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Thuja plicata (?) als forstwirtschaftlicher Waldbaum ?

Verfasst: 22 Apr 2015, 19:47
von bee
Hallo,
ich habe im Wald (Bettingen/ Riehen, Schweiz, unweit der dt. Grenze) ein kleines Nadelbaumareal gesehen, darunter eine Anzahl von "ungewöhnlichen" Bäumen, die ich nicht im Wald vermutet hätte.

Stamm gerade, Wurzelbereich unten fast "brettwurzelartig" ausgeformt, Borke längsrissig, Zweige oben kaum erkennbar, es lagen einige Zweistücke unten, Cupressaceae ist klar -
dann komme ich vom Nadelbild her (und Oberseite dunkelgrün glänzend) auf Thuja plicata.
(Unterseite vergessen ....)
Sämlinge waren auch da.

Stimmt die Bestimmung?
Ich wollte gerade schreiben: "Zapfen nicht gesehen", aber in einem anderen Bild (mein Erstfund vom Großen Zweiblatt, Listera ovata), da liegt vorn unten etwas, was ich für einen Thuja-Zapfen halte.

Es gibt auch PDF-Dokumente, die von erfolgreichen Versuchen mit Thuja plicata als Forstbaum in Mitteleuropa (D und CH) berichten, sollen besonders resistent gegen Sommertrockenheit sein und geeignet bei allg. Klimaerwärmung.
Das war mir völlig neu.
:) :)

Verfasst: 22 Apr 2015, 20:40
von Cryptomeria
Hallo bee,

deine Idee ist völlig richtig.. Ich habe auch schon etliche ältere Versuchspflanzungen in Deutschland gesehen.

Vg Wolfgang

Verfasst: 22 Apr 2015, 22:29
von baumlaeufer
Hy Bee und Wolfgang

ich bin vor 3 Jahren im Wolbecker Tiergarten unweit der Donnereiche auch über eine ca 50 Jährige Anpflanzung von Thuja P gestolpert . Ich habe versucht, mich bei den Forstleuten dort schlau zu machen, warum die Anpflanzung vorgenommen wurde. Nicht genaues wußte man nicht..... Grabesstille sozusagen :cry:

Verfasst: 22 Apr 2015, 23:32
von Kiefernspezi
Als Nutzholz gut zu gebrauchen. Bringt allerdings noch mehr Sterilität in den Wald...

Viele Grüße

Verfasst: 23 Apr 2015, 00:42
von Mostviertler
Hallo Bee,
auch in Österreich gab es eine Versuchsanpflanzung mit Thuja plicata. Ob es diese Versuchsfläche im Wienerwald noch gibt, kann ich nicht genau sagen, sie müsste so um die 130 Jahre alt sein. Ich hab sie vor 20 Jahren gesehen, sie war beeindruckend. Die Wuchsleistung entsparch in etwa der der Fichte, durch die hohe Schattenverträglichkeit gab es unter den Altbäumen reichlich natürliche Verjüngung. Der zuständige Förster erklärte allerdings, dass die Naturverjüngung ohne Zaun nicht möglich wäre, da der Verbissdruck durch das Rehwild zu hoch sei. Ich glaube mich erinnern zu können, dass diese Fläche bei einer der letzten Sturmereignisse stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Weitere Informationen über diese Anpflanzung könnte das zuständige "Bundesamt für Wald" geben.

Gruß
Hannes

Verfasst: 23 Apr 2015, 19:11
von bee
Hallo,
danke für die Bestätigung und Rückmeldungen.
Genaues zu diesem Anpflanzort habe ich auch nicht herausfinden können (Basel/ Riehen/ Bettingen/ Nordwest-Schweiz ...), das Nadelbaumgebiet ist auch nicht sehr groß (nicht viel größer als man auf dem Bild sieht, noch ein paar Meter nach rechts und links).

Eigentlich hatte ich Fichten gesucht, um mir Fichtenzapfen anzuschauen mit "eventuellen" Pilzchen daran. Aber da waren gar keine Zapfen :shock: , obwohl es "gemischte" Nadelbäume sind, ich habe mir nicht alle angeschaut, aber Tannen standen da.

Die Thujas waren genau so hoch und sahen sehr "elegant" aus - also mir gefallen sie im Wald, besser als Thuja o.-Hecken um Gärten herum . Deshalb verstehe ich die Äußerung von dir, Kiefernspezi, in diesem Fall nicht, was ist da "steril" ? (in einer kleinen Nadelholzanpflanzung in einem Gebiet, wo überwiegend Buchen stehen).

@ Mostviertler: das Gebiet war nicht eingezäunt, die Bäume erschienen auch alle gleich alt zu sein - gleich dick und hoch, die Höhe kann ich gar nicht gut schätzen - weil kein Abstandnehmen möglich, ca. 25-30 m, der Umfang auf 130 cm Höhe ca. 125 cm - wie alt mögen die wohl sein?
Ich sah auch nicht viele Sämlinge und keine einzige "halbwüchsige" Pflanze, da kann das mit dem Verbiss gut stimmen.

Gefreut habe ich mich auch über den Fund der Orchidee, die eigentlich eher im Laubwald zu finden sein soll - "selten im lichten Nadelwald" schreibt Wiki.

Verfasst: 23 Apr 2015, 19:55
von Mostviertler
Hallo Bee,

hier hab ich einen Link des zuständigen Bundesamts für Wald mit Bezug auf die Thujenanpflanzung in Österreich gefunden. Offensichtlich gibt's dazu auch Literatur.
Hier der Link: BAW

Gruß
Hannes

Verfasst: 23 Apr 2015, 22:12
von Kiefernspezi
Wahrscheinlich hat die Orchidee nicht die fremdländische Thuja als Nadelbaum erkannt - trägt er doch keine Nadeln. :wink:
Die Zuwachsraten von Thujas sind beeindruckend. Es gibt über 40 m hohe Bäume in Deutschland.

Verfasst: 27 Apr 2015, 10:28
von HerrFuchs
Hallo zusammen!

In ganz Deutschland wurden je nach Engagement und Interesse des jeweiligen Revierleiters (Försters) ganz unterschiedliche Anbauversuche diverser Baumarten unternommen.

Speziell zum Thuja plicata ist der folgende Link ganz interessant:
(darf keine Links posten darum:)

auf waldwissen. net/wald/baeume_waldpflanzen/nadel/bfw_riesenlebensbaum/index_DE

Weitere im größeren Stil angebaute Baumarten (Neophyten) für forstliche Versuchszwecke wären u.a.:

Pseudotsuga menzisii
Abies grandis
Abies procera
Chamaecyparis lawsoniana
Picea omorika
Picea pungens 'glauca' (vorallem bei Rauchschadgebieten)
Robinia pseudoacacia
Qercus Rubra
Juglans nigra

u.v.m.

Gerade in der Diskussion um eine etwaige Klimaveränderung kommt die Diskussion um "Alternativbaumarten" immer wieder auf.

Gruß, der Fuchs

Verfasst: 28 Apr 2015, 00:45
von Kiefernspezi
Hallo,

gute Aufzählung. Da fehlen noch einige:

Sitka-Fichte (Picea sitchensis)
Orientalische Fichte (Picea orientalis)
Westliche Helmlock (Tsuga heterophylla).
Pechkiefer (Pinus rigida)
Drehkiefer (Pinus contorta)

In Mischwäldern funktioniert auch die
Weymouthkiefer (Pinus strobus)

sonstig zu empfehlende Bäume:

Westliche Lärche (Larix occidentalis)
Sequoia sempervirens
Metasequoia glyptostroboides (Stammform problematisch)
Pinus ponderosa
uvm.

Viele Grüße

Verfasst: 28 Apr 2015, 08:41
von Cryptomeria
Ich hatte seinerzeit in den 70-igern bei Karl Fuchs in Neunkirchen auch
Sequoiadendron giganteum und
Cryptomeria japonica

im Wald versuchsweise gesehen.

Durch die Klimaveränderung gibt es sicher Spielräume und manche werden sich in diesem Jahrhundert auf kleinen Arealen ( im Verhältnis ) etablieren.
Wichtig sind natürlich Mischwälder und Baumarten, die vielen Tierarten Lebensraum bieten, also Ökologie und Ökonomie verbinden.

VG Wolfgang

Verfasst: 28 Apr 2015, 12:46
von Andreas75
Kleine Frage am Rande:
Ist dieser Karl Fuchs jener HerrFuchs, der jüngst zu uns gefunden hat und mit beeindruckenden Baum- und Forstkenntnissen auffällt :)? Wenn ja, fände ich es wirklich spitze, einen solch versierten Kenner unter uns zu wissen :D!

Und welches Neunkirchen ist denn gemeint, Neunkirchen- Seelscheid ^^?

Verfasst: 28 Apr 2015, 12:49
von Cryptomeria
Nein, der damals bekannte Dendrologe Karl Fuchs ist so ca. 2007 gestorben. Das war damals grob betrachtet und soweit ich mich erinnere bei Heidelberg.
Genaueres könnte ich aber in den DDG-Jahrbüchern nachschauen.

VG wolfgang

Verfasst: 28 Apr 2015, 14:12
von Andreas75
Ah, ok, Wolfgang. Vielen Dank, dann musst Du auch nicht extra nachschauen :).

Forstexperten - Ich bitte euch um eine Einschätzung

Verfasst: 01 Mär 2017, 23:32
von Jason
Hallo Leute,

wahrscheinlich sollte ich eine neue Frage formulieren - aber da dieser Thread eigentlich sehr gut passt möchte ich diesen reaktivieren.

Mir gefällt der Gedanke - ein biss'chen Riesenlebensbaum in den Forst beizumischen. Nur wird immer nur Thuja Plicata geschrieben. Aber da wo ich immer bestelle und sehr gute Erfahrungen gemacht habe werden drei Sorten vertrieben - und es gibt keinen "einfachen Thuja Plicata" sondern:
Thuja plicata Atrovirens
Thuja plicata Aurescens
Thuja plicata Excelsa

was denkt Ihr, welcher ist der optimale Forstbaum und welcher ist "nur" eine gute Heckenpflanze? Oder werden alle 30 Meter hoch und sind vom Wachstum einigermaßen gleich?
Würde mich über eine Antwort sehr freuen

MfG Jason