Stammumfang meiner Rotbuche nimmt nach oben hin zu - warum?

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MarciNRW
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Stammumfang meiner Rotbuche nimmt nach oben hin zu - warum?

Beitrag von MarciNRW »

Hallo zusammen!

Ich habe auf meinem Grundstück zwei wunderschöne und mächtige Rotbuchen. Bei einer von beiden überrascht mich etwas, dass der Stammumfang auf einer Höhe von ca 1,30 m fast sprunghaft zunimmt. Nach oben hin wohlgemerkt.

Umfang auf 1,20 m Höhe: 340 cm
Umfang auf 1,40 m Höhe: 360 cm

Zum Illustration habe ich zwei Bilder angefügt. (hoffe ich jedenfalls, da dies hier mein erstes Posting ist :-)

Liege ich total schief und so ein Wuchs ist durchaus im Rahmen des üblichen? Oder was könnte die Ursache dafür sein?
Der Baum ist ca. 35 m hoch, die Krone hat einen Durchmesser von ca. 30 m. Der Baum steht auf einer recht starken Hanglage mit eher mäßiger Konkurrenz. Nennenswert eigentlich nur durch die zweite Rotbuche, die etwa 15 m entfernt steht. Auf ca. 4 m Höhe gabelt sich der Stamm in seine beiden Hauptäste, die dann jeweils sehr weit nach oben schießen. Das als Zusatzinfos. Ggfs. sind sie dem einen oder anderen Experten von Euch nützlich, um dieses Rätsel zu lösen. Also für mich ist es jedenfalls ein Rätsel.

Viele Grüße
Marc
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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo Marc,
das sieht aus, als sei das ein veredelter Baum: die Unterlage wächst etwas schwächer, das Edelreis etwas stärker.
Ist das wirklich eine "normale" Rotbuche - da ist Veredlung eigentlich eher ungewöhnlich, oder ist es eine besondere Form, z.B. Blutbuche; da wäre eine Veredlung etwas normales.
Gruß, Stefan
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MarciNRW
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Beitrag von MarciNRW »

Hallo Stefan!

Aaah, interessant! Natürlich, das macht Sinn! Vermutlich lag es mir gedanklich einfach zu fern mir diesen großen Baum als kleinen Spross vorzustellen, der gerade veredelt wird. :D
Hah! Auch Deine Nachfrage ist ein Treffer! Zumindest insofern, als dass ich mir just darum heute das erste mal Gedanken gemacht habe. Ich ging immer davon aus, dass es eine Rotbuche sei, aber in der Tat könnte es auch eine der Varianten sein. Ich dachte heute auch schon mal Richtung Blutbuche. Aber soweit ich weiß, ist das ja "nur" eine Mutation der Rotbuche und von daher eher auch nicht unbedingt ein Kandidat zum veredeln (denke ich). Ich habe noch drei Bilder angehängt. Vielleicht hilft Dir das, den Baum bestimmen zu können? Die Färbung ist noch nicht sonderlich ausgeprägt, aber ich kann ansonsten auch ein Bild vom letzten Herbst raussuchen und posten.

Gruß Marc
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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo Marc,
die Blutbuche ist zwar nur eine Mutation der Rotbuche, aber das ist genau der Grund, sie durch Veredelung zu vermehren!
Bei generativer Vermehrung gehen durch Aufspaltung / Vermischung die "gewünschten" Eigenschaften wieder verloren, bei vegetativer Vermehrung werden sie erhalten. Die Bilder D und E machen für mich den Eindruck einer Blutbuche, C sieht nicht danach aus. Allerdings sind die Blätter im lichtarmen Kroneninneren immer weniger stark ausgefärbt.
Es gibt unterschiedlich stark ausgefärbte Formen der Blutbuchen, so daß es wahrscheinlich schon eine ist, die nicht zu extrem dunkel gefärbt ist.
Ich habe mal ein paar Bilder einer (!) Blutbuche zusammengestellt, um die Vaariabilität und unterschiedliche Wirkung zu demonstrieren: viewtopic.php?t=7045&highlight=Blutbuche
Gruß, Stefan
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MarciNRW
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Beitrag von MarciNRW »

Sorry, Du hattest ja sogar in Deinem Posting davor schon geschrieben, dass Veredlung bei Blutbuchen üblich sei. Das hatte ich offenbar verpennt. Ansonsten hätte ich nicht sinniert, dass man bei einer Mutation vermutlich NICHT veredelt. ;-)
Ich werde morgen als ersten mal nachschauen, ob die andere Buche auch mutmaßlich veredelt wurde.
Stefan, kannst Du einschätzen wie alt der Baum ist? Ich habe eine simple Formel gefunden, nach der man bei Rotbuchen (vermutlich bei Blutbuchen genauso) den Umfang in cm mit 0,6 multiplizieren soll. Dann käme ich auf 216 Jahre. Andererseits gehören die beiden Buchen zu einem Grundstück, auf dem eine Jugendstilvilla steht, die 1890 erbaut wurde. Vorher gab es hier keine Bebauung. Insofern dürfte man ja eigentlich annehmen, dass die veredelten Buchen nicht vor 1890 hier angesetzt wurden. Aber dann wären sie gerade mal 125 Jahre alt. Hmmm...
Angehängt auch noch eine Aufnahme aus 2010. Furchtbare Auflösung, aber die Farbe kommt hier vermutlich mehr zur Geltung.

P.S.: Ein sehr schöner Baum, den Du da fotografiert hattest!

P.S.2: Uppsala! Ich muss zu meiner Schade gestehen, dass ich GERADE erst verstanden habe, dass "Rotbuchen" nicht so heißen, weil die Blätter rot sind. Und damit ist mir jetzt auch klar, dass auf dem Grundstück meiner Eltern ebenfalls eine Blutbuche steht. Von wegen Rotbuche! Meinem Vater werde ich morgen mal was erzählen!! :-) :-) Bis vor ein paar Minuten hatte ich auch noch (vermeintlich) Schwierigkeiten, Rotbuchen und Blutbuchen farblich überhaupt auseinander zu halten. Das typische Rot einer klassische Rotbuche war als Farbreferenz für mich das Rot der Blätter der Rotbuche meiner Eltern. Aber es ist ja gar keine Rotbuche. :-) Und wenn ich dann nach "Blutbuche" gegoogelt habe, empfand ich deren Blattfärbung der der "Rotbuche" meiner Eltern einfach viel zu ähnlich, um da einen signifikanten Unterschied sehen zu können. Okay, Notiz an mich: In Zukunft immer zuerst den Wikipedia-Artikel lesen, um sich nicht durch falsche Interpretationen des Namens eines Gewächses irritieren zu lassen! 8)
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MarciNRW
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Beitrag von MarciNRW »

Das lässt mir jetzt keine Ruhe! Ich bin jetzt zu der zweiten Blutbuche gegangen, um deren Umfang zu messen. Ich habe dabei mein iPhone, das mir den Weg leuchtete, verloren, aber egal. Es soll bis morgen ja nicht regnen. :-) Baum 2 hat einen Umfang von 330 cm. Nicht ganz überraschend, da beide Buchen ähnlich groß wirken und vermutlich ja auch zeitgleich angepflanzt wurden. Allerdings habe ich keine derartige Unregelmäßigkeit beim Umfang entdecken können wie bei Baum 1. Ich habe dann eine alte Ansichtskarte von 1960 genommen, auf der Baum 2 auch zu sehen ist und versucht, dessen Umfang zu dem Zeitpunkt zu schätzen. Ich habe als Vergleichsmaßstab u.a. eine Säule genommen, die zu der Jugendstilvilla neben den Bäumen gehört und versucht, die leichte perspektivische Verzerrung und die etwas unterschiedlichen Entfernungen von Villa und Baum zu berücksichtigen. Was allerdings eh nicht so sehr ins Gewicht fällt, da sich der Fotograf damals relativ weit entfernt befand. Ich komme damit auf einen Umfang von 220 cm in 1960. In 54 Jahren hat der Umfang also um 50% zugelegt bzw. sich die Querschnittsfläche des Stamms (beides gemessen auf 1,5 m Höhe) etwa verdoppelt. Kann man daraus etwas ableiten? Kann man z.B. sagen, dass eine (Blut)buche während ihrer mittleren Lebensphase derart wächst, dass die Zunahme ihrer Querschnittsfläche sich im linearen Verhältnis zur verstrichenen Zeit verhält? Falls dem so wäre, könnte die Buche also tatsächlich um die 125 Jahre alt sein. Aber keinesfalls > 200 Jahre. Oder verhält sich Alter/Höhe/Durchmesser im Zeitverlauf anders? In dem Fall könnten wir ja eine andere Formel anwenden. :-) Die Höhe von Baum 2 auf der alten Ansichtskarte werde ich morgen erst schätzen können. Dafür brauche ich Tageslicht.
Ich habe die Ansichtskarte mal angefügt. Baum 2 ist rechts im Bild. Baum 1 (um den es hier im Thread ursprünglich ging) befindet sich hinter dem Haus und ist kaum zu erahnen. (der Baum im Vordergrund existiert nicht mehr)

P.S.: Was rede ich da? Natürlich brauche ich kein Tageslicht, um die die Höhe des Baums auf der Ansichtskarte zu schätzen. Da nehme ich als Vergleichsmaßstab die Höhe der Säule. Hab sie gerade gemessen. Danach komme ich auf eine Höhe bei Baum 1 von ca. 17 Metern in 1960.
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wolfachim_roland
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Rot-Buche

Beitrag von wolfachim_roland »

Nur noch mal zum Namen Rot-Buche. Er kommt nicht von der (Herbst-)Färbung der Blätter sondern von der leicht rötlichen Farbe des Holzes, die man wohl v.a. beim Dämpfen (z.B. Biegen für Stullehnen) erkennt.

Bei den Blutbuchen (Fagus sylvatica 'Atropurpurea'), einer Unterart der Rot-Buche (Fagus sylvatica) gibt es sehr verschiedene Ausprägungen der Blattfarbe, von leicht rötlich bis schwarzrot. Einige Sorten "vergrünen" auch wieder. Andere sind nur im Außenbereich rot, innen eher nicht.
Die Bäume bei Deinen Eltern scheinen deutlich "rötere" Blätter zu haben als Deine Blutbuche.

Wolf

http://de.wikipedia.org/wiki/Rotbuche
Wolf Roland

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Das Alter der Buchen am Standort (also deren Standzeit vor Ort) wird wie schon treffend dargestellt bei rund 130 Jahren liegen, angesichts des Baumalters lässt sich Alan Mitchells Formel - aus den 1970er Jahren für die Bäume in Großbritannien entwickelt - zur Altersbestimmung gut nutzen.
Als Grund für die Zunahme des Stammumfangs oberhalb der Veredlungsstelle lässt sich die Vergabelung als Erklärung heranziehen. Hier wird der Baum dicker um gegenüber dem Wind stabil zu bleiben, also eine biomechanischer Zusammenhang, welcher mit der großen Krone der Bäume und den dort wirkenden Druck des Windes zusammenhängt.

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Hallo,
ich hab noch eine andere Theorie fur die kreisförmige Verdickung.
Diese klingt zwar äußerst trivial ist aber möglich. Der Baum war vor
Jahrzehnten umpflastert. Da sich in den Kriegs- und Nachkriegswirren die Besitzer des Grundstücks sicherlich andere Sorgen hatten um sich um das Wohlergehen des Baumes zu kümmern überwallte er die Aussparung des Pflasters, wurde sozusagen über mehrere Jahre eingeschnürt. Da ein Baumstamm bekanntlich ja nicht nur in der Breite sondern auch in der Länge wächst, schiebt sich die Wulst immer höher.
Gruß Yogi

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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo Yogi,
Yogibaer hat geschrieben:...Da ein Baumstamm bekanntlich ja nicht nur in der Breite sondern auch in der Länge wächst, schiebt sich die Wulst immer höher.
Gruß Yogi
hier muß ich Dich leider korrigieren: der Stamm wächst nicht in die Länge.
Ein Baum wird nur an den Zweig-Enden länger!
Dicker wird er überall.
Gruß, Stefan
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LCV
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Beitrag von LCV »

... weshalb auch das Märchen der von Bäumen in luftige Höhen gehobene Autowracks absoluter Blödsinn ist.

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Hallo,
mathematisch gesehen ist der Baumstamm ein Kegelstumpf, als solcher wird er jedenfalls in der forstlichen Vermessungskunde behandelt. Wird nun der Baum (Kegel) senkrecht zu seiner Achse dicker oder senkrecht zu seiner Mantelfläche? Ich denke mal das wird er zu seiner Mantelfläche. Also wandert eine Markierung auf dem Stamm jährlich immer weiter nach oben. Die Entfernung der jährlichen Wanderung ist Abhängig von der Abholzigkeit und dem Zuwachs und kann je nach Voraussetzung vom 1/100mm bis in den mm Bereich gehen. Soweit meine Theorie.
Gruß Yogi

Hessekopp
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Beitrag von Hessekopp »

Hmmmmmm ... interessanter Gedanke, und intuitiv tendiere ich dazu, dir recht zu geben und eine farbliche Markierung auf der Borke eines "Kegelbaums" - nicht jedoch einen eingeschlagenen Nagel - langsam nach oben wandern zu lassen, aber jetzt kommt das große aber:
Der Kegel ist eine Idealisierung, die der Baum wohl nicht kennen dürfte. Wenn er senkrecht zum tatsächlichen Mantel wüchse, sorgte die nach unten gerichtete Mantelfläche am unteren Rand der Verdickung dafür, daß die Verdickung langsam nach unten wandern würde. Eine Verschlankung hingegen würde langsam nach oben wandern wodurch sich eine Würgestelle nach und nach immer mehr schließen und nicht öffnen würde.
Du hast deine Pflasterwürgetheorie also gerade selbst ad absurdum geführt ... außer du sprichst dem Baum zu, daß er seinen eigenen Stamm aktiv als idealisierten Kegel wahrnimmt und passend dazu wächst ... :D
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pgs
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Beitrag von pgs »

MarciNRW hat geschrieben:... Ich habe eine simple Formel gefunden, nach der man bei Rotbuchen (vermutlich bei Blutbuchen genauso) den Umfang in cm mit 0,6 multiplizieren soll. Dann käme ich auf 216 Jahre. Andererseits gehören die beiden Buchen zu einem Grundstück, auf dem eine Jugendstilvilla steht, die 1890 erbaut wurde. Vorher gab es hier keine Bebauung. Insofern dürfte man ja eigentlich annehmen, dass die veredelten Buchen nicht vor 1890 hier angesetzt wurden. Aber dann wären sie gerade mal 125 Jahre alt...
Solche Formeln sind natürlich mit Vorsicht zu verwenden, denn es wäre sehr unwahrscheinlich aus dem gleichen Umfang zweier gleichartiger Bäume auch auf gleiches Alter schließen zu können. Das Dickenwachstum ist (vor allem für jüngere Bäume) sehr stark vom Standort, und den dort herrschenden Boden- und Klimaverhältnissen abhängig.

Siehe: Das Dickenwachstum der Bäume

Aus dem dort, vor allem aus der Championtrees-Liste der DDG, gefundenen Potenzgesetz des Dickenwachstums älterer Bäume U = c A^0,55 (U = BHU/cm, A=Alter/Jahre) folgt für Fagus sylvatica mit c = 31,9 (siehe Tabelle) für U = 360 cm ein wahrscheinliches Alter von 82 Jahren (+-30%).
beste Grüße von Holger/PGS

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