Warum sind schnellwüchsige Bäume Kurzlebig?

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Sylvatica
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Warum sind schnellwüchsige Bäume Kurzlebig?

Beitrag von Sylvatica »

Warum sind schnellwüchsige Bäume Kurzlebig?
Ich dachte, dass das mit den Ring und Verstreutporen zusammenhängt..hat irgendjemmand ne Idee, bzw weiß den Grund?
mfg
Syvatica

Cryptomeria
Beiträge: 9327
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
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Beitrag von Cryptomeria »

Stimmt das denn überhaupt???

Weiden sind sehr schnellwüchsig und kurzlebig, Eucalyptus und Sequoia sempervirens , Sequoiadendron giganteum und auch Metasequoia sind auch schnellwüchsig aber langlebig. Cupressocyparis und versch. Pinus sind sehr schnellwüchsig und langlebig usw.
Wahrscheinlich findet man noch viele Beispiele. Aber generell hast du auch wieder recht mit deiner Frage. Viele langsamwüchsige in Deutschland wie Eiche sind auch langlebig.


Ich habe keine Ahnung, bin aber auf die Antworten gespannt.

Gute Frage!!

Cryptomeria

Andreas75
Beiträge: 3946
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallö!

Ich bin Verfechter folgender von mir aufgestellten These...

Schnellwüchsige Gehölze( Bäume wie Sträucher) sind zumeist auch Pionierpflanzen, sprich Pflanzen, die einen gestörten Standort als erste neu besiedeln...
Auf sie folgen langsamwüchsigere Arten, die den kurzlebigen Bäumen aber in der Spanne deren Lebens den Platz streitig machen, und sie schließlich überwachsen...

So lohnt es sich für Pioniergehölze gar nicht, alt zu werden... Sie müßten dann, wenn sie sagen wir mal, 200 Jahre alt werden, die ersten 70 Jahre in Saus und Braus leben, während sie die restlichen fast zwei Drittel ihres Lebens unter völlig ungenügenden Bedingungen gedeihen müßten...
Ich nenne hier nur die Eberesche mit 60 bis 80 Jahren, und die Birke mit etwa 120 Jahren erreichbarem Alter.

So hat die Evolution es dergestalt eingerichtet, das Pioniergehölze Früchte/Samen haben, die sehr leicht verbreitet werden können, sei es durch Tiere oder Umwelteinflüsse wie Wind/ Wasser, damit sie beizeiten neue Areale erschließen können...

Wieder andere Arten, wie der Spitzahorn oder Linden/ Hainbuchen, sind so ein Mittelding...
Sie sind sehr schnellwüchsig in der Jugend, schaffen auf guten Standorten in 20 Jahren 15 Meter, lassen es dann aber ab 40- 60 Jahren gemütlicher angehen...
Sie verbreiten sich nach wie vor reich über Samen, das mitunter weit, womit sie ihrer Pioniereigenschaft weiterhin Genüge tun, übernehmen dann aber auch die Rolle des Hauptwaldes, in dem sie über 300 Jahre alt werden können.
An geeigneten Standorten kommen dann irgendwann Buchen und Eichen, die dann den Primärwald bilden mit ihren 400- 1200 Jahren erreichbarem Alter, und wenn da keine großflächigen Veränderungen eintreten, die den Pioniergehölzen buchstäblich wieder Tür und Tor öffnen würden, bleiben die dann unter sich...

Grüße, Andreas

Sylvatica
Beiträge: 26
Registriert: 02 Jul 2006, 19:49

Beitrag von Sylvatica »

grad gehört:

"schnellwüchsige Bäume lagern keine Gerbstoffe ein, sind desswegen anfälliter gegen "ungeziefer", und haben ausserdem um das schnelle wachstum gewährleisten zu können, große Ringporen, also weicheres Holz"

hört isch doch plausibel an oder?

Andreas75
Beiträge: 3946
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Ja, auch das klingt logisch, ist aber sicherlich nicht allein der Grund.

Grüße, Andreas

Andreas75
Beiträge: 3946
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallö und Fortsetzung!

Als Beispiel möcht ich da mal die Robinie anführen... Auch sie ist ein Pioniergehölz, in der Jugend auch sehr raschwüchsig, schafft vom Alter her auch nicht sooo viel, vielleicht 100 Jahre ( Schätzung an der den Standort umgebenden Bebauung, diese zumeist um 1900- 1920 errichtet, sowie an den dort stehenden ältesten Robinien), hat aber ein härteres und haltbareres Holz als die Eiche...

Deine Erklärung, Sylvatica, ist sehr gut, aber bestimmt auch leider nicht der einzige Schlüssel zum Rätsel!

Grüße, Andreas

Miss Marple
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Beitrag von Miss Marple »

schnellwüchsig und kurzlebig, das geht doch nicht nur bei Bäumen Hand in Hand... da scheinen tatsächlich universale Grundregeln zu greifen.

Sorry Sylvatica, nicht dass Dir das weiterhülfe :lol:

Cryptomeria
Beiträge: 9327
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Anja

meinst du bei Stauden ( Sonnenblume, Fingerhut...)oder auch im Tierreich??? Welche Beispiele hast du im Kopf???


Wolfgang

Sylvatica
Beiträge: 26
Registriert: 02 Jul 2006, 19:49

Beitrag von Sylvatica »

na vllt. primär den menschen;-) ;-) der wird ja im vergleich zu eichen, oder nadelbäumen nicht wirklich schnell;-)

fällt mir grad was ein, ich hab nen bericht gesehen über den ältesten bäum, bzw. das älteste gehölz der erde,
natrürlich ein nadelbaum bzw. pinaceae
"zitat - wikipedia"
Der älteste Baum der Welt
Die nachweislich ältesten Bäume der Welt stehen ebenfalls in Kalifornien, in den White Mountains: Es sind die "Bristlecone Pines" oder Grannenkiefern (Pinus aristata). Ihr Holz zeigt etwa 100 Jahresringe auf einem Zentimeter. Der älteste von ihnen heißt "Methusaleh" und ist über 4700 Jahre alt.
diese kleinen jahresrinde deuten ja darauf hin das der baum seeeehrr langsam, also schon sooo langsam gewachsen is dass nur 0.1 mm pro jahr an umfang zugelegt wurden..soo wenig..

beim weiteren stöbern :
Der Huon Pine hat nämlich das älteste Wurzelgeflecht, das man bisher entdeckt hat.
Die zahlreichen Stämme erinnern an einen Kiefernwald, kommen aber alle aus einem Wurzelgeflecht. Der Baum vermehrt sich durch Wurzelausschlag an Ästen, die den Boden berühren.
So hat man herausgefunden, daß alle Bäume das selbe Genom haben.
Somit handelt es sich um eine Pflanze.
Mit Hilfe der C 14 - Methode hat man nun an abgestorbenen Teilen des Baumes festgestellt, daß er über 10500 Jahre alt sein muss.
Hm noch mehr infos..immer das gleiche ergebniss, so eine birke is recht schnell aber nur kurzlebig, so isses..
mfg
sylvatica

Miss Marple
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Beitrag von Miss Marple »

Sylvatica, Du hast recht, das war kein botanischer Kommentar. Ich dachte mehr an die Auswüchse der menschlichen Zivilisation :?
sorry, wollte nicht von Eurer ernsthaften Diskussion ablenken, aber es flog mich so an... (Eure sachdienlicheren Antworten waren aber auch sehr interessant).

Liebe Grüße,
Anja

kurt
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Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Hallo zusammen,
Zuerst als Vorwort:
Sobald der Begriff "Evolution" fällt,scheiden sichdie Geister in 2 Lager:
- Zielgerichtet (Gott oder sonst wer)
- Zufällig (Versuch und Irrtum)
Ich bevorzuge Variante 2. Durch zufällige "Vererbungsfehler " entstehen Mutationen, die die betroffene Spezies vorwärts bringen, eine Nische finden lassen oder in einer überlebensunfähigen Sackgasse landen. Die Pionierpflanzen sind zufällig in einer solchen Nische gelandet. Dass sie keine Gerbstoffe einlagern und grosse Ringporen (also weicheres Holz) haben, mag dabei ausschlaggebend sein. Keine Ahnung! Ich sehe nur nicht ein, warum diese Pionierbäume so schnell wachsen müssen, sie haben ja anfangs keine Konkurrenz.
Nun zur Langlebigkeit:
Es gibt eine Theorie, nicht von mir:
Jeder Organismus hat sozusagen einen Grundstock an Energie: Er kann ihn schnell verbrauchen, also in kurzfristiges Riesenwachstum und relativ baldigen Zerfall investieren, oder in moderates Wachstum und dafür längere Lebensdauer. Beim Menschen hat man das übrigens nachgewiesen. Siehe das altbekannte Schlagwort: Sport ist Mord. Wer durch Spitzensport seine Reserven zu schnell verbraucht, bezahlt später dafür. Ich weiss, dass das sich oberflächlich anhört, aber ich kann hier schliesslich keine 100-seitige Abhandlung bringen.
Uebrigens: Der Mensch ist meiner Ueberzeugung nach auf einem zum Aussterben verdammten Ast der Evolution gelandet, wie so viele, z.B. die Dinosaurier. Die Natur wird zurückschlagen und Gigantismus gnadenlos in den Abfalleimer der Evolution werfen.
Das macht mich nicht traurig, ich akzeptiere es einfach.

Cryptomeria
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Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Sylvatica

Bei Pinus longaeva bin ich mit dir mit dem nachgewiesenen Alter einverstanden, das ist über Bohrkerne nachgewiesen.
Was du von Huon Pine schreibst, bin ich skeptisch, wo ist diese Information her? Übrigens bei Huon Pine handelt es sich wissenschaftl. um Dacrydium franklinii aus Tasmanien.
Es gibt einige Bäume deren Alter man höher ansetzt als das der Grannenkiefern in den White Mountains, aber nach meiner Information nichts fundiert erwiesen.

Viele Grüße

Wolfgang

Andreas75
Beiträge: 3946
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Beitrag von Andreas75 »

Da stimme ich Wolfgang zu...
Wenn man nach Klonen geht, gibt es auch 100jährige Efeututen, oder 300jährige Nephrolepis excaltata (Farn), was aber irgendwie Käse ist...
Die Genetik der Pflanze mag 10000 Jahre alt sein, ja, aber deshalb doch noch lange nicht die Pflanze an sich...
Die hat ihren begrenzten Lebenszeitraum, und wenn der um ist, ist es für das Individuum, das in meinen Augen allein zählt, nach beispielsweisen 150 Jahren vorbei...
Definitionsgemäß wären auch alle Sinanrundinaria murielae ( Bambus, der seit 1995/1996 bis gegenwärtig blüht) 120 Jahre alt...
Stimmt, sind sie genetisch gesehen, sonst würden nicht sämtliche durch Klonierung vermehrte Exemplare der Art zur selben Zeit blühen, aber das einzelne Individuum ist in der Regel nicht so alt...
Im Gegensatz zur Grannenkiefer, die als Einzelindividuum mit eigener Genetik so alt ist!

Zur anfänglichen Schnellwüchsigkeit der Pioniergehölze...
Konkurrenz haben sie wohl, und zwar durch Gräser und Stauden, beispielsweise, die bei dichtem Auftreten Sämlingsaufkommen unmöglich machen...
Ich habe den gemeinen Thymian im Garten, und das Zeug ist so Hölle invasiv, bzw. undurchdringlich, das darin nicht mal Acer negundo- Sämlinge hochkommen, die sich sonst aus unmöglichsten Keimbedingungen hochackern können...

Dann müssen Pioniergehölze schnell fortpflanzungsreif werden, um vor Aufkommen langlebigerer Arten sozusagen ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, wozu sie eine gewissen Höhe benötigen...

Auch dazu kenne ich ein sehr passendes Beispiel!
Hier in Berlin, im Reinickendorfer Ortsteil Tegel, wurde anlässlich irgendeiner Gartenschau oder städtebaulichen Ausstellung Mitte der 80er Jahre, zufällig genau 1985, im ehemaligen Tegeler Hafen eine Insel aufgeschüttet, sowie die Umgebung sehr modern und doch harmonisch gestaltet.
Auf die Insel säte man Gras, und zwar genau zu Sommerbeginn... Die Natur nahm ihren Lauf, Pflanzensamen flogen, und fanden auf dem frischen, gestörten Boden des neuen Geländes ideale Bedingungen...

Es kamen Birken, Salix fragilis x alba- Hybriden, Eschenahorn, Strauchweiden, diverse Säulenpappelhybriden und Stauden wie Goldrute auf, die schnell einen langaufgeschossenen, dichten Jungbestand bildeten, wobei in der Mitte der Insel eine gemähte Grasfläche frei blieb.
Bald folgten Brombeere, Blut- Hartriegel, Hundsrose und Holunder, also vogelverbreitete Arten, die die innere Strauchschicht übernahmen...

Jetzt, im Alter von 20 Jahren, beginnt der ursprüngliche Weiden-, Birken-, und Pappelbestand abzusterben, das sehr dicht gewachsen, und im Unterholz auf dem nun ideal vorbereiteten Keimbett, kommen Pfaffenhütchen, Spitz-, Berg-, und Feldahorne auf, die die nächste Sukzessionstufe darstellen...
Noch hinreichend schnellwüchsig, um den freiwerdenden Platz schnell für sich zu nutzen, aber auch schon altersmäßig länger lebend...
Doch auch die Zeit dieser Entwicklungsstufe ist bereits angezählt, denn es stehen erste vereinzelte Buchen- und Eichensämlinge!

Zum Glück bleibt das Gelände nun wohl bestehen, so daß man da weiter beobachten kann...
Der Senat wollte beim allgemeinen Geldverdienen die Insel für 20 Millionen € verkaufen, jedoch fand sich kein Investor, bzw. die wenigen gefundenen sprangen wieder ab...
Um jedoch eventuell das Ganze doch noch zu versilbern, wurde angedacht, auf der Insel ein Seniorenheim zu bauen. Auch das ist definitiv vom Tisch. es fand sich auf dem ehemaligen Alliiertenabteil der Franzosen am S- Bahnhof Tegel ein weit ruhigeres und geeigneteres Plätzchen, bei dem vor allem auch Anfahrtsangelegenheiten weit besser geregelt sind...

So bleibt zu hoffen, daß sich weiterhin kein Käufer für das Gelände findet, denn es ist meiner Meinung nach ein Lehrstück der natürlichen Sukzession vom völlig kaputten, gestörten Neubauland zu einem artenreichen Laubwald natürlicher Zusammensetzung.

Ich überlege schon, Träumer der ich bin, dem Senat anzubieten, die Insel für einen Euro abzukaufen, und sie sind dafür die Pflegekosten etc. pp. vom Hals, um derer Einsparung willen sie die Insel ja auch abstossen wollten...
Aber das wird Utopie bleiben...
Jedenfalls könnte man das Gelände auch dem NABU schmackhaft machen, denn es hat sich eine kleine Population Weinbergschnecken etabliert, die ja bekanntermaßen unter Naturschutz stehen...
Aber ich schweife ab...

Jedenfalls, soviel zur Bestands- und Altersentwicklung natürlich gewachsener Pionierholzbestände!

Grüße, Andreas

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Andreas


ich habe eine ganz ähnliche Erfahrung hier bei uns gemacht. Hier hat man vor 20 Jahren einen Stausee geschaffen, um die Überschwemmungsgefahr in den nahegelegenen Städten zu dämmen und hat einen Teil als Badesee und einen zweiten Teil völlig eingezäunt und als Pflanzen - und vor allem Vogelrückzugsgebiet zu belassen. Die Pflanzenentwicklung war ähnlich wie bei dir. Heute ist es ein über alle Grenzen hinweg bedeutendes Vogelgebiet für alle Zugvögel, die im Frühjahr und Herbst hier rasten. Du kannst alles beobachten mit Fernglas, was du sonst an Nord- und Ostsee usw. nur siehst. Es wurden Hügel, Abbruchkanten, mindestens 20 kleinere Inseln geschaffen und da war die Pflanzenentwicklung ähnlich. Alle 100 m hast du ein Braunkehlchenpaar, Kormorane, Kiebitze, Möwen, versch. Enten, Fischreiher, die selteneren will ich gar nicht aufzählen. Alle Vogelbeobachter sammeln jedes Jahr die Daten und dann werden sie im folgenden Jahr veröffentlicht.
( in : Vogelkundliche Berichte Lahn-Dill und Vogelkundliche Berichte Marburg-Biedenkopf)

Viele Grüße

Wolfgang

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

kurzer Nachtrag:

Ich bin auch abgedriftet, vieles greift eben ineinander. Ich habe seit 5 Jahren in meinem Garten aúch eine stetig zunehmende, mittlerweile riesige ( viele Hundert) Population an Weinbergschnecken.

Wolfgang

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