Kälteexoten
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Kälteexoten
Hallo zusammen
Angeregt durch die Diskussion, welches Gehölz denn nun exotisch sei, frage ich, ob es denn auch "Kälteexoten" gibt, denen es in Mitteleuropa nicht kalt genug ist oder denen die Kälteperiode (Ruhephase) zu kurz ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein derartiges Gehölz schon mal im Exotenforum aufgetaucht ist.
Gruss
Kurt
Angeregt durch die Diskussion, welches Gehölz denn nun exotisch sei, frage ich, ob es denn auch "Kälteexoten" gibt, denen es in Mitteleuropa nicht kalt genug ist oder denen die Kälteperiode (Ruhephase) zu kurz ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein derartiges Gehölz schon mal im Exotenforum aufgetaucht ist.
Gruss
Kurt
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Kiefernspezi
- Beiträge: 8539
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Hallo!
Spontan würden mir hier Eiszeitrelikte alá Salix bicolor oder Betula nana einfallen, welche sich ja auf Standorte zurück gezogen haben, wo sie ihre geliebten, alten Bedingungen aus Eiszeiten hierzulande auch heute noch finden.
Betula nana gedeihen auch im Flachland, ich fand einmal gepflanzte Exemplare in einer aufgelassenen Bungalowsiedlung in Brandenburg, aber obwohl es offenkundig zwei verschiedene und schon ältere Sträucher waren, keinerlei Sämlinge oder Samenansatz, obwohl auf dem wüsten Gelände die orstüblichen Birkenjünglinge zuhauf gediehen...
Oder man nehme polare Weidengewächse... Hier im Flachland in botanischen Gärten verwuchern die meist völlig artuntypisch in Wuchs und Belaubung, was zeigt, daß sie die arktischen Bedingungen zum arttypischen Wuchs und auch zur Reproduktion brauchen.
Oder wie sieht es aktuell im Lande mit den Keimraten von Gehölzen/Stauden etc. aus, die Frost brauchen, um keimen zu können, wo kaum ein Winter mehr länger als zwei Wochen am Stück und vier- sechs Wochen insgesamt zweistellige Minustemperaturen hat...
Grüße, Andreas
Spontan würden mir hier Eiszeitrelikte alá Salix bicolor oder Betula nana einfallen, welche sich ja auf Standorte zurück gezogen haben, wo sie ihre geliebten, alten Bedingungen aus Eiszeiten hierzulande auch heute noch finden.
Betula nana gedeihen auch im Flachland, ich fand einmal gepflanzte Exemplare in einer aufgelassenen Bungalowsiedlung in Brandenburg, aber obwohl es offenkundig zwei verschiedene und schon ältere Sträucher waren, keinerlei Sämlinge oder Samenansatz, obwohl auf dem wüsten Gelände die orstüblichen Birkenjünglinge zuhauf gediehen...
Oder man nehme polare Weidengewächse... Hier im Flachland in botanischen Gärten verwuchern die meist völlig artuntypisch in Wuchs und Belaubung, was zeigt, daß sie die arktischen Bedingungen zum arttypischen Wuchs und auch zur Reproduktion brauchen.
Oder wie sieht es aktuell im Lande mit den Keimraten von Gehölzen/Stauden etc. aus, die Frost brauchen, um keimen zu können, wo kaum ein Winter mehr länger als zwei Wochen am Stück und vier- sechs Wochen insgesamt zweistellige Minustemperaturen hat...
Grüße, Andreas
Zuletzt geändert von Andreas75 am 23 Sep 2009, 21:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Cryptomeria
- Beiträge: 9539
- Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
- Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge
Ich hatte einen ganz anderen "Kälteexoten", nämlich Abies sibirica. Ich dachte kein Poblem bei uns. Die Winter sind nicht so kalt.
Aber , wenn es in Sibirien taut, ist der Winter definitiv vorbei und die Pflanzen explodieren geradezu, da die Vegetationsperiode so kurz ist. Dasselbe war bei mir der Fall. Nur, Abies sibirica trieb explosionsartig im Februar beim ersten Frühlingsausbruch aus,dann folgte der erste Kälteeinbruch. Nach einigen Jahren des immer wieder Zurückfrierens war die Pflanze hin. Selbst noch Spätfröste im Juni waren einfach zu viel.
Dies zum Kälteexot aus Sibirien.
Viele Grüße
Wolfgang
Aber , wenn es in Sibirien taut, ist der Winter definitiv vorbei und die Pflanzen explodieren geradezu, da die Vegetationsperiode so kurz ist. Dasselbe war bei mir der Fall. Nur, Abies sibirica trieb explosionsartig im Februar beim ersten Frühlingsausbruch aus,dann folgte der erste Kälteeinbruch. Nach einigen Jahren des immer wieder Zurückfrierens war die Pflanze hin. Selbst noch Spätfröste im Juni waren einfach zu viel.
Dies zum Kälteexot aus Sibirien.
Viele Grüße
Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.
Hatten wir hier nicht auch einmal ein Gehölz, das im Himalaja in ziemlich großer Höhe wächst, unsere wechselhaften Winter aber nicht verträgt? Habe leider vergessen, was es genau war, aber ich erinnere mich, dass jemand das genauso erklärt hatte.
Übrigens habe ich irgendwo gelesen, dass sich die Buchen weiter nach Norden zurückziehen würden, wenn die Klimaerwärmung weiter fortschreitet.
Gruß Frank
Übrigens habe ich irgendwo gelesen, dass sich die Buchen weiter nach Norden zurückziehen würden, wenn die Klimaerwärmung weiter fortschreitet.
Gruß Frank
Unsere gesamte Vegetationszone würde sich mit fortschreitender Erwärmung in Richtung Norden aufmachen. Südlichere würden dafür hinterhergewandert kommen und ihren Platz einnehmen.
Ich hab ach sofort an diverse Krichweiden der Tundren gedacht. Wobei einige zumindest bezüglich Mitteleuropa (noch) nicht exotisch sind, solange sie in den Alpen noch Fuß fassen können. Oder man bezieht Exotisch hier ausschließlich auf die Nicht-Hochgebirgsgebiete. Wobei es sicherlich spezielle Tundrenarten geben wird.
Viele Grüße
Ich hab ach sofort an diverse Krichweiden der Tundren gedacht. Wobei einige zumindest bezüglich Mitteleuropa (noch) nicht exotisch sind, solange sie in den Alpen noch Fuß fassen können. Oder man bezieht Exotisch hier ausschließlich auf die Nicht-Hochgebirgsgebiete. Wobei es sicherlich spezielle Tundrenarten geben wird.
Viele Grüße
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -
Hallö!
Nun, was die Birken angeht, so habe ich den Eindruck schon seit einigen Jahren, daß die sich hier so langsam verpflümen...
Viele abgängige Bäume (auch gar nicht so sonderlich alte), aber kaum neuer Nachwuchs, das erledigen am selben Standort zunehmend Ulmen und Spitzahorn, unter deren Konkurrenz die wenigen doch keimenden Birken dann schnell gar nichts mehr zu melden haben.
Vielleicht stoßen B. verrucosa und pubescens schon allmählich an ihre ökologischen Grenzwerte...
Bei den Buchen wurde die Prognose des Zurückweichens doch sicher anhand von Temperatur- Isothermen berechnet, nicht? Gibt es sowas auch für Birken?
Grüße, Andreas
Nun, was die Birken angeht, so habe ich den Eindruck schon seit einigen Jahren, daß die sich hier so langsam verpflümen...
Viele abgängige Bäume (auch gar nicht so sonderlich alte), aber kaum neuer Nachwuchs, das erledigen am selben Standort zunehmend Ulmen und Spitzahorn, unter deren Konkurrenz die wenigen doch keimenden Birken dann schnell gar nichts mehr zu melden haben.
Vielleicht stoßen B. verrucosa und pubescens schon allmählich an ihre ökologischen Grenzwerte...
Bei den Buchen wurde die Prognose des Zurückweichens doch sicher anhand von Temperatur- Isothermen berechnet, nicht? Gibt es sowas auch für Birken?
Grüße, Andreas
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wolfachim_roland
- Beiträge: 5605
- Registriert: 08 Jun 2006, 08:53
- Wohnort: Solingen
- Kontaktdaten:
Im Spektrum der Wissenschaft, Mai 2005, gab es einen Artikel: Wenn Bäume Embolien bekommen.
Wesentlich fürs Überleben sind darin die Verdunstungsrate (besonders klein bei Zirben) sowie der Umgang der Bäume mit den vielen Gefrier-/Auftauzyklen, die zu Embolien führen können. Beim Gefrieren gast die Luft aus und bildet Blasen, die beim Auftauen expandieren und zur Embolie führen. So ist auch die Beobachtung von Wolfgang erklärbar.
Auch bei Trockenstress, wenn ein Ungleichgewicht zwischen Ausgasung und (Transpiration) und Nachschub entsteht, kann die Zugspannung in den Leitbahnen so groß werden, daß sich Blasen aus ausgasender Luft und Wasserdampf bilden.
Nadelbäume haben dünnere Leitgefäße, die die Entstehung von Embolien weniger fördern als die breiteren Leitgefäße der Laubbäume. Eichen z.B. sollen im Frühjahr zuerst neue Leitbahnen entwickeln bevor sie austreiben, um durch Embolien zerstörte Leitbahnen zu ersetzen.
...
Wolf
Wesentlich fürs Überleben sind darin die Verdunstungsrate (besonders klein bei Zirben) sowie der Umgang der Bäume mit den vielen Gefrier-/Auftauzyklen, die zu Embolien führen können. Beim Gefrieren gast die Luft aus und bildet Blasen, die beim Auftauen expandieren und zur Embolie führen. So ist auch die Beobachtung von Wolfgang erklärbar.
Auch bei Trockenstress, wenn ein Ungleichgewicht zwischen Ausgasung und (Transpiration) und Nachschub entsteht, kann die Zugspannung in den Leitbahnen so groß werden, daß sich Blasen aus ausgasender Luft und Wasserdampf bilden.
Nadelbäume haben dünnere Leitgefäße, die die Entstehung von Embolien weniger fördern als die breiteren Leitgefäße der Laubbäume. Eichen z.B. sollen im Frühjahr zuerst neue Leitbahnen entwickeln bevor sie austreiben, um durch Embolien zerstörte Leitbahnen zu ersetzen.
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Wolf
Wolf Roland
Das ist wieder mal typisch für die Natur. Sie lässt sich nicht so gern in ein Schema pressen. Bei Kiefer verpflümeln sich die Birken, bei mir (mehr als 1000km südlich von Berlin) vermehren sie sich wie verrückt auf dem seit fast 10 Jahren nicht mehr von mir beeinflussten Gebiet, typisch Pionier, zusammen mit den Pappeln, Erlen, Edelkastanien, Eschen, Walnussbäumen und Eichen. Allerdings sterben auch viele ältere Birken und Schwarzpappeln ab.
Was Crypto gemeldet hat, ist für mich neu und durchaus schlüssig. Wieder was gelernt.
Gruss
Kurt
Was Crypto gemeldet hat, ist für mich neu und durchaus schlüssig. Wieder was gelernt.
Gruss
Kurt