Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

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Spinnich
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Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von Spinnich » 31 Jan 2019, 12:33

Hallo,

inspiriert durch die Anfrage "Welches Holz habe ich hier Eiche oder Buche?" (in Bestimmung Laubgehölz, Fundort Europa) hatte ich 2 Internetbeiträge gefunden, die ich hier mal zur Kenntnis bringen will.

Von Prof. Frommhold gibt es eine pdf zum kostenpflichtigen Download zu Stammscheiben und Baumbestimmung aber auch einige frei verfügbare Bilder:
http://www.prof-frommhold.de/
http://www.prof-frommhold.de/stammscheiben/

zufällig bin ich dann auf den Beitrag über Sinn und Unsinn bei der Materialverwendung zu Insektenhotels gestoßen, den ich allen Insektenfreunden nahelegen möchte.
Im Beitrag findet sich auch ein pdf-File, der die Verwendung von Holzklötzchen und Stammscheiben zur Insektennisthilfe genauer beleuchtet und entsprechende Empfehlungen, wie man den Wildbienen nutzt, statt womöglich noch zu schaden oder für unsinnige Insektenhotels und absurde Materialien Geld wegzuschmeißen:
Negativbeispiel: Holzklötzchen und Stammscheiben in Insektennisthilfen

LG Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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Babs
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von Babs » 11 Feb 2019, 10:36

Hallo zusammen,

hier noch ein interessanter link:
https://www.wildbienen.info/forschung/n ... test_A.php

Dr. Paul Westrich, (renomierter Wildbienenfachmann) hat käufliche Wildbienenhotels getestet.

Im Ganzen eine super Seite zu Wildbienen :-)
LG Babs

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Palme
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von Palme » 11 Feb 2019, 11:26

Interessanter Beitrag den ich gleich mal an eine Bienenexpertin weitergeleitet habe.
:) Martin

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LCV
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von LCV » 11 Feb 2019, 11:44

Ich habe ja 2015 das hier als Modell A bezeichnete Bienenhotel gekauft.

https://www.baumkunde.de/forum/viewtopi ... ektenhotel

Dass im ersten Jahr absolut nichts passierte, lag vermutlich an zwei Dingen:
Das Produkt wurde viel zu spät angeboten und das Wetter war hier bei uns
sehr ungünstig. In 2016 war schon richtig Remmidemmi und seither wird das
Insektenhotel sehr gut angenommen.

Ich sitze ja nun nicht stundenlang auf dem Balkon und versuche, verschiedene
Wildbienen und andere Insekten zu identifizieren. Aber es ist immer Betrieb und
die Röhren werden zugemauert.

Frage an die Experten:
Sollte man die verlassenen Röhren irgendwie aufbereiten? Habe gerade mal
nachgeschaut: Es sind diverse "zugemauerte" Röhren aufgebrochen, was mich
annehmen lässt, dass das fertige Insekt die Höhle verlassen hat. Es gibt aber
auch ein paar, die noch geschlossen sind. Kann es sein, dass die erst im Frühjahr
heraus kommen oder sind die aus irgendeinem Grund abgestorben.
Jetzt wäre ja noch Zeit, mit der Bohrmaschine alle Röhren zu reinigen.

Grundsätzlich würde ich dieses Produkt für nur EUR 9,99 positiv bewerten.
Ob man damit seltene Arten der roten Liste anlocken kann, ist ja wohl auch
eher Zufall. Es muss welche in der Region geben und die müssten auch noch
das Ding entdecken. Innerstädtisch gesehen ist es doch schon ein Erfolg, dass
es überhaupt genutzt wird und die diversen Pflanzen auf dem Balkon bieten
ja auch noch Futter.

Gruß Frank

AndreasG.
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von AndreasG. » 11 Feb 2019, 12:15

Auf keinen Fall verschlossene Röhren aufbohren. :mrgreen:

Ich hatte mal vor ein paar Jahren im Garten alte Baumstümpfe angebohrt, also mit Löchern versehen, damit sie schneller verrotten. Die wurden umgehend besiedelt, obwohl das nicht unbedingt mein Plan war.
Dann hatte ich einen alten Wurzelstrunk aus dem Boden geholt, aufgehängt und durchbohrt wie einen Schweizer Käse und niemand zeigte irgendein Interesse daran.

Wenn man außerdem was für Wildbienen tun will; einfach im Garten markige Stengel den Winter über stehen lassen. Die überwintern in den Stengeln, tun sie schon seit vielen Millionen Jahren.

Cryptomeria
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von Cryptomeria » 11 Feb 2019, 14:03

Wie Andreas schon sagt: Alles lassen, wie es ist. Die Insektenwelt regelt das selbst. Jede Art hat ihren speziellen Flugtermin, insofern sind immer Röhren offen und geschlossen. Und nicht zu vergessen, die vielen parasitierenden. Damit verändern sich auch wieder Zeitfenster.
VG wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

biloba
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von biloba » 11 Feb 2019, 18:01

Gerade habe ich auf der Seite vom NABU eine Anleitung entdeckt, in der rissiges Holz angebohrt wird. Und daneben steht: "So sollte es aussehen".
https://www.nabu.de/imperia/md/content/ ... nhotel.pdf

Hier auch als Video-Clip.

Eigentlich wissen es die Leute vom NABU besser, denn sie warnen sogar selber vor der eigenen Anleitung.


Grüße an die Fachleute

Cryptomeria
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von Cryptomeria » 11 Feb 2019, 18:55

In der Regel werden keine Bohrlöcher besiedelt, durch die ein Riss geht. Bei der NABU -Abb. sind die Risse ( noch ) sehr fein und gehen durch kein Bohrloch. Sie dürften besiedelt werden. Auch im natürlichen Totholz sind natürlich Risse . Die entsprechenden Arten nutzen dann die nicht gerissenen Stammpartien. Ich hatte in den Anfangsjahren auch Hölzer, die gerissen waren und trotzdem waren intakte Partien gut besiedelt.
VG Wolfgang
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Re: Baumscheiben/Wildbienen/Insektenhotels

Beitrag von Spinnich » 11 Feb 2019, 21:16

Jedenfalls ist es wichtig den Insekten möglichst viele natürliche, naturbelassene Ressourcen anzubieten.

Ziegel, steinharte Lehmbatzen, Tannenzapfen, Holzstäbe, aufgerissenes Stirnholz, Rindenstücke, ausgefranste Röhren oder selbst Schneckenhäüser-Ansammlungen (obwohl es Schneckenhausnutzer gibt) sind kontaproduktiv.
Markhaltige Stängel werden nur einzeln und senkrecht stehend von Spezialisten angenommen, besser im Garten stehen lassen.
Man könnte mal probieren, ob man auch Sand bewohnenden Arten auf einem Balkon einen Sandkasten als Trockenbeet anbieten kann, bei einigen meiner trocken stehenden Töpfe finde ich immer mal Wespen, die dort ihre Brutröhren anlegen und mit Beute versorgen.
Auf trockenen Ecken meiner Wiese sind immer Bienen und Grabwespen aktiv.
Auf den Bienenexperten Dr. Paul Westrich wird übrigens auch von Prof. Frommhold verwiesen. Hatte den auch schon mal selbst wegen Bestimmungsanfrage kontaktiert.
Die Infoseite beschäftigt sich auch mit dem Thema, ob und wann man die Röhren öffnen, reinigen und damit recyceln sollte.
Das ist eventuell nach 5-10 Jahren sinnvoll. Dazu werden verschlossene Röhren jedes Jahr mit unterschiedlichen Farben markiert.
Wenn ein großer Prozentsatz nicht mehr geöffnet wird, kann man diese öffnen und mit Pfeifenreiniger etc. reinigen.
Einige Bienenarten reinigen die Röhrengänge akribisch selbst, andere gar nicht.

Ich freue mich jedenfalls über die Resonanz.
An meine Vorstandsmitglieder BN und LBV habe ich das auch sofort gepostet und schon positive Resonanz erfahren.
Ist doch Schade um jede sinnlose Ausgabe oder Anstrengung, wenn in Schulen oder Kindergärten aus Unwissenheit nutzloser Murks produziert wird.

LG Spinnich
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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