Kleine Frage

Diskutiere über alte und bemerkenswerte Bäume, die Du gesehen oder fotografiert hast. Hier kannst Du auch Fragen zum Baumregister stellen.

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Andreas75
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Kleine Frage

Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Ich will nicht (!) stänkern, nur mal fragen, weil sich langsam so der Eindruck aufdrängt- richtet Ihr Euer Augenmerk denn eigentlich auch noch auf was anderes als die inzwischen ewig gleichen Eichen, Linden und Buchen?

Wozu habe ich mir denn Wolfgangs Zorn eingehandelt und biegt der sich jetzt einen ab, um einen gattungsumfassenden Maßstab zu erstellen, wenn hier scheinbar nur noch Eichen, Eichen, Eichen, Linden, Linden, Buchen und Eichen eingestellt werden?
Hat denn unsere Natur nix anderes zu bieten, oder ist es viel einfacher, einfach aus Büchern abzulesen und ansonsten nach den dicksten Kaventsmännern mit entsprechender Silhouette Ausschau zu halten?

Wie gesagt nicht provokant gemeint, es interessiert mich wirklich, weil es hier nämlich so laaaangsam anfängt, öde zu werden- ich finde, die Welt, sogar die deutsche, besteht noch aus erheblich mehr als Eichen, Eichen, Eichen, Linden, Linden, Buchen und Eichen...
Ist doch langweilig, dieses ausschließliche, was sich hier in den letzten Monaten so verbreitet... Oder nicht :(?
Wurde dafür das Baumregister geschaffen? Hätte man's dann nicht lieber gleich "Eichen. Linden-, und Buchenregister" nennen sollen. Oder sollte es dahinein umbenennen?
Wo ist der dendrologische Pioniergeist hin, oder zählen andere Arten außer die "Big Six" (Stiel- und Traubeneiche, Sommer- und Winterlinde, Rotbuche und Esche) nichts mehr?
Raus in die Gegend, auf die Kirchhöfe/ Friedhöfe und in die Naturschutzgebiete und gesucht- ich habe am Samstag in der Wahner Heide (wo ich die Boxhohn- Eiche absichtlich links liegen ließ, Revoluzzer ich...) erst eine Vogelkirsche mit 365 cm BHU gemessen.
Ist nach der Champions Tree List die viertstärkste Deutschlands... Oder eine Aschweide (Salix cinerea) mit 70 cm Umfang auf 20 cm Höhe- da ist in der CTL nur eine gelistet, mit 38 cm- meine ist also vorläufig die weitaus stärkste in Deutschland.
Was sind bei Eichen, Linden oder Buchen noch für Neuerungen in dieser Richtung zu erwarten?
Oder ist man mit denen wenigstens auf der sicheren Seite, liegt niemals falsch, wenn über 5 m dick?

Fragt neugierig, den Artenreichtum liebend,
Andreas
Zuletzt geändert von Andreas75 am 08 Jun 2015, 20:18, insgesamt 2-mal geändert.

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo Andreas,

da ich ein ausgesprochener Eichenfreund bin, liegt es zumindest bei mir in der Natur, dass ich eher eine Eiche als eine andere Baumart vorstelle. So hat wohl jeder seine Baumart als Vorliebe. Welche Arten sind es bei dir? Und sind diese Bäume schon alle im Register?

Viele Grüße,

Rainer

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Tja, Rainer, ich dachte, Du freust Dich, dass ich auf Monumental Trees aktiv werde...
Ich liebe die Artenvielfalt, Eichen, Linden und Buchen eingeschlossen, aber nicht ausschließlich diese. Wie ich hier so mitbekommen habe, sind dicke Eichen ab 5 und unter 7 m Umfang doch ehrlich nichts besonderes in Deutschland, ebenso Linden ab 4 und unter 6 m...
Warum also da so hinterher sein, wenn die absoluten Rekordler doch schon lange bekannt sind? Wozu die 1000ste Eiche im 5- 6 m- Rahmen?

Ich sehe das auch vor dem Hintergrund des exklusiven... An und für sich sind alte, dicke Eichen ja was hoch exklusives, dem stimme ich auch zu. Aber ist das nicht wie im wahren Leben?
Wenn was selten ist, begehren es die Leute, wollen es sehen, fühlen, spüren... Was aber ist noch begehrenswert daran, wenn es davon tausende gibt, die überall, fast um die nächste Ecke, greifbar sind?
Bewundernswert, jedes einzelne Individuum, immer noch, ganz klar- aber nicht besonderer als irgendein anderes Gehölz, das zu allermeist nicht über den Kultstatus von zumindest Eiche und Linde verfügt und darum viel seltener die Chance hat, sein wahres Potential zu entfalten, wie es eine Eiche oder Linde kann, um die sogar Kurven in sonst schnurgerade Straßen gebaut werden- alles andere hätte man einfach beseitigt und fertig.

Ins Register stelle ICH jedenfalls nicht mehr eine Stieleiche oder heimische Linde, und Buchen. außer es sind wirklich seltene Kracher, wenn die noch nicht bekannt sind- sondern nur alles andere in Raritäten, worauf ich mit meiner Änderung der Maße so ein bisschen abzielte- Förderung des Artenreichtums im Register...

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stefan
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Re: Kleine Frage

Beitrag von stefan »

Hallo Andreas,
Kiefer hat geschrieben: ... Wurde dafür das Baumregister geschaffen? ...
das ist die entscheidende Frage!

Eine Kopie oder zweite Version der Championtrees brauchen wir nicht. Ein Exot, der mit 50 cm Umfang 'was besonderes ist, aber außer dem Spezialisten niemandem auffällt, ist dort gut untergebracht, den brauchen wir hier m.E. nicht.

Hier geht es - aus meiner Sicht - um auffällige Baumgestalten, alt-ehrwürdige Bäume, Bäume nach denen auch ein interessierter Laie schaut ... - und das sind in Deutschland vor allem Eichen und Linden; deshalb erscheinen sie hier überrepräsentiert.
Es soll kein Eichrenregister sein, ganz klar, aber unter den bemerkenswerten Bäumen sind sie eben (unverhältnismäßig) stark vertreten.
Der (scheinbar) zu große Anteil einzelner Arten ist aber für denjenigen, der mit verschiedenen Filterfunktionen sucht (die sind auf jeden Fall noch ausbaufähig!): nach Region, nach Art, nach Größe, ... blendet einfach das aus, was er nicht sehen will; und wenn er dabei 1000 Eichen ausblendet - oder umgekehrt 1000 Eichen bekommt: das bleibt sein Privatvergnügen.

Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Aha, danke Stefan.
Dann ist das hier also quasi als "Brot für's Volk" gedacht? Das finde ich für den sonstigen Anspruch unseres Forums zwar etwas zu simpel, aber gut, wenn es das ist, dann kann ich mit der Antwort leben und wäre mit meinen "Underdogs" ja völlig fehl am Platze.
Danke für den Hinweis!

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Andreas,

es ist eine schwierige Frage, die Du hier aufwirfst. Und ich bin Dir dankbar, dass Du sie zur Diskussion stellst. Ginge es nach mir, so wäre das Kriterium, ob der Baum ein würdiges Ziel darstellt, knipsende Japaner anzulocken. Also ob er für dendrologisch interessierte Leute ein lohnendes Wander/Ausflugsziel darstellt. So kam ich bereits mehrmals an diesem Baum vorbei, doch erst seitdem ich diesen Registereintrag zur Kenntnis genommen habe, habe ich ihn bewusst angesehen. Erst dann habe ich realisiert, dass es sich um ein außergewöhnliches Exemplar handelt.
Und Andreas, Du kannst mir glauben, dass Wolfgang auf unserer Tour durch Ostthüringen zwei Eichen fürs Register abgelehnt hat, weil es nur "Zahnstocher" wären.
Kiefer hat geschrieben:Hat denn unsere Natur nix anderes zu bieten, oder ist es viel einfacher, einfach aus Büchern abzulesen und ansonsten nach den dicksten Kaventsmännern mit entsprechender Silhouette Ausschau zu halten?
Du sprichst mir aus der Seele! @Wolfgang und alle anderen: Wir sollten das Register auch für außergewöhnliche Exemplare von kleineren Arten öffnen!

Aber Leute wie meinereiner sind einfach nicht in der Lage, derartige Raritäten zu finden. So bin ich stolz darauf, einen relativ imposanten Hedera helix für das Register aufgestöbert zu haben. Aber was kannst Du sonst noch von mir erwarten? Dazu braucht das Register Fachleute wie Dich, Andreas!
Ich wäre allerdings ein sehr dankbarer Konsument eines mit kleineren Arten gefüllten Registers.


Die "Big Six", die Du hier nennst, sind nun einmal in unserem Lande dominierend und obendrein leicht zu finden. Es ist demnach kein Zufall, dass sie auch das Register dominieren. Egal, ob es Dir passt oder nicht, allein deshalb werden sie immer das Register dominieren.


Um dem Register zu helfen, die Sache zu entkrampfen und den (relativ konstruktiven) Streit ein wenig zu entschärfen, schlage ich vor, eine Sonderregelung in die Maßstäbe einzubauen:
"Ein Mindestmaß entfällt für alle Gehölzarten, von denen weniger als 5 (über die konkrete Anzahl kann man diskutieren.) Exemplare im Register stehen." Damit wäre automatisch die Türe für die von Dir genannten Raritäten geöffnet, ohne dass wir uns vorausschauend über Mindestmaße von irgendwelchen noch nicht eingetragenen Bäumen die Münder zerreißen müssen. Andererseits ist nicht zu befürchten, dass irgendein Efeu-Liebhaber das Register mit Efeu-Eintragungen flutet.

Wenn wir über diesen Vorschlag diskutiert haben, hätte ich noch einen zu bieten.


Konstruktive Grüße!

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo Andreas,

klar freue ich mich, dass du bei Monumentaltrees aktiv wirst. Vor allem erhoffe ich mir, dass da dann auch etwas seltenere Arten den Einzug finden. Denn dort wird auch überwiegend Eichen, Linden und vor allem Mammutbäume registriert. Ursprünglich war es ja eine reine Mammutbaumplattform. Erst später kamen die anderen Arten dazu.

Also ich sehe es hier etwas anders. In der aktuellen Baumliteratur werden erst Eichen ab etwa 7,5 m Umfang behandelt. Also jetzt das Deutsche Baumarchiv. Fröhlich führt auch dünnere Bäume auf, ist aber schon 20 Jahre alt und die Maßangaben sind nicht immer zuverlässig. Das Baumarchiv ist also das Maß der Dinge. Eichen zwischen 6 m und etwa 7,5 m Umfang werden demnach in der Literatur nicht behandelt. Und hier haben wir hier in Baumkunde die Chance, auch diese Bäume den gebührenden Platz zu geben.

Viele Grüße,

Rainer

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Klaus Heinemann
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Beitrag von Klaus Heinemann »

Hallo zusammen,

man kann auch erst einmal ganz pragmatisch vorgehen, indem man das "Grundgerüst" des Registers mit Leben füllt.
Nämlich alle Einträge ohne Fotos und Daten - oft eben Eichen und Linden.
Das hat auch historisch-religiös-kulturelle Gründe...
Ohne ein solches, gutgeführtes Grundgerüst fehlt einem Register (egal was für einem) die Attraktivität für viele interessierte Besucher.

Mit der Zeit kann sich das Register weiterentwickeln, aber momentan ist es nach meiner Einschätzung noch in einer frühen Phase der Entwicklung.
Da müssen noch möglichst viele Begeisterte (auch weiterhin) Zeit, Mühe und Leidenschaft investieren.
Vielleicht sollte ein Experte regelmäßig eine Baumart "zur Fahndung ausschreiben" mit Steckbrief und Hinweisen, quasi als Ansporn und sportlichen Wettbewerb.
Auch ich gebe zu, dass ich mangels Wissen wohl an der einen oder anderen Rarität vorbeilaufe...



Schöne Grüße
Klaus

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Das ist eine gute Idee, sozusagen einen Baum des Monats zur Fahndung auszuschreiben- in dem Falle, wer den dicksten findet. Klingt gut.

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Chris Gurk
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Beitrag von Chris Gurk »

biloba hat geschrieben:... schlage ich vor, eine Sonderregelung in die Maßstäbe einzubauen:
"Ein Mindestmaß entfällt für alle Gehölzarten, von denen weniger als 5 (über die konkrete Anzahl kann man diskutieren.) Exemplare im Register stehen."
Die Idee finde ich gut und kann meines Erachtens auch mit aufgenommen werden.

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Chris Gurk
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Beitrag von Chris Gurk »

Klaus Heinemann hat geschrieben:
Vielleicht sollte ein Experte regelmäßig eine Baumart "zur Fahndung ausschreiben" mit Steckbrief und Hinweisen, quasi als Ansporn und sportlichen Wettbewerb.
Auch diese Idee finde ich gut.

Viele Grüße
Chris

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LCV
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Beitrag von LCV »

Zitat Stefan: ... blendet einfach das aus, was er nicht sehen will; und wenn er dabei 1000 Eichen ausblendet - oder umgekehrt 1000 Eichen bekommt: das bleibt sein Privatvergnügen.

Hier muss ich mal einhaken.

Die Wahl der Baumart ist absolut unpraktisch und für Laien erst recht.

Eine alphabetische Liste der deutschen Namen mag ja für den Laien besser sein als eine der botanischen Namen. Aber selbst wenn man beiseite lässt, dass es für manche Bäume in Deutschland 25 verschiedene Namen gibt und damit der Laie, je nach Region, mit dem hier verwendeten Namen nichts anfangen kann, ist die Anordnung falsch. Wer sucht schon eine Esche unter G, nur weil die als Gemeine Esche eingeordnet wurde?

Angenommen, ich interessiere mich ausschließlich für Linden, aber alle verschiedenen Arten. Dann kann ich mir "einen Wolf" suchen, bis ich die herausgefiltert habe. Wenn schon deutsche Namen, dann Linde unter L.

Linde
- Henrys Linde
- Holländische Linde
- Silber-Linde
- Sommer-Linde
- Winter-Linde
usw.

Üblicherweise würde das so formuliert:

Linde, Sommer-

Das könnte aber möglicherweise mit den Suchfunktionen kollidieren. Deshalb wäre zumindest die Zusammenfassung der Gattungen in der Auswahl eine Hilfe. In der jetzigen Form ist diese Spalte fast wertlos, es sei denn, ich suche eine ganz bestimmte Art und finde heraus, wie sie benannt und somit eingeordnet wurde.

Wenn das Register der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll, muss es auch "nutzbar" sein. Ich bin überzeugt, 90% der Bevölkerung können bestenfalls die bekanntesten Gattungen benennen: Eiche, Buche, Linde, Kastanie, Ahorn usw. Dass manche Gattung über 100 Arten haben kann (von Sorten wollen wir garnicht reden), wissen nur wenige.
Ein Ahornblatt sieht für die meisten so aus wie das Maple leaf der kanadischen Flagge. Zeigt man demjenigen eine andere Form, z.B. Acer negundo, dann fühlt er sich veräppelt. Wie soll ein solcher Laie nun aus der Liste einen bestimmten Baum heraussuchen?

***

Was diese Mindestmaße angeht, so würde ich das nicht so eng sehen. Wenn eine Buche durch eine außergewöhnliche Wuchsform auffällt oder ein geschichtlicher Hintergrund vorhanden ist, sollte sie eher aufgenommen werden, auch mit "Untermaß", als die 250. Buche mit fast
kongruentem Erscheinungsbild, die das Mindestmaß erfüllt.

Man sollte aber nicht jedem "Gestrüpp" den Zugang gewähren. Sonst werden wir mit Holunder usw. überschwemmt. Dieser eine mit der an Olivenbäume erinnernden Wuchsform ist durchaus ok. Aber ansonsten sehe ich das noch nicht mal als Baum an. Dann kommt der nächste mit einem Flieder daher. Sicher könnte man auch mal einen ganz außergewöhnlichen finden, aber das wäre dann eben die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Gruß Frank

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Nach ministerlicher Anordnung hier eine kleine Richtigstellung bezüglich meines ersten Posts, wo ich mal wieder redete, wie mir die Schnauze leider gewachsen wurde, was aber nicht so gemeint war, wie man 's offensichtlich auch verstehen kann...

Ich vergesse immer wieder, dass nicht jeder sonstige Deutsche die doch eher spezielle Berliner Schnauze versteht, die vieles rauh, aber anders gemeint ausdrückt, was aber beim nicht Kundigen oft ins falsche Ohr kommt...

Dass "ich mir Wolfgangs Zorn eingehandelt habe und das der sich nun einen abbiegt", bedeutet nichts anderes, als dass der sich jetzt eine Heidenmühe gibt, meine Initiative in ihm genehmes umzuwandeln, das aber letztendlich umsonst zu sein scheint, weil die augenfälligsten dicken Trümmer, also Eichen und Linden, hier ja nun am meisten zählen, wie ich gelernt habe... Nichts anderes soll das heißen!

Ist also mehr ein Ausdruck der Empathie mit dem Sinn der Frage, wozu ich mir ~ eben seinen Zorn eingehandelt habe und sich jetzt die Mühe mit der Erweiterung für möglichsten Artenreichtum im Register gemacht wird, wenn das sowieso hier nicht gefragt ist- da die volkstümlichen "Alten Bäume" eben am meisten zählen.

Hoffe, es ist nun allgemein verständlich- ich kann leider nichts für meinen 30jährigen ethnischen Hintergrund...

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Man sollte aber nicht jedem "Gestrüpp" den Zugang gewähren. Sonst werden wir mit Holunder usw. überschwemmt. Dieser eine mit der an Olivenbäume erinnernden Wuchsform ist durchaus ok. Aber ansonsten sehe ich das noch nicht mal als Baum an. Dann kommt der nächste mit einem Flieder daher. Sicher könnte man auch mal einen ganz außergewöhnlichen finden, aber das wäre dann eben die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Frank, für mich sind alte Eichen bald nur noch "Gestrüpp", wie Du es nennst, weil sie an beinahe jeder Ecke vorkommen- für mich langsam absolut nichts ungewöhnliches mehr! Eindrucksvoll, altgediente Veteranen, das immer noch- aber bei weitem nicht außergewöhnlicher langsam als all die erst nach dem zweiten Weltkrieg gepflanzten Gehölze, die sicher 80 % der heimischen Flora ausmachen... Und nun?

Weißt Du, gerade wegen Deiner Einstellung "ist ja nur Gestrüpp" kuckt kein Mensch genauer hin, wenn es sich nicht gerade um einen Baum wie eine Wand handelt...
Das ist haargenau der falsche Ansatz, der dem Volk unter Garantie nicht die verdiente breite Wahrnehmung der Natur nahebringt!
Alle anderen Gehölze außer Eichen und Linden haben nicht diesen gewissen Sonderbonus des "deutschen Baums" und des verlässlichen "Veteranentums"- das sieht man ua daran, dass selbst erst 300jährige Eichen vollmundigst als "1000jährige Eiche von Soundso" tituliert werden. Das glauben die Leute dann auch noch, weil an sich null Ahnung von der Materie, und weil man ja als Mensch das Exklusive liebt (ist nun mal so...), ist alles andere völlig nebensächlich und wird ohne mit der Wimper zu zucken weg gemetert- und sei es ein zB 200jähriger Feldahorn, der aber weiiiiit nicht so viel hermacht wie eine gleichaltrige Eiche oder Linde...

Und Großsträucher/ Kleinbäume haben noch nicht mal den Baum- "Bonus", und werden entsprechend noch viel gedankenloser und zahlreicher nieder gemacht.
Aufgrund dessen wird es UNTER GARANTIE nicht zur "Überschwemmung" durch Holunder und Co. kommen, weil die einfach kein Mensch beachtet!
Und selbst wenn ausschließlich ich sowas einstelle, so zeigt diese Maßnahme doch unsere Weltoffenheit hier im Forum, und das wir hier eben nicht, Achtung- Berlinerismus!!!- den deutschtümelnden Stock im Arsch haben (~ ausschließlich über die deutsche Steifheit verfügen...), der auf seinen paar auserwählten Sachen thront und alles andere wie von einem Schutzschild abprallen lässt...

Dabei ist ein 120 cm umfangender Holunder zwar vielleicht erst 40 Jahre alt, sticht aber genau so aus der Masse seiner Art heraus wie eine 300jährige Eiche aus der Masse ihrer Art.
Und sowas hat zur Kenntnis genommen zu werden und gezeigt zu werden, damit die Leute sich eben nicht mehr veräppelt vorkommen wenn man ihnen einen Acer negundo als Ahorn verkaufen will.
Durch alte Veteranen, egal welcher Art, lernen die Leute die Arten erst kennen, weil zumindest die alten, herausstechenden das Interesse erwecken, und ein "Gestrüpp", dass es wert ist, in einem Register für alte Bäume/ Gehölze zu stehen- Parrotien zB sind ja auch keine Bäume, sondern per definitionem Gestrüpp, womit aber die stärkste mit fast 3 m dennoch der deutsche Champion ihrer Art ist- das erregt garantiert Aufmerksamkeit.
Und dient somit dem eigentlichen Sinn und Ziel unseres Forums (denke ich mir jedenfalls so...), der Bevölkerung den Reichtum und die Vielfalt der Gehölze nahe zu bringen und ihr Interesse dafür zu wecken, die allgemeine Gleichgültigkeit und Ahnungslosigkeit zumindest ansatzweise zu beseitigen.

Klar, Spiräen, Hortensien (außer Kletterhortensien vllt.), Strauchpäonien, wirkliches Gestrüpp also, das braucht hier kein Mensch einzustellen. Schon bei Wildrosen (Rose am Hildesheimer Dom...), Schlehen (die ja nun der Inbegriff des "Gestrüpps" sind) etc. fängt das aber schon an...
Alles außer diesem kaum mal dicker als 5 cm werdenden Zeugs hat das Zeug zu besonderen Veteranen, und sei das nur so was sau- und hundsgewöhnliches wie ein Faulbaum, der aber mit 31 cm Umfang, oder eine Öhrchenweide, die aber mit 59 cm Umfang- von deren Populationen die weit, weit dünneren den ganz überwiegenden Anteil stellen und meist nicht mal alt genug werden, um auch nur 15 cm Umfang zu erreichen...

Meine Öhrchenweide mit 59 cm Umfang ist laut DDG (deren Kompetenz in der Sache wohl niemand in Frage stellen wird...) um die 175 Jahre alt. Klar, das ist lächerlich wenig in allgemeinen Maßstäben, aber man muss nur mal seinen Maßstab ein bisschen justieren, dann erkennt man sofort, was auch hier für ein besonderes Schätzchen vor einem steht!
So eine Weide, auch wenn nur als minderwertiges Gestrüpp abgetan, ist für ihre Art genau das gleiche wie die Fehme- Eiche in Erle für ihre Art und damit eine herausragende Gestalt- nichts anderes- und damit dringend aufnehmenswert, wenn die allgemeine Vitalität das noch angeraten erscheinen lässt...

Man muss den Blick der Menschen auch auf das kleine und unscheinbare lenken, ansonsten brauchen wir uns absolutamente nicht zu beschweren, wenn die Menschheit der Natur gegenüber immer ignoranter und gleichgültiger wird, ehrlich!

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo Andreas,

ick versteh Dir!

Ich sehe das nur so:

Für uns als Hobbydendrologen oder auch beruflich Involvierte ist es ein Anliegen, ALLE Gehölze in irgendeiner Weise darzustellen, zu erforschen, zu bestimmen.

Aber dafür gibt es die Baumlisten, die irgendwie ins Hintertreffen geraten, aber dringendst überarbeitet werden sollten. Da strotzt es nur so von Fehlern, da sind längst nicht alle Fotos vorhanden, die man für die Bestimmung braucht. Ich habe da schon diverse Vorschläge gemacht, aber bis jetzt ist noch nicht viel passiert.

Das Baumregister hat ja nun mal einen bestimmten Anspruch. Es soll wohl auch den einen oder anderen "Nicht-Dendrologen" gerade über Besonderheiten wie "über 9 m Umfang", "höchster Baum Deutschlands", "geschichtlicher Hintergrund" für Bäume interessieren, evtl. sogar dazu animieren, mal einen Ausflug zu unternehmen und sich einen solchen Koloss in natura anzuschauen. Mit einem "Gestrüpp" wird man das kaum erreichen. Trotzdem stimme ich Dir zu, dass man nicht grundsätzlich die Mehrzahl der Bäume ausschließen sollte, sondern zumindest einige wirklich herausragende Beispiele aufnimmt. Der von mir erwähnte Holunder gehört sicher dazu. Aber wenn ich am Altrhein entlang gehe, stehen da tausende, auch ziemlich alte. Nur total verwachsen mit Robinien, Cornus, Weiden usw., kaum zugänglich und im Bereich der Hochwasserzonen. Es wäre extrem mühsam, Kandidaten überhaupt zu selektieren und geradezu gefährlich, sich an die Vermessung zu begeben. Das Ganze ist auch eine Art Gestrüpp, dem man sich nur mit einer Machete nähern könnte.

Das Register bewegt sich inzwischen auf bald 5000 Einträge zu. Das wirkt schon beinahe etwas inflationär.

Der Grundgedanke war toll und es war und ist eine Riesenleistung so etwas aufzubauen. Trotzdem würde ich gern mal Auswertungen sehen, wie das Register von "Hinz und Kunz" tatsächlich genutzt wird, ob überhaupt nennenswerte Zugriffe "von außen" erfolgen, oder ob es in dieser Hinsicht überhaupt nichts bewirkt.

Ob man mit dem Register irgendeinen x-beliebigen baumkundlich kaum interessierten Menschen auf einen für Laien eher unspektakulären Baum aufmerksam machen kann, wage ich zu bezweifeln. Der müsste ihn ja erst mal aufrufen, was sehr schwierig ist (s. meine Anmerkungen im anderen Beitrag). Interesse wecken kann man wohl doch eher mit rekordverdächtigen Bäumen. Wenn sich dann jemand dafür begeistern kann, wird er sich auch mit weniger hohen, dicken Bäumen befassen.

Ich denke, dass das Register der falsche Weg ist, um Leute für eher unbekannte Gehölze zu interessieren. Da sind die Fragen bezüglich Bestimmung und unsere Hilfe sicher wirksamer.

Bevor das Register nicht über interaktive Karten verfügt, dass man einfach nachschaut, was womöglich am Wege einer geplanten Wanderung liegt, wird es diesbezüglich nichts bringen. Dann sucht derjenige nicht bestimmte Bäume, sondern alles, was in einem gewissen Bereich zu finden ist.

Gruß Frank

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