Lim44 Kampf gegen den Eukalyptus

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch ausserhalb Europa, z.B. Afrika, Asien gesehen, und möchtet ihn bestimmen, dann könnt ihr hier fragen.

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wolfachim_roland
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Lim44 Kampf gegen den Eukalyptus

Beitrag von wolfachim_roland »

Auf meiner Südafrika-Reise fiel mir diesmal besonders der Kampf gegen die eingeführten Eukalyptus-Bäume auf. Sie wachsen schnell, geben gutes Holz (vor allem Papierherstellung) und werden in riesigen Plantagen gezogen. Sie sind auf Farmen auch als Schattenbäume gepflanzt worden. Die wasserhungrigen Gehölze haben sich jedoch vielerorts unkontrolliert ausgebreitet und verdrängen dort die heimische Flora.

Inzwischen werden die australischen Eucalyptus - wie auch die australischen Wattles und gewisse Bambus-Arten - in Südafrika als invasiv eingestuft. Insbesondere in Gebieten, die als Nature Reserve eingestuft sind oder eingestuft werden sollen, werden die Eukalyptus bekämpft. In Sigurwana z.B. werden tausende junger wie auch älterer Bäume einzeln mit einer Wirklösung eingepinselt, die den Baum zum Absterben bringt. In Kololo hat man unten die Ride ringförmig entfernt, um den Baum zum Absterben zu bringen.

Welchen Überlebenswillen diese Bäume zeigen, kann man an den folgenden Bildern sehen, wo aus den Ringkerben neue Triebe wachsen.

Wolf
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Wolf Roland

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Und warum sägen die die Teile nicht einfach ab und pinseln die Schnittfläche mit Vorox Unkrautfrei (oder so) ein?
Aus eigener Erfahrung (mit Spätblühender Traubenkirsche in Berliner Wäldern) weiß ich, dass das Ringeln als Arbeit viel länger dauert als mal eben absägen, und der Baum so jahrelang dahinsiecht und am Ende noch überlebt.
Daher ist das Ringeln zwar viel angewandt, aber nur bei jungen Bäumen noch ohne große Reserven effektiv.
Altbäume können locker noch 1- 2 Notblüten bringen und sich dadurch viel intensiver aussamen als ohnehin schon...

Daher wäre sinnvoller: Alles über 20 cm Stammdurchmesser absägen und ein passendes Mittelchen auf die Schnittfläche, da kommt dann nix mehr hinterher, auch nicht aus den Wurzeln.

Ich meine: Korkeichen ringelt man nicht nur, die plackt man regelrecht ab, und die überleben ohne weiteres. Also müsste man bis auf's blanke Holz runterschälen, was beim Eukalyptus aber nicht der Fall zu sein scheint, da der ja sogar mitten aus den Ringelstellen neu austreibt, wie man sehen kann.

Durian
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Beitrag von Durian »

Auch auf Madeira gehen die Forstbehörden gegen die "Plant Invaders" vor (auch hier hauptsächlich Eukalypten und Akazien), aber derartige Verunstaltungen waren nicht zu sehen

Gata
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Beitrag von Gata »

Ich behaupte jetzt, dass man Eukalyptus nicht mehr los wird, egal, wie man den Stamm behandelt.
Es wachsen aus den teppichartig verzweigten Wurzeln in zig Metern Entfernung ständig neue Schösslinge hervor. Und diese wachsen jedes Jahr 1 - 2 m.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Ich lebe echt im falschen Land. Mit dieser Bekämpfung könnte man bestimmt seinen Lebensunterhalt verdienen, wenn die so invasiv sind und überall immer neu aufwachsen... Das wäre echt mal 'nen geiler Job, genau wie hier die Reynoutria und das Indische Springkraut aus den Auen zu kriegen...
Aber für sowas ist ja kein richtig Geld da :roll: ...

caoba
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lim44 Kampf gegen den Eukalyptus

Beitrag von caoba »

Habe längere Zeit in Ecuador gelebt. Im Hochland sieht man sehr viele Eukalyptusbäume. Dort steht fast vor jedem Häuschen einer - als schnellnachwachsender Rohstoff für das Herdfeuer etc. Man hackt ihn ab und schon steht der nächste Stamm da. So muss man nicht lange rumlaufen und Holz suchen, Kohle oder Gas kaufen. Abends, wenn man durchs Land fährt, riecht es überall aromatisch nach Eukalyptusrauch. Es gibt kaum andere Bäume/Wälder im Hochland - ich weiss jetzt nicht, ob man damals diese gerodet hat oder ob es einfach so ist, und der Eukalyptus kam sozusagen wie gerufen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwierig ist, den auszurotten, fast wie bei Bambus im Vorgarten
Caoba

Jach
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Beitrag von Jach »

Kiefer hat geschrieben:Und warum sägen die die Teile nicht einfach ab und pinseln die Schnittfläche mit Vorox Unkrautfrei (oder so) ein?
Aus eigener Erfahrung (mit Spätblühender Traubenkirsche in Berliner Wäldern) weiß ich, dass das Ringeln als Arbeit viel länger dauert als mal eben absägen, und der Baum so jahrelang dahinsiecht und am Ende noch überlebt.
Daher ist das Ringeln zwar viel angewandt, aber nur bei jungen Bäumen noch ohne große Reserven effektiv.
Altbäume können locker noch 1- 2 Notblüten bringen und sich dadurch viel intensiver aussamen als ohnehin schon...

Daher wäre sinnvoller: Alles über 20 cm Stammdurchmesser absägen und ein passendes Mittelchen auf die Schnittfläche, da kommt dann nix mehr hinterher, auch nicht aus den Wurzeln.

Ich meine: Korkeichen ringelt man nicht nur, die plackt man regelrecht ab, und die überleben ohne weiteres. Also müsste man bis auf's blanke Holz runterschälen, was beim Eukalyptus aber nicht der Fall zu sein scheint, da der ja sogar mitten aus den Ringelstellen neu austreibt, wie man sehen kann.
Klar ist ringeln keine (ganz wörtlich) todsichere Methode und vergiften teilweise effizienter. Wieso es trotzdem viel gemacht wird, kann an Verschiedenem liegen:
- Zum ringeln braucht es kein besonderes Material wie Motorsäge oder Gift. Es kann jederzeit mit einer beliebigen Klinge (Hippe, Machete, Messer, etc.) ausgeführt werden, welche der betreffende Arbeiter vielleicht sowieso immer mit sich führt. Daher bietet es sich besonders dann an, wenn keine grössere "Vernichtungsaktion" im Voraus geplant ist, sondern ein störendes Gehölz bei der Durchführung anderer Arbeiten ins Auge fällt.

- Umweltschutzbestimmungen können die Verwendung von Herbiziden verbieten oder einschränken. Im Privatgarten und in der Landwirtschaft ist dies meist noch eher möglich, im Wald, in Naturschutzgebieten und besonders in Gewässernähe ist Gifteinsatz oft streng reglementiert. Ich weiss nicht wie das in Südafrika aussieht, aber wenn es sich um "Nature Reserves" handelt, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Herbizideinsatz aus diesem Grund nicht in Frage kommt.

- Wirklich Aufwändig ist ringeln bei nicht all zu dicken Bäumen ja nicht und kann ohne tieferes Fachwissen ausgeführt werden. Verantwortungsvoller Gifteinsatz setzt da meines Erachtens mehr Kenntnis/Sorgfalt voraus.

- Auch Herbizide wirken meist nicht 100%ig. Habe schon mit Essigbäumen gekämpft welche Jahr für Jahr einer neuen Giftkur bedurften, bis sie endlich eingingen. Ähnliches habe ich bei Robinien und Japanischem Knöterich gesehen. Natürlich könnte man noch mehr und noch stärkeres Gift nehmen, aber dann wohl kaum ohne Nebeneffekte auf die Umgebung.

Das Ringeln ist aber auch noch keine vollständig ausgeforschte Technik. Es gibt ja auch Stimmen, die dazu plädieren, nicht auf einmal den ganzen Baumumfang zu entrinden, sondern dies etappenweise über 2-3 Jahre zu tun, z.B. jeweils ein Drittel des Umgangs über drei Jahre, oder im ersten Jahr 90% des Umfangs und im nächsten Jahr den Rest. Damit sollen Schockreaktionen wie Wurzelbrut besser verhindert werden. Wie sehr dies tatsächlich wirkt, weiss ich nicht.

Wie du im letzten Satz angetönt hast, scheint es hier ohnehin so, dass das ringeln an diesen Stämmchen etwas zu wenig tief geschehen ist. Wenn aus der Kerbe so viele neue Triebe schiessen, war wohl das Kambium nicht vollständig entfernt, was beim Ringeln schon essentiell ist.

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Da ist doch ein Job für Kiefer drin: Nachhilfekurse im Ringeln.
Als Dozent auch nicht ganz so anstrengend wie als ausführende Kraft.

:wink:

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

@wolfachim und andere

soweit ich weiß , ist bei einer Euklayptuspflanzung auch der Grundwasserspiegel dann auf Dauer auch nachhaltig geschädigt.


@ Jach, herzlich willkommen hier

es grüßt der Baumlaeufer
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

Jach
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Beitrag von Jach »

baumlaeufer hat geschrieben: @ Jach, herzlich willkommen hier

es grüßt der Baumlaeufer
Hallihallo.

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Da hast Du recht, Wolfgang. In Portugal habe ich auch furchtbare Monokulturen gesehen, die verbrannte Korkeichenwälder ersetzt haben...nicht schön.

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