Darf ich vorstellen? Fagus sylvatica 'Kleine Köhlerin'

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Andreas75
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Darf ich vorstellen? Fagus sylvatica 'Kleine Köhlerin'

Beitrag von Andreas75 »

Endlich ist die erste Vermehrung gelungen, eine zweite braucht noch etwas Zeit.
Im Herbst 2013 stieß ich beim Pilzesuchen in einem Waldstück unmittelbar hinter unserer Gemeindegrenze auf diese kleine Buche:
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Höhe etwa 120 cm, Breite etwa um 140 cm, sehr kurztriebig und mit im Durchschnitt nur etwa 2 €- Stückgroßem Laub. Ein Blick verriet, dass diese Pflanze nicht auf Wildverbiss beruht, und nahebei wachsende andere Buchensämlinge waren ebenfalls nicht verbissen, aber viel langtriebiger, mit größerem Laub und Knospen. Hier ein Bild im Winterlaub (die Kleine links) im Vergleich mit herkömmlichen, viel jüngeren Buchensämlingen.
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Groß war die Begeisterung, mitten im Walde eine zwergwüchsige Buchenmutante aus einem Wildsämling gefunden zu haben. Im Frühjahr 2014 startete ich denn den ersten Vermehrungsversuch per Kopulation.
Das mißlang, weil das Wetter sich verschlechterte und der Austrieb zwei Wochen später kam als erwartet- die kopulierten Edelreiser vertrockneten inzwischen.

So ging ich also nach einigem Überlegen im September 2014 doch noch an eine Abmoosung, für die ich zwei ältere Triebe auswählte. Ich dachte, so könne sie im Herbst noch Kallus bilden und dann im April/ Mai gleich loswurzeln.
Also mittels Entfernung eines etwa 2 cm breiten Rindenstreifens und sämtlichen Kambiums auf dem Holz und unter Verwendung zweier Frühstücksbeutel und ganz normalen Waldmooses die beiden Triebe abgemoost und der Dinge geharrt.

Eine Kontrolle Ende Juni '15 erbrachte keine Bewurzelung am unteren Trieb (aber Kallus), am oberen Trieb schickten sich nur drei einseitige Wurzeln (aber immerhin) an, zu wachsen.
Im Juli musste ich beide Frühstücksbeutel ersetzen, weil doch eine Maus oder so Löcher reinggemacht hatte, da war es noch genauso mit der Bewurzelung. Alsdann habe ich wiederum gewartet, und gestern anlässlich neuer Pilztour (es geht langsam los :D) nochmals gekuckt.

Zu meiner großen Freude zeigte sich der Ballen des oberen Triebes mit Wurzeln voll, die teils soeben begannen, aus der unteren Bindungsstelle des Beutels herauszuwachsen. Juheißa, juchee, und so konnte ich die erste erfolgreiche Vermehrung gewinnen, nachdem ein weiterer Veredlungsversuch im Juli auf die Triebspitzen von im Garten eingewurzelten Buchensämlingen (Forstware) neuerlich in die Hose ging.
Die Wurzeln des Abmooslings hatten sich also erst im späteren Juni entwickelt, mit einem Wachstumsmaximum im späten Juli/ August. Der zweite Abmoosling zeigte noch keine Wurzeln an der Umhüllung, doch war sein Kallus im Juli ebenfalls merklich gewachsen, so dass ich denke, den im nächsten Jahr gewinnen zu können, der dann in ein Arboretum geht.

Und hier ist nun das erste kultivierte Exemplar von Fagus sylvatica 'Kleine Köhlerin'.
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Macht noch nicht viel her, und sie muss sich auch erstmal etablieren, aber eine neue kleinwüchsige strauchförmige Buche beginnt zu existieren.
Die Mutterpflanze habe ich anhand der recht gut nachvollziehbaren Jahrestriebe auf ungefähr 22 Jahre altersbestimmt, die Trieblänge beträgt dabei zwischen 4 und 12 cm, wobei sie sich von Anfang an sehr stark verzweigt und ohne Entnahme von Vermehrungsmaterial oder sonstigem Schnitt wie im ersten Bild wächst- eher breiter als hoch und dabei ohne Schnitt dicht verzweigt und angenehm kleinblättrig alles in allem eine sehr harmonische Erscheinung.

Den Namen 'Kleine Köhlerin' habe ich gewählt, weil die Mutterpflanze nahe der historischen sog. Köhlerroute wächst.
Einem Weg aus dem Gebiet des Westerwalds bis hinab ins rheinische, an dessen Flanken einst Köhler aus den ursprünglichen Buchenwäldern Holzkohle gewannen und diese zu verschiedenen Verbrauchsorten im Rheintal und darüber hinaus "exportierten".
Noch heute kann man nach Forstarbeiten stellenweise die berühmte "Terra Preta" finden, und verstreut entlang des Weges ausgeschilderte Bereiche, in denen früher etwa "Umspannwerke" standen, wo die Pferde an den Transportwagen ausgetauscht wurden und gerastet wurde.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Vielleicht hat Gerhard Dönig Interesse .

Vg Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

An den habe ich auch schon gedacht- ist ja sozusagen DER Buchenpapst schlechthin :D.
Ich frage mich aber, ob der nicht schon ziemlich alt ist... Und wenn er keinen Nachfolger für die Übernahme seines beispiellosen Arboretums hat- wäre das ja relativ fruchtlos, oder?
Was meinst Du? Natürlich würde ich ihm sehr gerne auch eine anbieten!

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hi Andreas,

erst einmal Glückwunsch zum Erfolg.

Wenn ein längerfristiger Bestand gewährleistet sein soll, sind doch diverse namhafte botanische Gärten sicherer.

Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Du das Produkt Deiner Bemühungen vermarkten könntest. Kleinwüchsige Gehölze sind doch bei den heute üblicherweise winzigen Grundstücken sicher gefragt.

Gruß Frank

biloba
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Re: Darf ich vorstellen? Fagus sylvatica 'Kleine Köhlerin'

Beitrag von biloba »

Hallo Andreas,


Glückwunsch zu Deinem Erfolg!
Kiefer hat geschrieben:Also mittels Entfernung eines etwa 2 cm breiten Rindenstreifens und sämtlichen Kambiums auf dem Holz und unter Verwendung zweier Frühstücksbeutel und ganz normalen Waldmooses die beiden Triebe abgemoost und der Dinge geharrt.
Da schießt mir natürlich sofort eine Frage in den Kopf:

- Ist solches Moos nicht voller Pilzsporen?

- Ist die entfernte Rinde nicht eine extrem gute Eintrittspforte für Pilze?

- Ist die Lebenserwartung von abgemoosten Exemplaren durch eine bereits erfolgte Pilzinfektion ebenso hoch, wie bei Sämlingen?


Ich wünsche Dir, dass sich meine Befürchtungen bei Dir nicht realisieren.



Interessierte Grüße!

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Frank: Ja, das mit dem Vermarkten ist so 'ne Sache...
Wäre an sich richtig genial, und ich beobachte die ja auch schon zwei Jahre, in denen sie stabil blieb (abgesehen von ihren ca. 22 Standjahren, in denen sie stabil blieb), aber melde ich die zum Sortenschutz an, kucken die auch nochmal fünf Jahre, und denn darf ich teuer Lizenzgebühren zahlen, wenn ich den Sortenschutz habe, was quasi eh keinen interessiert, der die partout nachziehen will. Da schaue ich lieber, ob andere Wege gangbarer wären.

biloba:
- Ist solches Moos nicht voller Pilzsporen?
Das kann gut sein. Das kann im immer empfohlenen Shagnum aber auch sein. Bei Staunässe kann 's auch das Gammeln anfangen, aber geschimmelt oder so hat es nicht.
- Ist die entfernte Rinde nicht eine extrem gute Eintrittspforte für Pilze?
Ja, das habe ich mir auch gedacht. Darum ist bereits im September beginnen für frühere Kallusbildung ziemlich unnötig, ein halbes Jahr offenes Holz über Winter kann man sich wirklich ersparen.
Bei meinen beiden hat das Holz der kaum zwei cm dicken Triebe sich dunkel verfärbt, so dass ich schon dachte "Oh weh". Die wassertransportierenden Leitungsbahnen blieben aber offen, der Jahreszuwachs war normal, die gebildeten Knospen recht kräftig, so dass das Holz wohl nur durch das Moos verfärbt war.
- Ist die Lebenserwartung von abgemoosten Exemplaren durch eine bereits erfolgte Pilzinfektion ebenso hoch, wie bei Sämlingen?
Ich vermute doch mal. Es gibt viele Jahrzehnte alte Bonsai, die abgemoost wurden, und Abmoosen tut sich schließlich auch ein Teil in der Natur, nur nennt man es da "Ablegen/r" , oder es passiert bei Überschüttungen irgendwelcher Stämme, wo der Baum dann in passender Höhe einen neuen Wurzelhorizont ausbildet.

Spinnich
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Fagus sylvatica 'Kleine Köhlerin' Pilzsporen durch Abmoosen

Beitrag von Spinnich »

Hallo,

Pilzsporen im Moos können nicht nur schädlich sein, eventuell sind sie sogar vorteilhaft oder gar überlebenswichtig -> Denkt mal an Mykorrhiza-Pilze !

Gruß Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Richtig, Spinnich, dachte ich mir auch. Auch wenn ich gerade nicht weiß, ob Buchen Mykorrhiza brauchen...
Hey: Das ist doch die Idee! Habe ja nun drei zwergwüchsige Buchen ('Franken', 'Purpurea Nana', und meine 'Kleine Köhlerin')- ob ich die mal mit Pfifferlingssporen beimpfe :D?

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Andreas,
um deine Frage zu beantworten. Ich würde ihm deinen Erfolg mitteilen und auf eine Antwort warten. Dann würde ich entscheiden. Ich kenne sehr viele, aber G. Dönig kenne ich nicht persönlich. insofern kann ich nichts einschätzen. Aber vielleicht ist er immer noch mit Leidenschaft dabei und es würde ihn interessieren. Dann lohnt es sich.

Weiterhin viel Erfolg mit der Köhlerin
Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Danke Wolfgang =)!
Ich habe dem Herrn Dönig nun eine Mail geschickt und bin mehr als gespannt auf seine Antwort.
Wäre natürlich ein Riesengewinn, die 'Kleine Köhlerin' in derart berufenen Händen und damit bereits ziemlich gesichert zu wissen. Sein Arboretum ist ja derart speziell und einzigartig mit über 220 Buchen- Kultivaren und anderem mehr, dass sich da ganz sicher Nachfolger finden, wenn er mal nicht mehr kann (habe eine Seite über sein Arboretum gefunden und war angenehm überrascht)...
Eine Jungpflanze soll dann auf jeden Fall noch Buck für 's luxemburgische Staatsarboretum kriegen, der Rest wird sich finden.

Ich für meinen Teil überlege nach dem Abmooserfolg nun, die ganze Mutterpflanze auf diese Weise zu "plündern", da ein Ausgraben ohne Bagger wohl unmöglich und schon gar nicht schonend sein wird, und zudem der Besitzer dieser Waldparzelle nicht rauszukriegen ist.
Die ist im weiten Umkreis, bzw. in den Waldungen des Nachbarortes die einzige Parzelle mit so großen Altfichten, dass unter denen schon wieder Heide gedeiht, was potentiell also jederzeitige Hiebreife bedeutet.
Was bei deren Wirtschaftsform parzellenweiser Kahlschlag ist, der dann wieder aufgeforstet wird. Ob die Naturverjüngung dann stehen lassen oder mit ummachen, weiß ich nicht.
Wäre eigentlich Quatsch und kontraproduktiv, andererseits nutzt aber auch keiner die vor Ort gewachsene und teils teppichartige Fichtennaturverjüngung zur Wiederaufforstung, sondern es wird immer Baumschulware hergenommen...
Von daher sehe ich das Überleben der Mutterpflanze relativ vage!

Ob ich nun die ganze Pflanze auf einmal abmoose (Stammdurchmesser ist nur etwa 5- 6 cm) oder die Zweige partiell, weiß ich noch nicht, da muss ich vor Ort nochmal in mich gehen.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Vielleicht kannst du dich beim zuständigen Forstamt/Förster erkundigen, was mit der Parzelle passieren soll. Solange würde ich nur Teile abmoosen und die Mutterpflanze stehen lassen. Denn so kannst du bei Verlust immer wieder darauf zurück greifen.Und im Lauf der Jahre kannst du dir so eine kleine stabile Population aufbauen, denn Verlust kann es immer geben. Auch später.
Wenn du natürlich hörst, dass mit größeren Maschinen gefällt werden soll, würde ich im blattlosen Zustand handeln. Aber vielleicht sägen sie mit der Hand und vielleicht ist auch der zuständige Revierleiter durchaus offen und garantiert den Schutz der Kleinen Köhlerin. Muss man abchecken.

Viel Erfolg!

Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

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