Hy Gata!
Nun ja, ich finde Gehölze/ Pflanzen zwar auch so schön, aber andererseits: Was wäre das Leben ohne Abwechslung? Immer nur das gleiche und das gleiche und das gleiche ist doch höllen- langweilig! Man weiß immer was kommt!
Bei einer panaschierten Pflanze aber ist selbst bei sehr gleichmäßig gezeichneten Formen nicht ein Blatt wie das andere. Ebenso bei manchen Form- Abweichlern. Man entdeckt immer was neues an ein und derselben Pflanze und hat nicht jedes Jahr das gleiche langweilige Ding im Garten zu stehen, wie es hunderttausend andere auch haben.
Das trifft sicher auch auf manche bunte Formen zu, wie zB Salix integra 'Hakuro Nishiki', die in unserer Gegend hier ganz schwer der Renner ist (und von der ich sogar sehr gerne die Normalform hätte!) und in sicher jedem fünften Garten steht, oder diverse gelbe Thujen und Scheinzypressen, aber die bringen wenigstens auch etwas Pfiff ins sonstige Einheitsgrün.
Zudem sehe ich das so ein bisschen als "Der Evolution unter die Arme greifen"... Nichts von diesen Mutanten ist unnatürlich, alle sind Experimente des Lebens, ohne die nichts zu dem geworden wäre, was es heute ist. Durch Sorten- Selektion kann sich die ganze mögliche Bandbreite einer Art entfalten und wie man besonders eindrucksvoll bei Buchen sieht, auch fortpflanzen, so dass da Variationen entstehen, die alleine schon der
normalen Überlebenswahrscheinlichkeit eines Sämlings niemals möglich gewesen wären.
Schon von normalen Sämlingen kommt von 1000 vielleicht einer ins fortpflanzungsfähige Alter, ein erstmal unterlegener Mutant hätte dazu gleich niemals die Chance, die Evolution träte also quasi lange auf der Stelle. Dabei sind Selektionen manchmal wirklich auch vorteilhaft für die Art als solche.
Ein Beispiel ist hier der Spitzahorn.
Von Natur aus reingrün im Austrieb wie im Sämling und alten Blatt, war er eigentlich eine Pflanze der Hügelländer und Mittelgebirge, wo er in recht feuchten Laubmischwäldern gedieh.
Dann selektierte der Mensch Formen mit mehr Anthocyan im Laub, also rotlaubige.
Wie meine langjährigen Beobachtungen in Berlin erlauben, gibt das der Art auf offenen, eher trockenen und stärker besonnten Standorten einen großen Vorteil, denn die Sämlinge und Pflanzen mit auch nur vorübergehend erhöhtem Anthocyan- Anteil sind widerstandsfähiger gegen diese Lebensumstände, die dem Spitzahorn sonst eigentlich nicht zusagen. Normal grüne Sämlinge ohne Anthocyan fallen den trocken- sonnigen Umständen auch bald zum Opfer, es sei denn, sie wachsen etwa im Schatten hoher Häuser oder Wälder, die ihrem natürlichen Standort ähneln.
So konnte der Spitzahorn sein Areal nicht unbeträchtlich erweitern bzw. auch verwildert halten und profitiert als Art vom Tun des Menschen.
Bei Buchen schätze ich die Situation ähnlich ein, denn die normal grünen zeigen seit ein paar Jahren, schon jetzt kurz nach Austrieb, ziemlich starke Schäden im Laub, das zu mindestens der Hälfte des Blattes verbräunt und auch nicht gegen frisches gewechselt wird, und zwar sowohl hier als auch zB in Franken.
Das wird wohl klimatisch bedingt sein, da es so flächig vor allem an Randstrukturen (Straßen- und Wegränder, Waldränder) auftritt, Blutbuchen mit dem Schaden wären mir jedoch noch nicht aufgefallen...
Wirklich panaschiert zu sein, bringt keiner Art erstmal Vorteile. Dafür aber uns in den Gärten, und wie biloba schon so schön beschreibt, ist das doch auch Existenzgrund genug.
Was wäre etwa eine dunkle, schattige Gartenecke ohne das helle Leuchten eines panaschierten Baum- Hartriegels oder einer buntlaubigen Hosta, die da Licht und Freude reinbringt, wo sonst nur mehr oder weniger geheimnisvolle Düsternis herrschen würde

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Recht hat biloba auch mit den Vorteilen, was etwa "Schädlingsbefall" angeht.
So ist der Faulbaum ja Futterpflanze der Raupen des Zitronenfalters. Und dann gibt es da zwei schmalblättrige Mutationen, 'Fine Line' und 'Asplenifolia'. Ich kenne beide, und habe an beiden noch nie Fraßspuren oder Raupen gefunden.
Zumindest 'Asplenifolia' ist aus einem Sämling entstanden, denn irgendein kluger Mensch zur Sorte selektierte, und so hat dieser Faulbaum sich einen "Freßfeind" vom Halse geschafft, allein durch die stark veränderte Blattform.
Da 'Asplenifolia' durch die verminderte Assimilationsfläche langsamer wächst, hätte der Sämling wildwachsend vielleicht nicht überlebt, und es hätte naturseits vielleicht weiterer 1000 Jahre und eines Zufalls bedurft, um denselben Trick nochmal hinzukriegen.
Sicher schadet der Zitronenfalter dem Faulbaum nicht, aber ein Vorteil, nicht gefressen zu werden, ist es schon. Und so kann unsereiner der Natur auch mal helfen, anstatt sie zu knechten, wo immer es geht

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