Exote? im nördlichen Ries Süddeutschland ---> Prunus serotina

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch in Deutschland oder Europa gesehen, könnt ihn aber nicht bestimmen? Fragt hier einfach danach.

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ChristianSchmid
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Exote? im nördlichen Ries Süddeutschland ---> Prunus serotina

Beitrag von ChristianSchmid »

Hallo liebes Forum,

diesen Baum habe ich am Geburtsort meiner Oma entdeckt. Würde aus persönlichen Gründen sehr gerne wissen, was für ein Baum das ist.
Erst dachte ich es sei ein Kernobst aufgrund der Borke, aber dann sagte mir eine Fachfrau dass die Katzen nicht passen. Sie mutmaßte vllt eine exotische Weide???? Weiß jemand mehr? Leider komme ich so schnell nicht an neue Bilder. Liebe Grüße und vielen herzlichen Dank!
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Blätter (2).jpg
Blätter (2).jpg (282.94 KiB) 3936 mal betrachtet
3.Aufnahme 14.04.
3.Aufnahme 14.04.
borke (755x800).jpg (397.13 KiB) 3936 mal betrachtet
2. Aufnahme 14.04
2. Aufnahme 14.04
20140414_163550 (800x600).jpg (462.76 KiB) 3936 mal betrachtet
1. Aufnahme 14.04.14
1. Aufnahme 14.04.14
20140414_163541 (800x600).jpg (435.26 KiB) 3936 mal betrachtet

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Das ist eine Spätblühende Traubenkirsche, Prunus serotina, mit Blütenknospen.

Exote stimmt insofern, dass die Pflanze ursprünglich aus Nordamerika stammt.

Gruß,
Andreas

pgs
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Beitrag von pgs »

Jetzt bin ich aber echt erstaunt.
In diesem Stadium mit solchen roten Blättern unten am Zweig kenne ich P. serotina überhaupt nicht.
Hier im SW ist sie schon über den Höhepunkt der Blüte hinüber, sollte sie da im Nördlinger Ries nicht auch schon längst blühen? Auch die Blütenknospen kommen mir hier ganz anders vor als ich sie kenne...
Zuletzt geändert von pgs am 12 Mai 2014, 19:07, insgesamt 1-mal geändert.
beste Grüße von Holger/PGS

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LCV
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Beitrag von LCV »

Da die Oma offenbar am 14. April Geburtstag hat, ist das Foto fast einen Monat alt.

pgs
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Beitrag von pgs »

OK, danke Frank, das mit dem Aufnahmedatum habe ich übersehen. Aber kennst du P. serotina in diesem Stadium?

Was sind das für seltsame rote Blätter jeweils unten an den Zweigen? Auf dem Alten Flugplatz wo ich sehr oft spazieren gehe, steht P. serotina in großer Zahl, aber solche roten Blätter sind mir da nie aufgefallen, die sind auch in keiner Beschreibung von P. serotina erwähnt, oder?

Hallo Andreas, du kennst offenbar P. serotina in einem solchen Stadium? Ich hab das so nie gesehen. Hätte das deshalb auch nie erkannt. Fehlt da was in den Bestimmungsbüchern und in Baumkunde?
beste Grüße von Holger/PGS

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bee
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Beitrag von bee »

Hallo Holger,
ich hatte gestern Abend hier flüchtig hinein geschaut, aber auch keine Zeit zum Bildervergleichen gehabt. Meine Idee war auch Prunus serotina, allerdings kenne ich gaaar keine aus eigener Anschauung.

Das "Rote" müssten Nebenblätter sein (Stipel), die bei Rosengewächsen häufig vorkommen und dann abfallen. Jetzt habe ich nochmal gesucht und auch ähnliche Bilder gefunden, allerdings sind diese Nebenblätter zwar rötlich aber nicht so breit (deshalb auch nicht so auffällig).

Aber halt, bessere Idee : die breiten roten Sachen müssten verlängerte Knospenschuppen sein.
(siehe 2. Link)

http://www.backyardnature.net/n/w/black-ch.htm
http://www.all-creatures.org/pica/ftshl ... l-12a.html
Viele Grüße von bee

pgs
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Beitrag von pgs »

Danke, Bee. Ich hatte ursprünglich in meinem Text oben auch von den 'roten Nebenblättern' geschrieben, habe aber später wieder Nebenblätter in Blätter geändert, da ja Stipel normalerweise bei einigen Prunus-Arten an jedem Blattstiel unten zu finden sind, aber so große und dann noch in rot, habe ich nirgends gefunden.

Außerdem sitzen diese 'roten Blätter' hier ja nicht am Blattstiel sondern am Zweiggrund.

Es fehlt also diese Phase der Entwicklung mit den 'Pseudostipeln' oder den verlängerten Knospenschuppen in den Steckbriefen!

Habe das in keinem der mir bekannten Bestimmungsbücher gefunden.

Deshalb wäre ich bei diesen Bildern niemals auf P. serotina gekommen, die mir sonst ziemlich gut vertraut ist. Auch die 'Kätzchen' passen nach meiner Erfahrung nicht dazu (auch nicht zu den Blütenknospen in deinem 2. Link).
Es ist allerdings möglich dass ich gerade diese (vielleicht nur kurze) Phase der Entwicklung des Baumes bisher noch nicht beobachtet habe.
beste Grüße von Holger/PGS

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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo Baunfreunde,
bee hat geschrieben:...
Aber halt, bessere Idee : die breiten roten Sachen müssten verlängerte Knospenschuppen sein.
(siehe 2. Link)

http://www.backyardnature.net/n/w/black-ch.htm
http://www.all-creatures.org/pica/ftshl ... l-12a.html
meines Erachtens ist das die Lösung.
Knospenschuppen sind modifizierte Blätter, die über Winter die Knospe schützen. Die äußeren sind meist recht fest und fallen beim Beginn des Austriebs unverändert ab. Bei vielen Arten gibt es m.E. "innere", die krautiger ausgeprägt sind und beim Beginn des Austriebs auch mit wachsen.
Diese fallen allerdings ebenfalls meist sehr schnell ab.
An der Basis eines Jahreszuwachses kann man dann bei vielen Arten die Blattnarben der recht vielen Knospenschuppen sehen.
So auffällig wie auf den gezeigten Bildern habe ich sie bei Prunus serotina auch noch nie gesehen.

Im angehängten Bild kann man aber als Beispiel die entsprechenden "Knospenschuppen" eines austreibenden Spitzahorn sehen - wird wahrscheinlich auch noch kaum jemand bewußt wahrgenommen haben.
Gruß, Stefan
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DSC_4021a.jpg (278.51 KiB) 3842 mal betrachtet
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pgs
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Beitrag von pgs »

Danke für das sehr gute Bild. Diese Knospenschuppen sind wohl eine eher kurzzeitige Erscheinung an manchen Bäumen und werden deshalb meist nicht beobachtet und folglich auch nicht in den 'Steckbriefen' und Bestimmungsbüchern beschrieben.

Die Form der Blütenknospen (die eher wie Weiden-Kätzchen aussehen, wie oben schon bemerkt wurde) scheint mir aber auch sehr ungewöhnlich für P. serotina.
beste Grüße von Holger/PGS

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bee
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Beitrag von bee »

Ja genau, so etwas habe ich bei Ahorn auch schon gesehen.

Bzgl. der "kätzchenartigen" in Längsstreckung begriffenen Blütenknospe zeigte mein Link 1 ein ähnliches Bild (das vorletzte auf der Seite), ein minimal früheres Stadium.

Ergänzung:
Prunus padus, die einheimische Traubenkirsche, kann das auch :D
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Viele Grüße von bee

pgs
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Beitrag von pgs »

Ja, danke Bee,
man lernt daraus dass man einen Baum wohl das ganze Jahr über--oder jedenfalls im Frühjahr--fast täglich (oder wenigstens einmal pro Woche) besuchen müsste, um ihn in jeder Phase seiner Entwicklung sicher wiedererkennen zu können!

Man glaubt einen Baum zu kennen und plötzlich erscheint er in einem ganz anderen Gewand, mit roten Fransen und Kätzchen ;-)

IIn diesem sehr früh startenden Frühjahr habe ich den Alten Flugplatz zu Gunsten des BoGaKA manchmal etwas vernachlässigt und dadurch wohl diese Knospenschuppenphase der P. serotina verpasst ;-)
beste Grüße von Holger/PGS

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo Holger!

Ja, ich kenne P. serotina auch in diesem Stadium.
Ich habe nun schon ein paar Jahre keine mehr live gesehen und war auch erstmal überrascht von dem roten Gewimpel da, aber nach ein paar Momenten der Besinnung waren die für die Erinnerung zuständigen Synapsen wieder verknüpft und alles klar.

Wie gesagt, in Berlin ist das Zeug ein "Unbaum" (und bildet dort auch richtige Bäume, nicht nur Gesträuch) und man muss schon botanisch völlig uninteressiert sein, wenn man die dort nicht zur Kenntnis nimmt :).

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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo Baumfreunde,
als ich vor Jahren eine große Prunus serotina als Straßenbaum gesehen habe (im Winter), hat es erst mal einige Wochen und viele Besuche gebraucht, bis ich sie identifiziert hatte - so als alten Baum kannte ich sie auch nicht.
Und als ich gerade die Bilder herausgesucht habe, habe ich auch die Knospenschuppen gesehen (die dann kontinuierlich in die Tragblätter der Blüten übergehen) - nur bei weitem nicht so schön gefärbt!
Gruß, Stefan
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Austrieb
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pgs
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Beitrag von pgs »

Da muss ich doch mal dem ChristianSchmid als dem Starter dieses Threads ein herzliches Dankeschön sagen!

Durch seine Frage und vor allem durch seine Bilder habe ich gelernt, dass es kurzfristige Phasen im Jahresablauf eines Baumes gibt in denen man ihn aus den bisher vorhandenen 'Steckbriefen' und Bestimmungsbüchern alleine nicht wiedererkennt.

Die letzten, hervorragenden, Fotos von den deutlich sichtbaren Knospenschuppen-Blättern am Grunde der neuen Austriebe solcher Bäume müssten als Ergänzung unseres 'Steckbriefs' für P. serotina (und andere Bäume, wie P. padus, oder sogar Acer platanoides, die ähnliches Verhalten zeigen) genutzt werden.

Wenn man sich das Austreiben neuer Zweige aus der Knospe bildlich veranschaulicht, wird es auch klar, dass solche auf den ersten Blick seltsam erscheinenden "roten Blätter" gar nichts anderes sein können als diese noch nicht abgefallenen 'Reste' der Knospenschuppen.

Vielleicht könnte man auch an einem solchen Beispiel mal die gesamte zeitliche Abfolge der Knospen-Entwicklung plus Zweig-, Blatt-, und Blütenknospen-austrieb als Bildfolge darstellen und vor den 'Steckbriefen' als allgemeine Grundlage der Baumkunde darstellen.

Für Baumkenner mag das so selbstverständlich sein, dass man es gar nicht in den Beschreibungen erwähnt, für Neueinsteiger wie mich war es zunächst äußerst verwirrend.
beste Grüße von Holger/PGS

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo Holger,

das wäre wünschenswert. Leider ist es unglaublich schwierig, alle Phasen im Bild festzuhalten. Ich gehe ja nun ständig in die umliegenden Kurparks, aber um nur Blüten oder Früchte eines bestimmten Baumes zu fotografieren, braucht man manchmal mehrere Jahre. Oft hat man eine entscheidende Phase um ein paar Tage verpasst.

Vielleicht sollte man Freiwillige suchen, die einen bestimmten Baum das ganze Jahr hindurch beobachten. So nach der Art "Baumtagebuch", wie es von Schülern hin und wieder verlangt wird. Wenn der jeweilige Baum idealerweise im eigenen Garten steht, könnte das funktionieren. Evtl. kann man aus vielen Bildern so eine Art Zeitrafferfilm zusammenstellen. Auch sollte man die Borke junger und alter Bäume zeigen, da oft sehr unterschiedlich.

Einen bestimmten Baum zu beobachten hätte den Vorteil, dass die Fotos eindeutig zugeordnet werden können. Einmal bestimmt - fertig. Versucht man alle Bilder von verschiedenen Bäumen zu bekommen, muss man jeden einzelnen Baum sicher bestimmen.


Gruß Frank

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