Bauplan Zweige mit Blättern

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Kiefernspezi
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Bauplan Zweige mit Blättern

Beitrag von Kiefernspezi »

Hallo,

wie alle wissen, kenne ich mich mit Laubbäumen ja nicht so gut aus. Deshalb hier eine Frage: Wenn eine Art normalerweise gegenständige Blätter hat, kann es passieren, dass auch Bäume spontan wechselständige Blätter entwickeln?
Sind solche Beispiele bekannt?

Viele Grüße

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler »

Hallo Kiefernspezi!

Davon hab ich noch nie gehört oder gelesen. Das wär so, wie wenn Pinus sylvestris plötzlich fünfnadelig wachsen würde. Dann wärs nicht mehr Pinus sylvestris!
Wenn das vorkommt, dann kann das nur eine krankheitsbedingte Veränderung sein.

Leichte Verschiebungen der Blattansätze um einige mm kann ich mir schon vorstellen, aber das hat mit gegenständig ja nichts zu tun.

Gruß
Hannes

JDL
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Beitrag von JDL »

yes André,

This happens (often).

e.g.

Fraxinus, Cercidiphyllum, Rhamnus to mention a few.

grts

Jan

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Das sind zwei sehr unterschiedliche Antworten. Wer kann noch was dazu sagen?

@Mostviertler: Die Anzahl der Nadeln ist nach meinen Recherchen nicht gleichzusetzen mit dem Bauplan der Blätter. Vielmehr sind es die Nadelbüsche insgesamt, die man mit den Blättern gleichsetzen kann.
Was die Anzahl der Nadel im Bündel betrifft, so sind die Arten der Alten Welt und die Stroben darüber gut bestimmbar.
In der neuen Welt sieht es ganz anders aus. Da kann bei einer Art die Anzahl der Nadeln im Bündel stark variieren. Herausragendes Beispiel ist Pinus montezumae, die von 3-8-nadelig alles zu bieten hat.

Viele Grüße

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Gibt es bei abweichender Blattstellung Differenzen in der Fruchtbildung?

Viele Grüße

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler »

JDL hat geschrieben:yes André,

This happens (often).

e.g.

Fraxinus, Cercidiphyllum, Rhamnus to mention a few.

grts

Jan
Very Intresting, do you have some fotos to show this? Are those mutations all over the tree or is it possible that only a few branches have the different growth?

grts
Hannes

JDL
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Beitrag von JDL »

Cercidiphyllum

JDL
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Beitrag von JDL »


Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler »

Thank you!

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Ich frage natürlich aus einem ganz bestimmten Grund: Während meiner Untersuchungen der verschiedenen Koniferengattungen war zu erkennen, dass sich der Bauplan der Zapfen immer von der Nadelstellung ableiten ließ. Gegenständige Nadeln = gegenständige Zapfenschuppen, spiralig angeordnete Nadel/Bündel = spiralig angeordnete Zapfenschuppen usw.

Ich hatte vor einiger Zeit mehrere von der Norm abweichende Zapfen eines Urweltmammutbaums gefunden. Die Zapfenschuppen folgen nicht dem für die Art typischen gegenständigen Schuppenbauplan, sondern sie haben spiralig angeordnete Zapfenschuppen.
Meine nächste Frage ist nun: Besitzen dann auch die Zweige einen abweichenden Nadelaufbau?
Vielleicht so Richtung Sumpfzypresse oder Küstenmammutbaum?
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Hessekopp
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Beitrag von Hessekopp »

Hallo Kiefernspezi,

ich selbst habe da nie drauf geachtet, aber jetzt, wo du das Thema anschneidest, erinnere ich mich, da etwas gelesen zu haben, was nicht in dein Chema zu passen scheint.

Andreas Bärtels schreibt in seiner Enzyklopädie der Gartengehölze zu M.g.:
...
"Blätter nadelförmig, an Langtrieben schraubig stehend, im Herbst einzeln abfallend, an Kurztrieben 2-reihig sitzend, sich fast gegenüber stehend"
...

Irgendwo anders - ich weiß nicht mehr wo - habe ich zur Nadelstellung an den Kurztreben von M.g. auch schon das Wort "scheingegenständig" gelesen.

Nach Bärtels sind also nichtmal die Kurztriebe "gegenständig" und selbst, wenn man da Bärtels einfach widerspricht, bleibt noch die schraubige Nadelstellung an den Langtrieben.

Nach Bärtels in Kombination mit deiner Theorie hättest du vor einiger Zeit also nicht ein paar Zapfen gefunden, die von der Norm abweichen, sondern endlich solche aufgetrieben, die in die Norm passen.

Ein anderes Beispiel, welches sich mir gerade aufdrängt, sind die Chamaecyparis pisifera des Squarrosa-Zweigs. Die Nadeln stehen nicht selten zu dritt wirtelig und eben nicht gegenständig, während der Zapfen - soweit mir bekannt ist - symmetrisch aufgebaut ist.
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Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Hi,

@Hessekopp: Vielen Dank für den Hinweis! :P
Das mit Chamaecyparis ist sehr interessant. Wäre gut, wenn Du da Fotos auftreiben könntest.

Was Metasequoia glyptostroboides betrifft, so hat der gute alte Bärtels natürlich recht und es handelt sich insofern um eine Scheingegenständigkeit, als dass der Blattgrund gegeneinander verdreht ist und nur die Nadel als solches gegenständig ist.
Bei dieser seltsamen Konifere gibt es - wenn ich das richtig verstanden habe - eine Unterscheidung zwischen Langtrieben, die spiralig angeordnete Nadeln bilden und dauerhaft sind, und Kurztrieben mit gegenständiger Nadelanordnung. Letztere sind nicht dauerhaft und fallen im Spätherbst ab.
Die Zapfen orientieren sich also in ihrer Ausrichtung an den Kurztrieben, an dessen Ende sie wachsen. Was wieder zu meiner Vermutung führt, dass einige dieser Kurztriebe eine andere Blattstellung als die übliche aufweisen.
Mitlerweile habe ich etliche Metasequoien abgesucht ohne Zapfen mit spiralig angeordneten Schuppen zu finden.
Die fotografierten Zapfen stammen aus dem Vorjahr von einem bestimmten Baum. Letzte Woche war ich da und habe wieder einen frischen Zapfen mit spiralig angeordneten Zapfenschuppen gefunden. Es handelt sich also vermutlich um eine dauerhafte Fehlbildung einzelner Kurztriebe.
Am besten wäre, sich die Zapfen am Baum mal näher anzuschauen. Leider ist der ganz schön hoch und es dürfte schwierig sein, die richtigen Zweige zu finden.

Viele Grüße

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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo kiefernspezi,
nach dem Beitrag von Hessekopp vielleicht noch ein paar grundsätzliche Bemerkungen:
bei den Pinaceae haben die Sämlinge wohl immer wechselständige Nadeln mit relativ großen Abständen.
Bei adulten Pflanzen sind die Nadeln teils anders geformt und haben auch durch Anordnung in einer Ebene teils scheinbar z.B. 2-zeilige Anordnung.
Bei Pinus selbst stehen die Nadeln als Büschel an Kurtztrieben so eng, daß man eine Stellung nicht beurteilen kann, die Kurztriebe selbst stehen in den Achseln von sehr kleinen Tragblättern (braune Schuppenblätter), die selbst wechselständig stehen, so daß auch die Kurztriebe wechselständig stehen.
Je gleichmäßiger das Wachstum ist und je stärker der Sproß gestaucht ist, desto deutlicher ist - bei tatsächlich spiraliger Verteilung - oft eine zeilige Anordnung entlang des Sprosses zu sehen (ist z.B. auch die Ursache für das Erscheinungsbild von sukkulenten Kakteen oder Euphorbien).
Die Zapfenschuppen sind selbst morphologisch umgewandelte Blätter, die vergrößert an einem stark gestauchen Sproß stehen. Daher ist eine wechselständige, spiralige Anordnung, die zeilig wirkt, eine zu erwartende Erscheinung.

Hessekopp zitierte die "Scheingegenständigkeit nach Bärtels".
Das läßt vermuten, daß die tatsächliche, wechselständige, spiralige Anordnung bei anderen Nadelbaum-Gattungen - eben auch Metasequoia - der Normalfall ist.
Davon ausgehend hast Du bei Deinem "normalen" Zapfen keine Gegenständigkeit, sondern spiralig angeordnete Schuppen, die durch die starke Stauchung 4-zeilig angeordnet erscheinen. Bei Deinem abweichenden Zapfen hast Du insofern nur den Fall einer Wachstumsstörung, die die spiralige Anordnung der Schuppen 5-zeilig erscheinen läßt.

Hessekopps Verweis auf Chamaecyparis ist möglicherweise auch schon ein Hinweis zu Deinem anderen Thread zu Juniperus.
In beiden Fällen hast Du eine sehr ausgeprägte Erscheinung von unterschiedlichen Jugend- und Altersblättern.
Auch die scheinbar gegenständig oder wirtelig angeordenten Schuppenblätter mancher Arten bzw. Altersformen bestimmter Arten sind möglicherweise extrem gestauchte spiralige Blattstellungen!
Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Das wäre ja mal ein interessanter Diskussionspunkt. Wie gesagt sind die anderen Koniferen, insbesondere die Zypressengewächse, eher Neuland für mich. Daher bin ich für jede Idee offen.
Wenn der spiralige Wuchs der Grundkonstruktionsplan in der Natur ist, dann müßte es Gründe geben, warum zahlreiche Pflanzen einen anderen Weg gehen. Die überwiegende Zahl der Zypressengewächse hat einen anderen Bauplan.
Zunächst hatte ich die Vermutung, dass man es einfach daran fest machen kann: Je mehr Fruchtblätter ein Zapfen hat, desto eher neigt er zu spiraligem Wachstum.
Aber das ist natürlich unwahrscheinlich, weil der Zapfen ein Produkt seines entsprechenden Kurztriebs ist und dessen Bauplan übernimmt. Insofern ist es die Frage, welche Bäume entwicklungsgeschichtlich Älter sind: z.b. Kiefern, Fichten, Tannen oder Zypressen und Scheinzypressen.
Außerdem scheint der Urweltmammutbaum sehr effektiv in der Wahl seiner
Zweigbaupläne zu sein. Gegenständiger Wuchs scheint Energie einzusparen, denn nur die Kurztriebe wachsen so - und die fallen bekanntlich jedes Jahr ab!
Vielleicht ist demnach der einfache Bauplan des Zapfens keine vergrößerte Stauchung - was ich eher nicht glauben kann, da deutlich weniger Zapfenschuppen pro Achsenzentimeter vorhanden sind als beim gegenständigen Bauplan - sondern das Resultat einer Energiesparenden Vereinfachung? :P

Hessekopp
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Beitrag von Hessekopp »

Bilder zu der Squarrosa habe ich nicht. Die Pflanze (eine ewig juvenile Chamaecyparis) war überwiegend zu dritt wirtelig und zeigte nur am Zweigende Gegenständigkeit.

C.pisifera 'Squarrosa' ist mir bisher nur die eine (eigentlich eine ganze Hecke) untergekommen. Was man aber gelegentlich mal antrifft, sind andere ewig juvenile Scheinzypressen wie C. pisifera 'Boulevard' (eine Mutante von 'Squarrosa') und noch häufiger C. lawsoniana 'Ellwoodii'. Wie bei diesen beiden die Nadeln stehen, weiß ich nicht, aber wenigstens die Ellwoods-Scheinzypresse wächst bestimmt auch in deiner Nachbarschaft (eine dieser typischen Vorgartenraketen). Ich habe bei den ewig juvenilen Scheinzypressen nicht mehr auf die Nadelstellung geachtet, seit ich weiß, daß es welche gibt, die auch wirtelig angeordnete Nadeln haben.
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