Tannenzapfen?

Ihr habt einen Nadelbaum/ Strauch (Konifere) in Deutschland oder Europa gesehen, könnt ihn aber nicht bestimmen? Fragt hier einfach danach.

Moderatoren: LCV, stefan, tormi, Kiefernspezi

neu
Beiträge: 2
Registriert: 12 Jun 2015, 10:51

Tannenzapfen?

Beitrag von neu »

Hallo,

ich habe eine Frage, was ist denn ein Tannenzapfen? Gibt es die oder sind das alles Fichten?

Vielen Dank!

LG vom Stadtkind ;-)

Benutzeravatar
LCV
Beiträge: 9198
Registriert: 03 Dez 2007, 14:46
Wohnort: 79379 Müllheim
Kontaktdaten:

Beitrag von LCV »

Na ja, ein Tannenzapfen wird wohl kaum an einer Fichte wachsen. Aber was man am Boden findet, sind nur in Ausnahmefällen Tannenzapfen. Vergessen wir mal die anderen Koniferen wie Kiefern, Douglasien, Zedern, Lärchen, Mammutbäume usw., so unterscheidet man Tanne und Fichte ganz sicher daran, dass Tannenzapfen aufrecht am Zweig stehen und Fichtenzapfen hängen. Daraus ergibt sich, dass der Tannenzapfen sich am Zweig zerlegen muss, d.h. Schuppe für Schuppe fällt ab und die Samen fliegen weg. Durch die Stellung des Zapfens wäre es sonst sehr schwer für die Samen, zwischen den Schuppen herauszukommen. Wenn einer mal unten liegt, ist das entweder krankheitsbedingt oder er wurde durch mechanische Einwirkung abgerissen.
Der Fichtenzapfen hängt und die Samen fallen nach unten heraus, wenn es dafür Zeit ist. Dazu spreizt der Zapfen die Schuppen etwas ab. Es besteht keine Notwendigkeit, dass der Zapfen sich zerlegt. Er fällt irgendwann zu Boden wie auch die Zapfen fast aller anderen Koniferen.

Alles klar?

Gruß Frank

Kiefernspezi
Beiträge: 8539
Registriert: 12 Jan 2009, 10:08
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Beitrag von Kiefernspezi »

Sehr gute Erklärung.
Es sei noch erwähnt, dass die Zapfen der meisten Lärchen bei Reife aufrecht stehen und ebenfalls durch Aufspreizen der Zapfenschuppen die Samen entlassen. Oftmals fallen die Zapfen mit dem Gesamten Zweig ab und als Ganzes zu Boden.
Die Natur ist vielfältig und nicht alles erscheint "sinnvoll".

Viele Grüße

aki.ben
Beiträge: 194
Registriert: 09 Sep 2014, 13:15
Wohnort: Ås (Norwegen), ca. 90m ü. NN

Beitrag von aki.ben »

Mich würde noch interessieren, wie man die Samen absammeln kann. Muss sie ja irgendwie abfangen bevor oder während sie vom Baum fliegen. Oder nimmt man den ganzen Zapfen ab? Wenn ja, woran erkennt man, dass die Samen schon ausgereift sind?
LG
Anna

neu
Beiträge: 2
Registriert: 12 Jun 2015, 10:51

Vielen Dank

Beitrag von neu »

... in der Tat ging es um die Zapfen, die wir auf dem Boden finden. Das mit dem nach oben stehen und nach unten hängen hatte ich auch mal gelernt, aber lang ist s her. Lärchen find ich sehr hübsch und sind gut zu erkennen.

LG vom Stadtkind

Cryptomeria
Beiträge: 9539
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Selbst wenn die Zapfen abgefallen sind, sieht man i.d.R. noch sehr lange die Spindel, so dass man weiß, dass da schon Zapfen gebildet wurden.

@Anna: Du kannst die Samen unten auflesen. Wenn du hinkommst, was z.B. bei A. koreana oder A. procera meist der Fall ist, wartest du bis die Zapfen braun oder reif sind ( sie zerfallen dann langsam ) und dann kann man sie leicht abnehmen. Allerdings zerbröseln sie, aber Samen bleiben da genug. Oft sieht man auch halbe Zapfen, da sitzen dann immer noch genug reife Samen im Innern. Bei den Tannenarten, die nur ganz oben ihre Zapfen haben, ist es schwierig. Mit Kletterausrüstung oder ein guter Schütze kommt dann zum Ziel und da kann man auch etwas grüner ernten und nachreifen lassen.

Vg Wolfgang
Zuletzt geändert von Cryptomeria am 13 Jun 2015, 09:15, insgesamt 1-mal geändert.
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Benutzeravatar
LCV
Beiträge: 9198
Registriert: 03 Dez 2007, 14:46
Wohnort: 79379 Müllheim
Kontaktdaten:

Beitrag von LCV »

@ Anna: Wenn der Zapfen in Reichweite ist, würde ich versuchen einen luftdurchlässigen Beutel überzustülpen und festzubinden. Dann fallen die Samen in den Beutel. Aber vermutlich genügt es, ein paar Zapfen zu ernten, wenn sie beginnen, die Samen zu entlassen. Das geht ja nicht schlagartig, sondern zieht sich über Tage/Wochen hin.

Kiefernspezi
Beiträge: 8539
Registriert: 12 Jan 2009, 10:08
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Beitrag von Kiefernspezi »

Hallo,

die Reife tritt Ende September/Oktober ein. Frühestens Ende August sollten unreife Zapfen vom Baum genommen werden, damit die Samen noch nachreifen können. Bei geringem Bedarf kann man ab Oktober Samen vom Boden auflesen. Dann hoffentlich vom richtigen Baum. Stehen mehrere verschiedene Tannen, Zedern o.ä. beieinander, kann es schon mal schwer werden richtig zuzuordnen.

Viele Grüße

aki.ben
Beiträge: 194
Registriert: 09 Sep 2014, 13:15
Wohnort: Ås (Norwegen), ca. 90m ü. NN

Beitrag von aki.ben »

Danke für die Tipps!

Noch ein paar Fragen:
Bildet eine Kiefer jedes Jahr neue Zapfen?
Sind Zapfen die jetzt (also im Juni) noch am Baum hängen, alle vom letzten Herbst?
Wie lange dauert es, bis ein runtergesegelter Samen keimt?
Fressen Eichhörnchen die Samen?
LG
Anna

Cryptomeria
Beiträge: 9539
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Ja!
Ja!
Im Frühjahr
Ja

VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Baumflüsterer
Beiträge: 79
Registriert: 06 Jan 2015, 20:44
Wohnort: Gramatneusiedl
Kontaktdaten:

Beitrag von Baumflüsterer »

...also vielleicht habe ich ja die zweite Frage falsch verstanden. Aber wenn gemeint ist ob die Zapfen nur ein Jahr am Baum hängen, so ist das meines bescheidenen Wissens nach sehr unterschiedlich.

Bei der Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis) steht zum Beispiel in Wikipedia:
"Die Reife erfolgt im zweiten Jahr nach der Bestäubung. Die Öffnung der Zapfen erfolgt dann im Verlauf von mehreren Jahren. Reife Zapfen sind braun, werden mit zunehmendem Alter häufig aschgrau bis dunkelgrau"

Also wenn jetzt im Juni Zapfen am Baum hängen können die schon zwei oder mehr Jahre alt sein...
lg
Manfred
www.finba.at --> Finde deinen Baum!

Cryptomeria
Beiträge: 9539
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Manfred,

ich hatte in der Kürze lediglich sagen wollen, die Zapfen sind nicht diesjährig. sie können - wie bei einigen Kiefern z.B. auch älter sein. Fichtenzapfen fallen i.d.R. bei Reife ab.Man sieht das ja immer im Dez./Jan. im Fichtenwald.

Vg Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Benutzeravatar
LCV
Beiträge: 9198
Registriert: 03 Dez 2007, 14:46
Wohnort: 79379 Müllheim
Kontaktdaten:

Beitrag von LCV »

Das ist etwas verwirrend.

Ich habe die Frage so verstanden, ob JEDES Jahr neue Zapfen gebildet werden. Es gibt ja Gehölze, die nur alle 2 Jahre tragen bzw. 1 Jahr reichlich, im nächsten fast nichts.

Es wurde nicht gefragt, wie lange die Zapfen hängen. Es ist durchaus möglich, dass an einem Baum Früchte aus zwei Jahren nebeneinander hängen. Ob das bei Tanne oder Fichte auch vorkommt, weiß ich nicht.

Aber wer zapfentragende Tannen und Fichten im Garten hat, kann das ja mal genauer beobachten.

aki.ben
Beiträge: 194
Registriert: 09 Sep 2014, 13:15
Wohnort: Ås (Norwegen), ca. 90m ü. NN

Beitrag von aki.ben »

Ich wollte gerne wissen, ob die Kiefer jedes Jahr neue Zapfen bildet und ob die dunkelen, trockenen Zapfen, die man zur Zeit am Baum hängen sieht zwangsweise vom letzten Jahr sind oder auch schon älter sein können.
Die Fragen sind also alle beantwortet :) Vielen Dank!

Kann eine Gruppe Eichhörnchen soviele Samen futtern, dass kaum etwas am Boden landet? Ich wundere mich, dass rund um unsere Kiefer so wenige Sämlinge zu finden sind. Ein paar ganz frische Sämlinge sind da, allerdings waren letzten Herbst die Eichhörnchen auch nicht da. Kann es da einen Zusammenhang geben?
LG
Anna

Cryptomeria
Beiträge: 9539
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Anna,

es leben doch eine ganze Menge Tiere von den Samen. Tannenhäher,Kiefernkreuzschnabel,Kleiber,Spechte,viele Finken,Meisen,Krähen und andere Vögel ( ca. 30 Arten ), sowie viele Mäuse am Boden, auch andere Säugetiere und auch versch. Käfer bohren die Samen an. Nun kommt dazu, dass viele Samen dorthin fallen, wo für sie ein schlechter Standort ist und bleiben sie intakt, schlummern sie, bis evtl. eine Lücke mit mehr Licht entsteht ( wenn z.B. ein alter Veteran fällt ). Auf optimalem Standort keimen sie, wie du ja auch siehst. Da nicht jedes Jahr gleichen Mengen produziert werden, hängt auch davon die Rate der Sämlinge ab.

Und um das hier noch einmal genauer zu sagen:
Blütezeit Mai, Zapfenreife ca 20 Monate nach der Bestäubung im Dezember, klaffen zwischen Febr. + April des 3. Jahres und fallen bald nach der Samenentlassung ab.

VG wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Antworten