Hallo!
Ich glaube, das hängt vor allem damit zusammen, dass zumindest hier in Berlin vor ein paar Jahren ja die Baumschutzverordnung kräftig überholt wurde, und im Zuge dessen bis auf Pinus sylvestris als standorttypische Nadelholzart quasi alle anderen Nadelhölzer (und Obstbäume) egal welcher Höhe oder welchen Alters vogelfrei wurden.
Ausnahmen gibt es eventuell bei Eiben, da die unter Naturschutz stehen.
Ansonsten wurde aber insbesondere in den ersten Monaten und Jahren nach der Erneuerung der Verordnung ein Nadelbaumkahlschlag in Gärten wie Parks veranstaltet, dass man sich lebhaft an Kahlschlagflächen in Wäldern erinnert fühlte.
Insbesondere in den Nachkriegsjahren wurden ja allenthalben Picea omorika und pungens mit ihren Formen, Schwarzkiefern, Scheinzypressen, Thujen, Douglasien etc. pipapo in die Parks und Gärten gepflanzt bis zum Geht nicht mehr, weil das in Vorkriegszeiten vorhandene Grün zu größten Teilen im Kriege verheizt oder zerbombt wurde.
Die Koniferen waren hübsch anzusehen, blickdicht und pflegearm und wuchsen schnell, ideal also, um das städtische Bild umgehend wieder dicht und grün zu bekommen.
Die Koniferen wuchsen also ihre Jahrzehnte vor sich hin, und waren irgendwann durch die Baumschutzverordnung geschützt, die ohne Ausnahmegenehmigung keine Fällung von Bäumen über 30 cm Umfang erlaubte.
So waren viele Hausbesitzer und Grünflächenämter ziemlich in den Hintern gekniffen, weil ihnen de Hände gebunden waren, und unmöglich jeder gerne gefällt gewusste Baum ein Sturmschaden sein konnte, der dann ja weg
muss.
Auffallend war vor Inkrafttreten der Änderung denn auch, dass insbesondere nach Stürmen etc. auffallend viel Koniferenholz und -grün an den Straßenrändern lag, stammte also alles von "Sturmschäden" *hust*

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Nach der Änderung der Verordnung nun, wie gesagt, darf man jedweden Nadelbaum außer Pinus sylvestris hier in Berlin/ Brandenburg, egal wie alt und egal wie hoch, ohne weiteres fällen lassen, und davon wird ausgiebiger Gebrauch gemacht, weil man die "Sünden" der Nachkriegszeit beseitigen will und nun auch darf.
In der Nähe meiner alten Wohnung zB standen in den 80ern und 90ern quasi in jedem Garten mindestens 2- 5 Serbische oder Stechfichten, teils an die 20 m hoch, plus allerhand anderes Nadelholz, heutzutage aber ist davon mehr oder weniger nichts mehr übrig, über 20- 25 m hohe Stechfichten sind heute wirklich ein besonderer Anblick...
Kurzes Fazit: Die Welt, der Zeitgeist und damit der gartenbauliche Geschmack haben sich weiter gedreht, und darum die heutige Maxime "Wech mit dem Schmott der 50er, 60er und 70er Jahre..."!
Grüße, Landschaftsgärtner Andreas