Seite 7 von 9

Verfasst: 23 Aug 2007, 07:37
von Hortulanus
Rhododendron insigne

Eng verwandt mit dem zuvor genannten „Silberblatt“ ist Rhododendron insigne, der zu Recht „ausgezeichnete“ Rhododendron. Seine Blattfarben und -strukturen sind sogar noch schöner und wirken unterseits auf verblüffende Weise, als wären sie mit einem kupferfarbenen Metallüberzug versehen. Auch der Blütenstutz ist geschlossener, bemerkenswert groß und auch auf die Entfernung sehr wirkungsvoll.

Der Strauch entwickelt sich sehr kompakt und rundlich, wächst zwar langsam, erreicht aber immerhin innerhalb von 10 Jahren eine Höhe von etwa 1,5 m. Er sollte recht frei stehen, um seinen optimalen Habitus zu entfalten. Dabei verträgt er durchaus viel Sonne.

Das natürliche Vorkommen beschränkt sich auf die chinesische Provinz Sichuan.

Verfasst: 23 Aug 2007, 07:38
von Hortulanus
Die Blattunterseite

Verfasst: 23 Aug 2007, 22:21
von Taxus
Text und Bildqualität beeindrucken. Es schult das Auge die geschilderten und gezeigten Nouancen zu betrachten. Erweitert, liegt also die Schönheit nicht nur im Auge des Betrachters, sondern auch im Detail. Das kannst Du wirklich gut, sie zu präsentieren.
Schwierig bei der Datenfülle ist jedoch erst x einen Überbilck zu bekommen.(Mir ist schon etwas schwindelig). Auch im Bot.Garten Marburgs findet sich keine Zuordnung zu Sectionen oder gar Wildarten. Da helfen evtl.Bücher.
Schön jedenfalls Dein Blick für das Detail- LG-Uli

Verfasst: 23 Aug 2007, 22:47
von tormi
Hallo,
ich schliesse mich Uli's Aussage an.
LG Nalis

Verfasst: 24 Aug 2007, 08:23
von Hortulanus
Ja, das Thema Wildrhododendren ist verwirrend und ohne Fachliteratur auch kaum zu entwirren. Will man tiefer einsteigen, muss man sich hinsichtlich Blühverhalten und Wuchseigenschaften die Sectionen und Subsectionen, der Winterhärte wegen zusätzlich die geografische Herkunft und die Höhenangaben vergegenwärtigen.

Eine der schönsten Arten ist wohl Rhododendron arboreum, insbesondere wenn es die blutrot blühende Form ist. Leider ist es absolut vergeblich, diese Art in unsere Gärten zu holen, da sie definitiv zu weich ist.

Ich bekamm allerdings kürzlich Pflanzenmaterial aus einer extremen Höhe von über 4000 m geschenkt. Mit einer dieser Pflanzen werde ich den Versuch im Freiland an selbstverständlich geschützter Stelle wagen.

Verfasst: 24 Aug 2007, 08:30
von Hortulanus
Rhododendron auriculatum

Mit dieser Art kommen wir zu den Rhododendren, die auch in unseren Breiten baumähnlichen Charakter annehmen können. Oftmals nur einstämmig entwickeln sich diese zu mehreren Metern hohen Großsträuchern und wachsen dabei gar nicht mal so langsam. Es sind typische Waldpflanzen, die zwar Helligkeit für die Blütenbildung benötigen, tiefer Schatten wäre folglich nicht sinnvoll, aber gegen zu intensive Sonneneinstrahlung und vor allem gegen blattschädigende Winde geschützt werden wollen.

Rhododendron auriculatum ist eigentlich eine Art, die für die meisten Gegenden Deutschlands zu frostempfindlich ist. Ich habe es dennoch gewagt und bin nicht enttäuscht worden. Meine inzwischen über 2 m hohe Pflanze hat so manchen harten Winter schadlos überstanden, so dass man unterschiedlich harte Klone vermuten kann. Wer also einen milden Garten hat oder für einen sehr geschützten Standort vielleicht in einem Innenhof sorgen kann, sollte es mit dieser Art unbedingt versuchen; denn die sehr spät erscheinenden, großen Blüten, je nach Witterungsverlauf Ende Juli bis in den August, haben einen wundervollen, würzigen Duft.

Leider hat Rhododendron auriculatum auch spezifische Nachteile. Er blüht erst als ältere Pflanze. Einige Jahre, wenn auch nicht so lange wie bei vielen Arten der Taliensia Subsection, muss man schon warten. Mit der Blüte wirft er zudem seine vorjährigen Blätter ab und treibt die neuen aus. Dadurch sieht der Strauch gerade zu diesem Zeitpunkt etwas „erklärungsbedürftig“, weil armselig aus. Auch vermag die Blattfärbung nicht immer zu befriedigen, da sie bei nicht absolut stimmigen Substrat stets recht chlorotisch wirkt.

Auriculatum heißt ohrläppchenartig und bezieht sich auf die typischen Einbuchtungen an der Blattbasis. Das Vorkommen beschränkt sich auf die chinesischen Provinzen Sichuan, Guizhou und Hubei, allerdings, und daher die mangelnde Frosthärte, nur bis zu Höhen von 2000 m.

Verfasst: 25 Aug 2007, 06:43
von Hortulanus
Rhododendron decorum

Die Fortunea Subsection, benannt nach Rhododendron fortunei, der wiederum zur Ehre von Robert Fortune, dem berühmten schottischen Botaniker und Pflanzenjäger seinen Namen erhielt, beschert auch uns klimatisch weniger Begünstigten einige wunderschöne Rhododendren. Sie wachsen zu herrlichen Großsträuchern heran, haben eindrucksvolle Blüten und sind recht winterhart. Einige haben zudem einen köstlichen Duft. In dieser nicht vollständigen Aufzählung wären zu nennen Rhododendron calophytum, Rhododendron fortunei, Rhododendron discolor, Rhododendron orbiculare, Rhododendron sutchuense und eben auch der hier vorgestellte Rhododendron decorum.

Diese Art benötigt allein schon der Größe und der Blütenfülle wegen einen windgeschützten Standort, der auch nicht allzu sehr der Sonne ausgesetzt sein sollte. Unter höheren Bäumen, die möglichst keine Flachwurzler sind, wäre es ideal. Der Boden sollte locker und sehr humos sein. Ich erreiche letzteres dadurch, in dem ich nahezu allen Laubanfall des Gartens dort hinwerfe.

Inzwischen hat mein Exemplar eine Höhe von annähernd 3 m erreicht. Die Blüten sind von einem nur zart getönten Altweiß mit einem grünlichen Schlund und roten Punkten. Sie verströmen einen würzigen Duft, der auch in der Umgebung gut wahrzunehmen ist. Wie viele Wildarten blüht auch Rhododendron decorum meist nur ein über das andere Jahr sehr reich. Als wäre er dann erschöpft, fällt die folgende Blüte deutlich bescheidener aus. Zwar kann man versuchen, durch erhöhte Düngergaben die Bildung von Blütenknospen anzuregen, doch bin ich damit eher vorsichtig. Nicht alle Wildarten vertragen die handelsüblichen Dünger.

Das Vorkommen dieser Art erstreckt sich über Nordost Burma bis nach Süd-West China. Da sie nicht in höheren Gebirgslagen vorkommt, ist auch in unseren Gärten hinsichtlich der Winterhärte eine gewisse Vorsicht geboten.

Verfasst: 26 Aug 2007, 07:12
von Hortulanus
Rhododendron houlstonii

Vermutlich ein inzwischen unkorrekter Artenname. Obwohl einige der älteren Autoritäten diesem wunderschönen Rhododendron einen eigenen Status zubilligen, ist die offizielle Bezeichnung inzwischen Rhododendron discolor, eine Unterspezies von Rhododendron fortunei. Ich will meinen Strauch aber auch weiterhin lehrbuchwidrig benennen, da sich seine rosa Blüten doch sehr von Rhododendron discolor unterscheiden, die Blüte sehr viel früher einsetzt und keinen Blütenduft aufweist. Er mag sogar eine (Wild-?)Hybride sein, wofür ein Sämling spricht, der so ganz anders ausgefallen ist. Allerdings könnte das Ergebnis auch auf eine Fremdbestäubung zurückzuführen sein.

Wie auch immer: Mein Rhododendron houlstonii ist eine sehr wüchsiger, inzwischen ca. 2 m hoher Großstrauch, der zuverlässig und reich blüht und bisher jedem Winter ohne jeglichen Schaden getrotzt hat. Meist beginnt er schon Ende April seine zart-rosa gefärbten Blüten zu öffnen.

Sofern mein Klon nicht lediglich das Ergebnis einer gärtnerischen Züchtung ist, hat er seinen Ursprung in einem sehr großen Gebiet, das von Süd- bis Zentralchina reicht.

Verfasst: 26 Aug 2007, 07:13
von Hortulanus
Und dies ist ein Sämling von Rhododendron houlstonii. Seine Blüten sind schneeweiß, aber die Blütenstiele kontrastieren in einem auffälligen Rot. Ich finde diese Hybride außerordentlich attraktiv.

Verfasst: 26 Aug 2007, 10:12
von Cryptomeria
Hallo Hortulanus,

lange Jahre hatte ich 2 Rhododendron fortunei. Beide sind aber nach einigen Jahren eingegangen. Die Winterhärte kann es nicht gewesen sein. Welche Standortansprüche haben sie??

Viele Grüße

Wolfgang

Verfasst: 26 Aug 2007, 11:28
von Taxus
Hast du schon x die Stecklingsvermehrung versucht? In -A.Bärtels Buch: Gehölzvermehrung existiert dazu eine seitenlange Abhandlung,unterteilt in- Vermehrung großblumiger Hybriden,-R. impeditum und R.x praecox,-R forrestii und Williamsianum-Hybriden,sowie sommergrüne Arten und Hybriden. Da Du viele Rhodos hast,wäre damit die ungewollte Hybridisierung ausgeschlossen. LG-Uli

Verfasst: 26 Aug 2007, 11:31
von Hortulanus
Rhododendron fortunei hat im Prinzip keine anderen Standortansprüche als andere "Waldrhododendren" auch: schattig, aber der Blütenbildung wegen nicht zu dunkel, windgeschützt, lockerer, humoser Boden mit einem pH-Wert von 5-6.

Wie sind sie den gestorben, Cryptomeria? Am "Sterbeverlauf" lässt sich einiges erklären.

Verfasst: 26 Aug 2007, 11:37
von Hortulanus
Taxus hat geschrieben:Hast du schon x die Stecklingsvermehrung versucht?
Theorie und Praxis :roll:

Ja, einige lassen sich einigermaßen gut über Stecklinge vermehren, aber das pilzliche Infektionsrisiko ist sehr hoch. Ich habe das Abmoosen oder Absenken bisher bevorzugt. Dauert aber länger. Einige Arten widerstehen der Stecklingsvermehrung fast absolut. Oder aber man muss die richtige "Zeitsekunde" erwischen, wann der Steckling von weich auf hart wechselt.

Ich vermehre über Samen auch deshalb, um die Vielfalt zu erleben, in der sich die Wildarten auch ohne Fremdbestäubung entwickeln. Denn einige Arten blühen bei mir "solo", so dass sie von keiner anderen bestäubt werden können.

Verfasst: 26 Aug 2007, 17:38
von Cryptomeria
Hallo Hortulanus,

den Sterbeverlauf habe ich leider nicht mitverfolgt. Bei meinen vielen Pflanzen habe ich nur irgendwann bemerkt, dass sie abgestorben waren.
Da sie aber einige Jahre standen, muss es sich vielleicht auch über Jahre hingezogen haben. Sie gefielen mir gut mit ihren großen Blättern.

Viele Grüße


Wolfgang

Verfasst: 27 Aug 2007, 08:17
von Hortulanus
Rhododendron rex ssp. fictolacteum

Als letzten der äußerst gartenwürdigen Wildarten möchte ich einen tatsächlichen „König“ (= rex) vorstellen. Er gehört zur Falconera Subsection, die mit das Prachtvollste unter den Rhododendren in sich vereinigt. Leider sind sie bis auf Rhododendron rex und Rhododendron rex subspecies fictolacteum bei uns nicht ausreichend winterhart. Gleichwohl sind mir Rhodoholics bekannt, die das Risiko in milden Lagen wagen. Ich habe mir derartige Experimente abgewöhnt, weil es einfach zu traurig ist, eine über viele Jahre in bis dahin moderaten Wintern gewachsene Pflanze in einer einzigen, beinharten Frostnacht zu verlieren.

Die hier vorgestellte Art ist bei geschütztem Standort, wie alle großlaubigen Rhododendren verlangt auch sie einen gewissen Windschutz, recht frosthart und auch sonst nicht sonderlich anspruchsvoll.

Wie bei so vielen Wildarten muss man bei dieser ebenfalls etliche Jahre auf die Blüte warten. Ich gedulde mich bereits seit 13 Jahren. Im kommenden Jahr jedoch ist es soweit. Meine Pflanze hat etliche Blütenknospen gebildet. Die Wartezeit bis zu diesem Ereignis ist aber nicht sonderlich frustrierend, da es sich bei Rhododendron rex und insbesondere der Subspezies fictolacteum um ausgesprochen majestätisch wirkende, sich baumartig entwickelnde Blattpflanzen handelt. Während des ganzen Jahres und selbst im Kleinkindstadium sind sie Hingucker für aufmerksame Gartenfreunde.

Während die Spezies rex auf der Unterseite der Blätter ein fahles, grau-braunes Indumentum aufweist, zeigt die Subspezies fictolacteum ein für meinen Geschmack attraktiveres „Rehbraun“. Während der Wachstumsphase sind die Blätter aufwärts gerichtet, so dass die schmückende Färbung nicht verborgen bleibt.

Die Blüten dieser Art sind prachtvoll. Ich hatte in meinem vorherigen Garten die Spezies rex, mit immerhin einer Höhe von 3 m, die überreich blühte. Die Blütenstutze sind groß und kompakt und setzen sich aus 20 und mehr Einzelblüten zusammen. Die Blütenfarbe ist Weiß mit einem auffällig roten Basalfleck und einer dunkelroten Sprenkelung. Leider hat diese große Pflanze den Umzug nicht lange überlebt. Die großen Arten vertragen ein Verpflanzen nur sehr schwer, da sie zum Teil tiefer gehende Wurzeln bilden.

Das Vorkommen dieser Art begrenzt sich auf Süd Tibet, Yunnan und Süd Sichuan in Höhen bis zu 4000 m.