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Friedhofsbäume

Verfasst: 20 Sep 2010, 01:02
von baumlaeufer
Hy,
wer kann mir weiterhelfen mit ein wenig Literatur zum Thema: - Bäume auf Friedhöfen - ( Symbolik z. der Trauerbäume ; Lebensbaum ) etc

Muß ja nicht nur im Internet stehen. Man kann so was ja auch mal ausleihen in öffentlichen Büchereien

Ich möchte eine Exkursion vorbereiten zum Thema Bäume auf Friedhöfen und dabei Lebensbäume, Trauerbuchen , Eiben etc mit der Bedeutung für den Menschen in Verbindung mit der letzten Ruhestätte ansprechen.
Danke für Tips
vom
Baumlaeufer

Verfasst: 20 Sep 2010, 10:46
von Blattknospe
Hallo Baumlaeufer,

kennst du schon folgende pdf-Broschüre? Lebensraum Friedhof -
Naturschutz auf Friedhöfen
, herausgegeben von der Stiftung Naturschutz Berlin.

Viel zur Symbolik steht da zwar nicht, ist aber immerhin ein guter Ausgangspunkt für weitere Recherchen!

Hier der Link, die vierte Publikation der Liste: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/n ... ndex.shtml

Viel Erfolg beim Forschen!

Viele Grüße,
Ferula

Verfasst: 20 Sep 2010, 11:12
von LCV
Hallo Wolfgang,

in südlichen Ländern findet man auf Friedhöfen oft keinen einzigen Baum. Da übertreffen sich die Familien mit Gruften und verschnörkelten Bauwerken. Kein Platz für Bäume.

In Deutschland sind ältere Friedhöfe meist von alten Bäumen bestanden, die ein gedämpftes Licht verursachen. Unser alter (aufgelassener) Friedhof hat einen alten Baumbestand, z.B. sehr große Silberlinden, die damals als Allee gepflanzt wurden. Leider hatte man den Abstand falsch berechnet. Die Bäume neigen sich deshalb nach außen und mussten zum Teil mit Drahtseilen verspannt werden. In den letzten Jahren hat ein Pilz von unten angegriffen, weshalb schon ein paar Bäume gefällt werden mussten. Es ist von außen nichts zu sehen, aber durch Abklopfen erkennbar. An den Baumstümpfen sieht man, wie weit der Befall geht. Bei Sturm fallen solche Bäume leicht um. In einem anderen Bereich hatte man Birken gepflanzt, was wohl auch nicht ideal war. Die Birken wurden entfernt und durch Eichen ersetzt. Koniferen sind auf unserem Friedhof die Ausnahme. Es gibt noch einige Trauerbuchen und auch ein paar alte Kastanien.

Ich vermute, dass es zumindest früher bei der Anlage von Friedhöfen darum ging, diesen Halbdunkeleffekt zu erzielen. Da sind solche Linden, Kastanien, Buchen und Eichen, evtl. auch Platanen geeignet. Große Bäume mit ausladender Krone geben viel Schatten. Ein solches Blätterdach schirmt auch etwas den Lärm ab. Deshalb herrscht auf Friedhöfen eine gewisse Stille.

Gruß Frank

Verfasst: 20 Sep 2010, 13:45
von Gata
Hallo,
in Minden, Westf. hat man den alten Friedhof zum Botanischen Garten "umbenannt", um den alten Baumbestand zu schützen.

http://www.minden.de/internet/page.php? ... id=7000451

Verfasst: 20 Sep 2010, 14:23
von Kiefernspezi
Bedeutsam sind eher die Gestecke und Blumen, die auf den Gräbern zu finden sind. Bäume gibt es kunterbunt viele und von daher verwundert es schon gar nicht, dass ein Friedhof den Status eines botanischen Gartens erworben hat.
Die Tränenkiefer mit den traurig hängenden Nadeln weint aber nicht wegen der Toten und die Eibe hat sie auch nicht vergiftet.
Der Grund für die häufige Pflanzung von Nadelbäumen ist, dass sie auch im Winter grün bleiben.
Ich glaube nicht an eine ausgeprägte Baumkultur. Zypressen, Scheinzypressen und Lebensbäume wurden eher deshalb so häufig gepflanzt, weil sie Säulenformen bilden und Juniperus wegen des leichten Händlings. Aus dem gleichen Grund ist die Mädchenkiefer hier sehr stark in Mode gekommen.

Viele Grüße

Verfasst: 20 Sep 2010, 19:38
von Gabi Paubandt
Hallo Wolfgang,

ich hatte mal von einem Kollegen ein Buch, wenn auch vielleicht etwas schwülstig:

Baumzauber - Die 22 Kultbäume der Schweiz, Amalia-Verlag, ISBN 978-3-905581-27-0
<< Dieses Buch handelt von den letzten Kultbäumen der Schweiz. Beschrieben werden 22 „sprechende“ Bäume oder Spielarten der Baumverehrung quer durch die Mythenlandschaft der Schweizer Kantone. Das Buch zeigt die Schönheit der Bäume auf, so dass wir die „stummen“ Nachbarn wieder wahrnehmen. Ebenso stellt derAutor die Kulturgeschichte und Mythologie dieser Kultbäume ausführlich dar. Dadurch wird verständlich, warum den Menschen die Bäume so wichtig waren. Ausserdem wird sichtbar, wie die uralte animistische Tradition auch in der modernen Zeit überlegt hat. Nicht zuletzt fördert dieses Buch die Begegnung mit den Bäumen. Die Hinweise, die Tipps und Wandervorschläge laden zu einer Baumreise ein. Zauberhafte Entdeckungen und Walderlebnisse sind den Reisenden garantiert.>>

Dort gibt es auch ganz mystische Geschichten, daß die Seelen der Toten in den Bäumen weiterleben. Früher hat man sich bei den Ahnen entschuldigt, bevor man einen Baum fällt hat.

Gruß Gabi

Verfasst: 20 Sep 2010, 21:07
von Kiefernspezi
Das ist eine schöne Geschichte.

@baumläufer: Die Konifere, die in meinem aktuellen Zapfenrätsel gesucht wird, ist übrigens ein besonders geeignetes Friedhofsgewächs. Obwohl sie nicht selten ist, ist sie dem Namen nach nicht so bekannt, da sie i.d.R. verwechselt wird mit Juniperus oder Thuja.
Hier ist die Geschichte einfach: Diese Pflanze wächst nur kriechend, nimmt nicht viel Platz weg und sieht immer gut aus.
Deshalb hat sie sich auf den Friedhöfen besonders gut etabliert. In Vorgärten ist sie weit weniger zu finden, wenn auch ebenso gut geeignet.
Offenbar findet man im Garten den Wandel der Jahreszeiten attraktiv, auf dem Friedhof möchte man weniger an die Vergänglichkeit erinnert werden, und man setzt verstärkt auf die immergrünen, sich scheinbar kaum verändernden Koniferen...

Viele Grüße

Verfasst: 21 Sep 2010, 00:12
von baumlaeufer
@Hy Ferula, Ja sehr hilfreich ist die Broschüre vor allem die Seiten zur Pflanzensymbolik und "Bäume spenden mehr als nur Schatten "

Die Berliner Adresse für die Friedhofsführungen werde ich mal befragen
LCV hat geschrieben: In Deutschland sind ältere Friedhöfe meist von alten Bäumen bestanden, die ein gedämpftes Licht verursachen.......
Ich vermute, dass es zumindest früher bei der Anlage von Friedhöfen darum ging, diesen Halbdunkeleffekt zu erzielen.
Gruß Frank
@ Frank, das habe ich auch schon irgendwo gelesen. Ich möchte gerne mal nen ostfriesischen Friedhof in Augenschein nehmen, weil das dort wegen des Schattenwurfes in der sonst eher baumkargen Landschaft ausgeprägt sein soll.
Kiefernspezi hat geschrieben: Die Tränenkiefer mit den traurig hängenden Nadeln weint aber nicht wegen der Toten und die Eibe hat sie auch nicht vergiftet.

Viele Grüße
@ Andre ich habe in Südengland auf Kirch- / Friedhöfen gewaltige Eiben gesehen wie die in Ashbrittle mit über 11 Metern Umfang und entsprechend 4 stelligem Alter. Deren Totenkult aus Keltischen Zeiten ist belegt und hat die Bäume vor der Verwendung als Material für Longbows gerettet.

@Gabi, danke für den Buchtip !!!

@gata, die Mindener Erweiterungen der Bestattungsstätten finden sich nahezu überall in den Großstädten

@erneut Kiefernspezi: soll ich das noch mal als Monatsthema nachreichen ??? wäre doch was....

Für Techniker mal ne Frage: Ich habe mir in Google Maps ne Karte erstellt und da ist auch der Zentralfriedhof in Münster zu sehen
Fordert man das Satellitenbild an:
Luftbild Zentralfriedhof Münster
kann man sehr schön das Kreuz der Silberlindenalleen sehen. Nur, wie kann ich das auch ausdrucken???

bedankt
vom Baumlaeufer

Verfasst: 21 Sep 2010, 02:23
von Karola
baumlaeufer hat geschrieben:Für Techniker mal ne Frage: Ich habe mir in Google Maps ne Karte erstellt und da ist auch der Zentralfriedhof in Münster zu sehen
Fordert man das Satellitenbild an:
Luftbild Zentralfriedhof Münster
kann man sehr schön das Kreuz der Silberlindenalleen sehen. Nur, wie kann ich das auch ausdrucken???
Die Google Maps Druckfunktion liefert leider nur eine reine Straßenkarte. Von den Satellitenbildern muss wohl ein Screenshot gemacht werden (Taste "Druck" oder Spezialprogramm, in eine Bildverarbeitung einfügen), der dann gedruckt werden kann.

Viele Grüße
Karola

Verfasst: 25 Sep 2010, 00:20
von baumlaeufer
Danke Karola,
hat geklappt mit dem Druck. Das Kreuz (aus Linden-Alleen )ist so schön zu sehen, daß man es zeigen muß !!
Grüße vom Baumlaeufer

Verfasst: 25 Sep 2010, 19:24
von Roseo-Marginata
Hallo Baumläufer, ich möchte auch nochmal speziell auf die Eibe hinweisen. Sie steht häufig auf Friedhöfen, aus verschiedenen Gründen.
Hier einer der vielen Links:
Aus dem Mund eines jeden Toten wächst eine Eibenwurzel, behauptet eine bretonische Sage. Daher wagt man es nicht, große Friedhofseiben zu fällen. Als solche hat die Eibe Tradition: in England findet man auf Friedhöfen schon 1000jährige Exemplare. Neben ihrem Ruf als Totenbaum symbolisieren immergrüne Nadelgewächse auch die Hoffnung auf ein ewiges Leben.
Link: http://www3.lanuv.nrw.de/static/infosys ... n/eibe.htm

Wenn es wirklich ein Buch sein soll, kann ich den 'Eibenfreund' empfehlen. Erscheint im Sierke Verlag, es gibt eine Reihe von Ausgaben.

Verfasst: 25 Sep 2010, 19:29
von Piru
Hallo Wolfgang,

ich könnte dir Sachen zur Eibe besorgen, muss nur noch mal in meinem Fundus wühlen. Würde dir die Sachen kopieren und zuschicken. Falls du daran Interesse hast.

LG Anja

Verfasst: 25 Sep 2010, 21:51
von baumlaeufer
Hallo Roseo und Piru
danke für die Eibentips. Das Zitat kenne ich und die Hinweise zur Bedeutung von Eiben auf Friedhöfen schon recht gut. Nur bei den Trauer/Hängebaumformen und dem Lebensbaum speziell brauche ich noch was !!!

Baumlaeufer

Re: Friedhofsbäume

Verfasst: 09 Dez 2020, 23:58
von baumlaeufer
Ich habe die Lindenallee auf dem Zentralfriedhof mal im Schmuddellicht des Dezembers 2020 festgehalten

Baumlaeufer