Grau-Weide ? ---> Salix aurita
Moderatoren: LCV, stefan, tormi
Grau-Weide ? ---> Salix aurita
Hallo zusammen,
diesmal möchte ich Euch fragen, ob ich diese Weide (Fund von gestern) richtig als Grau-Weide – Salix cinerea bestimmt habe. Sie wächst an der Mangfall im Voralpenland als ca. 3 m hoher Strauch in einem Mix mit anderen Sträuchern gleicher Größe (vor wenigen Jahren wurde der Damm neu angelegt), so dass eine Gesamtaufnahme nicht sinnvoll war. Sie wurzelt zwischen Blockschutt und flachem Wasserrand.
Blattgröße bis 7 x 3 cm, oben sattgrün glänzend, unten silbrig hell-grün und matt, Stiel 10 mm; Blattrand in ganzer Länge gekerbt mit dunkelbraun-drüsiger Zahnspitze, leicht gewellt; 14 Blattnerven-Paare; Nerven deutlich eingesenkt, dadurch netzig-runzelige Blattoberfläche; Spreite unterseits durchgehend kurz behaart, Nerven und Stiel dichter, dabei die Haare von Spreite und Seitennerven anliegend, Stielbehaarung kürzer und abstehend; Knospen in Blattachseln dicht, länger und anliegend behaart; Nebenblätter bis 8 x 5,5 mm, nieren- bis eiförmig, ebenfalls dunkel-drüsig gesägt; diesjähriger Trieb oberseits bräunlich, unterseits grün.
Es passt halt nicht alles zu den Beschreibungen in meinen Bestimmungsbüchern: die zweifarbigen Triebe, die Drüsen auf den Zähnen und die Knospen finde ich auch nicht wirklich grün, so wie ich es gelesen habe. Liege ich mit meiner Bestimmung falsch?
Viele Grüße
Dieter
diesmal möchte ich Euch fragen, ob ich diese Weide (Fund von gestern) richtig als Grau-Weide – Salix cinerea bestimmt habe. Sie wächst an der Mangfall im Voralpenland als ca. 3 m hoher Strauch in einem Mix mit anderen Sträuchern gleicher Größe (vor wenigen Jahren wurde der Damm neu angelegt), so dass eine Gesamtaufnahme nicht sinnvoll war. Sie wurzelt zwischen Blockschutt und flachem Wasserrand.
Blattgröße bis 7 x 3 cm, oben sattgrün glänzend, unten silbrig hell-grün und matt, Stiel 10 mm; Blattrand in ganzer Länge gekerbt mit dunkelbraun-drüsiger Zahnspitze, leicht gewellt; 14 Blattnerven-Paare; Nerven deutlich eingesenkt, dadurch netzig-runzelige Blattoberfläche; Spreite unterseits durchgehend kurz behaart, Nerven und Stiel dichter, dabei die Haare von Spreite und Seitennerven anliegend, Stielbehaarung kürzer und abstehend; Knospen in Blattachseln dicht, länger und anliegend behaart; Nebenblätter bis 8 x 5,5 mm, nieren- bis eiförmig, ebenfalls dunkel-drüsig gesägt; diesjähriger Trieb oberseits bräunlich, unterseits grün.
Es passt halt nicht alles zu den Beschreibungen in meinen Bestimmungsbüchern: die zweifarbigen Triebe, die Drüsen auf den Zähnen und die Knospen finde ich auch nicht wirklich grün, so wie ich es gelesen habe. Liege ich mit meiner Bestimmung falsch?
Viele Grüße
Dieter
- Dateianhänge
-
- 1.jpg (92.59 KiB) 4772 mal betrachtet
-
- 2.jpg (79.75 KiB) 4772 mal betrachtet
-
- 3.jpg (99.86 KiB) 4772 mal betrachtet
-
- 4.jpg (73.86 KiB) 4772 mal betrachtet
-
- 5.jpg (143.88 KiB) 4772 mal betrachtet
-
campoverde
- Beiträge: 1185
- Registriert: 25 Okt 2008, 17:28
- Wohnort: Bremen
Hallo Dieter,
liege ich Vermutung richtig, daß Du ein besonderes Interesse an Weiden hast, da Du ja mehrere Themen zur Gattung gestartet hast? Nur so oder aus besonderem Grund (ich frage nur aus Interesse)? Welche Literatur nutzt Du?
Ich habe auch vor, mir im Frühjahr/Sommer die einheimischen Weiden einmal genauer anzusehen.
Danke!
liege ich Vermutung richtig, daß Du ein besonderes Interesse an Weiden hast, da Du ja mehrere Themen zur Gattung gestartet hast? Nur so oder aus besonderem Grund (ich frage nur aus Interesse)? Welche Literatur nutzt Du?
Ich habe auch vor, mir im Frühjahr/Sommer die einheimischen Weiden einmal genauer anzusehen.
Danke!
Hallo Campoverde,
die Frage nach dem Interesse muss ich differenzierter beantworten: Mein Hauptinteresse gilt phytoparasitischen Pilzen. Dafür ist die Kenntnis der Wirtspflanzen unerlässlich. Mit fast allen Pflanzen komme ich dank der Bestimmungsbücher zurecht, es bleiben nur die Gräser und Weiden übrig. Also beschäftige ich mich damit gezielt.
Ich benutze die im Forum besprochenen Gehölzfloren von Fitschen und Roloff/Bärtels, zudem Hegi Band III/1 und Chmelar/Meusel: Die Weiden Europas, abgesehen von den allgemeinen Botanik-Bestimmungsbüchern. Im Netz gibt es doch auch noch einige Bestimmunsghilfen, zum Beispiel ein Knospenbestimmungsschlüssel. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass ich mit nicht-blühenden Weiden nicht wirklich vorwärts komme, so dass ich hoffe, irgendwie einen Spezialisten persönlich oder übers Net kenen zu lernen, mit dem ich Details der Funde diskutieren kann, denn keine Beschreibung in den Büchern passt lückenlos zu den Funden, stets finden sich dort Merkmale, die eindeutig den im Forum genannten Artbezeichnungen (obwohl sie sicher richtig sind) und erstrecht meinen Bestimmungsergebnissen widersprechen. Offensichtlich braucht man Erfahrungen zur Variationsbreite der Artmerkmale. Und die sind aus dem Buch nicht zu gewinnen.
Es würde mich sehr freuen, wenn Du weiter kämst und unter den Interessierten (leider scheint es nicht viele zu geben, alle Botanik-Interessierten, die ich kenne, winken ab beim Wort Weiden) ein "Weiden-Netzwerk" aufgebaut werden könnte.
Viele Grüße
Dieter
die Frage nach dem Interesse muss ich differenzierter beantworten: Mein Hauptinteresse gilt phytoparasitischen Pilzen. Dafür ist die Kenntnis der Wirtspflanzen unerlässlich. Mit fast allen Pflanzen komme ich dank der Bestimmungsbücher zurecht, es bleiben nur die Gräser und Weiden übrig. Also beschäftige ich mich damit gezielt.
Ich benutze die im Forum besprochenen Gehölzfloren von Fitschen und Roloff/Bärtels, zudem Hegi Band III/1 und Chmelar/Meusel: Die Weiden Europas, abgesehen von den allgemeinen Botanik-Bestimmungsbüchern. Im Netz gibt es doch auch noch einige Bestimmunsghilfen, zum Beispiel ein Knospenbestimmungsschlüssel. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass ich mit nicht-blühenden Weiden nicht wirklich vorwärts komme, so dass ich hoffe, irgendwie einen Spezialisten persönlich oder übers Net kenen zu lernen, mit dem ich Details der Funde diskutieren kann, denn keine Beschreibung in den Büchern passt lückenlos zu den Funden, stets finden sich dort Merkmale, die eindeutig den im Forum genannten Artbezeichnungen (obwohl sie sicher richtig sind) und erstrecht meinen Bestimmungsergebnissen widersprechen. Offensichtlich braucht man Erfahrungen zur Variationsbreite der Artmerkmale. Und die sind aus dem Buch nicht zu gewinnen.
Es würde mich sehr freuen, wenn Du weiter kämst und unter den Interessierten (leider scheint es nicht viele zu geben, alle Botanik-Interessierten, die ich kenne, winken ab beim Wort Weiden) ein "Weiden-Netzwerk" aufgebaut werden könnte.
Viele Grüße
Dieter
-
campoverde
- Beiträge: 1185
- Registriert: 25 Okt 2008, 17:28
- Wohnort: Bremen
Hallo,
ja, um die Weiden drücken sich die meisten und leider ist zu vermuten, daß sie dafür gute Gründe haben. Ich werde es trotzdem einmal versuchen, einige Fortschritte zu machen.
Zur Literatur:
- Welchen Eindruck hast Du von: Chmelar/Meusel: Die Weiden Europas?
- Im Fitschen wird auch auf Lautenschlager: Die Weiden von Mitttel- und Nordeuropa verwiesen. Kennt jemand dieses Werk?
- Du hast noch auf einen Knospenbestimmungsschlüssel im www hingewiesen, welchen meinst Du, könntest Du noch die Adresse nennen?
Zu "Weiden-Netzwerk": Ein echter Weidenspezi hat sich im Forum noch nicht geoutet, aber ich könnte mir vorstellen, daß sich einige mit dem Thema beschäftigen werden, wenn hier häufiger Weiden diskutiert werden.
Danke!
ja, um die Weiden drücken sich die meisten und leider ist zu vermuten, daß sie dafür gute Gründe haben. Ich werde es trotzdem einmal versuchen, einige Fortschritte zu machen.
Zur Literatur:
- Welchen Eindruck hast Du von: Chmelar/Meusel: Die Weiden Europas?
- Im Fitschen wird auch auf Lautenschlager: Die Weiden von Mitttel- und Nordeuropa verwiesen. Kennt jemand dieses Werk?
- Du hast noch auf einen Knospenbestimmungsschlüssel im www hingewiesen, welchen meinst Du, könntest Du noch die Adresse nennen?
Zu "Weiden-Netzwerk": Ein echter Weidenspezi hat sich im Forum noch nicht geoutet, aber ich könnte mir vorstellen, daß sich einige mit dem Thema beschäftigen werden, wenn hier häufiger Weiden diskutiert werden.
Danke!
Hallo campoverde,
zu Deinen Fragen:
Knospenbestimmungsschlüssel: www.biologiezentrum.at/pdf_frei_remote/ ... 3-0397.pdf (ist übrigens mehr als Knospenmorphologie)
Chmelar/Meusel: Die Weiden Europas: Es ist wie meist: Hat man ein gutes Bestimmungsbuch, bringen alle weiteren nur kleine Wissenszugewinne. Aber mir sind die Details im Chmelar/Meusel das Geld wert. Das Büchlein ist allerdings weit weg von heutigen Gestaltungs- und Layout-Standards.
Den Lautenschlager kenne ich nicht.
Sollte mich freuen, wenn noch mehr Forums-Teilnehmer sich für Weiden interessieren würden. Vieleicht geht es auch anderen so, dass es sie wie mich stört bis ärgert, wenn da draußen Bäume stehen, die man/ich nicht identifizieren kann.
Viele Grüße
Dieter
zu Deinen Fragen:
Knospenbestimmungsschlüssel: www.biologiezentrum.at/pdf_frei_remote/ ... 3-0397.pdf (ist übrigens mehr als Knospenmorphologie)
Chmelar/Meusel: Die Weiden Europas: Es ist wie meist: Hat man ein gutes Bestimmungsbuch, bringen alle weiteren nur kleine Wissenszugewinne. Aber mir sind die Details im Chmelar/Meusel das Geld wert. Das Büchlein ist allerdings weit weg von heutigen Gestaltungs- und Layout-Standards.
Den Lautenschlager kenne ich nicht.
Sollte mich freuen, wenn noch mehr Forums-Teilnehmer sich für Weiden interessieren würden. Vieleicht geht es auch anderen so, dass es sie wie mich stört bis ärgert, wenn da draußen Bäume stehen, die man/ich nicht identifizieren kann.
Viele Grüße
Dieter
-
Sebastianii
- Beiträge: 462
- Registriert: 30 Mai 2008, 22:28
-
campoverde
- Beiträge: 1185
- Registriert: 25 Okt 2008, 17:28
- Wohnort: Bremen
Hallo Dieter,
ich habe mir mal den Schlüssel im Rothmaler IV (10.Auflage) vorgenommen (die allgemeinen Botanikschlüssel halte ich für zuverlässiger als die Schlüssel der Gehölzfloren--rein persönliche, nicht fundierte Einschätzung) und auf Deine Bilder angewendet. Man landet m.E. recht geradlinig bei Nr. 35, dann spricht einiges für Salix aurita, also das Ergebnis von Wolfram. Was nicht so gut passt, ist die behaarte Knospe.
Aber meine Frage hier: Wert wird ja im Schlüssel auf Kriterium "Striemen" gelegt.
Hast Du Dir dieses Kriterium einmal angesehen, ist es gut anwendbar und eine Hilfe?
Danke!
PS: Vielen Dank für Deine Infos oben!
ich habe mir mal den Schlüssel im Rothmaler IV (10.Auflage) vorgenommen (die allgemeinen Botanikschlüssel halte ich für zuverlässiger als die Schlüssel der Gehölzfloren--rein persönliche, nicht fundierte Einschätzung) und auf Deine Bilder angewendet. Man landet m.E. recht geradlinig bei Nr. 35, dann spricht einiges für Salix aurita, also das Ergebnis von Wolfram. Was nicht so gut passt, ist die behaarte Knospe.
Aber meine Frage hier: Wert wird ja im Schlüssel auf Kriterium "Striemen" gelegt.
Hast Du Dir dieses Kriterium einmal angesehen, ist es gut anwendbar und eine Hilfe?
Danke!
PS: Vielen Dank für Deine Infos oben!
Hallo campoverde,
an durch die Rinde sich abzeichnende Striemen erinnere mich, habe mir dazu aber keine Notizen gemacht (ich hatte kein Bestimmungsbuch dabei und wusste somit nicht, auf was ich achten muss).
Wolfram versteht zweifellos sehr viel mehr von Weiden als ich und hat sicher recht. Trotzdem werde ich mir im Frühjahr die Kätzchen ansehen, denn die unterscheiden sich zumindest nach den Büchern deutlich, z. B. bezüglich Größe.
Falls ich also den Strauch im Gewirr trotz fehlender Blätter während der Blüte ausmachen kann, werde ich hier nochmal ergänzende Bilder zeigen.
Viele Grüße
Dieter
an durch die Rinde sich abzeichnende Striemen erinnere mich, habe mir dazu aber keine Notizen gemacht (ich hatte kein Bestimmungsbuch dabei und wusste somit nicht, auf was ich achten muss).
Wolfram versteht zweifellos sehr viel mehr von Weiden als ich und hat sicher recht. Trotzdem werde ich mir im Frühjahr die Kätzchen ansehen, denn die unterscheiden sich zumindest nach den Büchern deutlich, z. B. bezüglich Größe.
Falls ich also den Strauch im Gewirr trotz fehlender Blätter während der Blüte ausmachen kann, werde ich hier nochmal ergänzende Bilder zeigen.
Viele Grüße
Dieter
@ DieterB
vielen Dank für die Blumen, aber die sind unverdient.
Es ist richtig, die Bestimmung mit Hilfe einer Regionalflora ist immer besser als mit allgemeinen dendrologischen Büchern, die man dann zum Vergleich heranziehen kann.
Was die Striemen anbelangt: Immer die Rinde mit dem Fingernagel abkratzen, erst dann kann man am Holz diese langgestreckten Erhebungen erkennen, nicht durch die Rinde hindurch.
vielen Dank für die Blumen, aber die sind unverdient.
Es ist richtig, die Bestimmung mit Hilfe einer Regionalflora ist immer besser als mit allgemeinen dendrologischen Büchern, die man dann zum Vergleich heranziehen kann.
Was die Striemen anbelangt: Immer die Rinde mit dem Fingernagel abkratzen, erst dann kann man am Holz diese langgestreckten Erhebungen erkennen, nicht durch die Rinde hindurch.
Viele Grüße, Wolfram