Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

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Palme
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Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Palme »

Hallo Baum-Forum,
diese Linde wurde jetzt lokalisiert und wartet auf den ersten Besucher.
Die Koordinaten sind im Register.
Ein Foto gibt es auch schon.
🌲Bäume🌳messen, pflegen und fotografieren ist ja ganz schön, aber man sollte sie auch verstehen :!:
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haderer1999
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von haderer1999 »

Eine mutige Aussage: "Der Weg führt an der 900 Jahre alten Linde vorbei ! " :? :?:
Grüße
haderer

Palme
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Palme »

Hallo Baum-Forum,
diese 900 Jahre alte Gerichtslinde habe ich besucht.
Der alte Baum ist verbolzt, verseilt, vielstämmig und mit einer Hecke umringt.
Durch die Hecke kann man nicht so einfach gute Fotos machen.
Aber man kann rumlaufen und BHU 6,20m messen.
Hat Spass gemacht.
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Klaus Heinemann
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Klaus Heinemann »

Der alte Baum ist verbolzt, verseilt, vielstämmig und mit einer Hecke umringt.
Hallo Martin,

eine spannende Frage für mich ist, ob diese "Vielstämmigkeit" vielleicht Adventivwurzeln sind, die nun Teile des Stammes bilden (Foto Nr. 3) ?
Wenn die Ansage 900jährig auch nur annähernd stimmen sollte, könnte das nicht der ursprünglich Stamm sein.

Gruß Klaus
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Palme
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Palme »

Hallo Klaus,
zunächst wußte ich nicht was Adventivwurzeln sind bis ich es gegoogelt habe.
Wahrscheinlicher erscheint mir, dass es alte Wasserreiser sind.
Vielleicht kann ja der nächste Besucher noch was dazu sagen.
VG von unterwegs
Martin
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Klaus Heinemann
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Klaus Heinemann »

Hallo Martin,

bei der Linde in Bad Liebenstein kann man im offenen Stamm ganz gut erkennen, wie das geht.
Die einzelnen Gebilde enstehen im hohlen Innenraum und entwickeln sich bei Bodenkontakt zu dickeren Stämmlingen,
die dann auch miteinander verschmelzen. Eine Erneuerung von innen quasi.

Gruß Klaus
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biloba
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von biloba »

Palme hat geschrieben:
07 Mai 2020, 16:38
Wahrscheinlicher erscheint mir, dass es alte Wasserreiser sind.
Kannst Du Dir vorstellen, dass Wasserreiser nach oben wachsen und sich anschließend oben in die Krone einwachsen? Ich nicht.

Gibt es ein Foto, welches den oberen Beginn der Wurzeln/Reiser genauer zeigt?


Verwurzelte Grüße!

Palme
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Palme »

Klaus Heinemann hat geschrieben:
07 Mai 2020, 19:18
der Linde in Bad Liebenstein kann man im offenen Stamm ganz gut erkennen, wie das geht.
Vielen Dank Klaus, jetzt verstehe ich das besser.
Dein Denkansatz erscheint mir sehr logisch.
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Palme
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Palme »

biloba hat geschrieben:
07 Mai 2020, 21:00
Kannst Du Dir vorstellen, dass Wasserreiser nach oben wachsen und sich anschließend oben in die Krone einwachsen? Ich nicht.
Ich habe bereits Linden gesehen, bei denen man armdicke Wasserreiser weggeschnitten hat. Und wenn man derartige Wasserreiser gezielt wachsen lässt, dann übernehmen sie den Mutterbaum. Bei der Gerichtslinde müsste man gezielter hinschauen ob ein alter Baum im Kern erkennbar ist. Interessant ist es jedenfalls allemal.
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biloba
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von biloba »

Palme hat geschrieben:
08 Mai 2020, 11:09
Ich habe bereits Linden gesehen, bei denen man armdicke Wasserreiser weggeschnitten hat. Und wenn man derartige Wasserreiser gezielt wachsen lässt, dann übernehmen sie den Mutterbaum.
Ist so etwas möglich? Immerhin geschieht das dann in einer Höhe, in der die Bewegungen der Baumkrone durch Wind eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Armdicke Wasserreiser sind mir durchaus plausibel, aber nicht deren Einwachsen in eine vorhandene Baumkrone, während sie dem Wind ausgesetzt sind.

Zum Vergleich kannst Du ja mal fragen, wie gut zwei Stück Holz zusammenwachsen, wenn man versucht, irgendein Gehölz zu veredeln. Und Du kannst mal nachfragen, wie sich Bewegungen an der geplanten Veredlungsstelle auf den Erfolg der Veredlung auswirken würden. Wie würde es sich auswirken, wenn man darauf verzichten würde, die Rinde an den Verwachsungsstellen zu entfernen?


Der Baum kann aber problemlos Adventivwurzeln aus der Krone nach unten treiben. Diese verankern sich irgendwie im Erdreich und können anfangen, den Baum zu versorgen. Jetzt müssen sie nur noch wachsen und wachsen, bis keine Zwischenräume mehr drin sind. Zur Seite können sie nicht mehr ausweichen, Wind spielt auch keine Rolle mehr, denn die Wurzeln sind ja im Boden eingewachsen.
Aber die Berührungsstellen kann man dauerhaft schön deutlich bis zum Erdboden sehen. Eine Verwachsung erfolgt dort nicht. Wozu auch? Auch auf Deinen Fotos ist das gut zu erkennen. Dieses Szenario wäre für mich wesentlich plausibler. Aber ich bin kein Botaniker. Eventuell meldet sich mal ein Fachmann hier zu Wort.

Palme hat geschrieben:
08 Mai 2020, 11:09
Bei der Gerichtslinde müsste man gezielter hinschauen ob ein alter Baum im Kern erkennbar ist. Interessant ist es jedenfalls allemal.
Darum würde ich bitten. Bei der nächsten Gelegenheit könnte ja mal fotografiert werden, wie der Kronenansatz aussieht.



Neugierige Grüße!

Palme
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Palme »

biloba hat geschrieben:
08 Mai 2020, 17:29
Bei der nächsten Gelegenheit könnte ja mal fotografiert werden, wie der Kronenansatz aussieht.
Bin ganz deiner Meinung und bestehe auch nicht auf meine Theorie mit den Wasserreisern.
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Klaus Heinemann
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Klaus Heinemann »

Hier noch ein Nachtrag zu der Eigenart der Linden, sich von innen heraus zu erneuern.
Nicht nur bei der Hohenbodmaner Linde wird das Thema erwähnt -
mit Adventivwurzeln von 1 m Durchmesser im Innern des verrottenden Stammes,
dort wird zitiert: Ludwig Klein: Bemerkenswerte Bäume im Grossherzogtum Baden. 1908.

„der Baum hat eine Höhe von ca. 26 m und einen Stammumfang von 9,40 m! In der Höhe von ungefähr 3 m über dem Boden gabelt sich der Stamm in drei sehr starke Äste. Der Stamm ist hohl, und zwar gründlich, mit großem Spalt auf der Nordseite; die solide Schale des Stammes (Holz und Rinde) ist durchschnittlich nicht dicker als 25 cm. Die erforderliche Standfestigkeit, mit welcher der freistehende, seit Jahrhunderten hohle Baum so vielen und gewiß wiederholt auch außergewöhnlichen Stürmen aufs erfolgreichste getrotzt hat, verdankt der Stamm wohl dem Umstande, daß in die geräumige Stammhöhle mächtige Luftwurzeln hereinwachsen, eine bei alten, hohlen Linden gar nicht seltene Erscheinung. An den Überwallungsrändern ehemaliger Stammrisse und anderer ‚durchgreifender‘ Verletzungen des hohlen Stammes, wie solche hier mehrfach zu sehen sind, bilden sich Adventivwurzeln, die durch den mit Mulm erfüllten Hohlraum allmählich in den Boden wachsen, mit der Zeit mehr und mehr erstarken und schließlich teilweise miteinander sowie mit dem Stamme selbst verwachsen. Die stärkste dieser Luftwurzeln hat über 1 m Durchmesser, eine zweite etwa 40 cm!“

Bei Michel Brunners "Bedeutende Linden" ist von S.320-324 unter Pflege und Rehabilitation von alten Linden eine erstklassige Erläuterung mit Fotos zu Adventivwurzeln, Wasserreisern und Stockausschlägen zu finden.
Zitat:
"Die Wissenschaft über die Pflege alter Linden steckt noch in den Kinderschuhen. Sachgerechtes und umfangreiches Wissen über alte Linden und auch andere Baumarten ist beängstigend rar. Viele Fachleute kennen beispielsweise den Nutzen einer Adventivwurzel nicht. Es fehlen Vergleiche mit anderen, gleich alten Exemplaren, deshalb werden alte Bäume, die meistens hohl sind, einfach als krank und gefährlich eingestuft..."

Er kennt Adventivwurzeln, die sich aus bis zu 10 m Höhe abgesenkt haben, bei einem Umfang von bis zu 4 m.
Die Nährstoffe der durch Pilze abgebauten Stamm-Masse, die in den hohlen Innenraum rieselt, wird von den Adventivwurzeln genutzt,
um geschwächte und erhaltungswürdige Stellen des Baumes gezielt zu unterstützen.

Ein absolut faszinierendes Thema, das mich schon lange fesselt, wie man an meiner langen Antwort ahnen kann...
Wer gern Details von Brunners Beschreibung haben möchte, kann sich per PN bei mir melden.

Gruß Klaus
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Baobab
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Baobab »

Bei Baumsanierungen wird (oder wurde) doch oft verrottetes Material aus dem Stamm entfernt, damit es trocknen kann. Das wäre also vollkommen kontraproduktiv, weil diese Adventivwurzeln sonst sich nicht mehr bilden würden, oder?

Palme
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Palme »

Hallo Klaus,
das ist ja wirklich ein sehr interessanter Beitrag.
Hätte ich nicht für möglich gehalten.
Demnach ist es auch widersinnig den holen Stamm mit Beton auszugießen.
Bei den nächsten holen Linden werde ich besonders darauf achten und ggf. auch berichten.
Das Thema werde ich nicht so schnell vergessen.
Vielen Dank.
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Klaus Heinemann
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Re: Gerichtslinde in Neuenrade Register-Nr.: 463

Beitrag von Klaus Heinemann »

Das wäre also vollkommen kontraproduktiv, weil diese Adventivwurzeln sonst sich nicht mehr bilden würden, oder?
Hallo Baobab,

bilden würden sie sich schon, sie kommen ja von oben - und sie würden auch weiter in den Boden vordringen, den Baum versorgen und festigen.
Die Linde verfolgt ihre Erhaltung mit eigenen Mitteln und anscheinend nach einem gut funktionierenden "Plan".
Der Rückbau des mächtigen, alten Stammes in hohem Alter, mit Wiederverwertung und Neuaufbau scheinen kein Zufall zu sein.

Gruß Klaus
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