Eine mir unbekannte Ahornart

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch in Deutschland oder Europa gesehen, könnt ihn aber nicht bestimmen? Fragt hier einfach danach.

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IWINBOUM
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Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von IWINBOUM » 02 Jan 2020, 18:56

Hallo,

ich habe einige (Ahorn-)Bäume entdeckt, deren genaue Bestimmung mir Probleme bereitet.

Das größte Exemplar (ich habe bisher nur 4 Bäume mit dieser Art Belaubung entdeckt) hat eine geschätzte Höhe von 10-12 Metern und einen Stammumfang von 60 cm, gemessen in 1 m Höhe. Die Laubblätter des Baumes sind 3fach gelappt und gekerbt. Manche Blätter sind nur weinig größer als 1 cm, das durchschnittliche Laubblatt aber ist ca. 3-4 cm lang und breit. Die Herbstfärbung ist gelb, wobei ich den Baum erst entdeckt hatte, als nur noch wenige Blätter am Baum waren (Anfang Dezember). Über das Sommergrün sowie über die Blüte kann ich also noch keine Angaben machen. Samen konnte ich weder am Baum, noch am Boden finden. Es finden sich auch keine Sämlinge bzw. Jungbäume. Korkleisten sind keine vorhanden.
Es ist scheinbar keine der "gewöhnlicheren" mitteleuropäischen Ahorn-Arten. Oder ist es vielleicht eine Unterart / Varietät z.B. des Acer monspessulanum (von dem er sich deutlich unterscheidet, und von dem viele Exemplare dort wachsen)?
Es kann nahezu ausgeschlossen werden, dass diese Bäume angepflanzt wurden, da es sich um einen unwegsamen und felsigen Hangwald handelt, der bis vor wenigen Jahren kaum begehbar war und sich in der Nähe keine Ortschaften oder Gärten befinden. Forstwirtschaft wäre in diesem Bereich lebensgefährlich und wohl aufgrund der beeindruckenden Buchsbaumbestände auch nicht erlaubt. Aber selbst wenn ich annehmen würde er wäre angepflanzt worden, um welche Art bzw. Sorte handelt es sich?

Fundort ist ein trockener, vollsonniger, felsiger Talhang an der Untermosel (Weinbauklima), oberhalb eines Steinbruches in ca. 245 m ü. NHN. Die Bäume stehen in Gesellschaft mit Acer monspessulanum, Buxus sempervirens, Crataegus monogyna, Prunus mahaleb, Prunus spinosa, Viburnum lantana und einigen Sorbus- und Quercus-Arten.

Grüße und Vielen Dank im Voraus
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Habitus
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Borke
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Zweig
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Blattoberseite
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Blattoberseite
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Blattunterseite
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LCV
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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von LCV » 02 Jan 2020, 19:03

Die Blätter sehen etwas nach Acer tataricum subsp. ginnala aus.

Babs
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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von Babs » 02 Jan 2020, 21:18

Hallo,
Die Blätter ja,
Die Knospen erinnern eher an A. crataegifolium.
LG Babs

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stefan
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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von stefan » 02 Jan 2020, 21:46

Nach der Beschreibung des Standortes kann ich mir nur Acer campestre vorstellen, der sehr variable Blätter hat.

Gruß
Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

nobbi
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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von nobbi » 02 Jan 2020, 21:52

Handelt es sich nicht einfach um einen Feldahorn, Acer Campestre?
Nachtrag: Da war ich wohl zu langsam, Stefan ist mir zuvorgekommen :lol: :wink:
Gruß Norbert

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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von JDL » 02 Jan 2020, 22:05

Späte, nicht gereifte Wachstumssprosse können überraschend abweichende Blätter aufweisen...

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bee
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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von bee » 02 Jan 2020, 22:13

Das war jetzt auch meine Vermutung ... im Ernst!
Aber: wie sieht es denn mit den Knospen aus, die Endknospe erscheint mir außergewöhnlich länglich. Farblich könnte es schon passen, aber (vielleicht sieht man es nicht richtig) die Knospenschuppen sollten weißlich bewimpert sein und ein dunkleres Querband haben.
Deshalb hatte ich jetzt noch Knospenbilder verglichen und noch nichts geschrieben hier.

Und eine allgemeine Frage:
inwieweit hybridisieren Acer-Arten in der Natur ... so gut wie gar nicht?
Man liest sehr wenig über Hybriden, wenn, dann irgendwie in Kultur entstanden.

Und noch eine allgemeine Frage:
inwieweit ist es möglich, dass irgendwelche angepflanzten Ahornarten sich über mehrere hundert Meter (oder einen Kilometer oder so) "selbst" aussähen?

Die Samen sind zwar "Propeller", aber sie fliegen doch nicht weit?
Verbreitung durch Vögel kann man auch ausschließen, nehme ich an.

Also kann man davon ausgehen, im naturnahem Umfeld, schon ab ... m Distanz vom Siedlungsgebiet nur einheimische Arten anzutreffen?

Knospenbilder vom Feldahorn:
https://www.baumkunde.de/Acer_campestre/
https://commons.wikimedia.org/wiki/File ... re_sl1.jpg
https://www.baumportal.de/Bilder/styles ... k=D93LlZej
https://www.botanik-bochum.de/pflanzenb ... pestre.htm
Viele Grüße von bee


Spinnich
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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von Spinnich » 02 Jan 2020, 23:16

Der Link von bee enthält schon das "Beweisfoto" :lol: :lol: :lol:
Damit wird die Kompetenz unserer Comunity wieder mal deutlich. :wink:

LG Spinnich :)
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von IWINBOUM » 03 Jan 2020, 11:24

stefan hat geschrieben:
02 Jan 2020, 21:46
Nach der Beschreibung des Standortes kann ich mir nur Acer campestre vorstellen, der sehr variable Blätter hat.

Gruß
Stefan
Ja, Blattvaribialität ist beim A. campestre sehr ausgeprägt, aber als Feldahorn müsste er doch Korkleisten aufweisen, oder?
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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von IWINBOUM » 03 Jan 2020, 11:40

JDL hat geschrieben:
02 Jan 2020, 22:05
Späte, nicht gereifte Wachstumssprosse können überraschend abweichende Blätter aufweisen...
Ja, aber selbst, wenn wir die Blattform aussen vor lassen, bleibt das Problem der nicht vorhandenen Korkleisten (siehe nachgereichtes Foto) und der nicht bewimperten Knospen.

Vielen Dank für den Link auf diese geniale Seite.

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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von IWINBOUM » 03 Jan 2020, 11:58

bee hat geschrieben:
02 Jan 2020, 22:13
Das war jetzt auch meine Vermutung ... im Ernst!
Aber: wie sieht es denn mit den Knospen aus, die Endknospe erscheint mir außergewöhnlich länglich. Farblich könnte es schon passen, aber (vielleicht sieht man es nicht richtig) die Knospenschuppen sollten weißlich bewimpert sein und ein dunkleres Querband haben.
Deshalb hatte ich jetzt noch Knospenbilder verglichen und noch nichts geschrieben hier.

Und eine allgemeine Frage:
inwieweit hybridisieren Acer-Arten in der Natur ... so gut wie gar nicht?
Man liest sehr wenig über Hybriden, wenn, dann irgendwie in Kultur entstanden.


Hallo,

Was die Knospen betrifft, unterscheiden sie sich deutlich durch Form und fehlender Bewimperung von A. campestre. Auch sind sie farblich dunkler. Sie ähneln eher den Knospen von A. monspessulanum, der dort zahlreich wächst.

Was die Hybridisierung bei Acer betrifft, hätte ich auch einige Fragen.
z.B.: Haben wir es vielleicht mit einem Hybrid aus A. campestre und A. monspessulanum zu tun? Ist so etwas möglich?

Grüße

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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von IWINBOUM » 03 Jan 2020, 12:08

LCV hat geschrieben:
02 Jan 2020, 19:03
Die Blätter sehen etwas nach Acer tataricum subsp. ginnala aus.
Ja, etwas...
Das würde doch bedeuten, er wäre angepflanzt worden, oder? Das ist an dieser Stelle mehr als unwahrscheinlich.

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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von IWINBOUM » 03 Jan 2020, 12:27

Babs hat geschrieben:
02 Jan 2020, 21:18
Hallo,
Die Blätter ja,
Die Knospen erinnern eher an A. crataegifolium.
Hallo,

Beim A. crataegifolium haben wir aber ein Problem mit der Blattform. Auch würde das bedeuten, er wäre angepflanzt worden, was nahezu ausgeschlossen werden kann.

Grüße

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Re: Eine mir unbekannte Ahornart

Beitrag von LCV » 03 Jan 2020, 12:38

IWINBOUM hat geschrieben:
03 Jan 2020, 12:08
LCV hat geschrieben:
02 Jan 2020, 19:03
Die Blätter sehen etwas nach Acer tataricum subsp. ginnala aus.
Ja, etwas...
Das würde doch bedeuten, er wäre angepflanzt worden, oder? Das ist an dieser Stelle mehr als unwahrscheinlich.
War nur mein erster Eindruck. Es wird sicher einfacher, wenn Du die Früchte fotografierst.
Falls da nichts mehr am Boden liegt, muss man halt warten. Die Blätter sind bei vielen
Ahornarten sehr variabel, was die Sache erschwert. Evtl. kannst Du die Knospen noch einmal
bei besserer Ausleuchtung fotografieren und auch eine Blattnarbe.

Abgesehen davon, ob nun angepflanzt oder Samen durch Wind dahingetragen wurden, kann
kein Kriterium sein. Ich habe schon mitten im Schwarzwald, fernab der nächsten Siedlung,
Bambus gefunden. Da werfen einige Zeitgenossen ihre Gartenabfälle irgendwo mitten in die
Natur. Manches wird auch absichtlich etabliert, wie gewisse Springkräuter, weshalb es ständig
Auseinandersetzungen zwischen Imkern und Naturschützern gibt.

Hier im Forum berichten auch einige, dass sie im Garten aufgegangene Sämlinge einfach irgendwo
im Wald "auswildern". Ob das dem Förster immer gefällt???

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