Von der Mär, das Götterbäume...

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Kiefer
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Von der Mär, das Götterbäume...

Beitrag von Kiefer » 16 Okt 2009, 15:56

... nur im unmittelbaren Siedlungsbereich gedeihen, und sich nicht weit von Häusern forttrauen...

Hallo!

Gestern war ich auf der Suche nach Brombeerlaub für meine Gespentschrecken, als ich mitten in der Berliner Jungfernheide diesen jungen Götterbaum fand.

Bild

Entschuldigt die schlechte Bildquali, aber es war schon arg dämmerig, und ich habe es mittels Bildbearbeitung etwas aufgehellt.
Jedenfalls steht dieser kleine Götterbaum mitten in einem alten, natürlichen Forstgebiet, das nächste dauerhaft bewohnte und beheizte Haus steht mindestens 600 m entfernt, und es verlaufen auch keine Heizungsrohre etc. unter ihm entlang.
Auch ist zu sehen, daß er nicht besonders sonnenexponiert steht, eher im Gegenteil. Ich habe nach Westen fotografiert, die Eiche links neben ihm steht also "im Süden"...

So, was ist da nun davon zu halten, daß der Götterbaum sich nicht weiter als im nahen Außenbereich von Siedlungen blicken lässt, und das er auf die Wärmeinseln von Häuserschluchten etc. angewiesen ist?

Selbst die -18 Grad letzten Winter hat der Kleine da mitten in der Pampa überlebt, und ich hoffe wirklich, daß er fürs erste stehen gelassen wird, um zu sehen, wie er sich da als quasi Bestandteil der Waldgesellschaft macht, welcher Standort ja hierzulande für Götterbäume noch ein absolutes Novum ist...

Was denkt ihr nun dazu?
Passen sich die Götterbäume langsam unserem Klima an, so daß sie nicht mehr ausschließlich im unmittelbaren Umfeld oder mitten in Siedlungen gedeihen können, sondern auch wirklich "draußen" in der Natur, oder liegts an den höher steigenden Durchschnittstemperaturen?

Grüße, Andreas

PS: Es ist wirklich ein A. altissima, habe den Schnüffeltest gemacht, und ja, das Laub stank ;)...

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 16 Okt 2009, 16:30

Ich würde mal sagen: Abwarten. Der "Baum" ist ist arg jung. Mal sehen, wie er die nächsten Winter übersteht.
Aber grundsätzlich setzen sich immer mehr wärmeliebende Arten durch.
Die Verwendung und Vermehrung von Samen bereits hier gewachsener Bäume ist auch hilfreich.

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 16 Okt 2009, 17:04

Wie kommst du denn darauf, dass Götterbäume wärmeliebend sind?
Ich kann mich an einige sehr kalte Winter in Berlin erinnern, als der Wannsee und sogar die Spree zugefroren waren. Es war wochenlang unter -10°C, nachts unter -20°C. (Das war in den Achzigern und Neunzigern) Die mir bekannten Götterbäume und ihre Samen haben das unbeschadet überstanden.

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 16 Okt 2009, 18:37

Ich beziehe mich da auf die Ausführungen von Kiefer, der sich auf geschützte Standorte bezieht als Grund für das Überleben von Götterbäumen.
Tatsächlich sind die Temperaturen in Großstädten wesentlich höher und die Pflanzen geschützter.

HVGeraDürrenebersdorf
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Beitrag von HVGeraDürrenebersdorf » 16 Okt 2009, 19:58

Hallo,

in der Geraer Orangerie steht auch ein größerer Götterbaum, der hat -25°C überstanden.
Liebe Grüße
Andreas Gronauer
Heimatverein Gera- Dürrenebersdorf e.V.
Hofer Straße 1a
07548 Gera- Dürrenebersdorf
Homepage: http://hvgeraduerrenebersdorf.wordpress.com/

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 16 Okt 2009, 20:57

Hallo!

Ich sage dies, weil nahezu in jedem Pamphlet über Götterbäume zu lesen steht, daß diese ausschließlich auf städtische Wärmeinseln beschränkt sind, und außerhalb des unmittelbaren Siedlungsbereich keine mehr gedeihen, weil da die Wärmeabstrahlung der Häuser, die schützenden, schluchtähnlichen Gegebenheiten von Innenhöfen fehlen etc. ... Und tatsächlich habe ich auch nie einen Götterbaum gefunden, der weiter als 200 m von den nächsten Häusern entfernt steht, und erfolgreiche Samenvermehrung erst recht nicht.

Deswegen staunte ich ganz schön, als ich diesen Sämling mitten im Walde fand, an einem für Götterbäume, die oder deren Eltern nicht vor Ort gepflanzt wurden (und das ist der Knackpunkt), wirklich ungewöhnlichen Standort.

Die Frosthärte älterer Bäume und deren Gedeihen zweifele ich ja auch gar nicht an, um diese weiß ich selber, es geht hier um die Ansiedlung weit außerhalb von "Haus und Hof".
Und ist der Kleine auch nicht so kräftig wie ein Sämling im geschützten Hausbereich, so ist er auch nicht besonders kümmerlich, deswegen der Post und meine Frage, was ihr dazu sagt, daß nun auch bereits die Samenvermehrung weitab im Walde, der Natur voll ausgesetzt, zu klappen scheint (wobei der Same sicherlich menschenverschleppt war, denn der nächste potentielle Mutterbaum steht Kilometer entfernt)...

Andreas

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Beitrag von LCV » 16 Okt 2009, 23:31

Hallo Andreas,

ich würde auch sagen, dass da irgendein dendrologisch gesehen unverantwortlicher Mensch beteiligt war. Vor zwei Jahren fand ich im Auwald einen weggeworfenen Bambus, den ich in einer Plastiktüte heimnahm und auf dem Balkon pflanzte. Im Wald hat der nichts zu suchen! Dabei haben wir sogar eine Biodeponie, wo man Laub, Baum- und Heckenschnitt, Gartenabfälle usw. abgeben kann. Hin und wieder pflanzen auch Leute ganz bewusst irgendetwas in den Wald, ohne sich über mögliche Folgen Gedanken zu machen. Ailanthus ist bei uns aber kein Problem. Er wird gern auf Supermarktparkplätzen gepflanzt und begrünt auch den einen oder anderen Maschendrahtzaun. Im Wald habe ich noch keinen entdeckt. Das hat aber wohl nichts mit dem Klima zu tun, sondern hängt von Zufällen ab. Sehr bedenklich ist dagegen die Unterwanderung der Auwälder durch meinen Lieblingsfeind Robinia pseudoacacia. Abgesehen davon machen hier auch Fallopia japonica und diverse indische Springkräuter Ärger. Letztere teils durch Imker eingeschleppt, die die Bienenweide loben.

Gruß Frank

ApachePine
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Beitrag von ApachePine » 17 Okt 2009, 01:33

Dass er den Winter überstehen wird mache ich mir eher keine Sorgen. Da mache ich mir mehr Gedanken wie es mit den Ausläufern und später mit der Verbreitung durch Samen wird

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 17 Okt 2009, 01:50

Hallo!

Nun, ich hoffe, der zuständige Förster hat da ein Auge drauf, aber zumindest für die nächsten 4- 5 Jahre wäre das Fortkommen sicherlich interessant zu beobachten.

Meint ihr also, daß nicht das Klima den Götterbaum an die Siedlungsbereiche fesselt, sondern quasi nur die mangelnde Gelegenheit zur Ausbreitung weiter ab?
Das wäre ein interessanter neuer Gedanke, da ich bis jetzt stets den städtischen Gutachten glaubte, die da meinen: "ausschließlich enger Siedlungsbereich".

Grüße, Andreas

PS: Wenn ich mir das Bild im Nachhinein ansehe, muß ich wirklich zugeben: Der Ailanthus wirkt im Kiefern- Eichenmischwald wirklich fehl am Platze, irgendwie...

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Beitrag von LCV » 17 Okt 2009, 12:06

Hallo Andreas,

da stört mich - rein optisch - ein Ailanthus weniger als diverse Ilex, obwohl die ja in unseren Wäldern verbreitet sind. Wirken auf mich wie Fremdkörper oder willkürlich angepflanzt. Zumindest hier im Süden würden die meisten Spaziergänger/Wanderer eh nicht merken, ob sich da unter Sorbus aucuparia und Fraxinus excelsior noch ein Ailanthus eingeschmuggelt hat.


Wenn es um die äußere Erscheinung geht:

Bei uns gibt es einige bewaldete Hänge zwischen den Weinbergen. Die sind in erster Linie mit verschiedenen Ahornarten, Eberesche, Esche und auch mal Pappel bewachsen. Dazwischen auch Ailanthus. Gerade wenn die Götterbäume reichlich Früchte tragen, entsteht schon so ein vorherbstlicher Eindruck. Es wirkt doch sehr farbenfroh. Wenn dieser Zauber vorbei ist, kommt die Herbstverfärbung der Acer zum Zug. Es gibt immer eine schöne Kulisse für das Stadtbild.

Wg. Ausläuferbildung haben wir schon öfters diskutiert. Die Bäume in meiner unmittelbaren Nachbarschaft bilden keine! Dagegen tritt dies extrem bei den Robinien auf.

Gruß Frank

ApachePine
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Beitrag von ApachePine » 17 Okt 2009, 13:33

In Wien gibt es den Ailanthus an jeder Ecke ein paar mal nicht nur auf der Straaße auch in den Parks. Meinst du Robinia Pseudoacacia? Bis jetzt habe ich keine Ausläufer gesehen aber wahrscheinlich weil es wenige in meiner umgebung gibt

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Beitrag von LCV » 17 Okt 2009, 13:55

Hallo David,

in den Auwäldern am Rhein ist die Robinia pseudoacacia inzwischen fast schon dominant. Man muss nur mal schauen, wieviele Bäume im Umkreis zu einer großen Robinie aus dem Boden kommen. Die verdrängen alles andere.

Die Götterbäume sind zweihäusig. Bei uns steht ein männlicher Baum, aber kein weiblicher in der Nähe. Über Samen wird es hier kaum Vermehrung geben. In einem Gelände etwas weiter weg sind einige männliche und weibliche Bäume zu finden. In deren Umgebung gibt es auch ein paar junge Bäumchen am Wegrand. Die haben sich aber definitiv ausgesät. Für Ausläufer wären 200 - 300 m denn doch etwas viel.

Der Baum hier bei uns steht eigentlich viel zu eng mit einer Tanne und einem Flieder zusammen, aber offenbar stören sie sich nicht. Ein paar m weiter steht noch eine große Tilia tomentosa in Säulenform. Alle Bäume scheinen gesund zu sein und keiner schadet den anderen. Der Ailanthus wird ständig als invasiver Baum angeprangert. Ich halte das für weniger dramatisch. Verglichen mit der Robinia ps. oder gar den Essigbäumen ist der eher harmlos. Essigbäume, Robinien und selbst Prunus cerasifera reagieren auf Schnitt oder gar Fällen mit extremer Ausläuferbildung.

Wenn man natürlich alles ungehindert wachsen lässt, wo es sich gerade aussät, erweckt das den Anschein, dass solche Bäume invasiv/aggressiv sein könnten. Wenn es aber danach ginge, müsste man hier bei uns den Bergahorn auch so sehen. Die wachsen zu tausenden, selbst in den kleinsten Ritzen zwischen Gully und Asphalt. Wenn man den Rasen nicht mähen würde, hätten wir einen Ahornwald ums Haus.

Gruß Frank

kurt
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Beitrag von kurt » 17 Okt 2009, 19:54

Seit Jahren lese ich hier von invasiven Bäumen (die man natürlich bekämpfen muss). Da wird so langsam auch mir klar, dass ich dringend etwas tun muss, um die Natur vor diesen invasiven Monstern zu retten :( Am invasivsten sind bei mir, in dieser Reihenfolge, die Stieleichen, Zitterpappeln, Erlen, Faulbäume, Weissdorne, Birken, Esskastanien. Ueberall spriessen Sämlinge. Momentan siedelt sich Quercus rubra an.
Natürlich ist Vorstehendes ironisch gemeint. Was versteht ihr unter invasiv? Sind da nur Exoten gemeint? Oder geht es auch um Einheimische, die andere Einheimische verdrängen? Eine Invasion ist linguistisch ein Eindringen in ein bisher nicht eigenes und nicht besetztes Gebiet. Oder sinngemäss so.

Gruss
Kurt

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Beitrag von LCV » 17 Okt 2009, 20:00

Hallo Kurt,

ich sehe das als Eindringen einer Art, meist durch bewusstes oder unbewusstes menschliches Zutun, die hier nicht heimisch ist, aber heimische Arten bedroht und verdrängt. Bestes Beispiel sind eben Robinien in unseren Auwäldern. Schlimmer ist das indische Springkraut, das den halben Schwarzwald erobert hat und heimische Pflanzen überwuchert. Bei Tieren z.B. der asiatische Marienkäfer.

Gruß Frank

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Beitrag von Kiefernspezi » 17 Okt 2009, 20:14

@kurt,

wenn durch Pflanzen das Nahrungsangebot der Tiere reduziert, der Unterwugs gefährdet und Landschaftsbilder zerstört werden, dann ist Eingreifen notwendig.
Leider gibt es konkrete Fälle. Und leider lassen sich invasive Pflanzen auch nur schwer zurückdrängen, denn sie besitzen meist die Eigenschaft, sich zahlreich zu vermehren und schnell zu wachsen.

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