Pflanzdistanz

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kurt
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Pflanzdistanz

Beitrag von kurt »

Hallo Baumfreunde,
Ich bin praktisch ein astreiner Praktiker, der sich und der Natur etwas Gutes tun will, und der nicht nur vom Bäume pflanzen redet, sondern es auch tut. Was ich in den Baumlisten vermisse, ist die Pflanzdistanz, um schöne und gesunde Bäume als Solitärbäume für zumindest die von unserer Generation beeinflussbare Zukunft zu pflanzen. Angaben aus den Richtlinien der Forstwirtschaft sind dazu wenig hilfreich, weil es sich dort um Gewinnmaximierung dreht.
Vorschlag: Gebt doch in den Baumlisten den zu erwartenden Kronendurchmesser (nennt man das Baumscheibe?) an.
Beispiel:
Aufgrund von Angaben in "Fachbüchern " habe ich meine Walnussbäume in einer Entfernung von 8 m gepflanzt. Die Distanz zeigt sich jetzt schon nach ca. 15 Jahren als zu knapp bemessen, von der Distanz zum Haus gar nicht zu reden.
Oder habt ihr ein Forum, das ähnliche Praktikerthemen behandelt, das ich aber noch nicht gefunden habe?
Schönen Fussballdienstag für uns alle aus der Diaspora im Burgund
Kurt, der Schwarzwälder. Echt, ich bin Schwarzwälder,verheiratet seit 35 Jahren mit einer Philippinin. Wir fühlen uns hier im etwas wärmeren Klima sehr wohl, auch unser Berner Sennenhund "Saba". der Kaninchen- und Rehschreck.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo kurt

Kronendurchmesser und Baumscheibe sind zwei völlig verschiedene Dinge. Kronendurchmesser ist der Durchmesser der Baumkrone ( logisch) und Baumscheibe ist am Boden um den Stamm eine kreisförmige Fläche , die man dick mulcht, damit kein Unkraut hoch kommt und der gepflanzte Baum damit möglichst viel Feuchtigkeit und wenig Wurzelkonkurrenz hat.

Im übrigen bist du sicher nicht der einzige, der Bäume pflanzt. Es hat nicht jeder so viel Platz wie du und wer nur einen Balkon hat, der kultiviert Topfpflanzen. Die allermeisten Gärten liegen zwischen 500 und 1000 Quadratmetern. Aus diesem Grunde werden heute unzählige säulenförmige, kleinkronige, Zwerge, Hexenbesen etc. kultiviert. Die meisten haben keinen Platz für großwerdende Bäume.

Aus Erfahrung pflanze ich immer erst dann, wenn ich mich zu Hause sehr genau über den Wuchs und die spätere Größe der jeweiligen Pflanze informiert habe. Den Informationen und Beratungen in den meisten Baumschulen oder Gärtnereien traue ich nicht.
Ich habe schon zu viel schlechte Beratung erlebt. Und dann sehe ich in meiner Literatur und im Internet, wie groß z.B. ein Nussbaum, eine Zeder, ein Mammutbaum usw. wird und wie schnell er wächst.Wenn ich viel Platz habe, kann ich genügend Abstand halten, habe ich einen kleinen Garten, muss ich mich einige Jahre erfreuen und notfalls später auslichten oder absägen. Ich habe auch schon manche Pflanze vermeintlich zu dicht gepflanzt und dann kam die Wühlmaus, das Reh, die Trockenheit oder der falsche Standort und die Planung wurde völlig über den Haufen geworfen. Also ich brauche nicht die Angabe des Kronendurchmessers, aber angeben kann man ihn natürlich.

Am besten ist immer, man informiert sich selbst, das ist meine Erfahrung .


Viele Grüße ins Burgund und nen schönen Fußballabend


Wolfgang

P.S. Ich hoffe, ich habe deine Fragestellung richtig verstanden.

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Cryptomera, Hallo Moderatoren, Hallo alle andern
Genau um die, die nur einige hundert Quadratmeter Garten haben, geht es. Wenn die sich im vorhinein problemlos in den Baumlisten über den zu erwartenden Kronendurchmesser und die Wurzelausbreitung informieren könnten, dann müssten sie nicht nach 10 Jahren feststellen, dass der über alles geliebte und nun endlich die ersten Früchte tragende Walnussbaum umgesägt werden muss, weil seine Wurzeln die Terasse in eine Buckelpiste verwandeln, die armdicken Aeste sein Hausdach einzudrücken drohen und sein Blätterdach die ebenfalls geliebten Magnolien aus Lichtmangel verkümmern lässt. Auch ich mit meinem etwas grösseren Land würde
es fast nicht übers Herz bringen, meinen "sandalenblättrigen" Nussbaum zu killen, nur weil ich ihn aufgrund fehlender und falscher Angaben in zweifelhaften Quellen zu nahe ans Haus (5,60 m) und zu nahe zwischen zwei andere Nussbäume (8 m) gepflanzt habe.
Diese 2 zusätzlichen Angaben, Kronendurchmesser und Wurzelausbreitung, würden meiner Ansicht nach dem Pflanzer wichtige Hinweise geben. Man würde damit sogar Pionierarbeit leisten.
Denkt bitte mindestens 5 Minuten über diesen Vorschlag nach und verwerft ihn erst dann, aus welchen Gründen auch immer.
mfG
Kurt, die Nervensäge

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Du hast völlig recht, kurt.

Nur ich habe das Gefühl, vor allem wenn ich diese buntbebilderten Baumschulkataloge betrachte, die wollen alle möglichst viel verkaufen. In vielen dieser Kataloge sind die Endgrößen total heruntergespielt und stimmen mit der wirklichen Größe später überhaupt nicht überein.
Deswegen schaue ich mir die Bäume in meinen Büchern an, wenn sie ausgewachsen sind. Dann weiß ich, dass 5,6o m vom Haus bei einem Nussbaum niemals ausreicht, zumal er wächst wie eine Rakete. Ich musste meinen auch runtersägen, allerdings hatte ich ihn auch nicht gepflanzt. Er stand schon als ich das Haus 1983 kaufte.
Mit den kleinen Gärten wollte ich folgendes sagen. Wenn du pflanzt und berücksichtigst den Endkronendurchmesser, dann kannst du einen oder zwei Bäume pflanzen und einige werden dann sagen, wie sieht denn der Garten aus. Damit das ganze" Ambiente " wirkt, wird am Anfang oft zu dicht gepflanzt, wenn ganz klein gepflanzt wird, weil noch erschwinglich.
Und dann gefällt einiges und die Beratung ist mangelhaft und dann sind die Probleme nach 20 Jahren da.

Wie oft siehst du Zedern, Kiefern usw. 1 m vom Haus entfernt. Entweder die Beratung war schlecht oder die Pflanzer haben sich überhaupt nicht informiert, dann nützt aber auch die Angabe des späteren Kronendurchmessers nichts.

Vielleicht liege ich auch ganz falsch????


Wolfgang

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Cryptomera,
Ich bin gerade zurück vom abendlichen Kontrollgang mit Saba. Danke für die prompte Stellungnahme.
- Wo soll sich der Laie denn informieren? Selbst in den Baumlisten steht bei "Walnussbaum": meist breitkroniger Baum. Jetzt weiss er es aber. Dem einen bedeutet das 4 m, dem andern vielleicht 14 m, was der Realität wohl näher kommt.
- Natürlich soll er bei Neupflanzung dichter pflanzen, aber nicht die grossen Solitärbäume, sondern irgendwelches vorläufiges Füllmaterial, wegen des Ambiente, völlig richtig.
Ich bin ja auch vor 10 Jahren als blutiger Laie hierhergekommen und habe vieles falsch gemacht, aber dass die Walnussbäume eventuell kastriert oder gefällt werde müssen, schmerzt mich sehr. Verlässliche Angaben habe ich gesucht, aber nicht gefunden. Dem könnte mit meinem Vorschlag abgeholfen werden, vorausgesetzt, er findet die kompetenten Seiten.
Na ja, vielleicht bin ich zu blauäugig.

Gruss an alle
Kurt

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo kurt

du hast natürlich recht, sich genau zu informieren ist nicht so einfach. Ich liebe Bücher, habe sehr viele und kann fast alles nachschauen.Aber blutiger Laie oder blauäugig war ich genau wie viele andere. Nach 30 Jahren intensivem Pflanzen oder beschäftigen mit denselben lernt man dazu und macht dann weniger Fehler. Ich muss gestehen, es dauert ziemlich lange bis man sich durchgekämpft hat und ein bisschen Ahnung hat von allem. Ich habe am Anfang auch viel zu dicht gepflanzt und bin heute jedes Jahr im Winter am Sägen. Leider! Aber heute schaue ich auch im Internet nach z.B. bei www.esveln.nl und finde doch oft passable Fotos , die mir auch weiterhelfen,.Also seit es Internet gibt braucht man nicht so viele Literatur zu Hause.

Drückst du heute abend den Franzosen die Daumen? Hast du eigentlich viel Kontakt zu einheimischen Franzosen oder triffst du dich mehr mit " Zugereisten " die in Frankreich gekauft haben.????

Einen schönen Fußballabend, es könnte nochmal spannend werden!!


Wolfgang

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Crypto,
Habe deine Nachricht erhalten, aber keine Zeit, dir zu antworten, das Spiel geht gleich weiter. Bis später.

Kurt

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Es steht schon 1:0

Viel Spaß noch!

Wolfgang

Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

moin moin kurt

nach den Angaben in den Baumschulkatalogen sollte man wirklich nicht gehen...
Ich verwende sehr gern die Bücher der BdB Handbuch-Reihe, allerdings sind da acuch keine direkten Breitenmaße zu finden.
In Sachen Wurzeln sollte man davon ausgehen, daß der Wurzelteller in der Regel mindestens so breit wie die Krone des Baumes ist. Schon allein um den Baum standfest zu halten.

Viele Grüße

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Crypto und Harztroll,
Um das Dach mache ich mir die wenigsten Sorgen. Die Dachtraufe ist nur 3 m über dem Boden und die Dachsteigung Richtung Giebel ist nur etwa 35 Grad. Mal einen Ast kürzen ist kein Problem. Normalerweise kappe ich an allen Bäumen die Aeste bis auf ca. 2 m Stammhöhe, damit ich darunter durchgehen kann, ohne dass meine Frau mir nachher die Blutungen am Kopf stillen oder Kopfwehtabletten kaufen muss. Es sind die Wurzeln, die mir ein bischen Angst machen. Der Dachtraufe entlang habe ich schon einen ca. 20 cm tiefen Graben gezogen, damit das Regenwasser gut abfliessen kann. Kann ich die Wurzelausbreitung in Richtung Haus stoppen, wenn ich den Graben vertiefe? Wie tief? Die Nussbäume haben für ihre Wurzeln nach der Hausseite ja immer noch 3,50 m. Schadet das dem Baum oder kompensiert er dann nach der anderen Seite? Dort hat er unendlichen Platz.
Danke für eure Geduld.
Kurt

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo kurt

grabe doch einfach mal ein bisschen tiefer. Stößt du da überhaupt schon auf Wurzeln deines Walnussbaumes. Ich würde mir nicht zu viele Sorgen machen. Eventl. 50 cm Tiefe und dann geschaut wie das Wurzelwerk aussieht. Es gibt speziell für Bambus, weil die Wurzeln sich ungeheuer ausbreiten sog. Wurzelsperren, so etwas könnte man auch einziehen. Es kommt auch darauf an, hast du Betonfundament oder Bruchsteine. Bei Beton würde ich mir keine Sorgen machen. Die Oberflächenwurzeln heben die Gehwege oder sprengen den Asphalt aber in ein Betonfundament ?? Glaube ich nicht. Hier stehen auch viele 50 -jährige Bäume rund um die Häuser, ich habe an den Fundamenten noch nie Schäden entdeckt, nur in den Abwasserrohren außerhalb.


An Bruchsteinmauern habe ich auch schon Schäden gesehen, aber nicht an Fundamenten.



Viele Grüße

Wolfgang

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