Astabwurf bei Pappeln

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Volker0031
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Astabwurf bei Pappeln

Beitrag von Volker0031 »

Hallo Freunde,

Will ich auch wieder mal was schreiben. Aus gegebenem Anlass etwas zu Pappeln.
Immer wieder hört man als Argument für Starkbeschneidungen an Pappeln, diese wären bekannt für einen plötzlichen Astabwurf - welcher wiederum zu Gefahren führen würde.
Nach meinen eigenen Beobachtungen konnte ich bislang aber nicht feststellen, das Pappeln sich in dieser Hinsicht von anderen Arten unterscheiden. Bei den hier in Berlin herrschenden klimatischen Bedingungen, werfen meine Pappeln ihre Äste genauso selten weg, wie Ahorn oder Linde. Astbrüche an Pappeln habe ich nur nach sehr starkem Sturm erleben können.

Wie ist das also, werfen Pappeln wirklich deutlich häufiger Äste ab als andere Baumarten, oder ist das eher eine Legende? Ähnlich dem, "Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen?"

Gibt es verfügbare Statistiken über Schäden durch Astabwurf von Bäumen?

Volker

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Die Ausrede ist eher darin begründet, dass Pappeln sich schon selber putzen, und da können dann artgemäß ganz schöne Brocken runter kommen. Sturmanfälliger als Linden etc. sind sie aufgrund des zwar elastischen, aber weichen und daher bei Überlastung doch sehr plötzlich und komplett abbrechenden Ästen doch schon.

Dem üblichen Totalrückschnitt, der die mittelfristige Fällung nahezu totsicher nach sich zieht, könnte man aber auch dadurch begegnen, dass man jährlich oder zweijährlich schon bei jungen Bäumen fachgerecht (!!!!!!!) durchpflegt oder gleich auf die Pflanzung verzichtet.

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

Kiefer hat geschrieben:Hy!

,Dem üblichen Totalrückschnitt, der die mittelfristige Fällung nahezu totsicher nach sich zieht, könnte man aber auch dadurch begegnen, dass man jährlich oder zweijährlich schon bei jungen Bäumen fachgerecht (!!!!!!!) durchpflegt oder gleich auf die Pflanzung verzichtet.
Das scheint mir des Pudels Kern zu sein. Da durch "Einsparungen" den Kommunen das Geld für fachgerechte und regelmäßige Pflege fehlt, wird das durch seltene, dafür um so kräftigere Stoßpflegung ersetzt.


Volker

Gabi Paubandt
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Beitrag von Gabi Paubandt »

In Wiesbaden-Biebrich ist vor einigen Jahren ein Handwerker ums Leben gekommen, der unter einer Pappel einen Spielplatz montieren wollte. Da kam der Ast von oben. Soviel ich weiß, hat er sich allerdings beim Fallen unglücklich verletzt.

Im Rheingau und auch anderswo werden Pappeln wohl eher im Wahn reihenweise niedergemacht.

Gruß Gabi

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Naja, die ganzen Hybriden und nicht heimischen Arten sind ökologisch ja auch lange nicht so wertvoll wie heimische Arten...

Solange sie dann sinnvoll nachpflanzen, wäre ja nix dagegen zu sagen, Hybridpappeln reihenweise niederzumachen.

Gruß,
Andreas

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

Kiefer hat geschrieben:Naja, die ganzen Hybriden und nicht heimischen Arten sind ökologisch ja auch lange nicht so wertvoll wie heimische Arten...

Gruß,
Andreas
... nun gut. Aber warum nur bei Bäumen so rigoros? Den ökologisch völlig unsinnigen, wertlosen und sogar zerstörerischen Menschen kappt man ja auch nicht :wink:


Vernünftige Statistiken zu Schäden durch Bäume habe ich (jedenfalls im web) noch nicht entdecken können. Selbst in der Rechtsprechung, ist man sich wohl nicht so recht einig, inwieweit Schäden durch Bäume einfach hinzunehmen sind.
Und ich habe das Gefühl, das der Schaden durch nicht fachgerechte "Baumpflege" oft größer ist, als hätte man gar nichts getan.

(Fachgerecht: Maßnahme, die künstlich dem vorgreift, was der Baum im Laufe seiner Entwicklung selbst tun würde./Peter Klug in "Praxis Baumpflege" Arbus-Verlag 2010)

Volker
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biloba
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Beitrag von biloba »

Volker0031 hat geschrieben:... nun gut. Aber warum nur bei Bäumen so rigoros? Den ökologisch völlig unsinnigen, wertlosen und sogar zerstörerischen Menschen kappt man ja auch nicht :wink:
Bei aller Liebe zu Bäumen hat zu mindestens bei mir das Leben und die Gesundheit von Menschen eine höhere Proirität als von Bäumen.
Aber auch für Dich gilt Artikel 5 GG. Deshalb akzeptiere ich, dass Du anderer Meinung bist.


Volker0031 hat geschrieben:Und ich habe das Gefühl, das der Schaden durch nicht fachgerechte "Baumpflege" oft größer ist, als hätte man gar nichts getan.
Stimmt.
Oft schnalle ich mich im Auto an, obwohl sich das hinterher immer wieder als völlig überflüssige Belästigung heraus stellt.


(Fachgerecht: Maßnahme, die künstlich dem vorgreift, was der Baum im Laufe seiner Entwicklung selbst tun würde./Peter Klug in "Praxis Baumpflege" Arbus-Verlag 2010)
Hm.
Dann müsste man jährlich im September beginnen, das Laub zu pflücken?



Grüße!
Zuletzt geändert von biloba am 14 Mai 2014, 13:52, insgesamt 1-mal geändert.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Den ökologisch völlig unsinnigen, wertlosen und sogar zerstörerischen Menschen kappt man ja auch nicht
Oh, Volker, glaube mir, hätte ich in Indien, Afrika oder sonstwo was zu sagen, wo es ins Uferlose wuchert, da würde ich schon meine Ideen haben, um das Gleichgewicht langfristig wieder herzustellen.
Wie pro Familie nur zwei bis drei Kinder, die die Familie dann aber auch gesichert und gut großbekommt, statt zehn/ zwölf zu kriegen, wo dann die Hälfte von verhungert und verseucht. Oder Abschaffung der westlichen und nahöstlichen Religionen, die Kindersegen vor alles andere setzen. Aber ich glaube, dass ist hier etwas fehl am Platze ;).
biloba: Eine Bremse muss da her, da beisst die Maus keinen Faden ab...
Aber wie gesagt, baumkunde hier ;).

Und bitte nicht gar so bissig, denn Volker hat mit seinem Satz, dass nicht fachgerechte Baumpflege mehr zerstört, als würde man gar nichts machen, leider auch mitten ins Schwarze getroffen!
Gegen Deine Meinung ist nichts zu sagen, biloba, aber nur, wenn das auch wirklich aus Notwendigkeit geschieht, und nicht aus irgendwelcher Willkür ;)!
Denn es werden, das ist Fakt, von den zuständigen Ämtern Bäume zu Tode gepflegt, und auch im privatgärtnerischen Bereich ist das leider nicht selten...

Als Ämterbeispiel führe ich mal ein Beispiel an, dass ich über Google Maps (!) gesehen habe...

Hierbei handelt/e es sich um eine reine Populus nigra mit fast 2 m Stammdurchmesser, die in Berlin- Tegel am Tegeler See stand, und dort auf einer Wiesenfläche am Ende der Greenwich- Promenade, am Borsigdamm.
Die habe ich zu meinen Berliner Zeiten sehr gern besucht und mich bei Regen dahinter versteckt, und bis 2005 war das ein völlig gesunder, unbeeinflusster Baum, der prächtig gedieh und in seiner gesunden Wuchtigkeit eine Landschaftsmarke war.
Dann kam das Gartenbauamt, und kappte dem Baum die gesamte Krone bis auf die zwei Hauptstämmlinge und ein paar Starkäste, wobei Schnittstellen von teils 50 cm Durchmesser offen stehen blieben. Ja...
Der Baum erholte sich wieder, trieb kräftige Neutriebe, versuchte sich zu rehabilitieren, und als er gerade wieder aussah, kam 2010 wieder so ein Rollkommando und machte den Baum erneut blank.
Im Frühling 2011 dann zog ich aus Berlin weg, und wie ich vergangenen Herbst (Okt. 2013) in so einer Welle der Nostalgie mal bei Google Maps in mein früheres Streifgebiet am nördlichen Tegeler See herum zappe, trift mich fast der Schlag, als ich am Standort der Pappel war.

Google Maps hatte gerade brandneue Bilder drin, und statt der Pappel grinste mich da ein riesiger Baumstumpf an, und auf der Wiese rechts und links daneben sogar noch die Sägespanspuren, wo sie die Stämmlinge in Stücke gesägt haben, also eine brandfrische Aufnahme von unmittelbar nach der Fällung... Ich rate, mal bei Google Maps danach zu schauen.
Ich saß wirklich minutenlang vor dem Bild wie vom Donner gerührt, denn spätestens nach diesem Bild war mir klar, dass die Fachlichkeit der Baumpflege der Grünflächenämter nichts als allerreinste Willkür ist und ganz dem Bedarf angepasst wird.
Wie ich schon sagte, der Baum war 2005 vor dem ersten Schnitt vollkommen gesund und vital, ich konnte seinerzeit die Schnittflächen des abgeworfenen Zeugs begutachten, weil's übers Wochenende noch rumlag.
Jeder weiß nun, wie weich Pappelholz ist, wie feucht auch von Natur aus, und wie leicht es dadurch in Fäulnis übergeht.
Es ist sonnenklar, dass der Baum bei aller Vitalität niemals in gegebener Zeit in der Lage ist, halbmetergroße Wunden zügig zu schließen. Also ist vorprogrammiert, dass die Fäule in den Baum kommt.
Lange genug stehen gelassen, nochmal dran rumgedoktert, und man kann ihn in absehbarer Zeit fällen- ganz einfache Kalkulation.
Es ist Fakt, dass von den Grünflächenämtern gesunde und vitale Bäume vorsätzlich richtiggehend krank geschnitten werden, um sie dann alsbald fällen zu können, wenn sie plötzlich irgendwo im Weg sind- oder um die öffentlichen Gelder in Fluss zu halten, denn was die in einem Jahr nicht ausgeben, bekommen sie im Folgejahr weniger. Also irgendwas völlig wirres ersonnen, auf ein paar Jahre kalkuliert, und schon bleibt alles beim Alten, die Gelder fließen, die Arbeit läuft, egal ob es fachlich sinnvoll ist oder der überflüssigste geistige Dünnschiss...
Genauso war es bei dieser Pappel, die auch bei stärksten Stürmen, die andere Pappeln nebenbei umwarf, aber auch nicht den kleinsten Bruchschaden hatte.
Was da ablief, das war nichts anderes als Baumfrevel reinster Güte, und das ist weiß Gott kein Einzelfall!

Zum privatgärtnerischen Bereich:

Ich arbeite ja nun als Gartenpfleger.
Und habe mich hier ja schon des langen und des breiten zur gärtnerischen Ambitionslosigkeit der hiesigen Häuslebesitzer ausgelassen, die die unsinnigsten Sachen pflanzen, die dann mit Brachialmethoden oder dem klassischen Hausmeisterschnitt in Zaum gehalten werden...

Inzwischen habe ich gelernt, dass es auch in der privaten Gartenpflege weniger auf Qualität, denn mehr auf Quantität ankommt...
Mein Chef ist Baumschulmeister, und ich war der Ansicht, dass ein solcher doch ein wenig expliziter um die Fachlichkeit einer Arbeit wüsste. Und so war meine Fassungslosigkeit nicht selten groß, indem er Sachen abzog, die meiner Lehre und meinem Verständnis von fachlicher Arbeit völlig zuwider liefen.
Ok, wenn irgendeine Omi keine Verwandten hat, im Garten nicht mehr so kann, aber kein Laub mehr haben will, da kann man es verstehen, dass man die Kuh solange melkt, wie sie Milch gibt, indem man deren Bäume jedes Jahr im Spätsommer bis aufs Astgerüst runterholzt.

Aber bei einem Kunden stand beispielsweise ein Silberahorn.
Der war nett, als noch jung, wurde dem Kunden aber bald viel zu riesig, also wurde der Baum vor etlichen Jahren bereits bis auf den blanken, etwa 5 m hohen Stamm niedergekappt.
Und nun rücken wir da jedes Jahr an und schneiden den wieder blank, anstatt, meinem Verständnis von Fachligkeit und sinnvoller Arbeit, das Ding einfach bodeneben abzusägen und dem wirklichen Spuk ein Ende zu bereiten.
Das meinen Chef gefragt, bekomme ich zur Antwort: "An einem gefällten Baum verdient man nur einmal Geld. So aber haben wir jedes Jahr einen sicheren Auftrag..."
Auch hier stand ich wieder mit heruntergeklappter Kinnlade wie der Ochs' vor 'm Scheunentor.
Sicher, aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine logische und konsequente Ansichtsweise; aber aus fachlicher, finde ich, eine absolute Katastrophe!
Es werden auch im privatgärtnerischen Bereich mit Absicht Bäume völlig falsch geschnitten und später weiter "gepflegt", nur damit der Rubel rollt, solange es geht.
Egal wie Scheiße das aussieht, was man da produziert, ohne jeglichen Respekt vor dem Lebewesen Baum, der daraufhin mitunter zeit restlichen Lebens vollkommen aus dem Gleichgewicht gerät.

So schnitt mein Chef vor meiner Zeit in der nächsten Stadt hier ein paar junge Bergahorne völlig kahl. Die reagierten mit mehrere Meter langen Astpeitschen, die bald zu lang und zu schwer für das Gewebe wurden und als bald wild kreuz und quer durcheinander schlängelten und so dann auch in den Winter und ins zweite Jahr gingen.
Die Bäume sahen 2011 aus wie ein Teller Spaghetti am Stiel, und 2013 dann wurde wieder blank gemacht, weil's dann doch nun gar zu scheiße aussah.
Und zeitgleich kam der letzte verbliebene vollkronige junge Bergahorn dran, der auch kahl gemacht wurde, neben einer über 150jährigen solitären Eibe, wo mein Chef auch völlig sinnlos dran rumschnippelte, nur damit was geschnitten wird (der Auftraggeber lässt ihm völlig freie Hand). Ich war vor fachlich völliger Unsinnigkeit mal wieder so richtig schön geladen, und konnte mir daher die Frage an meinen Chef nicht verkneifen, ob er denn auch von der Brücke springen würde, wenn der Herr XY sagte, dass das ok wäre.
Ich erntete natürlich einen eiskalten Blick und wieder den Spruch "Was wir nicht abschneiden, daran verdienen wir kein Geld", und ich sagte nix weiter, sondern kapitulierte berufsfachlich nur total, biss mir auf die Lippen und steckte das ganze Geäst in den Häcksler...

Die Eibe sieht natürlich nach wie vor Scheiße aus, 4 m hoch (nach Schnitt), oben linealgerade abgekappt, mit der darunter ungeschnittenen Krone von über 6 m Durchmesser, und der kahle Stumpf des Bergahorns, der beginnt erst ganz aktuell, sich zaghaft wieder zu begrünen...
Erfolgreich zwei weitere Pflegefälle geschaffen, die in ein paar Jahren SO unsäglich Scheiße aussehen, dass man sie wirklich nur noch absägen kann.
Anstatt einfach die Gichtgriffel mal stillzuhalten und gar nicht für ein paar Extra- Euro zu sägen, oder die Dinger konsequenterweise gleich voll und ganz platt zu machen...

Du siehst, biloba, Dein giftiger Kommentar von wegen dem Gurt und Unsinnigkeit, der ist total fehl am Platze, denn dem Nepp und dem fachlichen Schrott, dem scheint im gärtnerischen Bereich Tür und Tor geöffnet.
Stelle ich mir so ein Berufsethos bei Maurern oder Autobauern vor, dann aber Gute Nacht, Marie, ganz ehrlich...
So nach dem Motto: "Och, warum soll ich denn das Haus so massiv mauern? Nehme ich eine Reihe Klinker weniger, oder mache ich die Mischung für den Fassadenputz etwas magerer, dann bröckelt das schneller ab, und ich verdiene jedes Jahr mein sicheres Geld durch die Ausbesserungen. Baue ich hingegen das Haus massiv und stabil, hahahaha, dann verdiene ich ja nur einmal Geld dran. Wär' ich ja schön blöd *augenlid runterzieh und zuzwinker*"...

Verstehst, biloba?

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Kiefer,
Kiefer hat geschrieben:Verstehst, biloba?
na klar, ich verstehe Dich sogar sehr gut.

Ich mache es ja so ähnlich. Etwa 2m neben unserem Ginkgo ist eine Kiefer aufgegangen, die ihn, wenn sie dürfte, überwuchern würde. Praktisch will ich nicht, dass der Habitus des Ginkgo verkorkst wird. Also muss die Kiefer hin und wieder einen Ast spenden und sieht inzwischen so aus wie die von Dir beschriebene Eibe.
Absägen darf ich sie nicht, denn ich lege noch ein wenig Wert auf meine Ehe. Also wird nur gestutzt.


Nicht jedem liegen Bäume so am Herzen, wie uns. Und erst recht bitter wird es für die Bäume, wenn sie nicht als Lebewesen, sondern als Ware und Werkstück betrachtet werden, mit dem Geld zu verdienen ist. Das ist mir völlig klar.

In meinem Umfeld befindet sich eine innerstädtische, ungenutzte Brachfläche. Für mich ist das eine sehr interessante Sukzessionsfläche, für andere wächst auf diesem Grundstück nur wertloses Gestrüpp. So unterschiedlich kann die Sichtweise der Menschen sein.


Und wäre ich in einem Grünflächenamt verantwortlich für die Verkehrssicherheit, so würde ich mein Bild ungern in der Zeitung sehen, verziert mit großen Lettern: "Der da ist verantwortlich für den Tod von XY, weil er die Baumpflege versäumt hat!" Wer will es den Amtsschimmeln verdenken, wenn sie lieber auf Nummer sicher gehen?


Volker0031 hat geschrieben:Den ökologisch völlig unsinnigen, wertlosen und sogar zerstörerischen Menschen kappt man ja auch nicht
Wer das so formuliert, schmeißt aber alle Menschen, auch Dich und mich, in einen Topf. Und genau an dieser Stelle fand ich es nicht in Ordnung, was mich zu dieser etwas überspitzten Kritik veranlasst hat.



Grüße!

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Ja, ok, ich habe das einfach nicht auf mich bezogen, weil ich weiß, dass unsereiner rezent und historisch nunmal plusminus ein Parasit an der Erde ist, auf Europäer bezogen...
Kein anderes Volk feiert auf der Erde so fröhliche Urständ wie der Europäer... Aber dies nur am Rande.

Gegen Baumpflege ist auch ab-so-lut nix einzuwenden, überhaupt nicht! Es gibt nun mal Erfordernisse im Kulturraum, die beachtet werden müssen, dagegen ist nichts zu sagen.
Womit ich aber ein Problem habe ist, dass irgendwas jahrzehntelang wachsen gelassen wird, und dann auf einmal fällt den hohen Herrschaften ein, dass der Baum ja eigentlich völlig brandgefährlich ist und dringend eine Überarbeitung braucht. Und damit es eine Weile hält, wird auch gleich in die Vollen gegangen, sprich nur das blanke Gerüst bleibt stehen...

Anstatt da einfach mal, wie es die Fachlichkeit gebietet, bei Zeiten anzufangen und immer wieder mal durchzukucken, damit Gefahrenherde wie spitzwinklige Zwiesel und dickes Totholz erst gar nicht entstehen können.
Die dann noch kleinen Wunden kriegt der Baum gut verheilt, das gesamte Krone- Wurzelsystem bleibt ausgeglichen und einem weiteren langen Leben des Baums und der Sicherheit der Leute steht nichts im Wege.
Just wie man es in seinem Hausgarten machen sollte, bzw. wie ich und Du es dort machen.
"Blickig" immer mal wieder die Bäume durchgehen, beizeiten Hand anlegen, prima...

Das ist doch nicht weiter schwer oder aufwändig, oder? So kann die Rückerkolonne sogar noch gleichmäßiger und zuverlässiger Gelder rauspulvern oder verdienen, denn lieber 100 Jahre regelmäßig gepflegt, als nur zweimal Kahlschlag und dann ab...

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Hallo,
der BGH hat sich zur Sicherheitsaspekten bei gesunden Pappeln jüngst in diesem Jahr geäußert.
Die Bäume ohne Erfordernis im vorauseilenden Gehorsam zu kappen ist wenig intelligent und entspricht kaum einer fachlichen Herangehensweise.
Ob der Baum diesen Eingriff überlebt ist fraglich. Nicht selten geben es die alten Exemplare nach zwei drei Jahren dann auf, und dann - Geld verbrannt und noch die Fällung obendrauf...
Ich selber pflanze an geeigneten Standorten auch wenn es geht auch einmal Pappeln, allerdings sind das dann reine Arten wie Schwarzpappel, Birkenpappel und Weißpappel, wobei 1 & 3 der hier genannten einfach Platz brauchen.

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

biloba hat geschrieben:Hallo Kiefer,

,
Volker0031 hat geschrieben:Den ökologisch völlig unsinnigen, wertlosen und sogar zerstörerischen Menschen kappt man ja auch nicht
Wer das so formuliert, schmeißt aber alle Menschen, auch Dich und mich, in einen Topf. Und genau an dieser Stelle fand ich es nicht in Ordnung, was mich zu dieser etwas überspitzten Kritik veranlasst hat.



Grüße!
Nein, biloba schmeißt er nicht. Ich wollte damit nur illustrieren, dass uns eine Ansicht (selbst wenn diese weit verbreitet ist) über den ökologischen Wert eines Lebewesens nicht dazu verleiten sollte, deren massenhafte Vernichtung auch nur zu akzeptieren. Auch ein nicht ganz so reiner Baum sollte das Recht haben, korrekt behandelt zu werden. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass man diesen bissig satirischen Inhalt der Bemerkung erkennt.

Ich mag daraus auch keine Religion machen. Aber zum Schutz von Gesundheit und Werten fällt mir noch folgendes ein. An den Straßen und Parkplätzen hier, werden Pappeln gekappt. Auf Spielplätzen nicht. Da erfolgt höchstens mal eine Baumpflege vertretbaren Ausmaßes.

Volker

übrigens hatte ich mir mal unwissenschaftliche Gedanken zu den heimischen Gehölzen gemacht. http://kiez-dendrarium.blogspot.de/2013 ... tlich.html

biloba
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Beitrag von biloba »

Volker0031 hat geschrieben:übrigens hatte ich mir mal unwissenschaftliche Gedanken zu den heimischen Gehölzen gemacht. http://kiez-dendrarium.blogspot.de/2013 ... tlich.html
Also da ist viel Wahres dran, was Du da schreibst. Die Kastanien werden aber inzwischen nach und nach in unsere Biotope integriert. Die Samen bieten Nahrung für verschiedene Tierarten.
Die Blätter bieten eine Heimat für die Miniermotte. Und inzwischen lernen die hier heimischen Meisen, wie man an diese Nahrung heran kommt, so dass sich auch bei diesen Tieren in einigen Jahren ein gewisses Gleichgewicht einstellen wird.


Wenn Du magst, kannst Du noch eine Kleinigkeit ausbessern:
Neobionten - eine Tierart, welche in einer Gegend eingeführt wurde, in welcher sie zuvor nicht heimisch war.
Wenn Du von "Tierarten" schreibst, sollte "Neobionten" durch das Wort "Neozooen" ersetzt werden.
Meinst Du tatsächlich "Neobionten", dann solltest Du "Pflanzen- oder Tierart" schreiben. Dann wäre der Text in sich stimmig, denn Neobionten sind entweder Neozooen oder Neophyten.
Nur so als freundschaftlicher Hinweis.


Grüße!

biloba
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Beitrag von biloba »

Gerade bei der Presseschau entdeckt. Das ist nicht weit weg von hier.


Grüße!

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

biloba hat geschrieben:Gerade bei der Presseschau entdeckt. Das ist nicht weit weg von hier.


Grüße!
Auweia! Alles Gute für den Radfahrer. Das ist aber schon deutlich mehr, als ein einfacher Astabwurf. Die vermutete Ursache lässt mich die Frage aufwerfen: ist solch morsche Wurzel, bei "normaler" Baumprüfung erkennbar?
100-prozentige Sicherheit lässt sich bei "Naturprodukten" aber sicherlich sowieso nicht erzielen. Schaffen wir ja auch bei von Menschenhand geschaffenen Erzeugnissen nicht (um nicht zu sagen: viel seltener).

Volker

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