Schwarzrote Hängebuche schneiden

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Rolbern
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Schwarzrote Hängebuche schneiden

Beitrag von Rolbern »

Hallo zusammen,
wir haben seit ca. acht Jahren eine schwarzrote Hängebuche im Garten und diese wächst wirklich sehr langsam.
Seit der Pflawnzung hat Sie höchstens einen halben Meter an Höhe zugelegt. Nun überlege ich ob es am dichten Wuchs liegt und wollte hier um fachkundigen Rat fragen, ob es sinnvoll ist die unteren Äste zu 2/3 zu entfernen. Ich erhoffe mir davon mehr Kraft in den Stammwuchs zu lenken. Wäre das eine Möglichkeit das er mehr Höhe gewinnt oder könnte es auch am Boden liegen? Der im Hintergrund des Bildes zu sehende Walnussbaum hat damit wohl keine Probleme.
Vielen Dank vorab für eure Meinungen und Empfehlungen.

Update um richtig gedrehtes Bild...
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Spinnich
Beiträge: 2677
Registriert: 27 Jul 2010, 01:14
Wohnort: nördl. Unterfranken

Re: Schwarzrote Hängebuche schneiden

Beitrag von Spinnich »

Hallo Rolbern,

Halte es für keine gute Idee, dem Baum seine Assimilationsmasse nehmen zu wollen, da wird er wohl auch nicht schneller wachsen.

Zitat: Die schwarzrote Hängebuche wächst als Kleinbaum bis zu einer Höhe von 6-12m und wächst aufrecht, mit überhängenden Zweigen, die bis auf den Boden aufliegen können.
Zuwachs laut Anbieter "Pflanzmich" bei 0,10 bis 0,20 cm/Jahr, Wuchsgeschwindigkeit: sehr schwach wüchsig.

Da ein Jungbaum schon eine Weile benötigt, bis er mal stärker ins Wachsen kommt, hilft wohl nur Geduld. Unter günstigen Umständen wächst der Baum dann In der Regel bis 40 – 60 cm pro Jahr.
Die Qualität des Bodens (frischer, durchlässiger, humoser Gartenboden), und besonders Wasserversorgung (bei trockener Witterung) und Temperatur spielen auch eine erhebliche Rolle.
Die Buche als "Schattenbaum" wird in so einer freigestellten Lage auch nicht gerade zu raschem Höhenwachstum angeregt. Wenn man überlegt, dass eine Buche mehrere hundert Jahre alt wird, so darf man dem Bäumchen auch noch etwas Zeit vergönnen.
Bei Koniferen erlebt man auch oft erst nach mehreren Jahrzehnten des "Kümmerwuchses" plötzlich das Einsetzen einer rasanten Wuchsphase, in der die Gewächse dann ihren Kleingartenbesitzern über den Kopf wachsen können.

LG Spinnich :roll:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Hessekopp
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Re: Schwarzrote Hängebuche schneiden

Beitrag von Hessekopp »

Hallo,

Buchen haben eine sehr lichtempfindliche Rinde und diese neigt bei plötzlicher Besonnung zu Sonnenbrand.
Daher schneidet man an Buchen am besten garnichts (Die ganzen Ausnahmen zu nennen führt an dieser Stelle zu weit)

Bäume wachsen nur an ihren Zweigenden in die Länge, die Wurzel schiebt also nicht den ganzen Baum nach oben sondern ein Ast, der heute in 50cm Höhe vom Stamm abzweigt, ist in 50 Jahren immernoch in 50cm Höhe, sollte er dann noch existieren. Der Stamm wächst zwar, aber er wird dabei nur dicker.
Deine Buche ist eine Hängeform. Wenn sie am Zweigende, welches ja hängt, also nach unten zeigt, in die Länge wächst, wird sie dadurch nicht höher. Um in die Höhe zu wachsen, bräuchte sie etwas, was nach oben zeigt oder sie muß mühevoll und sehr langsam einen hängenden Ast aufrichten.
Wenn du jetzt also schummeln willst und das Bäumchen schneller in die Höhe wachsen soll, dann schneide da nichts ab sondern guck mal, ob du möglichst zentral einen Ast findest, den man vorsichtig nach oben stäben oder wenigstens etwas aufrechter gestalten könnte. Gefühlt geht da was mit dem obersten Ast, der auf dem Bild nach vorn rechts zeigt.

Edith meint noch, dass du es dabei nicht übertreiben solltest. Das Ende sollte trotzdem noch hängen. Dann lieber in ein paar Jahren nochmal ein bischen nachhelfen. Die unteren Äste wird die Buche erst abwerfen, wenn sie sich diese selbst beschattet, wenn also oben drüber genug Gehänge ist. Es muss also nach dem Stäben erstmal wieder Gehänge wachsen. Du solltest es also nicht übers Knie brechen mit der Höhenschummelei.
Zuletzt geändert von Hessekopp am 05 Jul 2018, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.
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stefan
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Re: Schwarzrote Hängebuche schneiden

Beitrag von stefan »

Hessekopp hat geschrieben:
03 Jul 2018, 06:42
... Um in die Höhe zu wachsen, bräuchte sie etwas, was nach oben zeigt oder sie muß mühevoll und sehr langsam einen hängenden Ast aufrichten.
...
Ich frage mich sowieso immer, wie solche extremen Hängeformen überhaupt in die Höhe wachsen können :)

Ich vermute dass heute meist auf einen hohen Stamm veredelt wird (und ggf. noch ein Stück geleitet wird) und dann - in normalen menschlichen Beobachtungszeiträumen - praktisch kein nennenswertes Höhenwachstum mehr erfolgt.
Alte Hängeformen (in Parks) hatten natürlich mehr Zeit, sind aber oft auch nicht so extrem und haben deshalb auch ein gewisses Höhenwachstum - oder sehe ich das falsch?

Gruß
Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

Baumbart87
Beiträge: 183
Registriert: 25 Okt 2017, 01:19

Re: Schwarzrote Hängebuche schneiden

Beitrag von Baumbart87 »

Einwandfreier Post von Hessekopp :)!

Stefan: Siehst Du ein wenig falsch.
Die alten 'Pendula'- Formen in den Parks sind keine besonders anderen als die heute gepflanzten, und die heutigen Züchtungen stammen fast sämtlich irgendwie von der ursprünglichen grünen 'Pendula' ab.
Sie wachsen schon in die Höhe- wie auch junge Exemplare im Walde, die plötzlich freigestellt werden, reagieren Buchen sehr fröhlich auf freien Stand und legen da erst richtig starke Zuwächse hin- die auch genetisch so vorbestimmt sind, also nichts unnatürliches darstellen. Ruckzuck sind lange im Schatten vor sich hinkümmernde Buchen binnen weniger Jahre vier Meter höher, und ähnlich halten es auch die Hängebuchen noch. Nur muss es bei denen nicht irgendein oben entsprießender Ast sein, der die Höhe nehmen kann, sondern schon einer aus einer speziell angelegten sehr kräftigen Knospe, die im Jahr auch ca. einen Meter in die Höhe machen kann.
Normale Jungbuchen würden nun einfach ganz oben weiter machen, bei der Hängebuche biegt sich "ganz oben" aber runter und fällt somit für weiteres Höhenwachstum erstmal aus. Der Baum muss sich quasi erstmal wieder sammeln, eine neue Knospe bilden, die den nächsten Ruck in die Höhe macht, und das kann schon mal etwas dauern, je nach Alter, Jahreswitterung, Niederschlag und so weiter. Darum geht es auch bei bestem Stand auch bei denen nur sehr zögerlich und mit Abständen in die Höhe, wenn man nicht wie empfohlen durch Stäben eines Leittriebes etwas nachhilft.

Den Stab zum Stäben kann man übrigens mittels Kabelbindern einfach am Stamm befestigen, den muss man nicht in der Erde verankern, muss dann aber jährlich kontrollieren, dass da nichts einwächst, und die Bindungen ggfls. erneuern. Dran bleiben sollte so eine Stäbung zwei bis drei Jahre, dann sollte der neue Leittrieb auf der gestäbten Länge so tragfähig sein, dass ihn neu dran gewachsenes Gewicht nicht gleich wieder runter zieht :)!

LG

Rolbern
Beiträge: 2
Registriert: 30 Jun 2018, 12:11

Re: Schwarzrote Hängebuche schneiden

Beitrag von Rolbern »

Hallo Spinnich, Hessenkopp, stefan und Baumbart87,

vielen herzlichen Dank für eure ausführlichen, freundlichen und fachkundigen Antworten.

Diese haben mir sehr geholfen mich zu entscheiden den Baum ohne Eingriffe so zu belassen.
Er soll ruhig weiterhin seine Entwicklung selbst bestimmen.
Das dichte Blattwerk bis zum oberen Drittel ist zwar sehr dicht, aber das wird schon seinen
Sinn haben. Und wer weiß, ob sich vielleicht nachdem ich den Hinweis zum Bewässern bei längerer Trockenheit beherzigen werde, er doch noch Lust nach oben bekommt.

Somit nochmals Mercy für die sehr hilfreichen Anmerkungen und Ratschläge!
Ich freue mich hier ein kompetentes und sympatisches Forum gefunden zu haben.

Viele Grüße
Rolbern

Hessekopp
Beiträge: 772
Registriert: 25 Nov 2009, 06:44
Wohnort: Neuss

Re: Schwarzrote Hängebuche schneiden

Beitrag von Hessekopp »

Hallo,

oben bildet sich gerade eine zweite Etage, das ist deutlich zu sehen (die ausladenderen Äste) . Wenn diese ausgeprägt genug ist, wird die Buche die erste Etage (das dichte Gehänge unten) von ganz allein abwerfen, die Äste vertrocknen dann einfach und bekommen keine Blätter mehr. Also keine Angst, wenn das passiert, das ist völlig normal.
Wenn dem Baum die zweite Etage ausgeprägt genug ist, wird er von allein eine dritte obendrüber anlegen und später dann die zweite abwerfen. Das wird allerspätestens dann der Fall sein, wenn die zweite Etage am Boden angekommen ist, vermutlich aber früher. Irgendwann sind das recht fließende Übergänge.
Wenn du in Zukunft wirklich mal der Meinung bist, einen Ast abschneiden zu müssen, dann mache das rechtzeitig. Buchen vertragen zwar recht große Schnitte (bis zu 10cm Querschnitt), ich würde aber trotzden nur ungern einen Schnitt über 4-5cm Querschnitt riskieren, das Pilzrisiko wäre mir zu groß.
Auch solltest du immer im Auge haben, den Stamm und große Äste durch Schnittmaßnahmen nicht zu besonnen.
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