Im Herbst 2013 stieß ich beim Pilzesuchen in einem Waldstück unmittelbar hinter unserer Gemeindegrenze auf diese kleine Buche:


Höhe etwa 120 cm, Breite etwa um 140 cm, sehr kurztriebig und mit im Durchschnitt nur etwa 2 €- Stückgroßem Laub. Ein Blick verriet, dass diese Pflanze nicht auf Wildverbiss beruht, und nahebei wachsende andere Buchensämlinge waren ebenfalls nicht verbissen, aber viel langtriebiger, mit größerem Laub und Knospen. Hier ein Bild im Winterlaub (die Kleine links) im Vergleich mit herkömmlichen, viel jüngeren Buchensämlingen.

Groß war die Begeisterung, mitten im Walde eine zwergwüchsige Buchenmutante aus einem Wildsämling gefunden zu haben. Im Frühjahr 2014 startete ich denn den ersten Vermehrungsversuch per Kopulation.
Das mißlang, weil das Wetter sich verschlechterte und der Austrieb zwei Wochen später kam als erwartet- die kopulierten Edelreiser vertrockneten inzwischen.
So ging ich also nach einigem Überlegen im September 2014 doch noch an eine Abmoosung, für die ich zwei ältere Triebe auswählte. Ich dachte, so könne sie im Herbst noch Kallus bilden und dann im April/ Mai gleich loswurzeln.
Also mittels Entfernung eines etwa 2 cm breiten Rindenstreifens und sämtlichen Kambiums auf dem Holz und unter Verwendung zweier Frühstücksbeutel und ganz normalen Waldmooses die beiden Triebe abgemoost und der Dinge geharrt.
Eine Kontrolle Ende Juni '15 erbrachte keine Bewurzelung am unteren Trieb (aber Kallus), am oberen Trieb schickten sich nur drei einseitige Wurzeln (aber immerhin) an, zu wachsen.
Im Juli musste ich beide Frühstücksbeutel ersetzen, weil doch eine Maus oder so Löcher reinggemacht hatte, da war es noch genauso mit der Bewurzelung. Alsdann habe ich wiederum gewartet, und gestern anlässlich neuer Pilztour (es geht langsam los
Zu meiner großen Freude zeigte sich der Ballen des oberen Triebes mit Wurzeln voll, die teils soeben begannen, aus der unteren Bindungsstelle des Beutels herauszuwachsen. Juheißa, juchee, und so konnte ich die erste erfolgreiche Vermehrung gewinnen, nachdem ein weiterer Veredlungsversuch im Juli auf die Triebspitzen von im Garten eingewurzelten Buchensämlingen (Forstware) neuerlich in die Hose ging.
Die Wurzeln des Abmooslings hatten sich also erst im späteren Juni entwickelt, mit einem Wachstumsmaximum im späten Juli/ August. Der zweite Abmoosling zeigte noch keine Wurzeln an der Umhüllung, doch war sein Kallus im Juli ebenfalls merklich gewachsen, so dass ich denke, den im nächsten Jahr gewinnen zu können, der dann in ein Arboretum geht.
Und hier ist nun das erste kultivierte Exemplar von Fagus sylvatica 'Kleine Köhlerin'.


Macht noch nicht viel her, und sie muss sich auch erstmal etablieren, aber eine neue kleinwüchsige strauchförmige Buche beginnt zu existieren.
Die Mutterpflanze habe ich anhand der recht gut nachvollziehbaren Jahrestriebe auf ungefähr 22 Jahre altersbestimmt, die Trieblänge beträgt dabei zwischen 4 und 12 cm, wobei sie sich von Anfang an sehr stark verzweigt und ohne Entnahme von Vermehrungsmaterial oder sonstigem Schnitt wie im ersten Bild wächst- eher breiter als hoch und dabei ohne Schnitt dicht verzweigt und angenehm kleinblättrig alles in allem eine sehr harmonische Erscheinung.
Den Namen 'Kleine Köhlerin' habe ich gewählt, weil die Mutterpflanze nahe der historischen sog. Köhlerroute wächst.
Einem Weg aus dem Gebiet des Westerwalds bis hinab ins rheinische, an dessen Flanken einst Köhler aus den ursprünglichen Buchenwäldern Holzkohle gewannen und diese zu verschiedenen Verbrauchsorten im Rheintal und darüber hinaus "exportierten".
Noch heute kann man nach Forstarbeiten stellenweise die berühmte "Terra Preta" finden, und verstreut entlang des Weges ausgeschilderte Bereiche, in denen früher etwa "Umspannwerke" standen, wo die Pferde an den Transportwagen ausgetauscht wurden und gerastet wurde.