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Re: Linde in Schenklengsfeld, Register-Nr.: 1598
Verfasst: 13 Mär 2021, 15:51
von Rainer Lippert
Hallo Wolfgang,
gibst du uns noch etwas mehr Informationen? Wie wurde denn das Alter bestimmt? Anbohren geht ja bei einem vermeintlich geteilten Stamm schlecht. Und für die C14-Methode fehlen auch die ältesten Holzteile.
Grüße,
Rainer
Re: Linde in Schenklengsfeld, Register-Nr.: 1598
Verfasst: 13 Mär 2021, 22:23
von baumlaeufer
Es geht nicht um Jahresringsauswertung und c 14 Methode.
Auzug:
Es muss sich also bei ihren heutigen Dimensionen um die Wiederaustriebe von früheren Wiederaustrieben des ursprünglichen Baumes handeln – somit sind dies heute die mindestens dritten oder sogar vierten Stammfußaustriebe der Nachfolge-Schösslinge des ursprünglichen Baumes.
Als Vergleich wird die Kaditzer Linde herangezogen, die nach einem Bild vor dem Brand 1818 ca 15 Meter Stammumfang gehabt haben soll Zitat :
Dies erklärt seine heutige nur noch annähernd halbrunde Stammform, mit einem Umfang von 7,60 m in 1,2 m Stammhöhe – wenn man um den noch existierenden, vollkommen separat stehenden, noch lebenden Stammrest mit herum misst: 10,50 m. Diese Linde hat ihr vormals hohles Stamminneres durch Innenwurzeln teilweise kompensiert, die inzwischen zu Stammteilen mit Rinde geworden sind und stammaufwärts Wasser und Nährstoffe transportieren. ...... Damit wäre bereits um 1800 ein Alter von etwa 600 anzunehmen gewesen, also heute etwa 800 Jahre (mit Unsicherheitsbereich 700 bis 900 Jahre). Somit ist die Kaditzer Linde sicher älter als die Linde in Schenklengsfeld, und es gibt viele solcher zumindest in Teilen erhaltenen Linden mit ähnlichen Dimensionen von etwa 10 m Stammumfang in Deutschland: etwa 70 Exemplare (nach Brunner 2007, www.championtrees.de und eigenen Erhebungen). Somit ist die Linde in Schenklengsfeld vom Alter her nichts Besonderes, vom Kulturwert und ihrer Kronengröße und Astleitung her allerdings schon sehr außergewöhnlich
Ausschnitte Taspo 1 2021 Die Frage des Alter(n)s von Prof Dr. Andreas Roloff
Baumlaeufer
Re: Linde in Schenklengsfeld, Register-Nr.: 1598
Verfasst: 14 Mär 2021, 14:23
von Klaus Heinemann
von früheren Wiederaustrieben des ursprünglichen Baumes
diese wissenschaftliche Sichtweise von Prof. Roloff habe ich schon bei anderer Gelegenheit gelesen.
Danach wird (wenn ich es richtig verstehe) nur das Alter des jeweiligen Austriebes gerechnet.
Für mich ist aber der
Gesamtbaum immer noch so alt wie sein Wurzelstock, der vor dem Jahr 760
aus seinem Samen entstanden ist. Ein uralter Baum mit vielleicht 300 Jahre alten Austrieben.
Für diese Austriebe hat er zum Teil die eigene Körpersubstanz des verrotteten Stammes wiederverwertet,
und erschafft daraus die fehlenden Teile immer wieder neu - wie Phönix aus der Asche.
Gruß Klaus
Re: Linde in Schenklengsfeld, Register-Nr.: 1598
Verfasst: 14 Mär 2021, 22:25
von Baobab
Also so ähnlich wie bei Old Tjiokko, dem ältesten Baum der Welt, der seit über 9‘500 Jahren immer wieder austreibt.
Re: Linde in Schenklengsfeld, Register-Nr.: 1598
Verfasst: 15 Mär 2021, 00:47
von baumlaeufer
Baobab hat geschrieben: ↑14 Mär 2021, 22:25
Also so ähnlich wie bei Old Tjiokko, dem ältesten Baum der Welt, der seit über 9‘500 Jahren immer wieder austreibt.
Und genau an der Stelle ist mir Prof. Dr Roloffs Altersbestimmung sehr " symphatisch", indem er eine solche Altersmessung aus seiner Sicht nicht gelten lässt. Es zählt bei ihm das gewachsene Holz , nicht der Wurzelstock. MeToo ! Lang leben
die Grannenkiefern, unendlich lang. Da kommt kein mickriger Auswuchs eines Wurzelstockes dran !
Baumlaeufer
Re: Linde in Schenklengsfeld, Register-Nr.: 1598
Verfasst: 15 Mär 2021, 10:30
von Rainer Lippert
Du sagst, bei ihm zählt das gewachsene Holz. Das mit den maximal 300 Jahren bei der Schenklengsfelder Linde mag stimmen. Ich glaube aber nicht, dass man bei der Kaditzer Linde Holz findet, dass 800 Jahre alt ist. Das die Linde selbst 800 Jahre alt ist, glaube ich wiederum schon. Aber bereits bei der Brandkatastrophe 1818 war der Stamm hohl, wie eigentlich alle Artgenossen dieser Größe und Alters. Die ältesten Holzteile waren also schon lange Geschichte. Heute ist der Stamm gespalten und besteht nur noch aus zwei Stammfragmente. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da irgendwo Holz gibt, dass vor 800 Jahren gewachsen ist.
Grüße,
Rainer