Man sollte aber nicht jedem "Gestrüpp" den Zugang gewähren. Sonst werden wir mit Holunder usw. überschwemmt. Dieser eine mit der an Olivenbäume erinnernden Wuchsform ist durchaus ok. Aber ansonsten sehe ich das noch nicht mal als Baum an. Dann kommt der nächste mit einem Flieder daher. Sicher könnte man auch mal einen ganz außergewöhnlichen finden, aber das wäre dann eben die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Frank, für mich sind alte Eichen bald nur noch "Gestrüpp", wie Du es nennst, weil sie an beinahe jeder Ecke vorkommen- für mich langsam absolut nichts ungewöhnliches mehr! Eindrucksvoll, altgediente Veteranen, das immer noch- aber bei weitem nicht außergewöhnlicher langsam als all die erst nach dem zweiten Weltkrieg gepflanzten Gehölze, die sicher 80 % der heimischen Flora ausmachen... Und nun?
Weißt Du, gerade wegen Deiner Einstellung "ist ja nur Gestrüpp" kuckt kein Mensch genauer hin, wenn es sich nicht gerade um einen Baum wie eine Wand handelt...
Das ist haargenau der falsche Ansatz, der dem Volk unter Garantie nicht die verdiente breite Wahrnehmung der Natur nahebringt!
Alle anderen Gehölze außer Eichen und Linden haben nicht diesen gewissen Sonderbonus des "deutschen Baums" und des verlässlichen "Veteranentums"- das sieht man ua daran, dass selbst erst 300jährige Eichen vollmundigst als "1000jährige Eiche von Soundso" tituliert werden. Das glauben die Leute dann auch noch, weil an sich null Ahnung von der Materie, und weil man ja als Mensch das Exklusive liebt (ist nun mal so...), ist alles andere völlig nebensächlich und wird ohne mit der Wimper zu zucken weg gemetert- und sei es ein zB 200jähriger Feldahorn, der aber weiiiiit nicht so viel hermacht wie eine gleichaltrige Eiche oder Linde...
Und Großsträucher/ Kleinbäume haben noch nicht mal den Baum- "Bonus", und werden entsprechend noch viel gedankenloser und zahlreicher nieder gemacht.
Aufgrund dessen wird es UNTER GARANTIE nicht zur "Überschwemmung" durch Holunder und Co. kommen, weil die einfach kein Mensch beachtet!
Und selbst wenn ausschließlich ich sowas einstelle, so zeigt diese Maßnahme doch unsere Weltoffenheit hier im Forum, und das wir hier eben nicht, Achtung- Berlinerismus!!!- den deutschtümelnden Stock im Arsch haben (~ ausschließlich über die deutsche Steifheit verfügen...), der auf seinen paar auserwählten Sachen thront und alles andere wie von einem Schutzschild abprallen lässt...
Dabei ist ein 120 cm umfangender Holunder zwar vielleicht erst 40 Jahre alt, sticht aber genau so aus der Masse seiner Art heraus wie eine 300jährige Eiche aus der Masse ihrer Art.
Und sowas hat zur Kenntnis genommen zu werden und gezeigt zu werden, damit die Leute sich eben
nicht mehr veräppelt vorkommen wenn man ihnen einen Acer negundo als Ahorn verkaufen will.
Durch alte Veteranen, egal welcher Art, lernen die Leute die Arten erst kennen, weil zumindest die alten, herausstechenden das Interesse erwecken, und ein "Gestrüpp", dass es wert ist, in einem Register für alte Bäume/ Gehölze zu stehen- Parrotien zB sind ja auch keine Bäume, sondern per definitionem Gestrüpp, womit aber die stärkste mit fast 3 m dennoch der deutsche Champion ihrer Art ist- das erregt garantiert Aufmerksamkeit.
Und dient somit dem eigentlichen Sinn und Ziel unseres Forums (denke ich mir jedenfalls so...), der Bevölkerung den Reichtum und die Vielfalt der Gehölze nahe zu bringen und ihr Interesse dafür zu wecken, die allgemeine Gleichgültigkeit und Ahnungslosigkeit zumindest ansatzweise zu beseitigen.
Klar, Spiräen, Hortensien (außer Kletterhortensien vllt.), Strauchpäonien, wirkliches Gestrüpp also, das braucht hier kein Mensch einzustellen. Schon bei Wildrosen (Rose am Hildesheimer Dom...), Schlehen (die ja nun der Inbegriff des "Gestrüpps" sind) etc. fängt das aber schon an...
Alles außer diesem kaum mal dicker als 5 cm werdenden Zeugs hat das Zeug zu besonderen Veteranen, und sei das nur so was sau- und hundsgewöhnliches wie ein Faulbaum, der aber mit 31 cm Umfang, oder eine Öhrchenweide, die aber mit 59 cm Umfang- von deren Populationen die weit, weit dünneren den ganz überwiegenden Anteil stellen und meist nicht mal alt genug werden, um auch nur 15 cm Umfang zu erreichen...
Meine Öhrchenweide mit 59 cm Umfang ist laut DDG (deren Kompetenz in der Sache wohl niemand in Frage stellen wird...) um die 175 Jahre alt. Klar, das ist lächerlich wenig in allgemeinen Maßstäben, aber man muss nur mal seinen Maßstab ein bisschen justieren, dann erkennt man sofort, was auch hier für ein besonderes Schätzchen vor einem steht!
So eine Weide, auch wenn nur als minderwertiges Gestrüpp abgetan, ist für ihre Art genau das gleiche wie die Fehme- Eiche in Erle für ihre Art und damit eine herausragende Gestalt- nichts anderes- und damit dringend aufnehmenswert, wenn die allgemeine Vitalität das noch angeraten erscheinen lässt...
Man muss den Blick der Menschen auch auf das kleine und unscheinbare lenken, ansonsten brauchen wir uns absolutamente nicht zu beschweren, wenn die Menschheit der Natur gegenüber immer ignoranter und gleichgültiger wird, ehrlich!