Kastanienminiermotte auf Ahorn

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ApachePine
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Kastanienminiermotte auf Ahorn

Beitrag von ApachePine »

Habe es schön gehört aber jetzt lese ich es auch auf wikipedie :cry:

"In besonderen Fällen, beispielsweise bei starker Vermehrung, kann es zum Wirtswechsel kommen. Die Schädlinge sind schon an Berg- und Spitzahorn beobachtet worden."

http://de.wikipedia.org/wiki/Rosskastanienminiermotte

Auch auf anderen Kastanienarten kommt sie vor jedoch nicht so zahlreich wie auf der weißblühenden da die larven absterben. Aber früher oder späterwerden sich die wahrscheinlich anpassen. Meistens sind Schädlinge anpassungsfähiger und ressistenter - ist mir aufgefallen, oder irre ich mich da ?
In Polen gibt es sogar in manchen Regionen ein Pflanzungsverbot von Ahorn und der Weißblühenden Rosskastanie ob es andere Sorten betrifft dass weiß ich nicht. Das schlimme daran ist ja dass es fast gar keine natürlichen Feinde gibt und wenn dann haben die sich noch nicht auf die Viecher spezialisiert. Hoffentlich wird uns bald der Anblick erspart bleiben kahle Kastanienbäume schon Ende Sommer zu sehen. :?

Was sagt ihr dazu ?

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy David!

Och, die Meisen, vor allem die kleineren Arten, haben sich die Motte schon gut als Nahrungsquelle erschlossen, fressen natürlich aber nur den Tropfen auf den heißen Stein, sozusagen.
Wie die Sache mit den Schlupfwespen gerät, die speziell an die Kastanienmotten gehen sollen, muß sich zeigen.

Ansonsten muß ich aber nun zum Saisonschluß resümieren, die Kastanien hier in Berlin sind dieses Jahr ganz glimpflich davon gekommen. Bis weit in den Juni hinein waren sie nahezu befallsfrei, erst gegen Juli/ August zeigten einige Bäume vermehrten Befall, der aber bei weitem nicht so horrend war wie in manchen Vorjahren, wo viele Bäume teils schon im Juli braun waren...
Ganz abgelegen stehende Kastanien, wie etwa wild gewachsene Sämlinge in Wäldern etc., blieben teils ganz und gar von den Motten verschont, was es in den Vorjahren auch nicht mehr gab.

Schieben tue ich das auf die Temperaturen im letzten Winter, die knapp eine Woche lang nachts an - 20 Grad heranreichten, und welche den Motten scheinbar nicht geschmeckt haben.

Ich sage immer, Das Leben findet einen Weg, früher oder später ;)!
Auch wenn Frost kein Leben ist, ich weiß.

Grüße, Andreas

ApachePine
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Beitrag von ApachePine »

Ja stimmt die viecher halten die hohen minustemperaturen nicht aus :D Aber viele überwintern ja auch unter dem Laub (also unter diesen laubhaufen)
Die Meisen beginnen zwar die Larven als feste Nahrungsquelle zu erschliessen aber bis es soweit ist vergeht noch etwas Zeit, was natürlich auch die Schlupfwespe betrifft aber langsam wird es wieder.
Hier in Wien sind schon viele Bäume seit langem kahl :cry: auch kleine Sämlinge waren dieses jahr auch betroffen. Sogar eine Rotblühende war sehr davon betroffen. Aber Kastanien gab es in Hülle und Fülle was mich eigentlich wundert da die Motte den Baum ja schwächt?

Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

david k. hat geschrieben:Aber Kastanien gab es in Hülle und Fülle was mich eigentlich wundert da die Motte den Baum ja schwächt?
Teils reagieren Pflanzen mit einer Notblüte auf bestimmte negative Einflüsse. Obs hier so ist, oder ob sie auch einfach ein Mastjahr haben wie die Ebereschen in diesem Jahr, vermag ich nicht zu sagen.
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

im letzten Jahr konnte man feststellen, dass die Rosskastanien im November nochmals blühten. Wohl auch eine Reaktion auf den Befall. Aber dieses Jahr war es hier auch nicht so schlimm wie in den Jahren davor. Vielleicht haben ja die Marienkäfer die Mottenlarven gefressen ;-)

Die beste Lösung, die Motten zu bekämpfen, ist leider wegen der Faulheit der Leute nicht umsetzbar. Man müsste nämlich TÄGLICH das Laub zusammenrechen, in Plastiksäcke füllen, gut verschließen und zu einer Verbrennungsanlage bringen. Im am Boden liegenden Laub sollen sich nämlich eine zweite und evtl. dritte Generation entwickeln. Vor allem die letzte, die überwintert, müsste man konsequent vernichten.

Ich bin auch nicht überzeugt, dass harte Winter die Motten dezimieren. Im Gegenteil: Ein Winter mit sehr wechselhaften Temperaturen ist viel wirksamer. Wenn es warme Tage gibt, die dem Insekt vorgaukeln, der Frühling sei da, kommen sie heraus, vergeuden Kraftreserven und werden evtl. auch vom schnellen Temperaturabfall erwischt. Früher hatten wir im Rheintal extreme Mückenplagen, am schlimmsten aber nach sehr kaltem Winter.

So lange es aber viele Leute gibt, die am liebsten alle Sch...bäume umhauen würden, damit sie beim Kehrdienst kein Laub zusammen fegen und entsorgen müssen, ist diese Methode reine Illusion.

Hoffen wir also auf Meisen und Schlupfwespen. Bloß kein Gift, da das bestenfalls die Feinde der Motten tötet.

Gruß Frank

ApachePine
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Beitrag von ApachePine »

Hallo Frank

ja leider hast du da recht.....
Dass die Bäume im November blühen und neu austreiben habe ich auch schon öfters gesehen.
Deine Meinung zum wechselhaftem Winter hat micht überzeugt :wink: der ist wahrscheinlich besser aber hohe minustemperaturen über eine längere Zeit sind auch wichtig.
Wie schon gesagt wurde bleibt uns nur die Hoffnung auf Meisen und Schlupfwespen.

biloba
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Beitrag von biloba »

Dank Miniermotte gibt es ein solches Foto: Frucht und Blüten an demselben Ast!

Bild

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Zwischen heimischen Mücken und den Motten gibt es aber einen erhebichen Unterschied, nämlich die Herkunft und Anpassung an lange kalte Winter, sowie auch die Exponiertheit.
Mücken überwintern stets gut geschützt in Kellern, Wasserwerken, Baumhöhlen, sonstigem, sind also dem Wetter niemals direkt ausgesetztm sowie seit Jahrtausenden daran angepasst.
Die Motten hingegen stammen mutmaßlich vom Balkan, also aus nicht sooo frostigem Klima, und sind dem Wetter direkt ausgesetzt, so daß solche Kaltperioden wie letzthin denen schon und verständlicherweise etwas mehr an den Kragen gehen, als Mücken.

Grüße, Andreas

Hinrich
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Re: Kastanienminiermotte auf Ahorn

Beitrag von Hinrich »

david k. hat geschrieben:"In besonderen Fällen, beispielsweise bei starker Vermehrung, kann es zum Wirtswechsel kommen. Die Schädlinge sind schon an Berg- und Spitzahorn beobachtet worden."
Konnte ich noch nicht beobachten. Allerdings konnte ich den Befall von Winterlinden feststellen, wenngleich die Bäume nur hälftig auf der jeweils zur Kastanie gewandten Seite befallen waren.

Sinnvoll ist es m. E. die Kastanien zu schützen. Bei einzelnen Bäumen bieten sich Fallen mit Lockstoffen sowie die vollständige Entfernung des abgefallenen Laubes an (verbrennen, Kompostieren reicht nicht). Bei größeren Beständen in Siedlungsgebieten kann ein bestimmtes biologisches Öl in die Krone mit Hilfe einer Nebelspritze gegeben werden. Das Öl hat auf die Larven einen ähnlichen Effekt wie auf die Larven von Mücken, wenn man Diesel in ein stehendes Gewässer kippt (wurde vor 70 bis 100 Jahren gerne genutzt). Bei größeren kommerziellen Beständen, etwa Baumschulen, kann auch eine gute Schutzwirkung mit Pflanzenschutzmitteln erreicht werden.

Hinrich

stefanie_02
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Beitrag von stefanie_02 »

Angeblich kriechen die Larven nach dem Winter den Stamm hoch.

Kann mir jemand von Euch bitte sagen, ob das stimmen mag?

Und, wenn ja, hat jemand Erfahrungen oder Ideen bezüglich irgendeiner Art von Kleber, mit dem man den Stamm einsprühen oder anmalen kann? Es muß ja nicht hübsch aussehen, es soll nur die Motten erwischen.

Letztes Jahr habe ich mir Leimbänder vorschnacken lassen - die taugen überhaupt nichts.

Was übrigens Pheromonfallen betrifft, die verwende ich seit Jahren. Ich fange damit auch sehr viele Motten, besser aussehen tun meine Kastanien im Vergleich zu anderen dennoch nicht.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Die Larven/ Puppen überwintern im Falllaub, und schlüpfen im Frühjahr. Die Falter befallen dann die Bäume neu.

Irgendwelche Schutze am Stamm bringen also leider gar nichts, sondern wirklich nur das Vernichten des Falllaubes, wobei man natürlich wurschteln kann wie ein Irrer, und dennoch braune Kastanien hat, weil es den Leuten ringsum oder der Stadt egal ist, und die das Laub nur mangelhaft beräumen...

Es ist quasi ein Kampf gegen Windmühlenflügel, dem man langfristig nur durch Auslese resistenter Sorten begegnen kann. Was auch durchaus Zukunft hat, denn ich kenne mehrere Altbäume, etwa 12 km entfernt in einem anderen Bezirk, die jährlich kaum Befall aufweisen und bis in den Herbst hinein grün und gut kronenvoll belaubt sind.
Eine nur 20 m daneben stehende, junge Kastanie (also eine ganz anderer Herkunft) ist dafür immer umso stärker befallen und bereits im Juli/ August komplett braun.
Es gibt also durchaus ziemlich resistente Bäume, und hier wären dann die Baumschulen in der Pflicht, landesweit genau solche Bäume ausfindig zu machen und vorrangig in die Vermehrung zu nehmen!
Anders ist den Motten nicht beizukommen, und alles wie gesagt völlig zwecklos...

Grüße, Andreas

ApachePine
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Beitrag von ApachePine »

Kiefer hat geschrieben:...Eine nur 20 m daneben stehende, junge Kastanie (also eine ganz anderer Herkunft) ist dafür immer umso stärker befallen und bereits im Juli/ August komplett braun.
Es gibt also durchaus ziemlich resistente Bäume, und hier wären dann die Baumschulen in der Pflicht, landesweit genau solche Bäume ausfindig zu machen und vorrangig in die Vermehrung zu nehmen!
Anders ist den Motten nicht beizukommen, und alles wie gesagt völlig zwecklos...

Grüße, Andreas
Genau das habe ich auch beobachtet. Dachte aber das an diesem Baum der Befall einfach nicht so stark sei.

stefanie_02
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Beitrag von stefanie_02 »

Vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Julius Kühn-Institut, habe ich jetzt die Antwort, daß es für die Verwendung im öffentlichen Grün kein zugelassenes Mittel gibt. Für Baumschulen sind NeemAzal-T/S und Runner nach § 18a genehmigt. Confidor wirkt zwar sehr gut, die Firma interessiert sich aber nicht für eine Weiterentwicklung.
Am besten sei immer noch, das Laub bis Anfang April wegzuräumen.

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler »

Mich wundert, warum man sich um eine nicht heimische Baumart, wie die Rosskastanie so viel Kopfzerbrechen macht, und andere eingebürgerte Baumarten so verteufelt. (Robinie :roll: ) An der Blüte kanns nicht liegen.
Ich vermute, dass es im ursprünglichen Herkunftsgebiet der Rosskastanie natürliche Feinde für die Miniermotte gibt, und das Problem in Mitteleuropa nur deshalb entstanden ist, weil diese natürlichen Feinde nicht mitgewandert sind.

Gruß
Hannes

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Hannes,
Mostviertler hat geschrieben:Ich vermute, dass es im ursprünglichen Herkunftsgebiet der Rosskastanie natürliche Feinde für die Miniermotte gibt, und das Problem in Mitteleuropa nur deshalb entstanden ist, weil diese natürlichen Feinde nicht mitgewandert sind.
erstmal ja.

Es wird aber schon von Meisen berichtet, die inzwischen gelernt haben, was es in den Flecken auf Kastanienblättern zu vernaschen gibt.Passende Schlupfwespen sollen es auch schon über die Alpen geschafft haben. Für die Kastanien, die bis heute überlebt haben, sieht es also gut aus.

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