"Schaden" an Picea pungens?

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Andreas75
Beiträge: 4121
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

"Schaden" an Picea pungens?

Beitrag von Andreas75 »

Nein, ich verfalle nicht in Paranoia, wo wir aber gerade bei Schäden sind, fällt mir noch eine Frage ein...

Und zwar haben wir ja von unseren Vorbesitzern hier eine obligatorische P. pungens 'Glauca' mit übernommen, die ich an und für sich, da recht individuell wachsend und Efeu dran hochwächst, eigentlich stehen lassen wollte.
2012 habe ich sie ein wenig aufgeastet, so auf 230 cm Höhe, die unteren Äste hängen dennoch noch immer fast bis zum Boden, was sehr malerisch aussieht, und waren bis jetzt auch gut in Farbe und Gesundheit.

Nun aber, dies Jahr erstmals, fällt mir auf, dass die unteren Äste zwar austreiben, dies aber viel weniger stark als in der oberen Baumhälfte, und vor allem, dass sämtliche Nadeljahrgänge teils verbräunen und die Nadeln bei der leichtesten Berührung verrieseln/ abfallen.
Licht bekommt der Baum nach wie vor in gleichem Maße, vielleicht von Osten sogar etwas mehr, nachdem ich letzten Herbst die Zierkirsche halbiert habe, aber das artet nun nicht in besonderen Sonnen-, Hitze-, oder Trockenstreß aus.

Jedenfalls: Die Fichte ist so etwa 8- 9 m hoch, vielleicht auch 10, und die untere Hälfte hat auffällig verfärbte, verbräunte Nadeljahrgänge bis an den aktuellen Neutrieb heran, bis da ist der Neutrieb auch schwächer, in der oberen Hälfte hingegen ist alles beim alten- gesunde Nadeljahrgänge, kräftiger Neutrieb.

Meine Frage nun:

Ist das ein Krankheitszeichen, oder ist das quasi ein Selbst aufasten des Baumes, indem er die älteren Äste absterben lässt, obwohl die eigentlich Licht wie immer bekommen?

Die älteren Stechfichten, die ich kenne, waren alle plusminus bis unten hin beastet, hatten eventuell nur zwei/ drei Meter freien Stamm, darüber vitale Krone...
Liegt es nun auch in der Biologie dieser ja recht variablen Art, dass es da Exemplare gibt, die sich selber bis 5 m Höhe ausputzen, oder darf ich da schon mal getrost planen, wie ich die möglichst exakt zwischen Wäscheleine und Birnbaum hindurch fälle, ohne den Rosenbogen meiner Frau zu zerstören?

Trockenschaden mag ich eigentlich ausschließen, weil unsere nur wenig entfernt stehende Riesentanne ein Ausbund von jugendlicher (und gewaltiger) Vitalität ist, und Stechfichten ja um einiges mehr Trockenheit ertragen als diese...
Im Zweifelsfalle würde ich die sich unten ausdünnende Stechfichte aber lieber umlegen als zu riskieren, dass die etwas auf meine P. pungens 'Blaukissen' und 'Bialobok' überträgt.

PS: Zwar sicher etwas abwegig, der Gedanke, aber aufgrund harscher Verluste nach vergangenem Winter- gehen Wühlmäuse an Stechfichten?
Entsprechende Sitkafichtenläuse, was ja an sich prima passen täte, sind mir keine aufgefallen.

Yogibaer
Beiträge: 1362
Registriert: 08 Apr 2014, 12:38
Wohnort: Im Gartenreich

Beitrag von Yogibaer »

Hier http://www.waldwissen.net/waldwirtschaf ... e/index_DE findest Du einen Bestimmungsschlüssel von Pilzerkrankungen der Fichtennadeln. Ich tendiere zur Fichtennadelbräune.
Gruß Yogi

Hilmar
Beiträge: 602
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Beitrag von Hilmar »

Hallo,

dank der letzten beiden milden Wintern ist dieses Jahr die Population der Sitkafichtenlaus förmlich explodiert. Es sollen massive Verluste in allen älteren Jahrgängen der Benadelung vorhanden sein. Ich persönlich habe heute einen starken Befall vorgefunden, wobei jedoch nur einzelne Nadeln vergilbt waren.
Der Nachweis erfolgt mittels Klopfprobe. Ein Blatt Papier unter einen Ast halten und drauf schlagen. Die grünen Tiere mit den roten Augen sind Sitkafichtenläuse. Es wird der Einsatz einer Lupe empfohlen. Alles weitere im www.

Gruß Hilmar

Andreas75
Beiträge: 4121
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Nun ja, ich glaube, letzten Endes wird die Fichte leider Opfer der üblichen, etwas gedankenlosen Pflanzung durch unsere Vorbesitzer...

Da, wo sie steht, ist mit der trockenste Punkt unseres Grundstücks, und sie steht quasi voll windexponiert an vorderster Front im Garten, vor ihr als größeres nur ein Apfelbaum, der die häufigen und mitunter starken Westwinde natürlich nicht mindern kann.
Dann habe ich letztes Jahr von Osten mal etwas Licht gemacht, also bei Nachbarin den Wildwuchs mal gekürzt, unsere Zierkirsche halbiert sowie den völlig schiefen, zum Licht gewachsenen Flieder stark beschnitten, damit der sich mal wieder vernünftig aufbauen kann. Also kriegt sie nun von Osten wohl auch mehr Wind als vorher.
Hinzu kommt, dass wir hier jetzt quasi den Mai hindurch kaum mal richtig Regen hatten, und nun ja...

Wenn auch wenige, so hat die doch Sitkafichtenläuse, daneben schwarze Blattläuse sowie auch ein wenig Fichtennadelbräune...
Die beim Abklopfen mit abgefallenen Nadeln sind voller Läuse- Exuvien, leider dabei nicht feststellbar, ob von den Sitkas oder von den schwarzen Läusen...

Tja, auch wenn sie nun in der oberen Hälfte noch völlig intakt ist, ist sie damit dann wohl fällig. Ist mir zwar kaum begreiflich, dass Stechfichten in feuchten Gegenden wie dem Westerwald (vielleicht insgesamt ZU feucht?) am Grundproblem "Trockenheit" kaputt gehen können, aber genau das passiert da wohl...
So hat sich die bisherige Unentschlossenheit bezüglich ihres Verbleibs wohl von selber beantwortet.

Danke für Eure Tipps, beide ein Treffer, mit sogar der Zugabe der kleinen schwarzen Blattläuse. Sowie winziger, kaum 1 mm langer und schwarz glänzender, ich denke mal, Käferchen, deren Rolle bei dem ganzen ich aber nicht kenne.

Da Picea pungens so sehr unter diversen Faktoren hier leiden kann, und ich trotz zahlreichen Vorkommens in früheren Jahren und reicher Fruktifizierung niemals eine Naturverjüngung beobachten konnte oder von einer hörte, ist somit wohl klar: Das ist eine Art, die nicht hierher gehört...
Schon irgendwie Ironie des Schicksals: Einst DIE Zierfichte schlechthin (neben der Zuckerhut und der Serbischen), wird sie nun auf fremdem Boden vom ureigenen Parasiten zu Boden geknüppelt...

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