Baumsamen sammeln

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Eremit
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Baumsamen sammeln

Beitrag von Eremit »

Hallo an alle,

ich hätte da mal eine Frage, und zwar wollte ich wissen ob jemand von euch Erfahrung mit dem Sammeln von Samen am Baum hat?
Wir haben hier auf unserem Grundstück eine schöne Gruppe Bergahörner von denen ich gerne möglichst viele Samen gewinnen möchte. Nach längerem suchen mit Google stieß ich auf eine Seite wo geschrieben stand, dass diese Baumsteiger die Samen der Bäume schon im unreifen Zustand sammeln, und sie dann erst unter kontrollierten Bedingungen reifen lassen. Wie funktioniert so etwas?
Mir schwebt da eher so etwas vor, dass ich die Fruchtstände mit kleinen Säckchen umgebe, damit die Samen wenn sie reif sind da hinein fallen.
Wäre dies möglich?

Ich hoffe irgendjemand hier kann mir helfen :)

lg Georg

Buck
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Beitrag von Buck »

Salut Georg,

Du kannst bei Acer pseudoplatanus ohne Probleme bis zum Herbst warten und dann die Samen vom Boden aufsammeln (etwa Anfang Oktober). Wenn Du sie dann direkt in eine Kiste oder grossen Topf aussäst, ein wenig mit Sand abdeckst (ca. 1 cm hoch) und draussen stehen lässt, keimt Bergahorn fast zu 100%.

Interessant ist die Ernte von nicht ganz ausgereiftem Saatgut bei Seidelbast, Ebereschen und einigen anderen Gehölzen, die unreif gepflückt und sofort ausgesät im nächsten Frühjahr meist gut keimen. Bei voller Reife gesammelt liegen diese Samen oft ein oder gar zwei Jahre über (d.h. sie haben dann eine verlängerte Keimruhe) und keimen dann erst nach 2 oder 3 Jahren. Dies ist auch bei einigen Rosen, bei Crataegus oder Mespilus der Fall.

Schöne Grüsse und viel Spass mit der Aussaat im Herbst!
Schöne Grüße,
Buck

Eremit
Beiträge: 59
Registriert: 14 Apr 2010, 20:47

Beitrag von Eremit »

Hey,

vielen Dank für deine Antwort.

Das mit dem Boden aufsammeln ist so eine Sache... ich brauche wirklich sehr große Mengen Samen, und ich denke mir, ich könnte von den zirka 10 Bäumen sicher ein paar kg ernten, wenn ich es irgendwie geschickt anstellen würde. Aufsammeln stell ich mir da ein bisschen mühsam vor.

Hast du zufällig Erfahrung mit Direktsaat? Mir geht es nämlich um das einbringen von Samen, direkt in der Natur. Ich will sozusagen die Naturverjüngung ein wenig beschleunigen. Wir haben 70 ha Grund, wovon etwa 35 Wald, 99,99% Fichtenmonokultur, sind. Seit ich 15 bin, pflanze ich Bäume um diese Monokultur aufzuwerten und in einen Naturwald umzuwandeln. Natürlich waren und sind diese Pflanzungen größtenteils ein Tropfen auf den heißen Stein, jedoch lässt es mein Herz höher schlagen, wenn ich sehe, dass auf einem ehemaligen Kahlschlag neben den Fichten auch Eschen, Bergahorn und Vogelkirsche wachsen. Meine gepflanzten Bäume sind mittlerweile größtenteils 5 Jahre alt. Letztes Jahr und dieses Jahr wurden auch Buchen, Weisstannen und versuchsweise Eichen angepflanzt. Alles in allem sind es bis jetzt etwa 500 Bäume. Wie schon oben gesagt, ein Tropfen auf den heißen Stein. Deswegen will ich das ganze durch Aussaat noch mehr aufwerten, schon alleine da mein Budget knapp ist, und die Ansaat weit aus günstiger kommt. Schon allein wegen der hohen Pflanzenschutz kosten. Ich habe nämlich beobachtet dass Naturverjüngungen viel seltener verbissen werden als Bäume aus der Waldbaumschule.

So, jetzt hab ich ein bisschen sehr weit ausgeholt, tut mir Leid. Wollte nur mein Belangen ganz genau erklären ;).

Weißt du etwas über die "unreife Samenernte" bei Tannen?

Danke im voraus

lg Georg

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Nun ja, wenn Du die Samen nicht vom Boden und aus dem Laub klauben willst, dann spanne doch unter den ausgewählten Mutterbäumen einfach Folien/ Tücher/ Zeltbahnen oder ähnliches, welche wie ein Regenschirm zur Mitte hin abfallen, wo sich dann ein kleines Loch befindet, und unter dem Loch zB ein Eimer.

So kannst Du zur Reifezeit dann und wann am Tag das Fallgut durchschütteln und zur Mitte befördern, wo dann nur die Samen durchs Loch und in den Eimer fallen, nicht aber das Laub ;).

Und was die Tannen angeht, so würde ich das keinesfalls selber machen, ist viel zu gefährlich ohne spezielle Kletterkenntnisse und -ausrüstung! Dann lieber zum Förster gegangen und gefragt, ob der Zapfenpflücker nicht ein paar Bäume für Dich mit beernten kann...

Grüße, Andreas

PS: Was das "mühsam" angeht: Nun ja, ohne Fleiß kein Preis ;).

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

@Eremit: Erstmal Kompliment für diese Bemühungen. Das ist schon ein "Großprojekt".
Leider ist auch bei Dir nicht der Herkunftsort zu erkennen, so dass man die Lage des Waldes schlecht bewerten kann.
Grundsätzlich wird natürlich kein Naturwald, aber ein schöner Mischwald daraus. Wenn er naturnah sein soll, kann ich mir eigentlich nur abies alba vorstellen. Da an Samen zu kommen funktioniert nur über den oben genannten Weg, da die Zapfen im oberen Kronenbereich der Bäume sitzen.
Soll sich die Baumauswahl ausschließlich auf heimische Bäume beschränken?

Viele Grüße

Buck
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Beitrag von Buck »

Hallo,
Bei einer langsamen nachhaltigen Umwandlung von Fichtenkulturen würde ich zuerst mit dem auch für diese Fläche zuständigen Förster (derjenige, der bei euch für die Privatforsten zuständig ist) sprechen. Je nach Bodenart, Feuchtigkeitsverhältnissen, Hangneigung usw. sind unterschiedliche Baumarten zu empfeheln. Acer pseudoplatanus ist ein Baum der Mittelgebirgs-Schluchtwälder mit entsprechendem Feuchtigkeitsbedürfnis. Bei zu trockenem Boden dürfte dann kein zufriedenstellendes Ergebnis (wenn Nutzholz gewünscht ist) erzielt werden.
Abies alba solltest Du ebenfalls aus anerkannten Saatgutbeständen erwerben. Allerdings ist das direkte Ausstreuen von Abies-Saatgut meist vergeblich, da diese u. a. offenen Boden zum Keimen benötigen. Das magere Ergebnis nutzungswürdiger Jungpflanzen rechtfertigt hier nicht den zu erbringenden Aufwand. Abies wird zudem stark von Rehwild verbissen. Besser wäre es in diesem Fall, von einer Forstbaumschule in der Nähe Jungpflanzen zu erwerben.

Noch kurz zur Ernte von Acer-Saatgut. Kurz vor der Reife, wenn die Früchte noch am Baum hängen (der Zeitpunkt ist genau dann günstig, wenn gerade die ersten Samen abfallen), kannst Du mit einem Obstpflücker leicht grosse Mengen Acer-Saat vom Baum holen. Wie gesagt, die Keimprozente liegen bei dieser Art sehr hoch.

Schöne Grüsse,

Leyi
Schöne Grüße,
Buck

Eremit
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Registriert: 14 Apr 2010, 20:47

Beitrag von Eremit »

Vielen Dank für eure Antworten.

@Kiefernspezi
Natürlich ist es mir klar das kein Naturwald im engeren Sinne daraus werden kann, aber ich strebe eben einen naturnahen Wald an. Kurts Urwald hat für mich eine gewisse Vorbildfunktion.

Gespräche mit dem Förster liefen bereits, und er bestätigte meine Baumartenwahl, sprich Rotbuche, Bergahorn, Weisstanne und kleinere Einmischungen von Hainbuche, Birke etc. Es gibt auch vereinzelt Einzelbäume dieser Baumarten, die schon ein paar Jahrzente stehen dürften. Meine Auswahl schließt auch nicht einheimische Arten ein, so hab ich vereinzelt auch Roteichen und Mammutbäume stehen.

@Kiefer
Ja genau, so stell ich mir das vor :). Natürlich ohne Fleiß kein Preis, und ich würde im Notfall alles vom Boden aufheben, nur wenn es einen einfacheren Weg gibt... ;)


Das Grundstück liegt auf einer Seehöhe von 800-1100m, also doch ordentlich hoch. Der flächenmäßig größte Anteil des Waldes befindet sich zwischen 900 und 1000 m.
Ich werde im Laufe der Woche mal einige Bilder reinstellen :)

Lg

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Eremit

Ich weiss nicht, inwieweit du dich schon in der Literatur schlau gemacht hast. Falls du es noch nicht hast, kauf dir das Buch:
Rettet den Wald, Author Horst Stern, verlegt bei Kindler
Empfohlen von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem BUND.
Gibts im Internet bei Amazon schon ab 3,99 Euro.
Dort steht unter anderem auch etwas über Sammeln von Samen.
Falls du deinen Wald zu einem naturnahen Nutzwald umgestalten willst, kann mein Urwald kein Vorbild sein.
Viel Erfolg bei deinem Vorhaben
wünscht dir
Kurt

Eremit
Beiträge: 59
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Beitrag von Eremit »

Hallo Kurt,
vielen dank für deine Antwort.
Nein dieses Buch kenne ich noch nicht, werde aber mal reinschauen :)

Neinnein, das hast du falsch verstanden, mir geht es um KEINEN Nutzwald.

lg

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Was für ein Wald soll das werden? Ein einfach schöner und abwechslungsreicher Erholungswald?

Viele Grüße

Eremit
Beiträge: 59
Registriert: 14 Apr 2010, 20:47

Beitrag von Eremit »

Ja so in der Art stell ich mir das vor :). Es soll eben irgendwann der Zustand eintreten das alles wild wächst, und ich nicht mehr eingreifen brauche. Ihr müsst wissen, die Initialzündung für diese Idee kam als ich vor vielen Jahren an einer Grundstücksgrenze ein Waldstück fand, welches von Birken, Erlen und Fichten besiedelt war. Es ist zwar nicht groß, ist aber meiner Meinung nach der schönste Waldfleck den wir besitzen. Ich halte nichts von diesen "Baumäckern".

Mir ist natürlich klar, das es beinahe unmöglich sein wird, die vollen 35 ha Wald umzuwandeln, doch ich denke, alles hat klein begonnen ;).

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Eremit

Das Thema fasziniert mich so, dass ich einfach meinen Senf dazugeben muss. Was jetzt kommt, ist kein Vorschlag, sondern nur das, was mir zum Thema so durch den Kopf geht. Ich denke an den Femelhieb. Der geht so, ganz grob skizziert:
Zuerst schlägt man einige Löcher, Lichtungen von je ca. 100 m Durchmesser in die Monokultur. Sieht von oben aus wie ein grünnes Blatt Papier, in das Löcher gestanzt sind. Die so entstandenen Lichtungen kann man nun komplett der Natur überlassen. Dann siedeln sich zuerst Pionierpflanzen an wie Birken, Eschen etc. Mal sehen, was kommt. Man kann auch nachhelfen mit Samen oder Pflanzen. Nach 10 Jahren oder so, je nach zu meisterndem Aufwand, erweitert man die Lichtungen, bis nach ca. 40 Jahren kein alter Baumbestand mehr übrig ist. Dadurch erreicht man einen Bestand an verschieden alten Bäumen verschiedener Arten. Und schon ist die Arbeit getan. Fertig. Das System Femelhieb ist natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen.

Gruss
Kurt

Eremit
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Beitrag von Eremit »

Hey,
danke für deine Antwort.
Hm, der Begriff Femelhieb war mir noch völlig unbekannt. Scheint genau das zu sein, was mir vorschwebt, also danke für den Tipp :).
Im Prinzip mache ich hier ja schon ähnliches. Ich schlage zwar (noch) keine eigenen Lichtungen in den Wald, jedoch nutze ich solche aus, die bei Durchforstungen, Käferbefall etc. entstanden sind. Später, wenn ich mal das alleinige sagen habe ;), ist deswegen der Femelhieb eine sehr gute Lösung für mich, denk ich mir :).

Meine jetzige Situation ist da noch ein bisschen schwieriger, da hier allgemein noch die weit verbreitete Meinung herrscht dass ein Wald sinnlos ist, wenn er keine Gewinne abwirft.

lg

kurt
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Beitrag von kurt »

Die Bäume, die zu zwecks Schaffung von Lichtungen entnimmst, kannst du ja verkaufen, hoffentlich mit Gewinn.
Der Femelhieb wird in dem von mir oben erwähnten Buch genauer beschrieben.

Gruss
Kurt

Eremit
Beiträge: 59
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Beitrag von Eremit »

Hi,
super danke. Hab es mir schon bestellt :)

Lg

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