Pappel mit großer "nässender Wunde"

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ElisaB
Beiträge: 4
Registriert: 19 Jun 2015, 20:24

Pappel mit großer "nässender Wunde"

Beitrag von ElisaB »

Hallo an alle Baumfreunde,
ich heiße Elisabeth und bin ganz neu in diesem Forum, für Bäume interessiere ich mich aber schon länger aber doch sehr laienhaft. Ich komme aus Rostock, wir haben hier sehr schöne Wälder in der Gegend, aber auch die Stadt hat wunderschöne Exemplare zu bieten.
Ich bitte euch um Hilfe zu folgendem Problem: Es geht um eine recht große etwa 30 Jahre alte Pyramidenpappel, die in einer Reihe mit mehreren ähnlichen aber kleineren Pappeln an einer wenig befahrenen asphaltierten Straße steht. Nun ist mir aufgefallen, dass sich am Stamm eine "nässende faulende Wunde" befindet, etwa einen Meter über der Erde. Ansonsten sieht der Baum sehr vital aus (keine dürren Äste, volles Blattwerk). An den Nachbarbäumen konnte ich keine derartigen Stellen finden.
Nun meine Frage: Besteht die Gefahr des Stammknickens o.ä.? Kann ich dem Baum helfen bzw. helfen lassen?
Ich hoffe, jemand von euch weiß Rat.
Viele Grüße von der Ostsee
Elisabeth
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Andreas75
Beiträge: 4051
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallo und Willkommen, Elisabeth :)!

Die Pappel hat leider das, was jeder Baumpfleger und Baumschulist eigentlich von Anfang an zu unterbinden sucht- einen spitzwinkligen Zwiesel.

Schlecht ist das, weil der wachsende Umfang in diesem Zwiesel nirgendwo hin kann, weswegen sich der Spalt immer weiter auseinanderdrückt. Als Ausgleich bildet der Baum dafür unter dem Winkel Stabilisierungswülste, und all das zusammen ergibt eine wunderbare, von außen nicht unbedingt sichtbare Tasche, in der sich Mulm und Wasser sammeln können, was Fäulnis ergibt und irgendwann den Baum auseinanderbrechen lässt.

So einen Fall haben wir hier, und dem Baum ist leider nicht mehr großartig zu helfen.

ElisaB
Beiträge: 4
Registriert: 19 Jun 2015, 20:24

Beitrag von ElisaB »

Hallo Andreas,
vielen Dank für deine schnelle und interessante Antwort. Die darüber befindliche Gabelung habe ich als Ursache überhaupt nicht wahrgenommen. Schade um den schönen Baum.
Kann man irgendwie einschätzen, wie schnell der Baum zu einer Gefahr werden kann? Einige Gebäude stehen in unmittelbarer Nähe des Baumes, ich würde den Grundstückseigentümer gerne warnen.

Viele Grüße
Elisabeth

AndreasG.
Beiträge: 2946
Registriert: 10 Jun 2007, 14:08
Wohnort: Vogtland

Beitrag von AndreasG. »

Wie morsch der innen schon ist, lässt sich mit Sicherheit natürlich erst bestimmen, wenn der Baum gefällt ist und man nachsehen kann, aber mal mit einem spitzen Gegenstand drin rumstochern könnte wenigstens eine ungefähre Vorstellung liefern.
Aber weg muss er ohnehin, wenn in der Nachbarschaft Gebäude betroffen sein könnten, also warum auf die lange Bank schieben.
Obwohl, eine Baumfällung ist, glaub ich, erst im Herbst nach Ende der Brutzeit erlaubt.

Hilmar
Beiträge: 547
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Beitrag von Hilmar »

Hallo,

ich sehe gar keine seitlichen Wülste, welche auf eine Bruchgefahr hinweisen würden. Gerade bei den schmalen Pyramidenpappeln sind die spitzwinkligen Zwiesel ohne seitlichem Zuwachs längerfristig bruchsicher.

Infolge des Dickenwachstums der beiden Stämmlinge werden jedoch in Höhe des Zwiesels Zellen für den Transport von Assimilaten aus der Baumkrone zu den Wurzeln gequetscht. Aus teilweise zerstörten Transportgefäßen tritt stark zuckerhaltige Flüssigkeit. Diese nährstoffreiche Flüssigkeit wird umgehend von Bakterien besiedelt. Diese Bakterien führen zu der braunen Verfärbung der sonst fast farblosen Flüssigkeit. Das mag eine Einbuße der Ästhetik bewirken, ist jedoch keinesfalls sicherheitsrelevant.

Gruß Hilmar

Mahaleb
Beiträge: 853
Registriert: 04 Aug 2008, 16:47
Wohnort: Ruhrtal

Beitrag von Mahaleb »

Hallo,
das Bild zeigt nicht den ganzen Baumstamm, eine belastbare Antwort ohne ein solches Bild halt ich für nicht machbar.
Das was zu sehen ist spricht für einen Defekt, dessen Bedeutung jedoch so in mehren Punkte undeutlich ist. Leider sind die Fällempfehlungen eine ebenso typische Sprache auf solches, als ob man ein Lehrbuch mit monokausalen Grundsätzen aufmacht.
Nicht jeder Defekt an einer Pappel muss zu deren Fällung führen, um das einigermaßen abschätzen zu können ist ein Gesamtbild des Baumes und des Stamm mit allen Details erforderlich.

Andreas75
Beiträge: 4051
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Ist das nur ein Stammwulst, der saftet? Sieht von meiner Warte aus wie ein Stämmling mit Zwiesel...

Und Mahaleb: Was soll man denn sonst machen? Lieber die Pappel 10x kappen, bis endlich genug Fäule drin ist, sie zu fällen? Oder fünfmal dran rumchirugieren, wo der Aufwand in keinem Verhältnis zur weiteren Lebensdauer der Pappel steht?

Mahaleb
Beiträge: 853
Registriert: 04 Aug 2008, 16:47
Wohnort: Ruhrtal

Beitrag von Mahaleb »

Kiefer hat geschrieben:Ist das nur ein Stammwulst, der saftet? Sieht von meiner Warte aus wie ein Stämmling mit Zwiesel...
Was soll man denn sonst machen? Lieber die Pappel 10x kappen, bis endlich genug Fäule drin ist, sie zu fällen? Oder fünfmal dran rumchirugieren, wo der Aufwand in keinem Verhältnis zur weiteren Lebensdauer der Pappel steht?
Hallo Kiefer,
ein Gesamtbild des Baumes einfordern und sich damit auf sicheres Terrain begeben. Das ist schließlich kein Baumpflege-Forum, aber es wird oft dazu genutzt um sich in solchen Dingen Rat zu holen, welcher nichts kostet.
Wo man dann helfen möchte, ist es legitim sich mehr Informationen einzuholen, bevor eine Antwort folgt. Diese verlangen dem bzw. der Anfregenden nur ein paar Minuten an Zeit und den Griff zur Kamera ab, dann steht das Bild im Forum und hier kann man zielführend informieren.
Ich habe zu dieser Pappel meine Meinung, aber diese zu bestätigen bedarf eines Fotos welches den Gesamtbaum und den vollständigen Stamm zeigt. Oder gehst du auf's Eis, wenn auch ein Steg über den Bach führt?

ElisaB
Beiträge: 4
Registriert: 19 Jun 2015, 20:24

Beitrag von ElisaB »

Hallo und vielen Dank für eure ausführlichen Wortmeldungen.
Natürlich werde ich schnellstmöglich zusätzliche Fotos von der Pappel liefern, allerdings frühestens Montag, da ich den Baum immer nur werktags treffe.

Ein schönes Wochenende wünscht Elisabeth

Andreas75
Beiträge: 4051
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Oder gehst du auf's Eis, wenn auch ein Steg über den Bach führt?
Sicher, wenn mir der Steg zu weit weg ist und das Eis dick genug...

Ja, dann müssen wir wohl solche tiefgreifenden Fragen zur Baumpflege, die ausführliche (und mitunter teure) Expertise live vor Ort erfordern, hier verbieten und unterbinden, oder wie sehe ich das?

ElisaB
Beiträge: 4
Registriert: 19 Jun 2015, 20:24

Beitrag von ElisaB »

Hallo,
tut mir leid, dass ihr euch wegen "meiner" Pappel so in die Haare kriegt. Deswegen möchte ich nochmal klarstellen, dass mir weder der Baum, das Grundstück noch die umliegenden Gebäude gehören und ich auch keinerlei Verantwortung dafür zu tragen habe. Meine Frage beruht wirklich auf Interesse und Sorge um einen großen schönen Baum, der zufällig an meinem Arbeitsweg liegt. Wenn ich jetzt Näheres über den Zustand und evtl. Gefahr des Baumes erfahre, würde ich natürlich dem Besitzer eine Beratung durch einen Baumpfleger empfehlen.
Nun aber zum Patienten:
Habe mir die Pappel nochmal genauer angeschaut, da ist kein Zwiesel über der Wunde, eine Gabelung kommt erst viel höher. Ich hoffe, das ist auf den angehängten Fotos zu erkennen. Allerdings sieht der Stamm irgendwie mächtig verdreht und "vernarbt" aus. Mit meinem kleinen Messerchen konnte ich nur etwa 2-3 cm am Flüssigkeitsaustritt einstechen.

Bin auf eure Meinungen gespannt.
Einen schönen Abend wünscht euch Elisabeth
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Mahaleb
Beiträge: 853
Registriert: 04 Aug 2008, 16:47
Wohnort: Ruhrtal

Beitrag von Mahaleb »

Hallo,
das was ich nun sehe, hatte ich befürchtet, leider. :cry:
Das sieht für mich aus, als ob der Baum vor Jahren einen Unfallschaden hatte, der jetzt eingefault ist.
Hier sollte dem Eigentümer dieser Defekt genannt werden, damit er sich über das Ganze nochmals durch einen ortsnahmen Forstwirt oder Baumpflegebetrieb Gewissheit verschaffen kann.

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