Baum gesucht

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fichtenspecht
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Baum gesucht

Beitrag von fichtenspecht »

Hallo zusammen,

ich bin hier neu. Ich habe mir einen kleinen Traum erfüllt und mir meinen eigenen Wald gekauft. Nur kein Neid, ist nur ein halber Hektar (fast) Kahlschlagfläche. Nur deshalb war er billig genug um ihn zu kaufen. Südhang, jetzt im Sommer eine Bullenhitze, im Winter ein eiskalter Wind. Noch gibt es keinen Windschatten. Boden ist nur Lehm, feucht bis wechselfeucht und etwas sauer. Der Vorbesitzer hat Linde,Bergahorn, Erle und Buche angepflanzt. Auf natürliche Weise ist Weide, Eiche, Pappel und Fichte gekommen. Alles was nun an Sträuchern so gebraucht wird (Schlehe, Weißdorn, Faulbaum, Kornellkirsche) habe ich als Windschatten schon anpflanzen lassen. Für die restliche Fläche möchte ich nun Bäume anpflanzen die nicht überall zu finden sind. Keinesfalls möchte ich eine Fichtenreinkultur. Ich denke da eher an seltene Arten wie Speierling, Elsbeere und Mispel. Mit der Fläche muss ich KEIN Geld verdienen, was da wächst, bleibt bis es auf natürliche Art und Weise vergeht.
Meine Frage wäre ob Ihr für mich Vorschläge habt was auf dieser Fläche eine reale Chance zum Überleben hat und irgendwie als "einheimisch" bezeichnet werden kann.
Ich bin auch an Bezugsquellen bzw. Baumschulen interessiert die das auch pflanzen. Die Baumschulen die ich bin jetzt gefunden habe sind nur daran interessiert möglichst schnell alle 50cm eine Fichte in den Boden zu schrauben. Als "Schreibtischtäter" schaffe ich höchstens einen Baum pro Wochenende.
Vielen Dank im voraus.


PS Im Raum um FFB kenne ich einen Wald mit Elsbeeren.
Interessiert das jemand?
Zuletzt geändert von fichtenspecht am 18 Jul 2010, 22:13, insgesamt 1-mal geändert.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo,

das ist nicht ganz leicht zu beantworten. Denn im Waldbau verhalten sich manche Bäume anders als im Garten. Auch kommen hier viel mehr Faktoren zum tragen. Etwa Bodenqualität, Seitendruck, Grundwassertiefe usw. Kannst du oder willst du sie in den ersten Jahren etwas pflegen oder sind sie völlig auf sich gestellt?

Sicherlich könntest du Eiben ( Taxus ) einstreuen. Versch. Eichen, Ebereschen, Mehlbeeren. Für die Herbstfärbung vielleicht Acer rubrum ( nicht einheimisch). Lärchen gehen wahrscheinlich auch. Man kann sicher eine ganze Reihe mehr nennen, ob sie dann tatsächlich auf deiner Fläche gedeihen hängt dann auch vom Kleinklima und den Startbedingungen ab.
Und nicht vergessen, alles eindrahten wegen Hasen,Rehe,Hirsche.

Vielleicht kannst du auch noch ein bisschen präzesieren. Einheimisch wärst du sehr festgelegt. Bei Nadelbäumen hast du da kaum Auswahl und auch bei Laub gibt es sehr schöne, robuste aus anderen Herkünften. Willst du mehr Laub- oder mehr Nadelgehölze pflanzen?

VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

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LCV
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Beitrag von LCV »

Wichtig auch:

In welcher Gegend, welche Höhe ü.d.M., durchschnittliche Niederschlagsmengen usw.

Gruß Frank

fichtenspecht
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Beitrag von fichtenspecht »

Hallo

und Danke für Eure Antworten. Ich versuche mal die Fragen zu beantworten. Bodenqualität würde ich als nicht allzu gut einstufen (Lehm,Schluff, Ton). Was Seitendruck ist weiß ich nicht, die Bäume stehen jedenfalls in ausreichenden Abstand zueinander. Auch Grundwassertiefe kann ich nicht beantworten, aber Wasser dürfte kein Problem sein sobald die Wurzeln zum Mutterboden Kontakt gefunden haben. Wie gesagt bin ich an einen Südhang, ein paar Meter über einen großen Bach der in einen Stausee übergeht. Windachspeicher heißt der, vielleicht kennt jemand die Niederschlagsmengen dort? Im Prinzip sind mir Pflanzen lieber die auch ohne mich überleben (Müssen sie irgendwann sowieso) aber einfache Pflegearbeiten kann ich durchführen. Die Fläche ist eingezäunt und wenn notwendig werden die Bäume nochmals einzeln geschützt. Fünf Eiben sind schon gepflanzt, zwei entwickeln sich schon richtig gut. Eine Herbstfärbung ist mir nicht so wichtig, besser wäre Nahrung für Tiere oder Insekten. Mit "einheimisch" meine ich so halbwegs in Europa zu-hause. z.B. wünsche ich mir eine Baumhasel, die aber in der Türkei zu hause ist. Das könnte ich noch "tolerieren" :-) . Nadelbäume gefallen mir nicht ganz so gut, aber wenn es seltene Nadelbäume gibt haben sie selbstverständlich ein Bleiberecht :-)
Ebereschen sind schon da, aber noch klein. Mehlbeeren wurden gepflanzt sind aber vermutlich bei der Hitze eingegangen. Eine große Lärche ist den Sägen des Vorbesitzers entgangen, aber junge Lärchen sind auch in der Nachbarschaft kaum zu finden. Alles was ich höre kommt erst einmal auf die Wunschliste. Die endgültige Entscheidung überlasse ich Menschen die sich damit auskennen.
Ja und nun hoffe ich, ich konnte alles so halbwegs beantworten.
In jeden Fall schon mal ein herzliches Dankeschön.

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

ich habe mir Deinen Wald via Google maps angeschaut. Geht das Grundstück bis an den Bach? Dann würde sich anbieten, in Bachnähe diverse Weiden zu setzen.

Gruß Frank

Gata
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Beitrag von Gata »

fichtenspecht hat geschrieben: Eine Herbstfärbung ist mir nicht so wichtig, besser wäre Nahrung für Tiere oder Insekten. Mit "einheimisch" meine ich so halbwegs in Europa zu-hause.
Wenn es dir um Futterquellen geht, könntest du auch eine Streuobstecke andenken und planen, ob irgendwo eine Benjes - Hecke Platz hätte.
Haselnüsse und Felsenbirne haben auch gern gefressenen Früchte, ebenso Kastanien. Wie ist es mit Walnussbäumen?

ApachePine
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Beitrag von ApachePine »

Ein Ginkgo (in Asien heimisch ) findet sicher auch Platz :wink:

Was dafuer spricht :

Baum des jahrtausends
essbare Fruechte
ressistent gegen schaedlingsbefall


Andere Vorschlaege waeren Winterlinde Weissbirke oder Rotbuche

Walnussbaeume oder Pekannussbaeume als Nahrungslieferant fuer Tiere sind auch nicht schlecht doch die Pekannuss ist nicht in Europa heimisch

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

In Bachnähe könntest du auch Metasequoia, Taxodium,Sequoiadendron versuchen.

Für die Tierwelt: Kornelkirsche, Felsenbirne, Sanddorn, Schneeball, Baumhasel und Haselnuss..

Wenn du etwas fürs Auge möchtest als Hingucker: Picea orientalis Aureospica, Pinus jeffreyi, Picea breweriana, Abies grandis+ concolor oder auch eine sehr harte Zeder ( z.B. Cedrus deodara Karl Fuchs), Liriodendron, Catalpa,. Aber das muss man im Einzelnen probieren mit einem Hang zum Risiko.

Auch die Nadelbäume sind enorm wichtig für die Vögel, denn sehr viele Arten bevorzugen im Frühjahr die Versteckmöglichkeiten für ihre Nester.

Eine ausgewogene Mischung ist hier das Beste ( wenn man genug Platz hat ).

VG Wolfgang
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Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Die Gelbkiefer kommt auch in Frage. Die Wuchsleistungen sind noch höher als die der Jeffrey-Kiefer.
Eine Reizvolle Mischung sind die von Cryptomeria angesprochene Zeder und die Tränenkiefer.
Lärche ist auch interessant.

fichtenspecht
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Beitrag von fichtenspecht »

Nochmals hallo

und vielen Dank für die tollen Vorschläge. So macht das Spaß.
Ich komme gar nicht mehr nach mit Bücher wälzen und Wikipedia fragen. :-)
Mein Grundstück ist nicht direkt am Bach. Zwischen mir und dem Fluss ist noch das Grundstück des Wasserwirtschaftsamtes. Die haben dort Fichten gepflanzt !!!
Wie kann man nur am Flussufer Fichten pflanzen. :shock: Ich bin schon gespannt wie sie die ernten wollen. Über mein Grundstück kommen die nicht mehr. In den alten Fahrspuren steht heute noch das Wasser. Weiden habe ich schon, die bilden schon ein richtiges kleines "Wäldchen" und mittendrin eine Birke die verzweifelt ums Licht kämpft. Weiß nicht ob ich ihr helfen soll.
Ein Walnuss habe ich gepflanzt. Das war eine super Idee, die hat schon richtig grüne Blätter und auch schon neue ausgetrieben. Ich glaube der gefällt ihre neue Heimat.
Kastanie möchte ich auch pflanzen, weiß aber nicht welche. Eine Esskastanie habe ich noch nie im Freiland gesehen, überleben die dort?
Und bei der Roßkastanie weiß ich nicht, wegen dieser neuen Motten die die Blätter fressen.
Obstbäume möchte ich in jeden Fall haben, aber welche? Ich kann ja nicht jedes Jahr mit dem Insektenspray anrücken und meine Obstbäume sprühen.
Es müssten Arten sein die sehr hart sind und kein Problem mit Pilzen, Viren, Bakterien und all dem anderen Schadzeug haben. In den Büchern finden sich sehr viele Kirschen. Manchmal stehen auch welche im Freiland. Aber manche heißen nur "Kirsche" und sind doch keine. Hier fehlt mir momentan der Überblick.



Ach ja, bitte nicht vergessen: habt ihr noch Vorschläge
bezüglich einer Baumschule die solche Spezialitäten führt und auch pflanzt?

Gata
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Beitrag von Gata »

Zum Thema "Streuobstwiesen" gibt es vom NABU einige Infos:

http://www.nabu.de/themen/streuobst/


Für Bodenbrüter wichtig ist Stachelgestrüpp, wie Rosa Rugosa.( bei uns brüteten jedes Jahr Enten darunter).
Eine 5er - Gruppe kannst du auch mal am Abend pflanzen, das ist keine Riesenarbeit.

Wichtig sind auch grosse Pflanzabstände, man pflanzt immer zu dicht, weil man sich Bäume und Sträucher nicht in 10 Jahren vorstellen kann.
Einiges samt sich auch von selbst ein, du glaubst gar nicht, wie schnell die Natur ihr Terrain zurück erobert. :)
Auch Vögel und Wind bringen viel Anflug wie Weiden und Birken.
Ich wünsche dir viel Erfolg für dein Vorhaben.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Rosskastanie würde ich nicht mehr pflanzen wegen der Motten. Andere Kastanien sind nicht oder wenig anfällig. Wenn du in einem Bot. Garten Kastanien von versch. Arten sammelst, hast du nach 3/4 /5 Jahren schon brauchbare Pflanzen zum Setzen.
Esskastanie dürfte grenzwertig sein. Auch da würde ich einige stecken. Dann hast du keine großen Verluste, wenn sie nicht gedeihen.

VG Wolfgang
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ApachePine
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Beitrag von ApachePine »

ich wuerde wenn dann aesculus x carnea pflanzen wird von der motte fast nicht befallen bei mir gibt es eine Allee
die gelbe rosskastanie wird auch fast nicht befallen

esskastanie keimt sehr gut einfach zu weinachten im supermarkt kaufen und aussaehen
wenn man es nicht ausprobiert weiss man nicht ob die pflanzen an diesem standort gedeihen werden :wink:
ich habe beides ausgesaet und beides waechst seit dem sie gekeimt sind sehr schnell naechstes jahr werde ich wahrscheinlich schon auspflanzen



EDIT :

Auch noch erwaenenswert sind :
Wildapfel
Tetradium danielii --> Bienenweide
Cotimus Coggygria --> Nistplatz fuer Voegel
Sorbus aucaparia --> fuer Voegel und Insekten
schwarzer hOLUNDER --> AUCH Bienenweide
Sassafras albidum --> seltener Baum, schoene herbstfaerbung
Nyssa sylvatica --> auch selten und schoene herbstfaerbung
vieleicht noch Araucarie ( Ich weiss nicht ob die standortbedingungen passen )?

Mostviertler
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Baum gesucht

Beitrag von Mostviertler »

Hoffentlich komme ich nicht zu spät und du hast schon alles angepflanzt!
Ich hab erst jetzt wieder diesen Beitrag gefunden, der mich dazu veranlasst hat, mich im Forum zu registrieren:

Ich bin überrascht welche Vorschläge zu heimischen Pflanzenarten kommen. Sicher ist auch die Araucaria heimisch, nur nicht bei uns.
Ich würde dir daher vorschlagen um einen gesunden, interessanten Wald zu bekommen, wirklich mit bei uns heimischen Arten zu arbeiten.
Meine Vorschläge:
Ulmus glabra - Bergulme (sind schon selten, sollten daher gefördert werden!)
Acer platonoides - Spitzahorn (ist sehr standorttolerant, wächst schnell und hat eine wunderschöne Herbstfärbung)
Prunus avium - Vogelkirsche (Für Bienen im Frühjahr und Vögel im Sommer interessant)
Tilia cordata und platyphyllos (ebenfalls eine tolle Bienenweide und noch dazu heilkräftig.)
Juglans regia - Walnuss (im Herbst für Mensch und Tier eine Freude)
Malus sylvestris und Pyrus pyraster Wildobst (freut das Wild und auch den Jäger :lol: )
Castanea sativa - Esskastanie

An den Rändern würd ich eine Mischung aus Sorbusarten, (Sorbus aucuparia - Eberesche, Sorbus domestica - Speierling, Sorbus torminalis - Elsbeere, Mespilus germanica (Mispel), Cornus mas und sanguinea (Gelber und roter Hartriegel)sowie Rosa canina (Hundsrose) aber auch Prunus spinosa (Schlehdorn), Crateagus monogyna (Weißdorn) und eventuell auch Hippophaë rhamnoides (Sanddorn) pflanzen. Liguster und gemeiner Schneeball haben sicher auch noch in der Hecke am Waldrand Platz.
Das sind alles bei uns heimische Bäume und Sträucher, die zum Teil selten im Wald gepflanzt werden, die aber unser Klima vertragen, und den Vorteil haben, dass die meisten davon in Forstpflanzgärten um einen Bruchteil dessen zu haben sind, was sie im Gartenfachmarkt kosten. Und deine Kinder oder Enkel können dann vielleicht auch noch irgendwann das Holz nutzen. :wink:
Gruß
Hannes

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Das mit den heimischen Pflanzen und Klimaverträglichkeit ist so eine Sache. Hierzulande waren vor der Eiszeit viele Bäume heimisch, deren Nachkommen nun als exotisch gelten.
Die Vorteile einiger dieser Exoten liegt auf der Hand: Extremes Höhenwachstum!
Während man bei vielen einheimischen Hölzern Ewigkeiten warten muß, damit daraus mal ein Baum wird, erreichen Urwelt- und Riesenmammutbaum schon nach 20 Jahren Höhen von über 15 m und Stammdurchmesser von ca. 40 cm!
Wenn man also seinen Kindern einen echten Wald hinterlassen möchte, sollte man diese beeindruckenden Bäume einstreuen.
Außerdem sollte man seinen Beitrag zur "Integration" leisten. :wink:

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