Um was für eine Lindenart handelt es sich? ---> Tilia sp.

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch in Deutschland oder Europa gesehen, könnt ihn aber nicht bestimmen? Fragt hier einfach danach.

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T&T
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Um was für eine Lindenart handelt es sich? ---> Tilia sp.

Beitrag von T&T »

Hallo,

wir habe in unserem Garten eine noch junge Linde, bei der wir nicht herausbekommen um was für eine Art es sich handelt. Das Blatt auf den Bildern ist ca 15cm lang. Die Unterseite ist glänzend die Oberseite matt.

Zu dieser Kombination konnte ich im netz nicht finden. Hat jemand eine Idee?
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Blattoberseite
Blattoberseite
DSC03110_d.JPG (187.84 KiB) 1990 mal betrachtet
Blattunterseite
Blattunterseite
DSC03109_d.JPG (274.81 KiB) 1990 mal betrachtet

captainplanet
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Beitrag von captainplanet »

Wird wohl eine Sommerlinde sein. Oder spricht was dagegen? Blätter auf Wasserreisern an der Stammbasis sind oft ungewöhnlich groß und atypisch.

T&T
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Beitrag von T&T »

Mit der Sommerlinde bin ich am Zweifeln. Ca. 5m entfernt steht eine ältere Sommerlinde. Der Unterschied ist das die Blätter zum einen deutlich größer und auf der Unterseite glänzend sind.
Das Bäumchen ca.4-5m hoch hat die großen Blätter auf allen Ästen.
In erster line irretiert mich die glänzende Unterseite.

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

ich habe mal alle Linden im R/B4 angeschaut. Ich habe keine Beschreibung gefunden, die 100%ig passt. Möglicherweise liegt es daran, dass der Baum noch jung ist. Aber U-Seite so glänzend, habe ich nirgendwo gefunden. Fast alle haben mehr oder wenig starke Behaarung und Achselbärte weißlich oder braun.

Die Größe des Blattes ist kein sicheres Merkmal. Ich habe schon welche gesehen, die nicht mal auf ein DIN A 4 - Blatt gepasst hätten.

Früchte gibt es wohl noch keine? Die wären besser geeignet, um eine Linde zu bestimmen. Sicher ausschließen kann man Tilia henryana und Tilia tomentosa. Exotischere Linden sind eher unwahrscheinlich. Also bleiben vor allem T. cordata, T. heterophylla und T. platyphyllos, wobei es zwischen denen und auch der T. americana Hybriden gibt. Dabei können die Merkmale der einzelnen Elternteile mal mehr, mal weniger ausgeprägt sein.

Interessant wäre noch, ob es sich evtl. um eine Veredelung handelt. Das sieht man am Stamm, wo der Edelreiser auf der Unterlage aufgepfropft wurde.

Stammt das Blatt aus der Krone oder von einer möglichen Unterlage?

Es ist wirklich sehr schwierig. Sollte es aber Früchte geben, sollten wir auf Fotos warten.

Gruß Frank

T&T
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Beitrag von T&T »

Hallo Frank,

Blüten gibt es leider noch keine. Bei uns im Oberbergischen hängt alles ein wenig hinterher.
Das Blatt ist ehr aus den unteren Regionen. Es gibt keine Spur einer Veredelung. Der Stamm ist wie an der Schnur gezogen gerade. (siehe Bild)

Die T. cordata haben wir ausgeschlosen da die Behaarung weiß ist. Die amerikanischen Vertreter hatten wir auch schon in verdacht, allerdings ist hier das gleiche wie bei der Sommerlinde (keine glänzenden Blätter).

Kann es am Standort liegen das sich die Blattformen unterscheiden können? Das Bäumchen ist eingekeilt zwischen einer Wilden Kirsche und einer Kiefer.
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Das Lindchen
Das Lindchen
DSC03111_b.JPG (406.7 KiB) 1969 mal betrachtet

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

der Standort sollte bestenfalls Einfluss auf die Blattgröße haben. Wenn der Baum zur Versorgung mehr Blattfläche braucht, werden die Blätter größer. An ausgewachsenen Bäumen sind viele tausend Blätter, entsprechend können die kleiner sein. Hier wurden mal Linden brutal gestutzt, weil irgendein "Experte" die in einer engen Straße gepflanzt hat, wo für solche Bäume überhaupt kein Platz ist. Da standen im Frühjahr nur noch Stämmchen, wo aber Blätter bis 40 cm Länge austrieben, so eine Art Überlebensstrategie.

Wenn man die Beschreibungen vergleicht, so käme Tilia x flaccida der Sache am nächsten (T. americana x T. platyphyllos). Aber das ist reine Spekulation. Ist die Herkunft des Baumes bekannt? Stammt er vielleicht aus einer Baumschule? Dann wäre einiges möglich. Ist er von allein aufgegangen, dann müsste man in der Umgebung suchen, wo der Samen hergekommen ist.

Gruß Frank

T&T
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Beitrag von T&T »

Hallo Frank,
die Herkunft ist nicht bekannt. Allerdings gibts es in unserem und den außenrum liegenden Dörfern Naturgärten ebenso wie "moderne" Gärten. Wir werden uns mal umsehen.

Danke soweit für das Feedback, das hat schon weiter geholfen.
Sollten wir was in der Nachbraschaft finden oder sich Blüten zeigen, werde ich nochmal Nachfragen.

Grüße

Thilo

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bee
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Beitrag von bee »

Hallo,
das Blatt erinnert mich stark an Blätter von jungen Linden, die ich bei mir (Hochrhein) im Wald vorfinde. Es gibt im Wald sowohl Sommerlinden, Winterlinden als auch die Hybride.

Die etwas "seltsamen" Blätter habe ich meist als Tilia spec. abgespeichert, ich halte sie aber für Blätter von natürlichen Hybriden. Die Blattnervatur ist bei den Jungpflanzen sehr grob, die Unterseite glänzt besonders in der Zeit nach dem Austrieb, später nicht mehr so sehr, Behaarung ist recht undeutlich, aber manchmal doch erkennbar, weißliche Behaarung auf den Blattnerven auf der Unterseite (deutlich weniger behaart als Sommerlinde, da ist das Anfassgefühl samtig, da ist auch die Unterseite des Blattes auf der Fläche deutlich behaart, auch kurz nach Austrieb) und auch der Blattstiel ist sehr unterschiedlich stark behaart, mal mehr mal weniger.

Leider finde ich in meinem Fotofundus kein gutes Beispiel, nur ein Bild von einem Blatt mit Galle, aber man erkennt, wie es glänzt und dass da ganz zarte Härchen auf den Nerven sind.
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Tilia spec mit Galle_Contarinia tiliarum (Gallmücke)_04-2011.jpg
Tilia spec mit Galle_Contarinia tiliarum (Gallmücke)_04-2011.jpg (246.55 KiB) 1940 mal betrachtet
Viele Grüße von bee

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