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Verfasst: 26 Mär 2013, 17:51
von Cryptomeria
Ein so großes bzw. altes Exemplar von ' Drath ' habe ich auch noch nicht gesehen. Ich denke auch, dass der Gärtnermeister dann doch recht hat. Gerade das letzte Detailfoto und er geradschäftige Stamm sprechen dafür.
VG Wolfgang
Verfasst: 26 Mär 2013, 20:35
von Kiefernspezi
Weitere 5 Pflanzen konnte ich auf dem Friedhof entdecken. Die nächstgrößere war 3 m hoch mit glatter Rinde. Alle ohne Zapfen.
Die Pollenzapfen lassen aber vermuten, dass die Zapfen dieser Sorte grundsätzlich andersartig sind wie bei der Altpflanze. Das dürfte auch auf die Sorte C. obtusa ' Lycopodioides ' zutreffen, auf die Cryptomeria hingewiesen hat und die einen ähnlichen Blattaufbau zeigt.
Viele Grüße
Verfasst: 26 Mär 2013, 21:26
von Kiefernspezi
So, hier einiges von den Zapfen. Ich bin ziemlich ratlos, weil die Zapfen recht chaotisch angeordnete Zapfenschuppen haben. Das ist wohl wie auch an den Zweigen zu sehen mit den ständig variierenden Blattbildungsprozessen zu erklären, die teilweise zu Verbänderungen auch innerhalb der Zapfen führen, bzw. zu einer massiven Mehrbildung von Zapfenschuppen. Aber schaut selbst.
Viele Grüße
Ps.: Etwa 1/4 der Zapfen zeigt Schuppen zu 4 Wirteln, der überwiegende Teil teilweise chaotische Spielvarianten zwischen 4- und 5- bis 7 Schuppen in Wirteln und spiralig anmutende Schuppenanordnung.
Verfasst: 29 Mär 2013, 01:27
von Kiefernspezi
Hallo,
nun hier noch einige Beispiele für die Zahlreichen Blattstellungen innerhalb der einen Pflanze. Normalerweise zeigen Koniferen nur eine, manchmal 2, und allerhöchstens 3 verschiedene Blattstellungen an einem Baum.
Bei dieser Sorte ist alles anders, da gibt es deutlich mehr, mindestens doppelt so viele.
Kreuzgegenständig, in 4er-, 5er-, 6er- und 7er- Wirteln, scheinspiralig und bei Verbänderungen kann man gar nichts mehr genau sagen. Seht Euch das selbst an.
Verfasst: 29 Mär 2013, 14:24
von Kiefernspezi
Auf der Suche nach einem "alten" Baum dieser Art und Sorte habe ich den Leiter der Stiftung vom Park Härle angerufen. Leider wurde vor einiger Zeit der 1978 gepflanzte Baum entfernt. Der war wohl um die 3 m hoch. Ob er Zapfen getragen hat, ist nicht bekannt.
Verallgemeinerungen aufgrund eines einzigen Baumes kann man nicht treffen. Deshalb bitte ich um Meldung anderer älterer Bäume.
Viele Grüße
Verfasst: 03 Apr 2013, 22:38
von Kiefernspezi
So, nun habe ich selbst einen Baum gefunden, der meinen sowohl um Alter und Größe deutlich überragt!!!
Der Baum steht im Rombergpark Dortmund. Leider waren keine Zapfen zu finden.
Der Stamm (leider teilt er sich sehr früh, wie wird dann der Umfang gemessen?) hat weit mehr als 20 cm Stammdurchmesser - jedenfalls an der Basis.
Die Höhe des Baums würde ich mit 8-9 m schätzen - damit liegt er auf jeden Fall außerhalb des Akademischen Viertels!
Die Verbänderungen sind bei diesem Baum nicht so massiv, er ist auch nicht so stark verwachsen, zeigt aber auch wieder diese schwarzen Pollenzapfen.
Schaut selbst...
Verfasst: 04 Apr 2013, 08:50
von Cryptomeria
Meiner Ansicht nach wird ' Drath' nicht so groß und ist auch noch nicht so alt. Wir haben das ja schon diskutiert. Vielleicht weiß im Rombergpark der " Chef" mehr. Die Labels sind leider oft vertauscht, danach kann man sich nicht richten.
VG wolfgang
Verfasst: 04 Apr 2013, 09:40
von Kiefernspezi
Werde ich dazu befragen. Ein Schild hatte der Baum nicht. Aber die typischen Verbänderungen, sowie die spiralig angeordneten Schuppen. Auf jeden Fall vom Schuppenaufbau her identisch mit der Drath. Ebenso die Schuppenblättchen der Pollenzapfen. Nun noch interessant: wie sehen Zapfen dazu aus?
Viele Grüße
Verfasst: 04 Apr 2013, 23:49
von Kiefernspezi
Hier noch Bilder meines preiswert bei toom erstandenen Baumes.
Die Nadeln sind dunkelgrün, nicht so bläulich wie bei dem großen Baum aus Velbert.
Verfasst: 07 Apr 2013, 21:05
von Kiefernspezi
Hallo,
heute habe ich im FoBoGa Köln dieses etwas mickrige Etwas gefunden, was als Chamaecyparis obtusa 'Lycopodioides' ausgeschrieben ist.
Leider ohne Zapfen...
Die Schuppenstellung passt sehr gut zu der Velberter Pflanze. Dann wird auch der Dortmunder Baum dieser Art zuzuordnen sein.
Um Absolvo bitte ich wegen meiner Bemerkung über Bärtels. Was schreibt der eigentlich zu dieser Art?
Was nun erst recht spannend sein wird: Sehen Zapfen der 'Drath' anders aus?
Unter dem Strich gesagt schließe ich mich Cryptomerias Meinung an und würde den Baum als Chamaecyparis obtusa 'Lycopodioides' ansprechen.
Damit ist zumindest die Sorte geklärt.
Die phyllotaktische Strucktur hingegen wirft noch viele Fragen auf.
Viele Grüße
Verfasst: 08 Apr 2013, 03:49
von Hessekopp
Er schreibt:
Chamaecyparis obtusa ...
'Lycopodioides'
Wuchs bizarr strauchig, locker, bis 2m hoch, Äste aufsteigend, unregelmäßig verteilt. Zweige dick, an den Spitzen mit gehäuft stehenden, hahnenkammartigen Trieben. Blätter dicht spiralig stehend, bläulich dunkelgrün. (Um 1861).
Bei der Größenangabe habe ich mich nicht vertippt, beachte aber, was Bärtels noch so schreibt:
Chamaecyparis lawsoniana ...
'Lycopodioides'
Wuchs rundlich-kegelförmig, 5-6m hoch, locker beastet. Zweige lang ausgezogen, korkenzieherartig gedreht und monströs. Blätter nadelförmig und dicht angedrückt, die Spitze aber immer frei, sonst schuppenförmig und dachziegelartig stehend, blaugrün. (Um 1890).
Verfasst: 09 Apr 2013, 09:51
von Kiefernspezi
Tja, mit beiden Beschreibungen kann man leider nicht viel anfangen.
Natürlich klingt zweitere besser passend, aber die Zapfen deuten tatsächlich eindeutig auf Chamaecyparis obtusa hin.
Und zum Glück ist es bislang immer so gewesen: Egal, wie verrückt und fremdartig die Nadeln auch ausgesehen haben - die Zapfen waren immer zuverlässig der Art zuzuordnen und sicheres Bestimmungsmerkmal.
Ich glaube nicht, dass das hier anders ist.
Hilfreich wäre eine genauere Beschreibung der Blattstellungen. Die ist ja sehr mannigfaltig, aber eher wirtelig, nicht spiralig - außer an den Enden der Triebe. Und auch da nicht mit der "herkömmlichen" Spiralstellung zu vergleichen, die ja bei allen anderen Koniferen immer gleich ist.
Viele Grüße
Verfasst: 19 Apr 2013, 01:18
von Kiefernspezi
So, nun habe ich endlich einen weiteren Baum gefunden, der alt genug für Zapfen ist. Er zeigt zumindest weibliche Blüten, so dass ich zu hoffen wage, dass bis September Reife Vergleichs-Zapfen zu ernten sind.
Bei diesem Baum handelt es sich wohl um eine Chamaecyparis obtusa 'Drath'.
Die vormals schwarzen Pollenzapfen haben sich zur Reife hin gestreckt und zeigen nun eine rote Färbung.
Bereits die Blüten zeigen, dass auch dieser Baum abnormale Zapfen hervorbringen wird. Ob sie aber den gleichen Aufbau haben wie die anderen?
Die Blüten sehen jedenfalls sehr ästhetisch aus. Sie scheinen auch nicht so chaotisch angeordnete Schuppenblätter zu haben.
Aber mal abwarten.
Verfasst: 25 Apr 2013, 05:02
von Kiefernspezi
Tja, jetzt wirds doch wieder spannend...
Hessekopp und Cryptomeria hatten ja seit längerer Zeit immer wieder angesprochen, dass für sie die Chamaecyparis obtusa 'Drath' in Wirklichkeit eine lawsoniana ist.
Eine Begründung sind die roten Pollenzapfen gewesen, die ich oben dokumentiert habe.
Nun kommt noch ein Indiz hinzu - die Blütenzapfen! Ich habe mich einfach mal auf die Suche nach Ch. obtusa-Blütenzapfen begeben.
Und siehe da: Es sieht wirklich so aus, als ob die beiden recht behalten werden!
Schaut selbst: Die für lawsoniana markante dunkle Markierung an den Schuppenspitzen ist bei der 'Drath' vorhanden. Die obtusa-Zapfen sehen ganz anders aus. Leider konnte ich keine Blütenzapfen an der 'lycopodioides' finden, dann wäre die Sache schnell geklärt.
Aber spätestens Anfang Oktober sollten wir es ganz genau wissen, wenn die Zapfen hoffentlich reif sind.
Derzeit stehe ich auf dem Standpunkt: 'Lycopodioides' ist eine obtusa, die 'Drath' ist eine lawsoniana.
An den Zweigen erkennt man minimale Unterschiede. Das muss ich demächst nochmal einstellen.
Viele Grüße
Kiefernspezi
Verfasst: 25 Apr 2013, 20:04
von Cryptomeria
Dass Draht aufgrund von Zapfen und Blüten zu lawsoniana gehören könnte, vermuten ja auch schon andere namhafte Dendrologen. Das ist toll, dass André diese Vermutung hier mit seinen Beobachtungen belegt .
Wolfgang
P.S.
Es gibt mittlerweile auch schon wieder einen von Günther Eschrich 1990 gefundenen Hexenbesen an Draht, er heißt ' Draht Hexe'.