130jährige Blutbuche - Frage zur Kronensicherung

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Marci
Beiträge: 2
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130jährige Blutbuche - Frage zur Kronensicherung

Beitrag von Marci »

Hallo!

Auf meinem Grundstück stehen zwei tolle Blutbuchen. Wenn sie zum Zeitpunkt des Hausbaus angepflanzt wurden, sind sie ca. 130 Jahre alt. Theoretisch sind sie auch älter, nur würde mich das etwas überraschen, da vorher hier kein Haus stand. Und die Blutbuchen dürften ja eher nicht ohne menschliche Hilfe gewachsen sein. Zumindest gibt es weit und breit keine anderen. Aber zum eigentlichen Punkt. Während die eine BB einen Stamm hat, der durchgängig in die Höhe schießt, teilt sich bei der zweiten der Stamm auf einer Höhe von knapp vier Metern in zwei entsprechend massive, etwa gleich mächtige, Gabeläste (falsche Termini bitte ich mir nachzusehen :wink: ) . Der Winkel zwischen diesen Ästen ist recht gering, so dass relativ wenig Spannung darauf ist. Der Baum ist soweit auch kerngesund. Vor einigen Tagen war jemand hier, der meinte, ich solle den Zwiesel im Auge behalten. Da gäb es schon leichte Hinweise auf evtl. anstehende Probleme. Normalerweise bin ich nicht übervorsichtig, aber falls dieser eine Arm tatsächlich bei einem Sturm/Orkan abbrechen würde, würde er das ganze denkmalgeschützte Haus zerstören. Daher möchte ich eine Kronensicherung anbringen lassen. Die Frage ist: Wie mächtig muss diese sein? Eine mit 10 Tonnen Reißfestigkeit sei ausreichend, wurde mir gesagt. Meiner Google-Recherche nach reicht diese bei einer dynamischen Sicherung aber nur für Äste mit einem Durchmesser bis maximal 80cm. Der Umfang des Baums auf einem Meter Höhe beträgt 360cm. Durchmesser also etwa 115cm. Der betreffende Ast müsste also - wenn mich mein mathematisches Wissen nicht im Stich lässt, etwa 88cm Durchmesser haben. Dieser Ast ist etwas mächtiger als der andere, daher komme ich auf 88cm. Sonst wären es ein paar weniger. Nun möchte ich mich nicht unbedingt auf eine "übliche" Toleranz einer 10t-Sicherung verlassen. Oder reicht das dennoch für diesen Fall aus? Ggfs. spielt die spitze Gablung ja vorteilhaft in die Gesamtrechnung ein.
Und noch eine Frage zur "dynamischen" Kronensicherung: Verstehe ich das richtig, dass diese sowohl eine abruchrisikoreduzierende Wirkung hat ALS AUCH im worst-case, also im Falle eines Abbruchs, dem Ast quasi festhält, so dass er nicht der Länge nach fällt?

Vielen Dank,
Marc

P.S.: Die Höhe des Baums kann ich leider schlecht schätzen. Aber ich denke, der Stammumfang sollte Indikator genug sein.
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baumlaeufer
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Re: 130jährige Blutbuche - Frage zur Kronensicherung

Beitrag von baumlaeufer »

tolles Ensemble ,
Marc

wir haben hier zwei Fachleute im Forum Hilmar und Mahaleb. Ich hoffe die lesen dies. Wenn nicht kann man ja per pn nachhelfen !

Baumlaeufer
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

Marci
Beiträge: 2
Registriert: 07 Jun 2019, 15:48

Re: 130jährige Blutbuche - Frage zur Kronensicherung

Beitrag von Marci »

Danke Dir, Baumläufer! Ich gebe den beiden aber erstmal noch etwas Zeit. :wink:
Aber danke auf jeden Fall für den Tipp!

Mahaleb
Beiträge: 853
Registriert: 04 Aug 2008, 16:47
Wohnort: Ruhrtal

Re: 130jährige Blutbuche - Frage zur Kronensicherung

Beitrag von Mahaleb »

Hallo Marc,

zu deinem Baum.
Die eingestellten Bilder sind recht aussagekräftig, so dass man hier mit zwei einfachen Antwortpunkten das Thema erschöpfend abhandeln kann.
1.) Eine dynamisch ausgelegte Kronensicherung wäre m.E. der vorteilhaftere Weg. Da die Sicherung im oberen Kronendrittel einzubauen ist und die Belastbarkeit der eingebundenen Stämmlinge mit zu berücksichtigen ist, sind schwächere Sicherungen von 4t Mindestsystembruchlast meistens ausreichend.
Eine 8t-Sicherung würde hier, im oberen Drittel des Baumes, z.B. erst dann anfangen ihre Dynamik zu entfalten, wenn die Belastbarkeit bereits dort oben überschritten wird, d.h. der Baum bricht dann trotz Sicherung aufgrund der zu hohen Kräfte knapp oberhalb der Sicherung, welches das System eigentlich verhindern soll. Ich habe leider schon ein paar solcher Bäume gesehen. Viel hilft viel, das ist hier der schlechtere Weg. Manches funktioniert nicht allein mit einer Tabelle und ihren Werten, sondern man muss viele andere Faktoren mit berücksichtigen.
2.) Keine Kronensicherung ist dafür ausgelegt, einen angebrochenen Kronenteil dauerhaft gegen dessen Absturz zu halten. Da deine Fotos keine Schäden der Gabel zeigen, ist eine Trag-Haltesicherung m.E. nicht erforderlich. Es geht in erster Linie darum, die Spitzenlasten im oberen Kronenbereich soweit abzufedern, dass die Stämmlinge nicht überschwingen und anreißen.Dafür reicht eine deutlich schwächere Sicherung aus.

Hessekopp
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Registriert: 25 Nov 2009, 06:44
Wohnort: Neuss

Re: 130jährige Blutbuche - Frage zur Kronensicherung

Beitrag von Hessekopp »

Hallo,

ich bin komplett und allumfänglich bei Mahaleb.
Ich möchte noch ein paar Worte zu deiner Rechnung verlieren ... nicht um dich zu diskreditieren, sondern um dich zu beruhigen.
Du schreibst, der Baum habe unten einen Durchmesser von etwa 115cm.
Mal angenommen, er sei unter der Gabelung noch genau so dick (vermutlich ist er da aber dünner).
Jetzt werfen wir einen Blick auf die Bilder. Die Summe der Duchemesser der beiden Zwieseläste ist den Bildern nach grob gleich dem Durchmesser des Stammes unterhalb des Zwiesels, knapp oberhalb des Zwiesels sogar eher kleiner. Damit ist der Durchschnittsdurchmesser der beiden Zwieseläste kleiner als 115cm / 2 (also kleiner als 60cm) und da die beiden Äste deiner Aussage nach ungleich groß sind, ist der schwächere noch dünner. Damit landet man nach ZTV-Baumpflege-Tabelle (die du vermutlich im Internet gefunden hast) guten Gewissens bei einer 4-Tonnen-Sicherung, genau wie sie Mahaleb empfohlen hat. Der schwächere Ast wird kaum den stärkeren halten, womit sich die Dimensionierung der Sicherung nach dem Durchmesser des schwächeren richtet.
Bild

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