Urwald schon wieder in Gefahr?

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kurt
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Urwald schon wieder in Gefahr?

Beitrag von kurt » 22 Okt 2010, 21:47

Hallo zusammen

Vor einem Jahr wurde entschieden, dass die neue Trasse des TGV im Oktober diesen Jahres festgelegt werde, also ob ihr mein Urwald zum Opfer fallen würde oder nicht. Davon hört man bis heute nichts mehr. Die französische Regierung hat momentan genug mit der geplanten Heraufsetzung des Renteneintrittsalters zu tun.
Jetzt ist aber eine neue Gefahr aufgetaucht. In einem eher kleinen Teil des Waldes, bestehend hauptsächlich aus Zitterpappeln, Birken, Schwarzerlen, Haselnüssen, Salix aurita und einigen jungen Stieleichen ist in grossen Mengen (zu Hunderten), nur auf dem Boden und auf verrottenden Baumstümpfen, (noch) nicht an den Baumstämmen selbst, der Hallimasch aufgetaucht. Laut den Links auf den ersten 2 Googleseiten soll er eine tödliche Gefahr für Nadel- und Laubbäume sein, da er nicht nur Totholz zersetzt, sondern auch Wurzeln und Stämme von gesunden Bäumen angreift und sein Mycel sich schnell über grosse Entfernungen ausbreitet. Abwehrmassnahmen sind nicht bekannt.
Wer verfügt über einschlägiges Wissen oder persönliche Erfahrung mit diesem Problem?

Gruss
Kurt
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P1020310 Pilze an Espenstammfuss scal 635 .JPG
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P1020307 Pilze im Espenwäldchen scal 635 .JPG
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P1020279 Gruppe auf Schwarzerlenstumpf scal 635 .JPG
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wolfram
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Beitrag von wolfram » 22 Okt 2010, 22:02

Hallo Kurt,
Deine Bilder sehen für mich nicht nach Hallimasch aus, bestenfalls das letzte. Aber man müßte den ganzen Pilz sehen, nicht nur den Hut von oben.
Bild 1 sieht aus wie Stockschwämmchen (lebt nur an totem Laubholz, Stubben).
Viele Grüße, Wolfram

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 22 Okt 2010, 22:52

Stockschwämmchen sehen anders aus. Das sind irgend welche ollen, ungeniießbaren Dinger.

Viele Grüße

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler » 22 Okt 2010, 23:39

Hallo!

Das ist definitiv ein Hallimasch. Da hast du wirklich ein Problem, allerdings in erster Linie beim Nadelholz. Übrigens ist der Pilz sicher schon längere Zeit im Boden vorhanden, die Fruchtkörper kommen erst jetzt im Herbst an die Oberfläche.
Ist übrigens ein ganz passabler Speisepilz, auch wenn er beim Zubereiten schwarz wird!

Hab leider im Moment keine Zeit mich näher zum Hallimasch zu äußern (Mein Sohn will an den PC :roll: ), werde das aber bald nachholen.

Gruß
Hannes

biloba
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Beitrag von biloba » 22 Okt 2010, 23:55

Hallo Kurt,

du wirst wohl künftig mit reichlich Pilzmahlzeiten gesegnet sein. Hallimasch - etwas kräftig im Biss - hat nur wenig eigenes Aroma. Du solltest immer noch einige andere Pilze wie Maronen, Steinpilze oder Pfifferlinge mit zubereiten, die Aroma liefern können.

Hier in der Gegend kenne ich einen Wald, in dem wir schon seit Jahrzehnten Hallimasch ernten. Die Bäume (Fichten) stehen heute noch. Gesunde, kräftige Bäume scheinen sich gegen den Pilz wehren zu können.


Die Bedrohung ist demnach nicht ganz so groß, wie du befürchtest.

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 23 Okt 2010, 11:08

Hallo, kann schon sein, dass es ein extrem heruntergekommener Hallimasch ist. Mich verwundern nur die dünnen Hüte und die Stiele sind zwar nicht zu sehen, aber man vermutet eher vom Habitus einen Rübling und nicht einen Hallimasch, der ja einen dicken Stiel besitzt.
Die Hüte laufen im Alter freilich flach aus oder sind sogar hoch gebogen und können bei günstigen Bedingungen so um die 20 cm Durchmesser haben.
So oder so sind diese Pilze nicht mehr genießbar, weil alt. Und auch als eßbar geltende Pilze werden im Alter ungenießbar bis giftig.
Von altem Hallimasch sollte man unbedingt die Finger lassen, denn er ist auch frisch schwer verdaulich und muss lange gekocht werden, wobei das Wasser weggeschüttet werden soll.

Viele Grüße

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb » 23 Okt 2010, 13:27

Hallo,

warum seht Ihr in allen natürlichen Begebenheiten immer sofort ein Problem?
Der Hallimasch hat eine biologische Funktion im Wald und die nimmt diese Pilzart auch wahr. Ohne Pilze würden wir im Holz ersticken, denn ihre Aufgabe besteht im Abbau und in der Erschließung des Holzes für andere Lebewesen.
Betrachtet den Pilz als einen Baustein in der Gesundheitspolizei des Waldes, welcher auch Gegenspieler hat. Im Urwald darf nicht eingegriffen werden, sonst geht das empfindliche System kaputt. Das gilt insbesondere für sich neu aufbauende ursprüngliche Wälder, wo sich die vielen Beteiligten erst aufeinander einstellen müssen.

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 23 Okt 2010, 16:09

Stimme ich grundsätzlich zu. Aber natürlich stellen bestimmte Tiere und Pilze eine besondere Gefahr dar.
Nicht in einem natürlichen Wald. Aber man kann das Waldstückchen von Kurt nicht allein Betrachten, sondern man muss sich auch Fragen, in welchem Gleichgewicht sich die Umgebung befindet und welche Einflüsse das auf den "Urwald" hat.
Da ich das nicht kann, sehe ich das auch erstmal neutral.

Viele Grüße

kurt
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Beitrag von kurt » 23 Okt 2010, 16:39

Hallo zusammen

Ich will mal der Reihe nach auf eure Beiträge eingehen.
@Wolfram
Ich war zuerst auch deiner Meinung, da ja im Internet und all den schlauen Pilzbüchern fast nur schnuckelige, kugel-,schirm- und glockenförmige Hüte von Hallimasch abgebildet sind. Obwohl ich mir nun schon 2 Jahre in einem Pilzforum meine Pilze bestimmen lasse und dabei etwas gelernt haben sollte, bin ich nicht auf Hallimasch gekommen. Aber, es ist definitiv eine der 7 Hallimascharten. Welche, kann wohl nur durch Mikroskopiereung der Sporen eruiert werden.
@biloba
Danke für deine Beobachtung, dass gesunde Bäume dem Hallimasch widerstehen können
@kiefernspezi
Die gezeigten Pilze, ausser der 1. Gruppe, sind nicht "extrem heruntergekommen" sondern der Normalfall dieser Art. Die Hinweise betreffs Verzehr werden in den Google-Links schon zum geht nicht mehr durchgekaut.
@Mahaleb
Du hast geschrieben:warum seht Ihr in allen natürlichen Begebenheiten immer sofort ein Problem?
Du hast mit allem recht, was du geschrieben hast, nur trifft das obige Zitat den Kern des Problems nicht. Wie schon mehrfach erwähnt, greife ich in die Entwicklung "meines" Urwalds nicht ein, mit einer Ausnahme: Ich entferne ab und zu Brombeerstauden, die sich in die Kronen jüngerer Bäume hochwinden und sie im Wachstum behindern. Ich bin nur Beobachter. Andererseits wäre ich nicht "amused", wenn eine einzelne Pilzart der Entwicklung des natürlich sich entwickelnden Urwalds ein Ende setzen würde. Aber auch dann würde ich den Niedergang einfach dokumentieren, mich nicht frustrieren lassen. Zu deiner Bemerkung über Totholzzersetzer. Davon habe ich schon genug, dafür bräuchte es den Hallimasch nicht auch noch. Denke ich zumindest.
Wenn jemand nach den nachfolgenden Fotos noch sicher die Art bestimmen könnte, wäre ich dankbar.

Gruss
Kurt
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P1020235 Alter Hallimasch scal 635 .JPG
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P1020242 Junger Hallimasch scal 635 .JPG
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Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 23 Okt 2010, 19:38

Junger Hallimasch, wie man ihn ernten sollte, hat kugelige Hüte. Ist der Hut so weit geöffnet, ist er nicht mehr jung. Dann kann man ihn dann noch nehmen, wenn er sehr kräftig ausgebildet ist.
Ich wollte Deine Pilze nicht beleidigen, aber...vielleicht ist es ja auch kein Hallimasch. Da scheint ja so ein milchiger Saft auszutreten.

Viele Grüße

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler » 24 Okt 2010, 00:42

Ich will meine erste Antwort etwas genauer formulieren.
Ein Problem hast du nicht in dem Sinne, dass dir der Hallimasch den Waldbestand flächig zerstört, sondern nur falls du den Pilz komlett entfernen (vernichten)willst. Aber das hast du ohnehin nicht vor.
Die verschiedenen Arten des Hallimasch beeinflussen auch die Bäume unterschiedlich. Grundsätzlich kann man sagen (so wirds in der Forstausbildung gelehrt): Hallimasch lebt auf Laubhölzern saprophytisch und auf Nadelhölzern parasitisch. Aber ganz so einfach dürfte das nicht sein.
Eines ist aber sicher. Bei Fichte, Lärche und auch Douglasie ist der Hallimasch sehr wohl in der Lage, einzelne auch gesunde und große Bäume umzubringen. Vom Hallimasch befallene und getötete Fichten erkennt man daran, dass die Rinde auf dem ersten Meter vom Boden aufwärts fest am Baum haftet und darüber fällt sie ab. Wenn man die Rinde vom Baum abreist, erkennt man ein weißes Netz zwischen Holz und Rinde. Das ist das Myzel, das den Saftstrom des Baumes unterbunden, und ihn somit umgebracht hat.
In einem Urwald hat der Pilz aber sicher seine Daseinsberechtigung und trägt auf seine Weise zur Entwicklung des Bestandes bei. Daher finde ich deine Einstellung zu der Sache super.

Ich häng noch einige Bilder an damit du siehst, was der Hallimasch kann:
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PICT6610.JPG
Hallimasch
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PICT6607.JPG
Hallimasch auf Schwarzerle
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kurt
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Beitrag von kurt » 24 Okt 2010, 10:05

Hallo Mostviertler

Danke für deine eindrücklichen Bilder aus der Praxis. So habe ich den Hallimasch noch nie gesehen.
Meine Laubbäume, ich habe nur 2 erwachsene und ca. 5 junge Nadelbäume, sind also nicht in akuter Gefahr eines Totalschadens.
Ich war schon sauer auf die Evolution, weil sie Lebewesen hervorgebracht hat, die sowohl saprobiontisch als auch parasitisch leben. Als Totholzzersetzer hätten sie ja genug zu tun, müssten nicht auch noch gesunde Bäume zersrören. Dabei ist mir eingefallen, dass ich noch so eine Art kenne. Die fällt auch gesunde Bäume und steckt dann das Totholz in den Ofen oder fertigt daraus Häuser und Möbel :) Ich kann also der Evolution keine Vorwürfe machen.

Gruss
Kurt

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 24 Okt 2010, 11:13

Glückwunsch. Nicht jeder ist so selbstkritisch und einsichtig. :wink:
Ich finde, bei Mostviertler sehen die Pilze ganz anders aus - eben wie Hallimasch aussehen soll.

Viele Grüße

Piru
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Beitrag von Piru » 24 Okt 2010, 15:29

Hallo Mostviertler,

das hört sich interessant an. Hättest du evtl auch Bilder eines abgestorbenen Baumes, bei dem deutlich dieser unterschied der festen Rinde und der abblätternden zusehen ist? Und auch eines von dem weißen Myzel?

Lg Anja
Viele kleine Leute,
die viele kleine Schritte tun,
gestallten unsere Erde neu!

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler » 24 Okt 2010, 16:40

Hallo Piru!

Aktuell hab ich keine Fotos, aber wenn ich das nächste mal solche Bäume sehe, werde ich Fotos machen und dann ins Forum stellen.

Gruß
Hannes

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