinen Friedhofsbuchs an trockenster Stelle gepflanzt.
Anfangs wollte ich den noch in Form trimmen, habe ich aufgegeben, der wuchert einfach viel zu stark. In diversen öffentlichen Pflanzungen und umliegenden Gärten vegetieren dagegen bräunliche Buchsbäume und teure Garten-Neupfllanzungen sind oft nach wenigen Monaten schon nur noch totes Gestrüpp.

Gibt es da so unterschiedliche Varietäten, oder sind alteingesessene Pflanzen einfach robuster als Neupflanzungen.

LG Spinnich :o
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von bee » 15 Jul 2019, 00:59

So ganz verstehe ich dich jetzt nicht ... ich kenne nur toten (oder fast-toten) Buchsbaum durch Buchsbaumzünsler-Fraß. Ansonsten hatten die Pflanzen keine wesentlichen Probleme (ist gibt ja noch Pilzerkrankungen etc.) Auch in den Gärten und auf den Friedhöfen gibt es noch Buchs ... hin und wieder. Da wurde teilweise mit Chemie eingegriffen, bevor der Strauch kahlgefressen war.
Wenn bei dir im Umfeld die Buchse absterben, deine eigenen Sträucher aber nicht .... dann sind entweder DA wirklich Krankheiten schuld oder die Neupflanzen sind nicht angegangen ODER die anderen Pflanzen wurden vom Zünsler vernichtet und deine Pflanzen wurden nur noch nicht gefunden. :shock: :o
Viele Grüße von bee

Student695
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Student695 » 16 Jul 2019, 02:46

Danke an AndreasG für die Informationen und Berichtigungen.
AndreasG. hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:53
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
3. Irgendwie stand dann noch, dass die Buchsbäume es dadurch manchmal schaffen, sozusagen aus ihrem Heckendasein – wenn ich es grad richtig erinnere – zu fliehen, und irgendwo als Pflanze am Wegesrand z.B. (oder eben als monopodischer* Baum) wiederzufinden ist. Stimmt das? Also ein Baum als Pflanze am Wegesrand? Wächst der dann nicht größer und bleibt als kleine Pflanze oder wie ist das zu verstehen?
Ganz einfach, Buchsbäume sind sehr schnittverträglich, wie etliche andere Baumarten auch. Deshalb werden sie als Hecken verwendet. Lässt man einen Buchs einfach wachsen, wird er irgendwann ein mittelgroßer Baum. Einfach nicht schneiden, dann geht das von selbst, falls er vorher nicht vom Buchsbaumzünsler dahingerafft wird.
Ob man Bäume zu Hecken stutzen darf.... Warum nicht? War früher allgemein üblich zur Begrenzung von Weiden, Feldern ect.
Ah, okay, ich denke immer noch bei »Pflanzen« an Blumen und nicht an Bäume, die ja auch Pflanzen sind… :-D
Bezüglich meiner Frage zum Stutzen: Ich dachte nur, dass man es vielleicht »unrecht« finden könnte, denn ein Baum mit seiner Krone hat eben etwas Anmutiges, das man ihm ja nimmt, wenn man ihn zur Hecke stutzt. Ich habe aber eben auch gelesen, dass Hecken sehr wohl wichtige Funktionen übernehmen können. Das war mir bisher nicht so bewusst… insofern: egal.^^

AndreasG. hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:53
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
5. Kommt die Vorstellung, dass Besen auf Hexen fliegen, von der Birke oder ist es einfach der Name "Hexenbesen"
:mrgreen:
Die Vorstellung, dass Hexen fliegen können, stammt von diesen selbst. Aus den überlieferten Tinkturen weiß man, dass die Salben, die von vermeintlichen Hexen verwendet wurden, Flughalluzinationen hervorrufen können. Das wurde von der entsprechenden, neuzeitlichen Klientel bereits ausprobiert. Genauere Rezepturen gibt es vermutlich auf einschlägigen Internetseiten, vor einer Nachahmung sei dringend gewarnt.
Darüber hinaus gibt es rund um das Thema "Hexen" derartig viele Vermutungen, Theorien ect., dass man damit vermutlich ein eigenes Forum betreiben könnte.
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Ja, ich las in dem bekannten Buch »Traumzeit« von Hans-Peter Dürr darüber:
Die Inquisition bezichtigte die Hexen ja, sich ihre Gerstel mit »Besenschmalz« eingesalbt zu haben. Überhaupt kam in den Gerichtsprozessen recht wenig die Rede von Salben, vielmehr von pedantischen Details »obs sie« auf dem Besen« vorn oder hinden gesessen« oder »wie sie sich in der Luft erkhennen mögen, wo sie seye« (Kelheimer Hexenhammer 1487). Der Teufel wurde über Suggestivfragen und in Fragen verpackte Behauptungen den Angeklagten untergeschoben. Dabei hatten sie meist nur weibliche Personen wahrgenommen. (Etwas unverständlich geschrieben, diese »Fraw Holt« steht wohl im Zusammenhang mit der griechischen Diana und Arthemis.) Jedenfalls lag die Assoziation mit dem Teufel auch deswegen nahe, da das Weibliche früher als das Böse uminterpretiert wurde. Beispielsweise nannte man den Teufel auch die »unholda« (weibliche Endung) und im alpenländischen Hexenprozess sprach man von der »alten Perchtl«. Worum auch immer es sich bei der Wahrnehmung dieser weiblichen Gestalten ging, wesentlich ist, dass die Gerichte darauf zielten, die Wahrnehmung als reale Manifestation des Teufels hinzustellen. Ansonsten bliebe dem Teufel lediglich die Fähigkeit, Halluzinationen hervorzurufen, aber nicht, auch real in die materielle Welt einzugreifen. Nach Ockhams Rasiermesser könnte man den Teufel dann gleich ins Reich der Phantasiegebilde verbannen…

Es gab übrigens auch männliche "Nachtfahrende", wie sie auch genannt wurden.

Interessant fand ich noch in dem Buch, dass offenbar einige Forscher heute davon ausgehen, dass die Weltesche Yggdrasill keine Esche (askr), sondern eine Eibe (yr) ist, welcher an warmen Tagen das Alkaloid Taxin in die Luft ausscheidet, das halluzinogene Wirkungen hervorrufen kann, was Odin dazu befähigt haben mag, für neun Tage auf dem »Pferd« (»drasill«) ins Jenseits geritten zu sein, als er am Weltenbaum hing.

In dem genannten Forum bin ich schon seit Jahren angemeldet, sollte mal wieder was schreiben…
Babs hat geschrieben:
13 Jul 2019, 14:54
Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14
Dazu gab es ein Fachwort, was wohl so viel bedeutet wie: Dieser Baum steht ganz alleine. Bitte berichtigt oder ergänzt mich hier. Evtl. korrigiere ich mich selbst heute Abend nochmal, wenn ich wieder aus der Bibliothek zurück bin und das da nochmal nachlese…
Ich denke Solitärbaum.
Ah, richtig. Das von mir benutzte Wort ist: monopodial. Das bedeutet, der Baum bildet nur einen Stamm aus.

bee hat geschrieben:
14 Jul 2019, 16:57
Hallo,
bei mir "um die Ecke" ist/war viel wilder Buchsbaum, darunter auch mehrere Meter hohe Bäume.
(Zur Zeit ist alles vom Buchsbaumzünsler zum wiederholten Male stark geschädigt bis mausetot.)
In meinem Endlosthread: Im Wald von Grenzach-Wyhlen, Inhaltsverzeichnis

Seltsamerweise habe ich nur einmal, an einen anderen Beitrag angehängt, auch blühenden Buchs gezeigt. Von März 2017 habe ich noch Blütenstaub-Bilder von hohem Buchs , diese Pflanzen sind inzwischen auch kahl.
Goldstaub klingt sehr malerisch ... das genannte Buch scheint ein wirklich schönes poetisches Lesebuch zu sein.
Sehr schön! Wann ist die Blütezeit? März-Juni? Ich habe gelesen, dass er nur selten blüht und nur wenn er etwas älter ist. Dann sieht man den Goldstaub also vermutlich, in dem eventuell eingetretenen seltenen Moment, direkt nachdem er anfängt zu blühen? Der Buchszünsler ist also stark mitverantwortlich für die Seltenheit dieses Anblicks?
Zuletzt geändert von Student695 am 16 Jul 2019, 12:05, insgesamt 1-mal geändert.

Spinnich
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Spinnich » 16 Jul 2019, 03:44

Hi bee.

Es ist natürlich auch möglich, dass es dem Buchsbaumzünsler klimatisch bei uns nicht recht gefällt.

Die hiesigen Schäden, die ich beobachte, könnten natürlich von pilzlichen Schädlingen herrühren, wie Cylindrocladium buxicola der das Buchsbaum-Triebsterben hervorruft.
Im Einzelfall könnte auch Buchsbaumkrebs (Volutella buxi) und die Buchsbaumwelke (Fusarium buxicola) für die Welkeerscheunungen verantwortlich sein.

Für das vergleichsweise starke Wachstum, dürfte ein falsches Sortenangebot seitens des Handels ursächlich sein.
Für die ursprüngliche Bepflanzung auf einem Friedhofsbeet sind sicher etliche langsamer wachsendere Sorten verfügbar, als der bei mir wuchernde Bux.
Vermutlich haben die Verkäufer da aber ein Interesse billigst durch schnellwachsende Pflanzen eine Angebotsgröße zu erzielen und scheren sich nicht darum, dass solche Gehölze auf einem Grab dann innerhalb weniger Jahre zu groß werden und wieder entfernt werden müssen.
Sicher hat kaum ein Käufer die Absicht einen bis 8m hoch werdenden Bux mit maximal 20-25 cm Zuwachs als Grabbepflanzung auszuwählen, statt einer Sorte, die bei 30-60 cm Höhe verbleibt. Dieser Bux war ursprünglich in einer Pflanzschale mit diversen anderen Pflanzen als Friedhofsschmuck gekauft und dann später aufs Grab gepflanzt worden.
Daher hatte ich mich bisher auch nicht mit der Sortenvielfalt und den diversen Wuchsbedingungen z.B. von Buxus sempervirens "Blauer Heinz", "Globosa" oder Buxus microphylla "Herrenhausen" gegenüber gewöhnlichem Buxus sempervirens oder Buxus sempervirens "Handworthensis“ auseinandergesezt.
Die letzteren wären jedenfalls als Solitäre für große Gärten oder Parks und nicht für Friedhofsgrün oder Beeteinfassung brauchbar gewesen.

LG Spinnich :mrgreen:
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von AndreasG. » 16 Jul 2019, 09:58

Student695 hat geschrieben:
13 Jul 2019, 13:14

1.Der Holzapfel ist ja einer der seltensten Sorten in Deutschland. Sein Bestand wird auf ca. 5000 geschätzt.
Zur Seltenheit von Maus sylvestris:
http://www.floraweb.de/pflanzenarten/ar ... uchnr=3582&

Wobei ich viele der Äpfel, die im Internet als M.sylvestris bezeichnet werden, eher als "normale" Äpfel bezeichnen würde, die irgendwann mal aus einem weggeworfenen Apfelgriebs gewachsen sind.

Spinnich
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Spinnich » 16 Jul 2019, 14:32

Ich weiß zwar, dass die Birkenmaus extrem selten ist, sogar als ausgestorben galt, aber von der Waldmaus "Maus sylvestris" war mir das noch gar nicht bekannt! :shock:
Auch dachte ich, daß diese als Apodemus sylvaticus beschrieben wird, aber systematische Namensänderungen sind ja häufiger als man denken möchte.
Noch mehr wundert mich, dass die Verbreitung bei Flora Web hinterlegt ist. :?
Gut da gibt es auch Infos zu Schmetterlingen und ihren Raupenfutterpflanzen, aber ansonsten hätte ich keine besonderen Infos zu Tieren insbesondere Säugetieren dort erwartet. :o
Allerdings hatte ich in den letzten Jahren auch kaum noch einmal eine Waldmaus gesichtet und selbst deren einst ("lästig") häufige Verwandte, die Gelbhalsmaus, die noch vor ein paar Jahren als Lästling oft Fledermauskästen okkupierte ist seit den letzten Jahren stark rückläufig! :|

LG Spinnich :lol: :lol: :lol:
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von AndreasG. » 16 Jul 2019, 15:19

Ach herrje, ich habe ein "l" vergessen. Das ist unverzeihlich. Wie konnte ich nur so unachtsam sein, und das in einem Forum, in dem jeder mitlesen kann. Quasi vor den Augen der ganzen (deutschsprachigen) Welt, und wenn jemand Google Translator benutzt, sogar noch viel weiter. Ich bin untröstlich und es fehlen die passenden Smilies, um meinen inneren Gemütszustand angemessen darstellen zu können.

Was machen wir denn nun mit der armen Maus?

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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Cryptomeria » 16 Jul 2019, 15:30

Vom Holzapfel zur Birkenmaus. Das nenne ich mal ne tolle Überleitung . Die sehr seltene Waldbirkenmaus wurde 2x bei meinem Nachbarn ( G.Rossen) in seinem Garten von ihm selbst gefunden . 1963 hat er 1 Exemplar gefangen, das er heute noch mumifiziert aufbewahrt. Das 2. Exemplar beobachtete er 1997. In den Folgejahren versuchte er mit Wissenschaftlern mit Hilfe von 50 Fallen Birkenmäuse nach zu weisen, was misslang.
Da scheint mir der Holzapfel häufiger. ( Um wieder zum Apfel zurückzukehren ).
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

AndreasG.
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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von AndreasG. » 16 Jul 2019, 16:07

Mäuse sind ja auch interessant und es gibt ziemlich viele einheimische Arten. Also können wir ruhig noch ein Weilchen bei ihnen verweilen. In der Natur, auch im Wald, spielen sie ja eine Schlüsselrolle.
Das eine oder andere Mäuschen wird wohl auch gerne mal einen Apfel verspeisen, und schwups, sind wir wieder beim Thema.

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Re: Schönes Buch zum Einstieg ins Thema Bäume: Jeder Baum hat eigene Individualität

Beitrag von Spinnich » 17 Jul 2019, 01:25

Interessant, dass man auf diesem Weg etwas über die Verbreitung einer seltenen Tierart erfährt.
Ich wusste bisher nur von den Vorkommen in Bayern, wo Fotofallen ja positive Überraschungen zum Auftreten der Birkenmaus brachten.
Nebenbei, hat der Name Holzapfel eigentlich im weitesten Sinne etwas mit dem Namen Schleswig - Hol(z/t)stein zu tun.

wenn ich hier nachlese denke ich doch:
Holstein (dän. und niederdt.: Holsten, lat.: Holsatia) ist der südliche Landesteil des deutschen Landes Schleswig-Holstein und wurde nach einem der drei hier ursprünglich ansässigen Sachsenstämme, den Holsten (eigtl. Holtsaten = „Waldbewohner“; vgl. Altsächs. holt „Gehölz, Wald“ und sāt „Sasse, Bewohner“), benannt.

Immer wieder schön, wie leicht man seinen Horizont erweitern kann , wenn man etwas nach hakt.

LG Spinnich :wink:
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