seltsamer Eschen - Ahorn

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Harry
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seltsamer Eschen - Ahorn

Beitrag von Harry »

Hallo Baumfreunde,

in der Nähe meines Wohnortes steht ein jüngerer Eschen - Ahorn der offensichtlich eine Abnormität aufweist.

Während der Hauptast ein ganz normales Wachstum mit normalen Bättern zeigt, sehen hingegen 3 Seitenäste vollig anders aus. Die Blätter sind um einiges kleiner und zweifarbig. Ich weiß zwar das es solch panaschiertblättrigen Zuchtformen gibt aber die beiden Blattformen an einem Baum sind mir so noch nie begegnet. Auffällig ist auch das die zweifarbig beblätterten Äste steril sind. Kein einziger Fruchtstand ist dort auszumachen, während der normal ausgebildete Hauptast reichlich Fruchtstände trägt. Auffällig ist auch der starke Flechtenbesatz der buntblättrigen Äste. Der Hauptast ist vollkommen sauben. Hier mal ein paar Fotos:

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hat jemand eine Ahnung durch was diese Mutation entsteht? Würde mich brennend interessieren.

Gruß
Harry
dass man immer noch lernen kann ist herrlich- und auch, dass man andere dazu braucht.

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallo Harry!

Das ist sooo ungewöhnlich nicht...
Du hast da ziemlich sicher einen ehemaligen Acer negundo " Flamingo" vor der Flinte gehabt, von dem ein Ast in die Urform zurück schlug. Aufgrund seiner grünen und damit besser zur Assimilation befähigten Blätter überholt er den buntblättrigen Teil bald und übernimmt die Führung, der bunte Teil stirbt in aller Regel irgendwann komplett ab...
So einen Fall hatte ich auch mal an einem Ficus benjamina " Starlight"... Diese Sorte ist ja ebenfalls weiß panaschiert, und eines Tages bildete sich am Ansatz der untersten Äste ein grüner Zweig, den ich als farblichen Gegenpart stehen ließ.
In der Zeit dann, in der der bunte Hauptbaum 6 cm an Höhe gewann, wuchs der grüne Ast um 25 cm. Gleichzeitig begann der bunte Teil erheblich abzubauen, weil alle Power in den grünen Trieb ging, den ich dann schlußendlich senkrecht hochband, und so den umgekehrten Baum hatte, grün mit ein paar bunten Zweigen am Stammgrund...

Ansonsten habe ich selbst einen inzwischen knapp viereinhalb Meter hohen Acer negundo " Flamingo" im Garten zu stehen, und an ihm entdecke ich eigentlich jedes Jahr ein bis zwei reingrüne Austriebe, die sich besonders im Frühjahr beim Blattaustrieb hervor heben, weil sie erheblich größere und natürlich dunklere Blätter bilden, als der bunte Teil des Baumes.
Diese zwicke ich gleich beim Austrieb ab, zum einen, damit sie nicht die Vorderhand gewinnen, zum anderen heilen die so entstandenen Wunden noch im selben Jahr, im Gegensatz zu mehreren Jahren, wenn ich sie erst als stärkeren Zweig/ Ast abnehmen würde.

Acher negundo " Flamingo" ist eine weibliche Sorte, die nur unter sehr guten Standortbedingungen fruchtet, und auch hier ist der grüne Part im Vorteil, weil er mit den voll grünen Blättern den Trumpf auf seiner Seite hat.
Solltest du Ambitionen haben, den bunten Teil des Baumes zu retten, so nehme den grünen Teil kräftig zurück... Eventuell nicht alles auf einmal, sondern im Laufe von etwas zwei/ drei Jahren.

Echte Mutanten hingegen wären panaschierte Sämlinge, nach denen ich als Panaschierten- Fan natürlich jedes Jahr zur Keimzeit lechzend suche...
Diese sind äußerst selten, man sagt, auf 10.000 grüne Sämlinge kommt ein panaschierter...
Dieses Jahr hatte ich das Riesenglück, einen solchen panaschierten Eschenahornsämling zu finden, einen echten Mutanten also... Acer negundo sind dies Jahr ganz gut gekeimt hier in Berlin, und von all den vielen Hunderten Sämlingen schlug nur dieser eine aus dem Rahmen...
Er ist im Neutrieb wunderbar gelb panaschiert, mit wechselnd großen chlorophylllosen Flächen, später werden die gelben Flächen weiß. Den kurzen habe ich mit Keimblättern und primären Laubblättern Anfang Mai gefunden, ihn dann zuhause in Komposthumus gesetzt, und nun ist der Kleine schon 21 cm hoch, und wächst noch!
Ein wunderschönes Exemplar, Bild folgt noch ^^!

Grüße, Andreas

Harry
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Danke Andreas

Beitrag von Harry »

Hallo Andreas,

vielen Dank für deine interessanten Ausführungen. Wieder was dazugelernt. :D

Retten will ich allerdings den gefärbten Teil des Baumes nicht. Er steht nicht auf meinem Grundstück und warscheinlich hätte der Besitzer kein Verständnis dafür wenn ich an dem Dingens rumschnippele.



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Gruß
Harry
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Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Harry.

ich würde mit dem Grundstückseigentümer doch mal reden, schließlich hat er die panaschierte Form gepflanzt und sie hat ihm damals gefallen. Vielleicht würde er sie gerne erhalten, hat aber überhaupt keine Ahnung.....
Vielleicht ist er sogar froh, wenn du ihm einen Tipp gibst.
Ich habe übrigens auch schon oft dein beschriebenes Phänomen gesehen.

Viele Grüße

Cryptomeria

Cryptomeria
Beiträge: 9538
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Beitrag von Cryptomeria »

da fällt mir noch ein kurzer Nachtrag ein:

noch kurioser ( finde ich) sieht die Zuckerhutfichte ( Picea glauca Conica ) aus, die in vielen Vorgärten gepflanzt ist ( nicht mein Geschmack, egal )
und manchmal schlägt auch da ein Zweig in die Urform zurück, d. h. ein schnellwüchsiger Zweig der Schimmel-Fichte wächst dann oben weiter, wer das nicht kennt, wundert sich auch sehr.


Viele Grüße aus der Nähe von Marburg


Cryptomeria

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Ja, gut, das die zur Sprache kommt...

Ich bin interessehalber nämlich gerade dabei, eine kleine Erhebung zu machen, wieviele " Rückschläger" auf wieviele Nicht- Rückschläger kommen, um daraus eventuell eine kleine Statistik zu erstellen...

Ich notiere jedwede Zuckerhutfichte, die ich sehe, seit etwa zwei Wochen, und bin vorläufig auf folgendes zu Ungunsten der Rückschläger gehendes Ergebnis gekommen:
Normale Zuckerhutfichten: 69
Rückschlagende Fichten: 11

Dazu notiere ich mir die Größe der revoluzzerhaften Zuckerhutfichte, um eventuell " besonders anfällige Altersstufen" auszumachen. Hier geht die Bandbreite von ganz jungen, kaum halbmeterhohem Exemplaren bis zu 250 cm hohen Trummen, wobei die Hauptmenge bei etwa 100- 180 cm hohen Exemplaren zu finden ist, kein Wunder, diese Größe macht ja auch die Hauptmasse der Zuckerhutfichten aus...

Grüße, Andreas

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Andreas

das ist aber ein hoher Anteil. Das hätte ich nicht vermutet. Mir sind bei der Autofahrt an den Vorgärten vorbei 2/3 Rückschläge in meinem Umkreis aufgefallen, da waren die Zweige auch schon bestimmt 1 bis 1,5 m rausgewachsen. Bei den vielen Zuckerhutfichten, die hier herumsitzen, ist das natürlich wenig, aber beim schnellen Vorbeifahren übersieht man natürlich auch einiges. Meine Zuckerhutfichten waren so ca. 1 bis 1,5 m hoch.


Viele Grüße


Wolfgang

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