Schlehe oder was? --> Prunus spinosa ssp.

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch in Deutschland oder Europa gesehen, könnt ihn aber nicht bestimmen? Fragt hier einfach danach.

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Gorkde
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Schlehe oder was? --> Prunus spinosa ssp.

Beitrag von Gorkde »

Hallo,

ich habe diesen Strauch gefunden und dachte erst, dass es eine Schlehe ist. Allerdings konnte ich keine Stachel finden.

Kann mir wer sagen was es ist und ob giftig oder essbar?
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Schlehe ist gut möglich. Allerdings halten die bis weit in den Winter hinein als "ganze Frucht", so dass ich hier eine Schlehen- Pflaumen- Hybride vermuten würde, da diese Früchte schon schrumpelig sind und auch keine Dornen vorhanden sind.

Schlehen und Pflaumen kreuzen sich bei nahem Zusammen- Vorkommen recht gerne, und dabei können echt leckere Sachen rauskommen wie etwa nur kirschgroße rötliche oder blaue, runde Früchte, die geschmacklich von pottensauer bis richtig leckerem Pflaumengeschmack variieren, mit leicht oder schlecht lösenden Kernen.
Vom Habitus her bilden diese Hybriden meist nur zylindrisch wachsende Büsche mit mehreren Stämmlingen bzw kräftigen stammbürtigen Trieben (anstatt Bäumen oder wuchernden Gestrüppen), und die Früchte halten nicht so lange wie reine Schlehen.

PS: Die Früchte sind grundsätzlich essbar. Ob aber genießbar, muss man bei jeder Pflanze einzeln herausfinden :).

Gorkde
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Beitrag von Gorkde »

Also ich jab woanders auch nen Schlehenbusch entdeckt, der definitiv eine war und da sahen die Früchte genauso aus, zzt. ist es aber auch sehr trocken, daher denke ich das ist der Grund. Ganz oben am Strauch hingen noch welche die normal aussahen, aber unten wo ich das Foto gemacht habe waren alle vertrocknet.

Geschmeckt haben die nicht vertrockneten sehr trocken auf der Zunge, da ich ewig kei Schlehe mehr gesehen habe und sowas ja oft ein Warnsignal ist daschte ich, ich frag mal die Profis.

Pflaumen gibt's glaube ich da direkt in der Nähe nicht, aber Mirabellenbgabs da mal.

Kann das was anderes sein? Oder gibt's nichts giftiges was passen könnte?

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Naja, es werden schon Schlehen sein, ob nun nur zur Hälfte oder vollkommen, genetisch gesehen.
Bezeichnend für Schlehen ist ja das adstringierende, also das "zusammenziehende" am Geschmack. Was anderes, giftiges kommt hierzulande nicht infrage.

Gorkde
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Beitrag von Gorkde »

Klasse, vielen Dank.

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

eindeutig ein Backpflaumenbaum :lol:

Volker

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Prunus coxiteus :D

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Jetzt aber Spaß beiseite. Es kann sich bei der Schlehe um die seltene, sogenannte Hofschlehe handeln. Sie ist auf alten verlassenen Hofstellen oder in Knicks der näheren Umgebung dieser zu finden. Fast Dornenlos, lange Langtriebe, keine sehr dichte Wuchsform und Ausbildung von Fruchtmumien.
Gruß Yogi

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy Yogi,

das klingt aber interessant. Soll das heißen, das wäre eine wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte alte bäuerliche Selektion der Schlehe, die besser zu beernten ist/ war, weil sie keine lästigen Dornen hat? Dann würde es sich ja um quasi uraltes Kulturgut handeln, dass zu erhalten es wert wäre.

Haben die Hofschlehen einen einheitlichen Typ? Kann man sie anhand Laub etc. bestimmen, bzw. von Schlehen- Pflaumenhybriden abgrenzen?
Kannst du mehr darüber berichten?

Gorkde
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Beitrag von Gorkde »

Also das Ding steht am Stadpark direkt an einem Weg, kann älter sein aber mehrere Jahrhunderte vielleicht eher nicht, den Park gibts glaube ich seit 1850 oder so.

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

@ Kiefer,
ich mache aus den Quellen meines Wissens kein Geheimnis. Hierhttp://rzkultur.de/?kat=52&cont=11245 findet man in jeder PDF etwas über die Hofschlehe. Als Abgrenzung zu anderen Sippen dürften wohl die relative Dornenlosigkeit und vor allen die Mumienbildung zählen.
Bei uns gibt es meines Wissens nur den normalen (bedornten) Typ und Mumien sind sehr selten. Auch das Holz wurde und wird wahrscheinlich noch sporadisch geerntet, ein Zeichen das sie nicht gerade selten ist.

@Gorkde,
kannst Du uns vielleicht den Namen der Stadt in der sich der Park befindet verraten?
Gruß Yogi

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Danke, Yogi :)!
Da muss ich mal hier im Dorf kucken, da steht nämlich an einem Hang neben der Straße auch so ein schlehiges Pflaumengewächs, das weder richtig Schlehe noch richtig Pflaume ist.

Gorkde: Klar ist die Pflanze an sich keine Jahrhunderte alt. Da man Obstsorten aber immer durch Klonen weiter vermehrt, kann die Sorte ohne weiteres einige hundert Jahre alt sein.
So wird ein Birnbaum selten älter als 100 Jahre, bestimmte Sorten sind aber seit mindestens 1650 nachgewiesen, oder Apfelsorten von 1565 und dergleichen, wobei kaum ein Apfelbaum älter als 80- 100 Jahre alt wird.

Gorkde
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Beitrag von Gorkde »

Ja, kann ich. Das Foto habe ich in Hamburg Harburg aufgenommen

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Das ist ja nun nicht sehr weit vom südöstlichen Schleswig-Holstein entfernt. Dort sind noch 2 Vorkommen nachgewiesen. Es könnte also möglich sein das irgendwann eine solche Schlehe im Park gepflanzt wurde.
Gruß Yogi

Spinnich
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Schlehe oder was?

Beitrag von Spinnich »

Hallo,

nach meiner Recherche bezeichnet man z.b. in Schleswig Holstein synonym Haferschlehe, Hofschlehe oder Haferpflaume.
Dabei ist die Haferpflaume (Kricke, Wichel) wohl ein Abkömmling von Prunus domestica ssp. insititia (eher mild schmeckend). Mitunter werden wohl auch blaufrüchtige Formen der Zibarte - Prunus domestica ssp. prisca so bezeichnet, die aber herb schmeckt (diese 3 werden mitunter zu einer Sippe zusammengefasst).
Des weiteren gibt es (neben mild schmeckenden Schlehen - Prunus spinosa ssp. moravica) verschiedene adstrigierende, großfrüchtige Hofschlehen-Sorten, die zu Prunus spinosa zuzuorden sind, wie die die Filzige Schlehe Prunus spinosa ssp. dasyphylla und die Großfruchtige Schlehe - Prunus spinosa ssp. megalocarpa:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zibarte
http://forum.planten.de/index.php?topic=43099.30
Zu den verschiedenen Wildformen und Auslesen so wie zu den sytematischen, verwandschaftlichen Verhältnissen der Schlehen, Primitivpflaumen, Edelpflaumen und Kirschpflaumen gibt es eine sehr interessante (pdf)-Übersicht, die -ebenfalls von Peter Schlottmann- etwa die gleichen Informationen liefert wie der Link von Yogibaer (bitte den Link zum Öffnen komplett ohne Anführungszeichen in den Browser kopieren und Enter drücken):
"http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=& ... 2529,d.d2s"
Dort heist es über die Großfruchtige Schlehe - Prunus spinosa ssp. megalocarpa:
"Die langrutige Form ist fast dornenlos, besonders lichtdurchlässig, bildet keine Dickichte und ist deshalb gut bepflückbar. Die Spitze des Stielendes vom Stein verbleibt zwar im Körper, lugt aber ein wenig schräg heraus. Reife Früchte bilden Mumien bis Ende II. Sehr selten in „verlassenen“ Stellen alter Höfe und „ungepflegter“, hofnaher Knicks."...
Besonders interessant fand ich dort folgenden Hinweis: "Die regulär tetraploide Schlehe (2n = 4 × 8 = 32) und die regulär diploide Kirschpflaume (2n = 2 × 8 = 16) sind nach CRANE & LAWRENCE (1934) im Sinne eines Additionsbastardes die vermutlichen Stammeltern der hexaploiden Urpflaume (2n = 48) (HANELT 1997). Auch spätere spontane sowie künstlich erzeugte Kreuzungen zwischen Schlehe und Kirschpflaume von RYBIN (1936) bestätigen diese Vermutung. Dagegen zeigen molekularbiologische Untersuchungen von REYNDERS & SALESSES (1991) in STÖSSER (1999), dass wahrscheinlich nur ein mutiertes Genom von Prunus spinosa in Prunus domestica enthalten ist. WOLDRING (2000) hält die Krieche in der „schwarzblauen Form“ nicht nur für einen direkten Abkömmling der Schlehen, sondern im Wesentlichen auch für den Vorläufer aller großfruchtigen Kulturpflaumen."... :roll:

Gruß Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

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